Freitag, 25. Juli 2008

Saltletts Taler

Dringende Kaufempfehlung für alle Freunde des gepflegten Knabbererlebnisses.

Ein weiteres Mal habe ich mich von einer bunten Tüte mit der Aufschrift "Neu!" zum Spontankauf verführen lassen. Und diesmal endete das Experiment ausnahmsweise mal nicht mit Magenkrämpfen und Brechreiz. Im Gegenteil.

Saltletts Taler schmecken frisch (zumindest solange sie frisch sind, und alt werden die nicht, wenn die Tüte erstmal offen ist) und knuspern dreimal besser als jede langweilige Salzbrezel. Ich mag mir kaum vorstellen, wie lange die Knusper-Sound-Designer wohl an diesem wohligen Knistern gefeilt haben, das beim Reinbeißen ensteht. Vermutlich hätte ich die Dinger auch nach Gehör gekauft.

Form und Größe sind genau richtig, man muß weder eine Pringles-Maulsperre befürchten, noch muß man sie sich händeweise in den Mund stopfen, um was zu beißen und zu schmecken zu haben. Dabei entwickeln sie tückischerweise den Eindruck unbeschwerter Leichtigkeit, das sind sie kalorientechnisch natürlich nicht, haben aber immer noch weniger Umdrehungen als die gleiche Menge Chips, Flips oder Erdnüsse.

Also: Ruhig mal ausprobieren, tut auch nicht weh.


Donnerstag, 24. Juli 2008

Heute neu: Häßliche Schuhe

BALLERINAS SIND DIE PEST!!!!

Das mußte jetzt mal gesagt werden.

Allein, daß ca. 90% aller Teenie-Tussies und Berufs-Hoppelschnitten diese Schuhattrappen an den durchgetretenen Füßen tragen, müßte einem geistig gesunden Erwachsenen schon zu denken geben. Zumal die meisten von uns zu Teenie-Zeiten ähnliche Geschmacksverirrungen durchlitten haben, an die wir heutzutage nur noch ungern erinnert werden möchten.

Trotzdem macht die Ballerinasucht auch vor den Ü20ern nicht halt, wird aber dort wenigstens von der ebenfalls aufgekeimten Croc-Sucht etwas eingedämmt.

Im Ernst: Wie kann irgendjemand diese zumeist billigst zusammengefrickelten Gehhilfen in Form dampfgetriebener chinesischer Kanonenboote auch nur im geringsten tragbar finden? Die schlimmsten Exemplare verfügen über den Zehen gerade noch über genügend Stoff, um nicht von den fast komplett freiliegenden Knubbelzehen zu rutschen. Überhaupt sehen die Dinger aus, als hätte man oben die Hälfte weggeschnitten und anschließend den Absatz abgebrochen. Aber Hauptsache vorne ein "neckisches" Schleifchen.

Ich habe Filzpantoffel gesehen, die mehr Eleganz verströmten als diese Augenkrebserreger.

Ich bin zwar kein Orthopäde, könnte mir aber vorstellen, daß die Dinger außerdem pures Gift für die Füße sind. Nachdem Ballerinas meist aus nicht viel mehr bestehen als aus einer dünnen Pappsohle und einem Fetzen drumrumgetackerten Stoff, geben sie dementsprechend auch nicht allzuviel Halt.

Das alles führt dazu, daß das Laufen in den Dingern eher ein "Hatschen" ist und entsprechend unelegant aussieht. Das fällt bei den meisten Teenies allerdings gar nicht weiter auf. Die tragen zu den Schläppchen meistens knallenge Hüfthosen und bauchfreie Shirts mit herausquellendem Hüftspeck, da ist dann in puncto Stil eh Hopfen und Malz verloren.

Natürlich gibt es auch schöne Ballerinas, grazil und schick, mit allem Pipapo. Zumindest im Internet. Auf der Straße hab ich bisher nur die windige Variante erblicken können.

Dienstag, 22. Juli 2008

"Führungs"-Krise

Werbung soll entweder die Vorteile einer Ware, das tolle Image einer Firma oder wahlweise auch mal die Nachteile eines Konkurrenzprodukts herausstellen. Wobei die Werbeindustrie offenbar davon ausgeht, daß wir kleinen Konsumjunkies lediglich eine willenlose Manipulationsmasse sind, denen man eine Sache nur raffiniert genug schmackhaft machen muß, dann kaufen wir auch Katzenscheiße in Dosen.

Was der neue Werbespot der Sparkasse (kryptischer Titel "Führung") vor diesem Hintergrund bewirken soll, bleibt mir allerdings schleierhaft. Darin schwärmt ein öliger Altmanager mit blonder Betontolle davon, daß die Sparkassen Finanzgruppe die allergeilste und allergrößte ist. That's it, mehr macht er eigentlich nicht. Dabei rennt er aufgesetzt dynamisch durch ein riesiges futuristisches Gebäude, das in manchen Einstellungen unangenehm an ameisenbauartige Werkhallen aus Zukunftsvisionen á la "Gattaca" oder "1984" erinnert.

Auch weil der Hauptcharakter ein wenig comichaft überzeichnet ist, soll er doch erkennbar Sympathieträger des gesamten Spots sein. Das funktioniert nur leider nicht, denn in seiner eloquenten Gelacktheit erinnert er an sämtliche einschlägigen Negativ-Klischees vom Kaffeefahrt-Topfset-Verhökerer bis hin zum windigen Finanzberater, der der dementen Oma nochmal eine Rentenversicherung aufschwatzt. Täusch ich mich, oder taugen solche Charaktere neuerdings zum Sympathikus erster Kajüte?
Zwischendurch klaut er quasi in Vorbeihuschen einem verdutzten Kollegen den Kaffee, trinkt davon und serviert ihn dann - jetzt wird's ansatzweise anarchisch - einem offenbar wichtigen Geschäftskunden.
Der Schluß-Gag ist dann auch wieder eher ein Rohrkrepierer: Mr. Girokonto tritt in dem bisherigen kapitalistischen Protztempel aus Stahl und Glas durch eine Holztür und landet in einer x-beliebigen, winzigen Sparkassen-Filiale. Dann wird's nochmal so richtig altbacken: Der gute Sparkassenonkel begrüßt eine Kundin ("Frau Schröder") und bemerkt sofort ihre neue Frisur. "Frau Schröder" nimmt die Bemerkung geschmeichelt lächelnd entgegen und tätschelt sich verlegen den struppigen Hinterkopf. Eine Szene voller Wirtschaftswunder-Muff, aus einer Zeit, wo junge Frauen noch ungestraft "Fräulein" genannt werden durften und Peter Kraus tatsächlich ein Star war.

Wie man es auch betrachtet: Der Spot funktioniert nicht, er kombiniert lediglich verschiedene Versatzstücke des Genres, ohne diese konsequent bis zum Ende zu verfolgen. Das Ganze wirkt unausgegoren, aber trotzdem teuer, und man fragt sich, was uns "der Dichter - resp. die Sparkasse - damit sagen" wollte.

Auch der knackige Aufsagetext sorgt nicht für mehr Klarheit, sondern beweihräuchert die ganze Zeit lediglich die schier unfassbare Superduperness der Sparkassen Finanzgruppe. Dabei erinnert das ganze an die DHL-Spots der knuddeligen Gottschalk-Brothers, die auch die ganze Zeit auch einfach nur unreflektiert DHL hochleben ließen. Hier wie dort interessiert mich als Otto Normalo aber nicht, ob DHL jetzt auch am Südpol eine Filiale aufgemacht hat oder wieviele Quadrillionen Päckchen täglich von DHL durch die Botanik gekarrt werden. Solange ich noch stundenlang in Postfilialen Schlange stehen muß, um dann von einem zombiehaft bleichen Schalterbeamten zu erfahren, daß das heißersehnte Ebay-Päckchen, auf das ich seit 3 Wochen warte, leider unwiederbringlich verschütt gegangen ist, solange schick ich meine Pakete lieber mit Hermes & Co.. Da können die Gottschalks schwärmen, so viel sie wollen, meinetwegen können sie auch in den Gummibärchen-Hungerstreik treten.

Ähnlich bei der Spaßkasse. Mir ist egal, wieviele Märchenerzähler die Sparkasse beschäftigt oder ob sie das Olympische Wettdoping sponsert. Solange sie aus meinem Euro fuffzich in absehbarer Zeit keinen Euro sechzich machen kann, ist sie für Privatkunden wie mich schlicht uninteressant.
Zumindest steht der Spot aber im Kontext seines Vorgängers, in dem dieser überdreht fröhliche Hubschrauberpilot mit dem Sparkassen-Luftquirl durch die Gegend jettet, um dem hilflosen Zuschauer mittels Wolkenkratzerbeschau von der Großartigkeit der piefigen Sparkasse und ihrer superheldigen Finanzpartner zu überzeugen.

Vorschlag: Man sollte vielleicht in den nächsten Spots einen richtigen Superhelden auftreten lassen, "Captain Sparkasse" oder so ähnlich. Der rettet dann pausenlos alte Omis vor der Pleite, in dem er ihnen heimlich 100-Euro-Scheine in die Kittelschürze steckt, verdampft mittels Laserblick die Aktienpakete mieser Bankmanager oder friert per Fisherman's Friend-Atem ihre Guthaben ein. Ich stell mir da so eine Mischung aus Wolverine und Herrn Kaiser vor. Man kann auch gleich Superman zwangsverpflichten, man müßte nur das Erscheinungsbild etwas modifizieren, vielleicht so:



So eine Figur wär zwar vielleicht auch nicht gerade glaubwürdiger als Mr. Girokonto aus dem gegenwärtigen Spot, aber dafür entschieden unterhaltsamer.

Sonntag, 20. Juli 2008

Sarah und Marc

"Mein Name ist Michel, und ich bin Doku-Soap-süchtig."

Das wär wohl ein typischer erster Satz, wenn ich Neumitglied einer entsprechenden Selbsthilfegruppe wäre. Gottseidank ist es noch nicht so weit.
Mit sogen. Doku Soaps ist es wie mit Wasserleichen: Man will sie nicht sehen, schaut aber trotzdem hin. So auch ich.

Eines der neueren Machwerke der Branche nennt sich "Sarah und Marc -Crazy in Love" auf Pro7 und ist leider hinsichtlich des Prädikats "Doku Soap" eine komplette Mogelpackung. Die Einblendung "Dauerwerbesendung", wie man sie von Teleshopping-Schmonzes für Stahlbeton raspelnde Küchenmaschinen und diverse "Bauch-weg"-Fitnessfoltergeräte kennt, wäre hier dringend angebracht. Denn mit dem Kürzel "Doku" verbindet man ja im allgemeinen eine gewisse Authentizität, und die sucht man in dieser Show vergeblich.

Nachdem die erste Staffel ja ungefähr so erfolgreich war wie Spaghetti mit Tomatensoße , war ein Nachschlag ja zu erwarten. Obwohl auch die Hochzeitsvorbereitungen der "Pop-Prinzessin" aus der norddeutschen Tiefebene und ihres lustig deutsch-englisch daherknödelnden Marc nicht ohne dramaturgische Intervention auskam. Mag vielleicht nicht jedem aufgefallen sein, aber spätestens, als Marc sich bei der Trauung am spanischen Strand "ganz überraschend" am Piano niederließ (klar, da stehen ja überall angeschwemmte Konzertflügel rum), um ein "nur für seine Sarah" geschriebenes Liebeslied anzustimmen, ahnte man, daß man diesen "ganz persönlichen", romantischen Schmachtfetzen bald würde im Laden kaufen können. Und so kam es ja dann auch.

Doch die neue Staffel ist auch für unsereins, der ja an die ständige Cross-Promotion im TV gewöhnt ist, ein absoluter Witz. Alle paar Minuten wird entweder betont unaufdringlich über Sarahs neue CD, Marcs "Horror Nights", die Babyklamotten-Kollektion ihrer Mutter oder das demnächst anstehende CD-Debüt der kleinen Schwester geplappert.
Und wenn die Familie gerade mal außen vor ist, schneit ganz zufällig ein "Freund des Hauses" wie der nervtötende Hochzeitsplaner Frank vorbei, um ganz nebenbei auf die nächste Staffel seiner Show hinzuweisen. (Scheint es eigentlich nur mir so, oder hat nicht der trottelig-tuckige Hochzeitsplaner aus Steve Martins "Vater der Braut", der im Film ironischerweise auch "Fronk" heißt, als Blaupause für diesen Charakter gedient?
Und wer glaubt, daß der angebliche Gärtner in der letzten Folge schonmal einen Spaten in der Hand hatte, hat wirklich nicht richtig hingesehen oder genauso wenig Ahnung vom Gärtnern wie er.
Das einzige, was in diesem inszenierten PR-Overkill noch verwundert, ist, daß aus unerfindlichen Gründen die Augenpartien der Kinder konsequent unkenntlich gemacht werden. Seltsam, wo der Rest der Familie ja sonst penetrant das Licht der Öffentlichkeit sucht, mal abgesehen vom neuen Stiefvater, der entweder nie zuhause ist oder sich vermutlich immer im Schrank versteckt, wenn das Pro7-Kamerateam anrückt.

Ich hab bisher nur 2 Folgen der Staffel gesehen, aber das war auch genug. Und wer jetzt argumentiert, wenn's mir nicht gefällt, soll ich's mir eben nicht anschauen: Stimmt. Aber es ist eben wie mit den Wasserleichen...

Samstag, 19. Juli 2008

Lieber "Höffner"-Fahrer!

Nachdem du dich entschlossen hattest, direkt vor mir mit deinem Möbelwagen die ohnehin schmale Einbahnstraße kurzerhand dicht zu machen, habe ich dich freundlich gebeten, doch noch einen Meter vor zu fahren, damit ich zumindest mein Auto in der dann frei werdenden Parklücke abstellen konnte. Deine stumpfsinnige, in breitem Sächsisch hingenuschelte Antwort: "Isch fohr hier ni weg!"

Herzlichst: Du mich auch.

Dienstag, 15. Juli 2008

"John Rambo" oder "Frieden schaffen mit Feuerwaffen"

Ähnlich wie bei "Rocky Balboa" (die Ähnlichkeit des Titels läßt es erahnen) wollte Anabolika-Sly hier wohl im Alleingang einen würdigen bzw. zumindest irgendeinen Abschluß der Serie hinbekommen. Vielleicht wollte der olle Sylvesterkracher auch noch ein weiteres Mal seinen hulkigen, sorgsam in Kastenform getunten Oberkörper zur Schau stellen, bevor der wieder altersbedingt wie ein Soufflè in sich zusammenfällt.
Herausgekommen ist eine Schlachteplatte, die es hinsichtlich Gore-Faktor locker mit so manchem Zombie-Kettensägen-Metzelmovie aufnehmen kann. Da werden am laufenden Band Menschen zerhackstückt, in die Luft gesprengt und abgefackelt, in Großaufnahme, Farbe und cgi-grafisch aufgepeppt. Wer gern abgetrennte Körperteile durch die Gegend fliegen sieht, ist mit dem Film gut bedient.
Dabei bleibt das Ganze aber storytechnisch ziemlich blutleer, und Hirn hat der Film auch nur, wenn es grad mal wieder meterweit durch die Gegend spritzt.
Sinn macht das ganze nur insofern, daß die Gewaltorgie der "Bösen" (burmesisches Militär) die darauffolgende, noch krassere Gewaltorgie der "Guten" (Rambo) rechtfertigen soll. Und so darf die EinMann-Armee Rambo sich ein (hoffentlich) letztes Mal quer durch den Dschungel metzeln, wobei er letzteren auch schon mal kurzerhand gleich mit niedermäht. Ein Mann muß eben tun, was ein Mann tun muß, und wenn er schon schon muß, dann am besten gleich möglichst großkalibrig. Gewalt erzeugt halt Gegengewalt, und die hat einen Namen: John Rambo.

Viel mehr gibt es eigentlich zu dem Actionkäse nicht zu sagen.

Sonntag, 13. Juli 2008

Toilettenphilosophie

Wer erinnert sich eigentlich noch an die Kloschüsseln mit dem "Tellerchen"? Wo die Endprodukte des privaten Stoffwechsels zunächst auf einer Art Präsentationsplattform landeten, wo sie der interessierte Hobby-Proktologe noch einmal stolz begutachten konnte, bevor die Hinterlassenschaft von einem kataraktartigen Sturzbach ins Dunkel der Kanalisation gespült wurde?
Diese Dinger, die in früheren Zeiten noch weit verbreiteter waren als heutzutage, mögen ja ein Fest für Exkrementophile sein. Als ich justament mal wieder eine solche Toilette (vielleicht eine "Ferguson"?) benutzen durfte, fand ich sie - nun ja, irgendwie unappetitlich. Man ist ja doch nur noch die Porzellankreationen der Neuzeit gewöhnt, bei denen der Stuhl* sofort auf Nimmerwiedersehen abtaucht. Und da liegt (im wahrsten Sinne) auch der Vorteil des "Altbau"-Modells. Denn bei denen mußte man nie Angst haben, daß einem beim Toilettengang ewig dieses tümpelige Spülwasser an den Hintern spritzt. Man fragt sich jedesmal unwillkürlich, wie vielen bösartigen Keimen man seine schutzlosen Körperöffnungen denn diesmal wieder ausgesetzt hat. Insofern sind auch die Neukreationen eher suboptimal.
Ich denke, es ließe sich eine Menge Geld damit verdienen, die perfekte Toilette zu designen: ohne spritzen und ohne daß man sich nochmal mit seiner Hinterlassenschaft auseinander setzen zu müssen. Vielleicht so eine Art Astronautenklo, wo sofort alles per Unterdruck ins Nirvana gesaugt wird. Und wenn man dann noch die Reibungskräfte kurzzeitig aufheben könnte, könnte man noch unendlich Klopapier sparen. Das Ende der Klabusterbeere.

Vorschläge bitte an Villeroy&Boch.

* Die Bezeichnung "Stuhl" ist eigentlich grob mißverständlich hergeleitet, denn Stuhl kommt von Stuhlgang, der wiederum benennt sich nach dem Möbelstück, auf dem man in früheren Zeiten Platz nahm, also im Prinzip die eigentliche Toilettenschüssel.

Samstag, 5. Juli 2008

DVD-Kurzkritik

Das Vermächtnis des geheimen Buches: Indiana Jones war gestern, heute ist Ben Gates. Wieder hetzen Nikolaus Käfig und Co. einem Schatz hinterher, und dabei zuzukucken macht so richtig Laune. Richtig gutes Popcorn-Kino aus dem Hause Disney, welches sich spätestens seit Captain Sparrow wohl endgültig von Filmen verabschiedet hat, in denen alle 15 Minuten irgendein Tier zu singen anfängt. Daß die Handlung riesige Logiklöcher hat, fällt einem eigentlich erst hinterher so richtig auf. Einzig N. Cages Haaransatz wirkt in manches Szenen so unnatürlich geradlinig, als hätte er sich einen Fiffi aus der William-Shatner-Kollektion auf die kahl werdende Omme gedrückt.

Der Krieg des Charlie Wilson: Wahre Geschichte - guter Film. Obwohl ich hinterher etwas ratlos war. Sollte ich diesen urtypischen Kalten Krieger wegen seiner politischen Windhundigkeit und seinem fast völlig unreflektierten Russenhaß abschreckend finden, oder soll ich ihn wegen seines kompromißlosen und erfolreichen Einsatzes für ein gebeuteltes, vergessenes Volk bewundern? Ich überlege immer noch. Aber genial gespielt von Tom Hanks.

Das Beste kommt zum Schluß: Schön erzählte Geschichte mit viel, meist leisem Witz über zwei alte Zausel, die es kurz vor ihrem sicheren Tod nochmal krachen lassen. Eindeutige Botschaft: Es ist nie zu spät, das richtige zu tun. Jack Nicholson spielt wieder seine Paraderolle als altes Ekel, und da muß er gar nicht mehr viel schauspielern, die schüttelt er sich mittlerweile aus dem Ärmel. Und Morgan Freeman ist einmal mehr der sympathische Schwarze von nebenan, mit dem richtigen Schuß Weisheit, wenn grad welche gebraucht wird. Und zum Schluß wird's nochmal richtig schön rührselig, so daß sogar ich früh um 4 noch ein Tränchen verdrücken mußte. Mehr verrat ich nicht.

Und zum Schluß der Kracher der Woche, den ich dann aber mal ausnahmsweise zu Hause gekuckt habe:
I am Legend: Unbedingt. Anschauen. Am. Besten. Gestern.
Willy Schmidt spielt so genial, daß es wirklich unter die Haut geht. Keine Ahnung, ob er dafür 'nen Oscar gekriegt hat, verdient hätte er ihn jedenfalls. Noch dazu hat der Film ein paar schöne Schockmomente, M. ist ein ums andere Mal auf Tennisballgröße geschrumpft, so sehr hat es sie jedesmal gerissen. "Letzter Mensch allein in N.Y., und nachts kommen die Monster" klingt zwar erstmal nicht nach viel Handlung, der Film langweilt aber eine Sekunde. Also: ausleihen, wer's nicht schon hat.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Unbedingt anschauen!

Moin,
so heute will ich mal wieder. Nach Ewigkeiten hab ich in letzter Zeit zwei echt klasse Filme gesehen. Operation Kingdom und Apocalypto. Musst du dir unbedingt beide anschauen. Apokalypto nix für Frauen, tierisch brutal, aber ein echt interessanter Film über die Gesellschaft der Maya, auch wenn man gut 2,5 Stunden den Untertitel verfolgen muss, außer man spricht halt Mayathan. Keine Ahnung wie das bei dir da aussieht. Also der Film bringt viel Blut, viele durchbohrte Körperteile, aber irgendwie trotzdem sehenswert.
Wo sind nur die guten alten Synchronisationen hin? Nur gut, dass Mel Gibson erst nach Braveheart auf die Idee kam Filme im O-Ton zu drehen. Stell dir mal vor "Braveheart" auf gälisch oder Passion Christi auf aramäisch..ach ne den hat er hat schon so gedreht. Also dann Braveheart auf gälisch...
Der andere Film, Operation Kingdom, auf den ersten Blick der typischen Hollywoodkracher. Hey wir die Cowboys satteln die Kavallerie und reiten nach Saudi Arabien, um der Welt Frieden zu bringen. Viele Explosionen, viele Panzerfäuste quer am Hummer vorbeiflieg und Kalaschnikov über Kalaschnikov. Dazu noch Jennifer Garner permanent mit nem Lolli im Mundwinkel (ne die Lippen sind nicht aufgespritzt) also eigentlich alles was ein Film braucht, den man mit meinen Kumpeln Locke und Bert + 25 Flaschen Lübzer rülpsend und furzend anschauen kann. Aber manchmal gibt es ja so Filme, da ändern 2 min den gesamten Eindruck. So auch hier, wer also bis zu den letzten beiden Minuten durchhält, sich durch einen Berg an erschossenen Saudis und gefrusteten, beinahe enthaupteten FBI Agenten wühlt, erhält Gänsehautfeeling ganz ohne Ballerei.
Schau die dir mal an..so viele Grüße aus dem immer noch subtropischen Halle nach Minga
Ede

Lucky Bike

Ich hab es endlich getan. Ich bin mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause gefahren. Noch eins der Dinge, die ich nur einmal machen werde.

Nicht nur, daß mein angebliches Alu-Bike wahrscheinlich innen mit Blei ausgegossen ist (kurz nachdem Walmart mir das Ding verkauft hatte, haben sie sich wieder aus dem deutschen Markt zurückgezogen - ich weiß, warum) und sich entsprechend fährt. Naja, vielleicht sollte ich auch einfach mal die ganzen Fuchsschwänze, Rückspiegel und Einkaufskörbchen wieder abschrauben, das könnte 2-3 Kilos bringen :).

Nein, auch die Strecke ist denkbar häßlich. Selbige führt nämlich komplett einmal quer durch München, mitten durchs belebte Zentrum. München hat wirklich eine Menge grüne Ecken, nur leider liegt keine davon an meiner Wegstrecke. Dafür kam ich in den vollen Genuß des frühmorgendlichen Innenstadtverkehrs. Und der wird so richtig spaßig, wenn plötzlich der Radweg aufhört und man gezwungen ist, sich zwischen lauter Durchgeknallten, die schon vor 10 Minuten hätten im Büro sein müssen, durchzuschlängeln. Und wenn dann doch unvermittelt wieder ein Radweg auftaucht, parkt mittendrauf garantiert eine der orangeroten, besengeschmückten Gehhilfen, mit der unsere Stadtreinigung durch die Gegend juckelt. Und während man gerade einem der unaufgefegten Scherbenhaufen der letzten Nacht ausweicht, sitzt der Fahrer der fahrbaren Besenkammer nebenan im türkischen Kaffee und diskutiert lautstark mit seinen Kollegen, wieso Galatasaray wieder so Scheiße gespielt hat.

Einziger Lichtblick war noch der betagte Schulweg-Posten, der den heranrasenden Verkehr netterweise auch für mich mit seiner gelben Zauberkelle gestoppt hat. So konnte auch ich unbeschadet den Zebrastreifen überqueren, nur um 5 Meter weiter beinah einen Erstklässler zu überrollen, der mir schlaftrunken vors Rad torkelte. Wahrscheinlich mußten seine Eltern ihm und seinem 20-Kilo-Schulrucksack frühmorgens an der Haustür nur einen Schubs geben, der Schwung allein dürfte den armen Wicht bis zum Schulhoftor getragen haben.

Außerdem sind Münchner Fahrradfahrer bzw. Fahrradfahrer an sich schon ein seltsames Völkchen. Am auffälligsten sind wie immer die Extremtypen, in diesem Fall gelang es mir, zwei davon herauszuarbeiten.

Typ 1: der Kamikaze. Für ihn existieren keinerlei Verkehrsregeln, Ampeln werden ignoriert, kleine Hunde überfahren. Kurzum: Gefahrensucher auf 2 Rädern. Die wollen nicht ankommen, die wollen den Kick. Dabei lassen sich sogar noch zwei Untertypen unterscheiden.

a) Der hochgerüstete Kamikaze, den drahtigen Körper eingehüllt in hauchdünnes Lycra in Neonfarben, unterwegs mit einem funkelnden, windschnittigen Bike im Gegenwert eines kleinen Einfamilienhauses. Auf Sätteln, deren Anblick jedem normalen Mann die Tränen in die Augen treibt, jagen sie katzengleich durch die Stadt und degradieren ihre Umwelt zu bunten, verwischten Farbklecksen am Rande ihres Gesichtsfeldes. Würde ein solcher an der roten Ampel zu bremsen versuchen, es würde ihm den Designersattel samt Lycrashorts bis zum Gepäckträger in den Hintern treiben. Man fragt sich, wo er hin will: An welcher Arbeitsstelle wird man so gewandet akzeptiert, verschwitzt, aber glücklich? Unmöglich, daß sich unter der Batman-Montur auch noch ein Boss-Anzug verbirgt.

b) Der Nonkonformist. Es ist nicht so, als sähe er die Stoppschilder nicht. Sie gehen ihn nur nichts an, da sie einer Welt aus unnützen Regeln angehören, die nicht die seine ist. Er fährt ein Frontmelderfahrrad aus dem ersten Weltkrieg, zusammengehalten nur durch Rost und Gaffa-Band. Lampe, funktionierende Bremsen, Speichen - nur was für Spießer.
Statt hautenger X-Men-Radlerkluft trägt er Cordjackets mit Lederflicken an den Ellbogen, verkratzte Lederumhängetaschen und eine Oasis-Frisur. Niemand überfährt eine rote Ampel so lässig wie er.


Typ 2: der Sicherheitsfanatiker. Angetan mit Radhelm, gelber Warnweste und doppelten Hosenbeinklammern, pilgern diese mit kerzengeraden Rücken auf ihren Gesundheitsrädern durch den Verkehr. Meist verzerrt ein entrücktes Lächeln die ansonsten von höchster Konzentration kündenden Gesichtszüge. Kaum jemandem gelingt das Kunststück, gleichzeitig meditativ entspannt und doch völlig verkrampft auszusehen, wie diesen seltsamen Zeitgenossen.

Soweit meine bisherigen Beobachtungen. Weitere werde ich nur noch als Fußgänger machen.

Dienstag, 1. Juli 2008

Neulich im Urlaub

17h00, Sundowner Quiz am Pool, 2-sprachig abgehalten in deutsch und englisch. Frage: Was wurde 1492 entdeckt? US-amerikanische Touristin, quer über den Pool schreiend: "The greatest nation in the world!"
Rückfrage meinerseits:"Kuba? You're serious?"

PS: Immerhin: Eine US-Amerikanerin, die wußte, wann "Amerika" "entdeckt" wurde. The rest was bullshit.