Freitagabend waren wir auf dem Sommerfest von M.s Arbeitgeber. So weit, so feuchtfröhlich.
Ein Rahmenprogramm gab es auch, absolutes Highlight war dabei ein Pärchen, bei denen ich gar nicht wußte, daß es sowas in Deutschland noch gibt. Ein Duo wie aus dem Vorprogramm einer Reinhard-Mey-Retrospektive am Geburtstag von Alice Schwarzer.
Er mit Herbert-Wehner-Gedächtnis-Brille und buntem Konsumverweigererhemd, sie mit Pluderhose und graumelierter Wuschelfrisur Marke "ich sage JA zum Klimakterium".
Beide trugen, halb gesungen, halb gesprochen, sich selbst gegleitend mit Gitarre und Konzertina, Selbstgedichtetes vor. Letzteres war sprachlich wirklich auf hohem Niveau, mit vielen gelungenen Wortspielereien. Normalerweise genieß ich sowas, aber leider war die Darbietung diesmal so derartig intellektuell überzogen und moralisierend, mal ins französische, mal ins italienische abgleitend, daß es die Sau grauste, wie man in Bayern sagt. Alle Texte durchzog ein zwar fein satirischer, aber viel zu dadaistischer Humor, alles irgendwo zwischen grottig und grotesk. Viele Zuschauer kamen dabei zwar ins Schmunzeln, wußten aber vermutlich gar nicht richtig warum.
Ich dachte wirklich, singende Sozialpädagogen, geistig irgendwo zwischen Ashram und Zirkus Roncalli herummäandernd, wären ausgestorben, säßen in Entzugskliniken oder arbeiteten bei AstroTV & Co. Aber scheinbar haben doch ein paar in den Katakomben diverser Kleinkunstbühnen überlebt, für Deutschlehrerinnen Halsketten aus Glasbausteinen gebastelt oder gegen Entgelt Tofu-Kochbücher ins Lateinische übersetzt.
Anyway, zumindest der meiner Tochter (5) hat der Auftritt gefallen.
Ich frag mich, warum.
Samstag, 28. Juni 2008
Aktuelle Kamera reloaded
Rumänische Politiker haben beschlossen, "das Volk müsse mehr gute Nachrichten zu hören und zu sehen bekommen" um das „allgemeine Klima im Land zu verbessern". Weil sie meinen, dass zu viel über Negatives berichtet wird, haben rumänische Senatoren per Gesetz die Medien dazu verdonnert, mehr gute Nachrichten zu verbreiten. Grundlage sind angebliche
"Studien, die beweisen, dass schlechte Nachrichten schädlich für die Gesundheit seien".
Wie sähen da wohl die Bild-Schlagzeilen aus, wenn Deutschland bei dem Gesetz nachzieht?
"Hurra, wir sind Vize-Europameister! -Lehmann brilliert: Nur 6 Bälle landen im deutschen Tor"
"Arbeitslosenzahl gestiegen - viele Deutsche haben wieder mehr Zeit für die Familie"
"Polkappen schmelzen - München bekommt endlich Hochseehafen" oder
"Polkappen schmelzen, Fußballfans frohlocken - Holland diesmal endgültig ausgeschieden"
Oder so ähnlich...
"Studien, die beweisen, dass schlechte Nachrichten schädlich für die Gesundheit seien".
Wie sähen da wohl die Bild-Schlagzeilen aus, wenn Deutschland bei dem Gesetz nachzieht?
"Hurra, wir sind Vize-Europameister! -Lehmann brilliert: Nur 6 Bälle landen im deutschen Tor"
"Arbeitslosenzahl gestiegen - viele Deutsche haben wieder mehr Zeit für die Familie"
"Polkappen schmelzen - München bekommt endlich Hochseehafen" oder
"Polkappen schmelzen, Fußballfans frohlocken - Holland diesmal endgültig ausgeschieden"
Oder so ähnlich...
Donnerstag, 26. Juni 2008
Liebe Tierfreunde,
ich habe eine neue Spezies entdeckt. Naja, eigentlich nicht wirklich, die Spezies gibt's schon eine Weile, und eigentlich ist sie nur in letzter Zeit verstärkt in meinen Fokus geraten, weiß der Kuckuck, warum.
Es handelt sich dabei um eine spezielle Unterart der Polohemdenträger: Die Polohemdkragenhochklapper (PoKraHoKla).
Polohemdkragenhochklapper sind im Grunde genommen Businesskasper, die ausdrücken wollen, daß sie besonders sportlich, locker und dynamisch sind. Also Freizeit-Businesskasper. Sie wollen sich den Anschein geben, als kämen sie gerade vom Tennis, Golf spielen oder Schnellboot fahren, auch wenn sie eigentlich grade nur beim Schlecker einen Packen Klopapier gekauft haben (5-lagig, mit Pfefferminzgeschmack).
Wobei das natürlich überhaupt keinen Sinn macht, denn: Was sollte es bringen, sich beim Sport den Polohemdkragen hochzuklappen? Außer vielleicht als ein sehr windiger und unbeholfener Versuch, den bleichen Nacken des Businesskaspers bei ungewohnter Bewegung an frischer Luft vor zuviel Sonne zu schützen. Einen solch arg improvisierten Sonnenschutz würde wohl tatsächlich niemand ernsthaft in Betracht ziehen. Darum geht's aber ja letztlich sowieso nicht: Ist ja sowieso nur ein "so tun, als ob".
Vielleicht sollte der hochgeschlagene Kragen ursprünglich auch gegen Zugluft schützen, wenn der Businesskasper kurz nach der Schneeschmelze schon in offenen Cabrio durch die Gegend fährt. Sinn, Zweck und Ursprung dieses absurden Trends konnten nicht abschließend geklärt werden. In Südfrankreich gefundene Höhlenzeichnungen in einer Autobahntoilette lassen aber den Schluß zu, daß bereits Ende der 70er Jahre erste PoKraHoKlas gesichtet wurden. Der verwendete Edding wurde per Radiokohlenstoffdatierung auf das Jahr 1977 zurückgeführt.
Zu 95% sieht das Ergebnis komplett albern aus, weil ja so ein Polohemdkragen primär gar nicht zum Hochklappen gedacht und daher auch nicht wie ein durchschnittlicher Hemdkragen gestärkt ist. Somit hängen erstere immer irgendwie auf halb 8. Einzige Chance, einen Polohemdkragen dauerhaft aufrecht zu halten, ist die Behandlung mit Wäschestärke, Klarlack oder schnell härtenden Klebstoffen. Für den Notfall tun es sicher auch 2-10 Zahnstocher, sieht aber noch viel alberner aus, und die Verletzungsgefahr ist recht hoch. Für langhaarigere Businesskasper empfiehlt es sich daher, den Kragen je nach Haartracht mit Gel am Haaransatz festzupappen oder irgendwie mit dem Pferdeschwanz zu verfilzen.
Erstaunlich ist, daß die breite Öffentlichkeit in ihrer Wahrnehmung scheinbar auf diesen billigen Trick hereinfällt, und den PoKraHoKla diffus als "irgendwie dynamischer" wahrnimmt als Zeitgenossen mit normalen Kragen. Noch viel erstaunlicher ist, daß man zu Prominenten, deren Erscheinungsbild man irgendwie im Hinterkopf mit hochgeschlagenen Kragen abgespeichert bzw. assoziiert hat (Leute wie Dieter Bohlen, Oliver Pocher, Howard Carpendale und andere Schlagerfuzzis), nicht ein einziges Bild im Internet findet, auf dem sie tatsächlich mit hochgeklapptem Polohemdkragen zu sehen sind. Ich hab diverse Fanpages, Google Bildersuche etc abgeklappert: nix zu finden. Also stimmt entweder unsere Wahrnehmung nicht, oder der Kragen wird schnell runtergeklappt, sobald in 50 m Umkreis um den VIP einer den Fotoapparat auspackt.
In die Jahre gekommene Polokragenhochklapper mutieren meist zu Pullover-um-die-Schultern-Leger oder sogar zu Pullover-um-die-Schultern-Leger-und-Bündchen-ineinander-Stecker (vgl. auch "Syltarschlöcher").
Aber nun zu etwas völlig anderem...
Es handelt sich dabei um eine spezielle Unterart der Polohemdenträger: Die Polohemdkragenhochklapper (PoKraHoKla).
Polohemdkragenhochklapper sind im Grunde genommen Businesskasper, die ausdrücken wollen, daß sie besonders sportlich, locker und dynamisch sind. Also Freizeit-Businesskasper. Sie wollen sich den Anschein geben, als kämen sie gerade vom Tennis, Golf spielen oder Schnellboot fahren, auch wenn sie eigentlich grade nur beim Schlecker einen Packen Klopapier gekauft haben (5-lagig, mit Pfefferminzgeschmack).
Wobei das natürlich überhaupt keinen Sinn macht, denn: Was sollte es bringen, sich beim Sport den Polohemdkragen hochzuklappen? Außer vielleicht als ein sehr windiger und unbeholfener Versuch, den bleichen Nacken des Businesskaspers bei ungewohnter Bewegung an frischer Luft vor zuviel Sonne zu schützen. Einen solch arg improvisierten Sonnenschutz würde wohl tatsächlich niemand ernsthaft in Betracht ziehen. Darum geht's aber ja letztlich sowieso nicht: Ist ja sowieso nur ein "so tun, als ob".
Vielleicht sollte der hochgeschlagene Kragen ursprünglich auch gegen Zugluft schützen, wenn der Businesskasper kurz nach der Schneeschmelze schon in offenen Cabrio durch die Gegend fährt. Sinn, Zweck und Ursprung dieses absurden Trends konnten nicht abschließend geklärt werden. In Südfrankreich gefundene Höhlenzeichnungen in einer Autobahntoilette lassen aber den Schluß zu, daß bereits Ende der 70er Jahre erste PoKraHoKlas gesichtet wurden. Der verwendete Edding wurde per Radiokohlenstoffdatierung auf das Jahr 1977 zurückgeführt.
Zu 95% sieht das Ergebnis komplett albern aus, weil ja so ein Polohemdkragen primär gar nicht zum Hochklappen gedacht und daher auch nicht wie ein durchschnittlicher Hemdkragen gestärkt ist. Somit hängen erstere immer irgendwie auf halb 8. Einzige Chance, einen Polohemdkragen dauerhaft aufrecht zu halten, ist die Behandlung mit Wäschestärke, Klarlack oder schnell härtenden Klebstoffen. Für den Notfall tun es sicher auch 2-10 Zahnstocher, sieht aber noch viel alberner aus, und die Verletzungsgefahr ist recht hoch. Für langhaarigere Businesskasper empfiehlt es sich daher, den Kragen je nach Haartracht mit Gel am Haaransatz festzupappen oder irgendwie mit dem Pferdeschwanz zu verfilzen.
Erstaunlich ist, daß die breite Öffentlichkeit in ihrer Wahrnehmung scheinbar auf diesen billigen Trick hereinfällt, und den PoKraHoKla diffus als "irgendwie dynamischer" wahrnimmt als Zeitgenossen mit normalen Kragen. Noch viel erstaunlicher ist, daß man zu Prominenten, deren Erscheinungsbild man irgendwie im Hinterkopf mit hochgeschlagenen Kragen abgespeichert bzw. assoziiert hat (Leute wie Dieter Bohlen, Oliver Pocher, Howard Carpendale und andere Schlagerfuzzis), nicht ein einziges Bild im Internet findet, auf dem sie tatsächlich mit hochgeklapptem Polohemdkragen zu sehen sind. Ich hab diverse Fanpages, Google Bildersuche etc abgeklappert: nix zu finden. Also stimmt entweder unsere Wahrnehmung nicht, oder der Kragen wird schnell runtergeklappt, sobald in 50 m Umkreis um den VIP einer den Fotoapparat auspackt.
In die Jahre gekommene Polokragenhochklapper mutieren meist zu Pullover-um-die-Schultern-Leger oder sogar zu Pullover-um-die-Schultern-Leger-und-Bündchen-ineinander-Stecker (vgl. auch "Syltarschlöcher").
Aber nun zu etwas völlig anderem...
'schlaaand !!!
Juppijey. Wir sind im Finale.
Ich freu mich. Obwohl mir ja der sonstige Fußball an der regio glutealis vorbeigeht. Aber wie das bei mir so ist: Ich freu mich mehr so innerlich. Ich mal mir keine Fahne ins Gesicht. Ich fahr nicht nächtelang hupend durch die Stadt. Ich schmeiße keine Blitzknaller vom Balkon. Aber ich freu mich trotzdem. Nur eben etwas heimlicher als der Rest. Braucht ja auch keiner zu merken. Geht ja keinen was an, daß ich mich freue.
Während ich heute also nach dem Spiel mit U-Bahn nach Hause gefahren bin, tobten, tröteten und grölten um mich rum lauter reichlich angeschickerte Deutsche oder solche, die es heute gern gewesen wären. Mir aber scheint da irgendwie das gewisse Nationalstolz-Gen zu fehlen. Aus irgendeinem Grund gibt es mir einfach kein gutes Gefühl, wenn neben mir biergeschwängerte Fans aus vollen Hals "Doitschlaaahand!" grölen. Für meine Geschmack hat das zu oft einen aggressiven Unterton, dieses "Deutschland!" klingt in meinen Ohren dann oft so, als würde der jeweilige Fan gleich mit "..., Deutschland, über alles!" weitermachen. Vielleicht bin ich da ein bißchen überempfindlich. Ich halte Nationalismus eben generell für ungesund.
Für mich hat die deutsche Mannschaft ein wichtiges Spiel gewonnen, mehr nicht. Da darf man gern auf die deutsche Mannschaft stolz sein, aber wieso man dann gleich auf ganz Deutschland im Sinne von "Volk" oder "Vaterland" o.ä. stolz sein soll, kapier ich nicht. Was haben die restlichen 82.243.989 Deutschen denn geleistet, auf das man so irrsinnig stolz sein müßte, während sich unsere Fußballmannschaft da wirklich einen abgestrampelt hat? Mir fehlt da irgendwie der Zugang.
Vielleicht liegt's ja auch einfach nur an mir, und ich bin in meiner spaßbremserischen Verklemmtheit noch viel deutscher als der Rest. Was waren doch alle nach der letzten WM froh, daß endlich auch die Deutschen mal ihre Steifheit abgeschüttelt hatten und mal genauso locker und fähnchenschwenkend abgefeiert haben wie all die andern Fanvölkchen, die wir bis dahin immer nur verschämt um ihren unbeschwert-fröhlichen Nationalstolz beneidet hatten. Trotzdem ist bei mir das Gefühl geblieben, daß "die andern" sich immer primär für ihre Mannschaften freuen und auf diese stolz sind, während für uns die deutsche Mannschaft immer stellvertretend für das ganze Volk zu spielen scheint. Wir Deutschen feiern nicht nur unsere Spieler, sondern primär uns selbst. Für uns spielen nicht zwei Mannschaften gegeneinander, sondern die "Deutschen" gegen die "Türken"o.ä. Warum das so ist? Keine Ahnung.
Wenn es Dinge wie die Nazizeit geht, erklärt man heutzutage gern, daß man sich nicht länger fremdschämen wolle für etwas, daß andere Leute zu anderer Zeit getan haben. Wenn's ums Fremdfreuen geht, z B für Fußbälle, die wir nicht selbst in fremde Tore getreten haben, sind wir weniger empfindlich. Das Mantra: Wenn der Oppa bei der SS auf Juden geschossen hat, geht mich das heut nix mehr an, was kann ich schließlich für seine Sünden? Aber wenn der Oppa bei der WM auf Tore geschossen hat, dann bin ich kackstolz, was für ein Deutscher, mit allem Drum-und-dran, Windhund, Kruppstahl und so weiter!
Vielleicht lege ich auch hier zu viel Wert auf semantische Feinheiten, alles ist nur halb so wild und im Ausland klingt's umgekehrt genau so. Aber das komische Gefühl bleibt, und Euphorie will sich nicht einstellen. Gegebenenfalls braucht es ja noch ein paar WMs, EMs, WWs und was weiß ich noch, um aus mir einen "richtigen Deutschen" zu machen. Ich bleibe dran.
Bis dahin: Güle güle, arkadaslar
Ich freu mich. Obwohl mir ja der sonstige Fußball an der regio glutealis vorbeigeht. Aber wie das bei mir so ist: Ich freu mich mehr so innerlich. Ich mal mir keine Fahne ins Gesicht. Ich fahr nicht nächtelang hupend durch die Stadt. Ich schmeiße keine Blitzknaller vom Balkon. Aber ich freu mich trotzdem. Nur eben etwas heimlicher als der Rest. Braucht ja auch keiner zu merken. Geht ja keinen was an, daß ich mich freue.
Während ich heute also nach dem Spiel mit U-Bahn nach Hause gefahren bin, tobten, tröteten und grölten um mich rum lauter reichlich angeschickerte Deutsche oder solche, die es heute gern gewesen wären. Mir aber scheint da irgendwie das gewisse Nationalstolz-Gen zu fehlen. Aus irgendeinem Grund gibt es mir einfach kein gutes Gefühl, wenn neben mir biergeschwängerte Fans aus vollen Hals "Doitschlaaahand!" grölen. Für meine Geschmack hat das zu oft einen aggressiven Unterton, dieses "Deutschland!" klingt in meinen Ohren dann oft so, als würde der jeweilige Fan gleich mit "..., Deutschland, über alles!" weitermachen. Vielleicht bin ich da ein bißchen überempfindlich. Ich halte Nationalismus eben generell für ungesund.
Für mich hat die deutsche Mannschaft ein wichtiges Spiel gewonnen, mehr nicht. Da darf man gern auf die deutsche Mannschaft stolz sein, aber wieso man dann gleich auf ganz Deutschland im Sinne von "Volk" oder "Vaterland" o.ä. stolz sein soll, kapier ich nicht. Was haben die restlichen 82.243.989 Deutschen denn geleistet, auf das man so irrsinnig stolz sein müßte, während sich unsere Fußballmannschaft da wirklich einen abgestrampelt hat? Mir fehlt da irgendwie der Zugang.
Vielleicht liegt's ja auch einfach nur an mir, und ich bin in meiner spaßbremserischen Verklemmtheit noch viel deutscher als der Rest. Was waren doch alle nach der letzten WM froh, daß endlich auch die Deutschen mal ihre Steifheit abgeschüttelt hatten und mal genauso locker und fähnchenschwenkend abgefeiert haben wie all die andern Fanvölkchen, die wir bis dahin immer nur verschämt um ihren unbeschwert-fröhlichen Nationalstolz beneidet hatten. Trotzdem ist bei mir das Gefühl geblieben, daß "die andern" sich immer primär für ihre Mannschaften freuen und auf diese stolz sind, während für uns die deutsche Mannschaft immer stellvertretend für das ganze Volk zu spielen scheint. Wir Deutschen feiern nicht nur unsere Spieler, sondern primär uns selbst. Für uns spielen nicht zwei Mannschaften gegeneinander, sondern die "Deutschen" gegen die "Türken"o.ä. Warum das so ist? Keine Ahnung.
Wenn es Dinge wie die Nazizeit geht, erklärt man heutzutage gern, daß man sich nicht länger fremdschämen wolle für etwas, daß andere Leute zu anderer Zeit getan haben. Wenn's ums Fremdfreuen geht, z B für Fußbälle, die wir nicht selbst in fremde Tore getreten haben, sind wir weniger empfindlich. Das Mantra: Wenn der Oppa bei der SS auf Juden geschossen hat, geht mich das heut nix mehr an, was kann ich schließlich für seine Sünden? Aber wenn der Oppa bei der WM auf Tore geschossen hat, dann bin ich kackstolz, was für ein Deutscher, mit allem Drum-und-dran, Windhund, Kruppstahl und so weiter!
Vielleicht lege ich auch hier zu viel Wert auf semantische Feinheiten, alles ist nur halb so wild und im Ausland klingt's umgekehrt genau so. Aber das komische Gefühl bleibt, und Euphorie will sich nicht einstellen. Gegebenenfalls braucht es ja noch ein paar WMs, EMs, WWs und was weiß ich noch, um aus mir einen "richtigen Deutschen" zu machen. Ich bleibe dran.
Bis dahin: Güle güle, arkadaslar
Dienstag, 24. Juni 2008
Jassas!
We are back. 2 Kilo schwerer, ein gutes Stück brauner und einigermaßen erholt. Unser Kind ist über seinen Schatten gesprungen und schwimmt jetzt sogar 1,2 Meter ohne Schwimmflügel, bevor sie absäuft. Trotzdem: So einen Urlaub machen wir nicht nochmal.
Der Urlaub war ja für uns eine mehrfache Premiere: zum ersten Mal Griechenland, zum ersten Mal Cluburlaub, zum ersten Mal All Inclusive. Cluburlaub mit AI - das Spießbürger-Urlaubsklischee überhaupt. Und wie sich gezeigt hat, nicht zu Unrecht. Aber von vorn.
Mein erster Eindruck von Rhodos war nicht grade positiv. Die Insel ist eine einzige gewaltige Baustelle, überall werden neue Hotels und Pensionen hochgezogen. Zusätzlich stehen überall Vollbeton-Rohbauten in der Gegend herum, die scheinbar seit Jahren auf ihre Fertigstellung warten. Und überall Müll, Müll, Müll. Man merkt schon auf den ersten Kilometern, daß diese Insel fast ausschließlich vom Tourismus lebt, mit allen negativen Nebenerscheinungen. Aber wir sind wahrscheinlich auch ein bißchen Neuseeland-verwöhnt, jedenfalls haben wir uns unsere Urlaubslaune nicht verderben lassen. Unberührte Natur und einsame Strände hatten wir ja auch nicht erwartet.
Die Hotelanlage ist sehr schön und neu, Zimmer, Pools und Service tippitoppi. Das Essen allerdings...naja, Griechenland halt. Wer auf olivenölgetränkte Speisen, schwere Soßen, Hülsenfrüchte in allen Variationen und honigtriefende Nachspeisen steht, kam hier voll auf seine Kosten. Das ganze meistens nur lauwarm serviert, laut Auskunft des Kochs essen Griechen gerne kalt. Daß in seinem Restaurant gar keine Griechen - außer vielleicht ihm selbst - verkehrten, schien ihm irgendwie entgangen zu sein.
Es kam, wie es kommen mußte: Man gewöhnt sich dran. Und wenn um einen herum lauter schwitzende Engländer in Badeshorts sitzen, bergeweise Speck, Eier und Bohnen in sich hineinschaufeln, kommt man sich mit seinem Teller Pommes und Salat eh schon wie ein Gesundheitsapostel vor.
Überhaupt war sehr auffällig, daß ca. 85% der Hotelgäste übergewichtig (ich schließ mich da mal locker mit ein), ungefähr 60% sogar schwer übergewichtig (hier schließ ich mich ausdrücklich aus) waren. 5-10% schließlich waren auf deutsch gesagt so brutal fett, daß sich nicht ohne Hilfe in die Hose oder die Treppe rauf kamen. Keine Ahnung, warum das so war und wie die Leute überhaupt auf die Insel gelangt sind. Vielleicht haben da einige die Story vom Koloss von Rhodos in den falschen Hals gekriegt.
Am schlimmsten hatte es dabei die Engländer erwischt. Nicht ein einziger war mit der drahtigen Eleganz eines Michael Caine oder dem leicht schwindsüchtig wirkenden Erscheinungsbild eines durchschnittlichen Britpoppers gesegnet. Alle britischen Gäste waren ausnahmslos und unverkennbar stramme, kurzgeschorene, stiernackige Söhne und pummelige Töchter des britischen Empire, die wirkten, als kämen sie grad vom Rugbyplatz oder vom Winston-Churchill-Lookalike-Contest.
Ich denke, der wirkliche Grund für den Untergang des antiken Griechenlands und des Britischen Weltreichs war falsche Ernährung. Es ist einfach schwer vorstellbar, daß eine Armada von Moppeln durch die Botanik segelt und reihenweise drahtige, asketische Fremdvölker unterbuttert.
Aber zurück zum Hotel.
Wie gesagt, das ganze war eine einzige Mästerei. Viel Bewegung als Ausgleich war auch nicht, bei 35-40°C im Schatten wär das nicht mal drin gewesen, wenn ich gewollt hätte. Aber zumindest Manu war jeden Tag mal für ein Stündchen Aerobic o.ä. machen. Große Ausflüge haben wir bei der Affenhitze auch verkniffen, das wollten wir unserer Tochter auch nicht zumuten. Letztendlich hab ich den ganzen Tag am bzw im Pool gelegen, mit R. Schwimmen geübt und 4 Bücher ausgelesen. Von der Insel an sich haben wir (auch das eine Premiere in unseren bisherigen Urlauben) so gut wie gar nix mitgekriegt. Viel authentisches kriegt man aber ohnehin nicht geboten, alles große Touri-Show eben. Am authentischsten war noch die allgegenwärtige, typisch südländische Verweigerung jeglicher Regeln. An Rauchverbot, Helm- und Gurtpflicht usw hielt sich kein Schwein. Direkt im Hotelshop (immerhin 4 1/2 sterne) wurde ungeniert markenpiratiges feilgeboten. Auf Rhodos ist die EU weit weg.
Kurzum: War mal eine Erfahrung, erholt haben wir uns ja auch, müssen wir aber trotzdem nicht wiederholen. Man lernt halt dazu.
PS: Eltern mit Kindern können wir das Hotel aus einem weiteren Grund nicht empfehlen: Es gibt keinen richtigen Kinderclub, keinen (Wasser-) Spielplatz o.ä., es können lediglich die Einrichtungen des Nachbarhotels mitgenutzt werden. Es gibt nur eine Kinderanimation, die sehr bemüht ist, aber mit ziemlichen Widrigkeiten zu kämpfen hat, weil sie nur spärlich ausgestattet ist und es keine Kinderstühle usw. oder entsprechende Räumlichkeiten gibt. Wir haben uns da leider auch auf die guten Holidaycheck-Bewertungen verlassen (das Hotel war 2007 unter den 100 am besten bewertetsten) und uns mehr von der angepriesenen Kinderbetreuung versprochen.
Wer nochmal unsere Holidaycheck-Bewertung lesen möchte, kann das hier tun: http://www.holidaycheck.de/hotelbewertung-Hotel+LTI+Miraluna+Village+Kinderbetreuung+Fehlanzeige-ch_hb-id_1029453.html?typ=2
Der Urlaub war ja für uns eine mehrfache Premiere: zum ersten Mal Griechenland, zum ersten Mal Cluburlaub, zum ersten Mal All Inclusive. Cluburlaub mit AI - das Spießbürger-Urlaubsklischee überhaupt. Und wie sich gezeigt hat, nicht zu Unrecht. Aber von vorn.
Mein erster Eindruck von Rhodos war nicht grade positiv. Die Insel ist eine einzige gewaltige Baustelle, überall werden neue Hotels und Pensionen hochgezogen. Zusätzlich stehen überall Vollbeton-Rohbauten in der Gegend herum, die scheinbar seit Jahren auf ihre Fertigstellung warten. Und überall Müll, Müll, Müll. Man merkt schon auf den ersten Kilometern, daß diese Insel fast ausschließlich vom Tourismus lebt, mit allen negativen Nebenerscheinungen. Aber wir sind wahrscheinlich auch ein bißchen Neuseeland-verwöhnt, jedenfalls haben wir uns unsere Urlaubslaune nicht verderben lassen. Unberührte Natur und einsame Strände hatten wir ja auch nicht erwartet.
Die Hotelanlage ist sehr schön und neu, Zimmer, Pools und Service tippitoppi. Das Essen allerdings...naja, Griechenland halt. Wer auf olivenölgetränkte Speisen, schwere Soßen, Hülsenfrüchte in allen Variationen und honigtriefende Nachspeisen steht, kam hier voll auf seine Kosten. Das ganze meistens nur lauwarm serviert, laut Auskunft des Kochs essen Griechen gerne kalt. Daß in seinem Restaurant gar keine Griechen - außer vielleicht ihm selbst - verkehrten, schien ihm irgendwie entgangen zu sein.
Es kam, wie es kommen mußte: Man gewöhnt sich dran. Und wenn um einen herum lauter schwitzende Engländer in Badeshorts sitzen, bergeweise Speck, Eier und Bohnen in sich hineinschaufeln, kommt man sich mit seinem Teller Pommes und Salat eh schon wie ein Gesundheitsapostel vor.

Überhaupt war sehr auffällig, daß ca. 85% der Hotelgäste übergewichtig (ich schließ mich da mal locker mit ein), ungefähr 60% sogar schwer übergewichtig (hier schließ ich mich ausdrücklich aus) waren. 5-10% schließlich waren auf deutsch gesagt so brutal fett, daß sich nicht ohne Hilfe in die Hose oder die Treppe rauf kamen. Keine Ahnung, warum das so war und wie die Leute überhaupt auf die Insel gelangt sind. Vielleicht haben da einige die Story vom Koloss von Rhodos in den falschen Hals gekriegt.
Am schlimmsten hatte es dabei die Engländer erwischt. Nicht ein einziger war mit der drahtigen Eleganz eines Michael Caine oder dem leicht schwindsüchtig wirkenden Erscheinungsbild eines durchschnittlichen Britpoppers gesegnet. Alle britischen Gäste waren ausnahmslos und unverkennbar stramme, kurzgeschorene, stiernackige Söhne und pummelige Töchter des britischen Empire, die wirkten, als kämen sie grad vom Rugbyplatz oder vom Winston-Churchill-Lookalike-Contest.
Ich denke, der wirkliche Grund für den Untergang des antiken Griechenlands und des Britischen Weltreichs war falsche Ernährung. Es ist einfach schwer vorstellbar, daß eine Armada von Moppeln durch die Botanik segelt und reihenweise drahtige, asketische Fremdvölker unterbuttert.
Aber zurück zum Hotel.
Wie gesagt, das ganze war eine einzige Mästerei. Viel Bewegung als Ausgleich war auch nicht, bei 35-40°C im Schatten wär das nicht mal drin gewesen, wenn ich gewollt hätte. Aber zumindest Manu war jeden Tag mal für ein Stündchen Aerobic o.ä. machen. Große Ausflüge haben wir bei der Affenhitze auch verkniffen, das wollten wir unserer Tochter auch nicht zumuten. Letztendlich hab ich den ganzen Tag am bzw im Pool gelegen, mit R. Schwimmen geübt und 4 Bücher ausgelesen. Von der Insel an sich haben wir (auch das eine Premiere in unseren bisherigen Urlauben) so gut wie gar nix mitgekriegt. Viel authentisches kriegt man aber ohnehin nicht geboten, alles große Touri-Show eben. Am authentischsten war noch die allgegenwärtige, typisch südländische Verweigerung jeglicher Regeln. An Rauchverbot, Helm- und Gurtpflicht usw hielt sich kein Schwein. Direkt im Hotelshop (immerhin 4 1/2 sterne) wurde ungeniert markenpiratiges feilgeboten. Auf Rhodos ist die EU weit weg.
Kurzum: War mal eine Erfahrung, erholt haben wir uns ja auch, müssen wir aber trotzdem nicht wiederholen. Man lernt halt dazu.
PS: Eltern mit Kindern können wir das Hotel aus einem weiteren Grund nicht empfehlen: Es gibt keinen richtigen Kinderclub, keinen (Wasser-) Spielplatz o.ä., es können lediglich die Einrichtungen des Nachbarhotels mitgenutzt werden. Es gibt nur eine Kinderanimation, die sehr bemüht ist, aber mit ziemlichen Widrigkeiten zu kämpfen hat, weil sie nur spärlich ausgestattet ist und es keine Kinderstühle usw. oder entsprechende Räumlichkeiten gibt. Wir haben uns da leider auch auf die guten Holidaycheck-Bewertungen verlassen (das Hotel war 2007 unter den 100 am besten bewertetsten) und uns mehr von der angepriesenen Kinderbetreuung versprochen.
Wer nochmal unsere Holidaycheck-Bewertung lesen möchte, kann das hier tun: http://www.holidaycheck.de/hotelbewertung-Hotel+LTI+Miraluna+Village+Kinderbetreuung+Fehlanzeige-ch_hb-id_1029453.html?typ=2
Freitag, 6. Juni 2008
Donnerstag, 5. Juni 2008
"Kali nichta"
...bescheibt keineswegs die abnehmenden Salzvorräte unter SDH, sondern heißt auf griechisch: "Gute Nacht". Das werden wir wohl demnächst öfter hören, weil wir am Samstagmorgen nämlich für 14 Tage Richtung Rhodos durchstarten. Demzufolge werde ich wohl nicht dazu kommen, hier täglich zu bloggen. Mit anderen Worten: "Michel nichta". Im Hotel gibt es zwar auch Internet, aber bei 5,-€ je halbe Stunde überleg ich mir das nochmal.
Wär aber trotzdem schön, wenn das nicht der letzte Post in diesem Blog geblieben ist, wenn ich in 2 Wochen hier wieder reinschaue, und sich hier in der Zwischenzeit ein bißchen was tut.
Ich hoffe mal, der Fußballwahn geht ein bißchen an uns vorbei, und wir kriegen nicht das Zimmer über der Sportsbar mit einzigen Farbfernseher der Anlage. Wir sind auch alle 3 echt urlaubsreif, war echt ein bißchen stressig in letzter Zeit. Nebenbei kann ich auch meine Kehlkopfentzündung auskurieren, die ich seit mittlerweile 2 Wochen mit mir rumschleppe und die mir jetzt zum 2.Mal die Stimme geraubt hat. Ziemlich hinderlich, wenn man beruflich eher eine Sprechrolle hat, vor allem, wenn der Onkel Doktor dann mal ganz unverblümt "Klappe halten" verordnet.
Bis demnächst in alter Frische,
Gruß Michel
Wär aber trotzdem schön, wenn das nicht der letzte Post in diesem Blog geblieben ist, wenn ich in 2 Wochen hier wieder reinschaue, und sich hier in der Zwischenzeit ein bißchen was tut.
Ich hoffe mal, der Fußballwahn geht ein bißchen an uns vorbei, und wir kriegen nicht das Zimmer über der Sportsbar mit einzigen Farbfernseher der Anlage. Wir sind auch alle 3 echt urlaubsreif, war echt ein bißchen stressig in letzter Zeit. Nebenbei kann ich auch meine Kehlkopfentzündung auskurieren, die ich seit mittlerweile 2 Wochen mit mir rumschleppe und die mir jetzt zum 2.Mal die Stimme geraubt hat. Ziemlich hinderlich, wenn man beruflich eher eine Sprechrolle hat, vor allem, wenn der Onkel Doktor dann mal ganz unverblümt "Klappe halten" verordnet.
Bis demnächst in alter Frische,
Gruß Michel
Dienstag, 3. Juni 2008
Geheimnisvolles Afrika
Keine Sorge, das wird jetzt keine Abhandlung über die seltsamen Paarungsriten der Pygmäen bei Vollmond.
"Geheimnisvolles Afrika" ist eine neue Sorte Lindt-Schokolade. Ich probier ja gern neue Sachen aus, welche ich meist zufällig bei meinen Streifzügen durch die heimischen Supermärkte aufspüre. Diese sind zwecks Neueinführung und Markteroberung (der Link ist jetzt nur was für die ganz Harten) ja meist verführerisch appetitlich aufgemacht und werden dazu häufig noch - je nach Produkt - von grell geschminkten Mittfünfzigerinnen in weißen Kitteln oder gelangweilten Kosmetik-Studentinnen mit Dorfdisco-Charme an häßlichen Plastik-Probierständen feilgeboten. Während wir zu kargen Studentenzeiten noch freitags in den Real gepilgert sind, um uns möglichst unauffällig von Probierstand zu Probierstand durchzufressen und dabei mal wieder richtig satt zu werden, falle ich heute nur noch selten auf solche Marken-Prostituierten herein, die mir irgendwelche Häppchen mit Bärlauchaufstrich auf 2 Wochen altem Schwarzbrot unter die Nase halten. Ich darf "Prostituierte" sagen, schließlich hab ich früher am Wochenende selber Jägermeister-Longdrinks an willige Probanden ausgeschenkt, bis sie sich gegenseitig in ihre Schultaschen gekotzt haben.
Aber ich schweife ab, zurück zu Lindt. Normalerweise habe ich zu Lindt-Schokoladen ein recht gutes Verhältnis, die hartnäckige Schwellung rund um meinen Bauchnabel zeugt davon. Aber "Geheimnisvolles Afrika" schmeckt...wie sag ich's möglichst diplomatisch...einfach Scheiße. Irgendwie nach Weihnachten, nur ohne Zimt und Nelken. Wohlweislich hat Lindt nur Kardamom als spezielle Zutat namentlich erwähnt, der Rest ist Schweigen bzw. verbirgt sich hinter dem nichtssagendem Begriff "Gewürzextrakte". Soll vermutlich heißen: Man hat etwas Nilschlamm mit Giraffenscheiße aufgekocht und danach mit reichlich Schlangengift abgeschmeckt. Geheimnisvolles Afrika halt.
Amtliches Endergebnis: Bäh! Bloß nicht kaufen.
Überhaupt steht Afrika bei den Marketingsfuzzis derzeit hoch im Kurs. Egal ob Grillsoße, Pizza oder Kaffee, auf allen möglichen Verpackungen lächeln gutgelaunte Elefanten unter Affenbrotbäumen hervor, während im Hintergrund die Sonne hinterm Kilimandscharo versinkt. Naja, vielleicht bilde ich mir das auch nur ein...
"Geheimnisvolles Afrika" ist eine neue Sorte Lindt-Schokolade. Ich probier ja gern neue Sachen aus, welche ich meist zufällig bei meinen Streifzügen durch die heimischen Supermärkte aufspüre. Diese sind zwecks Neueinführung und Markteroberung (der Link ist jetzt nur was für die ganz Harten) ja meist verführerisch appetitlich aufgemacht und werden dazu häufig noch - je nach Produkt - von grell geschminkten Mittfünfzigerinnen in weißen Kitteln oder gelangweilten Kosmetik-Studentinnen mit Dorfdisco-Charme an häßlichen Plastik-Probierständen feilgeboten. Während wir zu kargen Studentenzeiten noch freitags in den Real gepilgert sind, um uns möglichst unauffällig von Probierstand zu Probierstand durchzufressen und dabei mal wieder richtig satt zu werden, falle ich heute nur noch selten auf solche Marken-Prostituierten herein, die mir irgendwelche Häppchen mit Bärlauchaufstrich auf 2 Wochen altem Schwarzbrot unter die Nase halten. Ich darf "Prostituierte" sagen, schließlich hab ich früher am Wochenende selber Jägermeister-Longdrinks an willige Probanden ausgeschenkt, bis sie sich gegenseitig in ihre Schultaschen gekotzt haben.
Aber ich schweife ab, zurück zu Lindt. Normalerweise habe ich zu Lindt-Schokoladen ein recht gutes Verhältnis, die hartnäckige Schwellung rund um meinen Bauchnabel zeugt davon. Aber "Geheimnisvolles Afrika" schmeckt...wie sag ich's möglichst diplomatisch...einfach Scheiße. Irgendwie nach Weihnachten, nur ohne Zimt und Nelken. Wohlweislich hat Lindt nur Kardamom als spezielle Zutat namentlich erwähnt, der Rest ist Schweigen bzw. verbirgt sich hinter dem nichtssagendem Begriff "Gewürzextrakte". Soll vermutlich heißen: Man hat etwas Nilschlamm mit Giraffenscheiße aufgekocht und danach mit reichlich Schlangengift abgeschmeckt. Geheimnisvolles Afrika halt.
Amtliches Endergebnis: Bäh! Bloß nicht kaufen.
Überhaupt steht Afrika bei den Marketingsfuzzis derzeit hoch im Kurs. Egal ob Grillsoße, Pizza oder Kaffee, auf allen möglichen Verpackungen lächeln gutgelaunte Elefanten unter Affenbrotbäumen hervor, während im Hintergrund die Sonne hinterm Kilimandscharo versinkt. Naja, vielleicht bilde ich mir das auch nur ein...
Montag, 2. Juni 2008
Orang-Utans
Nennt mich einen weinerlichen Weltverbesserer mit verzweifeltem Hang zu dramatischen Gesten, aber: Ich hab Regenwald gekauft. Und ich mußte dafür nicht eine Flasche Krombacher saufen. Gottseidank.
Natürlich nicht den ganzen Regenwald, und natürlich auch nur symbolisch. Letztendlich haben wir für ein bzw. das Orang-Utan-Hilfsprojekt schlechthin gespendet. Warum? Weil es eine gute Sache zu sein scheint.
Nun gibt es auf Erden ja einige gute Sachen, die es unter Umständen wert wären, daß man seine hartverdienten Kröten investiert, ohne daß man dafür eine materielle Gegenleistung erhält. Sorry Marc, falls du das grade liest: Da mußt du jetzt durch. Ja, du kennst jetzt mindestens einen Menschen, der spendet, ohne zuerst an Reduzierung seiner Abgabenlast zu denken.
Aber warum ausgerechnet Affen? Bzw Primaten? Der Knut™-Effekt? Vielleicht.
Aber wohl eher, weil ein paar der Horrorgeschichten darüber, was unsereins so mit unserer näheren Verwandtschaft treibt, einen wirklich zum Misanthropen werden lassen können. Und weil Menschenaffen vom Aussterben bedroht sind. Und weil sie keine große Lobby haben.
Das gilt zwar auch für den tibetischen Raupenkeulenpilz, aber der wird auch nicht totalrasiert in thailändischen Hinterhofbordellen zum Sex angeboten. (Vermute ich zumindest, aber bei den Asiaten weiß man ja nie...)
Außerdem ist Regenwald "retten" nach landläufiger Meinung ja per se keine allzu schlechte Sache. Und Arbeitsplätze schafft es auch noch, was will man mehr? Zwar in Borneo und nicht in MeckPomm, aber die rasierten Affen in MeckPomm sind auch noch nicht vom Aussterben bedroht, leider.
Das mag vielleicht alles recht pathetisch klingen - sei's drum. Ja, ich stehe dazu: Ich habe sämtliche von Überschwemmungen, Sturmfluten und Hungersnöten betroffenen Homo Sapiens ignoriert zugunsten einer Spezies, die vielleicht eh nicht zu retten ist. Trotzdem: Von letzterer gibt es eben nur noch eine Handvoll, und es werden ständig weniger, dagegen steht die Menschheit nicht grade im Verdacht, nächste Woche auf der Liste der bedrohten Arten zu landen.
Wobei ich hier natürlich keine Rechnung à la "Menschenleben vs. Affenleben" aufmachen will.
Trotzdem finde ich es philosophisch interessant, wie unterschiedlich Nachrichten und deren Bilder wahrgenommen und ideell bewertet werden. 10.000 tote Bangladeshis / Kongolesen / Kuffnucken, ersoffen, geköpft, in die Luft gesprengt - Who cares, in the end? Tomorrow they are yesterday's news.
Aber ein Primat mit traurigen Augen, dem ein Wilderer die Hand abgehackt hat, und wir öffnen Herzen und Brieftaschen, zumindest in der "westlichen" Welt (ok, in China gehen auch die Brieftaschen auf, aber nur, weil Orang-Utan-Fleisch dort als potenzsteigernd gilt).
Ob diese Schieflage nun tragisch, krank oder einfach menschlich ist: großes Fragezeichen, bemerkenswert finde ich das ganze auf jeden Fall.
Natürlich nicht den ganzen Regenwald, und natürlich auch nur symbolisch. Letztendlich haben wir für ein bzw. das Orang-Utan-Hilfsprojekt schlechthin gespendet. Warum? Weil es eine gute Sache zu sein scheint.
Nun gibt es auf Erden ja einige gute Sachen, die es unter Umständen wert wären, daß man seine hartverdienten Kröten investiert, ohne daß man dafür eine materielle Gegenleistung erhält. Sorry Marc, falls du das grade liest: Da mußt du jetzt durch. Ja, du kennst jetzt mindestens einen Menschen, der spendet, ohne zuerst an Reduzierung seiner Abgabenlast zu denken.
Aber warum ausgerechnet Affen? Bzw Primaten? Der Knut™-Effekt? Vielleicht.
Aber wohl eher, weil ein paar der Horrorgeschichten darüber, was unsereins so mit unserer näheren Verwandtschaft treibt, einen wirklich zum Misanthropen werden lassen können. Und weil Menschenaffen vom Aussterben bedroht sind. Und weil sie keine große Lobby haben.
Das gilt zwar auch für den tibetischen Raupenkeulenpilz, aber der wird auch nicht totalrasiert in thailändischen Hinterhofbordellen zum Sex angeboten. (Vermute ich zumindest, aber bei den Asiaten weiß man ja nie...)
Außerdem ist Regenwald "retten" nach landläufiger Meinung ja per se keine allzu schlechte Sache. Und Arbeitsplätze schafft es auch noch, was will man mehr? Zwar in Borneo und nicht in MeckPomm, aber die rasierten Affen in MeckPomm sind auch noch nicht vom Aussterben bedroht, leider.
Das mag vielleicht alles recht pathetisch klingen - sei's drum. Ja, ich stehe dazu: Ich habe sämtliche von Überschwemmungen, Sturmfluten und Hungersnöten betroffenen Homo Sapiens ignoriert zugunsten einer Spezies, die vielleicht eh nicht zu retten ist. Trotzdem: Von letzterer gibt es eben nur noch eine Handvoll, und es werden ständig weniger, dagegen steht die Menschheit nicht grade im Verdacht, nächste Woche auf der Liste der bedrohten Arten zu landen.
Wobei ich hier natürlich keine Rechnung à la "Menschenleben vs. Affenleben" aufmachen will.
Trotzdem finde ich es philosophisch interessant, wie unterschiedlich Nachrichten und deren Bilder wahrgenommen und ideell bewertet werden. 10.000 tote Bangladeshis / Kongolesen / Kuffnucken, ersoffen, geköpft, in die Luft gesprengt - Who cares, in the end? Tomorrow they are yesterday's news.
Aber ein Primat mit traurigen Augen, dem ein Wilderer die Hand abgehackt hat, und wir öffnen Herzen und Brieftaschen, zumindest in der "westlichen" Welt (ok, in China gehen auch die Brieftaschen auf, aber nur, weil Orang-Utan-Fleisch dort als potenzsteigernd gilt).
Ob diese Schieflage nun tragisch, krank oder einfach menschlich ist: großes Fragezeichen, bemerkenswert finde ich das ganze auf jeden Fall.
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