Lesern dieser Zeilen seien zwei weitere, sehr lesenswerte Blogs empfohlen: http://usaerklaert.wordpress.com/ und http://nothingforungood.com/.
In beiden dreht es sich auf ziemlich witzige Art und Weise um das bisweilen recht schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und US-Amerikanern. Ersterer Blog leistet dabei sehr informativ Grimme-Preis-nominierte Aufklärungsarbeit, in letzterem berichtet der Autor pointiert und sarkastisch über die Fallstricke, die einem "Ami" das Leben in Deutschland schwer machen und die uns Deutschen gar nicht so bewußt sind. I already laughed my ass off.
Beim Herumstöbern ist mir aufgefallen, daß sich bemerkenswerterweise in beiden Blogs Beiträge mit einem Phänomen beschäftigen, das für Deutsche stinknormal, für den Amerikaner aber ein Mysterium ist: Zugluft bzw "sich einen Zug zu holen".
Während das Phänomen "Zug" in den US of A als Krankheitsursache völlig unbekannt ist, hat mir meine Oma schon beigebracht, daß man sich von Zugluft zumindest 3 unangenehme Zipperlein holen kann: einen steifen Hals, ein Gerstenkorn am Auge und natürlich eine Erkältung. Unzählige medizinische Ratgeberseiten und Internetforen beschäftigen sich mit den Gefahren von Zugluft.
Nun ist "Zug" wahrscheinlich nicht die Art Todeshauch, zu der ihn die Paranoia unserer Altvorderen immer gemacht hat. Auch die Erkältung, die ich mir mutmaßlich im Bus geholt habe, kann ich nicht unbedingt eindeutig einem gekippten Fenster in die Schuhe schieben. Vermutlich ist sie eher der Tatsache geschuldet, daß ich im Bus mit ca 50 Personen, von denen die Hälfte schniefte und hustete, auf engstem Raum zusammen gepfercht war. Eventuell geht die zuweilen etwas irrationale Angst vor sich bewegender Luft auf den frühmedizinischen Irrglauben zurück, Krankheiten würden zumeist über Miasmen, üble Ausdünstungen, durch die Luft übertragen.
Aber daß man in den USA tatsächlich noch nie davon gehört hat, finde ich dann doch etwas seltsam. Denn daß die dauerhafte, zugluftbedingte Abkühlung bestimmter Körperregionen Infektionen und Muskelverspannungen zumindest begünstigt scheint medizinisch hinreichend belegt zu sein. Warum also?
Ein Erklärungsversuch.
Ansatz 1: Vor der Ankunft in der Neuen Welt warfen die Einwanderer, die später Amerikaner werden sollten bzw wollten, ihr gesamtes medizinisches Laienwissen über Bord. Nach dem Motto: Neues Leben, neues Land, neue Krankheiten, da nützt mir das Wissen über die alten eh nix mehr. Aus unserer heutigen Sicht typisch amerikanisch, nur das es "typisch amerikanisch" damals noch gar nicht gab.
Die amerikanischen Ureinwohner hingegen hatten zwar 83 verschiedene Ausdrücke für Büffelscheiße, aber nicht eines für Zugluft.
Ansatz 2: Ein kühler Luftzug ist vor allem in den Regionen unerwünscht, wo ein eher gemäßigteres, feuchteres und kühleres Klima herrscht. Wie zB in Mitteleuropa.
Die USA besitzen zwar verschiedene Klimazonen, weite Teile sind aber trotzdem wärmer und trockener als bei uns (zum Vergleich: die Nordgrenze der Staaten - Alaska klammere ich jetzt mal aus - liegt etwa auf demselben Breitengrad wie Frankfurt am Main). Eine "kühle Brise" ist daher evtl. "drüben" weit willkommener als bei uns.
Ansatz 3: "Zug" ist eine Plage, die man sich prinzipiell nur in geschlossenen Räumen* (also in Häusern oder Verkehrsmitteln) holen kann, die nicht hermetisch verriegelbar sind.
In den USA dagegen sind, wie wir alle wissen, alle Häuser und Autos vollkommen luftdicht verschließbar, da sonst die eingebauten Klimaanlagen nicht richtig arbeiten können. Das gilt sogar für die Sperrholzbehausungen, die regelmäßig von Wirbelstürmen aus der Landschaft gepflückt, atomisiert und über die angrenzenden Bundesstaaten verteilt werden.
Ansatz 4: Americans think big. Mit etwas popligem wie Zugluft geben sie sich daher vermutlich gar nicht ab. Von Luftbewegungen wird erst Notiz genommen, wenn die Stars&Stripes in rechtem Winkel vom Flaggenmast abstehen oder der Pick-Up am Wohnzimmerfenster vorbeifliegt (s. auch Ansatz 3).
Ansatz 5: Zug zu bekommen ist unamerikanisch. Chuck Norris hatte noch nie Zug.
Und solange man "Zug" weder mit der Schrotflinte erledigen noch in Flaschen füllen und verkaufen kann, muß man ohnehin damit leben.
Ansatz 6: Wir Deutsche können es ihnen auch nicht erklären. "I caught a train and got a stiff neck from it" hieße frei übersetzt "Ich hab die Eisenbahn erwischt und wurde davon störrisch". Denn es gibt nicht mal ein Wort für "Zug", draft bringt es leider nicht auf den Punkt.
Falls jemandem eine bessere Erklärung einfällt: Kommentare sind stets willkommen.
*) Unter freiem Himmel heißt "Zug" nicht "Zug", sondern "Wind". Wind kann je nach Wetterlage gut oder schlecht sein. Wind in geschlossenen Gebäuden ist dagegen fast immer unerwünscht, es sei denn, man möchte im Wohnzimmer einen Drachen steigen lassen, ohne von der Couch aufzustehen.
Dienstag, 28. Oktober 2008
Samstag, 25. Oktober 2008
Es weihnachtet sehr
Wißt Ihr, woran man in München erkennt, daß bald Weihnachten ist? An genau zwei Dingen, eines kränker als das andere.
Merkmal Nr 1: Weihnachtsnaschereien.
Nun möchte ich ja gar nicht in den Chor derer einstimmen, die sich drüber aufregen, daß schon kurz nach den Sommerferien der erste Spekulatius in den Schaufenstern steht. Denn ich für meinen Teil verfüge über eine hohe Lebkuchentoleranz und würde diese auch im Sommer mit ins Freibad schleppen, leider sind Sonnenschein und Schokoglasur eine eher unglückliche Kombination.
Was aber richtig krank ist, sind Schokonikoläuse im Oktober. Welcher Perversling knaupelt sich allen Ernstes 2 Monate vor Weihnachten einen Schokoladenhohlkörper aus der Silberpelle, um selbigen anschließend zu verspeisen? Ich meine: Ohne schlechtes Gewissen? Sie etwa? Da kann man sich auch gleich im Mai einen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer stellen oder an Silvester Ostereier essen.
Abgesehen davon: Schokoweihnachtsmänner ißt man nicht. Die verschenkt man, oder man bekommt sie geschenkt. Anschließend läßt man sie so lange im Schrank stehen, bis die Schokolade grau ist, und dann schmeißt man sie weg. Essen darf man allerhöchstens die ganz teuren, also die von Lindt, After Eight usw. Bei allen andern steckt ohnehin in der bunten Verpackung meist mehr Geschmack als in dem, was darunter steckt.
Merkmal Nr 2: Verkrüppelte rumänische Bettler in der Fußgängerzone.
Immer, wenn ich einer dieser Jammergestalten ansichtig werde, fallen mir zynischerweise zwei Monty Python - Filmszenen ein. In "Jabberwocky" sägt sich ein Bettler selbst den Fuß ab, um seinen Umsatz hochzutreiben. Und "Life of Brian" beschwert sich der Leprakranke über seine Heilung, weil er nun seiner Einnahmequelle verlustig geht.
Kein Zweifel: Der bizarre Karneval verstümmelter, schaurig anzusehender Bettler, der jedes Jahr kurz vor Jahresende in den Einkaufsstraßen ausbricht, ist gleichermaßen erbarmungswürdig wie erbärmlich. Eine Pervertierung des "weniger ist mehr"-Prinzips: Weniger Gliedmaßen=mehr Spenden. Ich bin nicht herzlos, aber wenn ich weiß, daß diese Leute tausende Kilometer aus Osteuropa herangekarrt werden, um sich hier unter Zwang als Freaks zu prostituieren, macht mich dieser Mitleidstourismus einfach nur sauer. Und wenn ich dann den verantwortlichen Ostblock-Schlepper in feinem Zwirn nebenan im Cafe stehen sehe, wo er sich im Warmen einen Kaffee nach dem anderen in den fetten Hals schüttet und "seinen" Krüppeln beim Anschaffen zuschaut, dann möchte ich am liebsten da reingehen und diesem Aasgeier postwendend auch ein paar Körperteile entfernen.
Uns Wohlstandsbürger beschleicht beim Anblick dieses alljährlichen Panoptikums reflexartig ein schlechtes Gewissen (was ja wohl auch der beabsichtigte Zweck der Übung ist). Einerseits wissen wir, daß von dem einen Euro, den wir dem Bettler in den Pappbecher schmeißen, 99 Cent bei dem feisten Zuhälter landen. Andererseits fragen wir uns, ob der verbleibende Cent nicht immer noch ausreicht, um die daheimgebliebene, 10-köpfige Familie über den Winter zu bringen, und ob der arme Schlucker nicht vielleicht Prügel bezieht, wenn er nicht genug Almosen zusammengebettelt hat.
So Mitleid erregend der Anblick auch sein mag: Ich gebe für das Schmierentheater keinen Cent. Und zwar aus demselben Grund, aus dem ich auch dem angeblichen Ex-Junkie an der Wohnungstür kein Zeitungsabo abkaufe. Ich geh auch nicht aus Mitleid in den Puff, um eine ukrainische Nutte beim Abarbeiten ihrer zwangsweisen Einfuhrgebühren zu unterstützen. Denn mit all dem macht man am Ende nur einen wirklich reich, nämlich die kriminellen Fädenzieher im Hintergrund. Die anderen kriegen nicht viel mehr, als sie auch vorher schon hatten, und gehen im Gegenzug im Zweifel auch noch ihrer Selbstachtung verlustig. Bei dem lausigen Spiel mag ich nicht auch noch Helfershelfer sein.
Aber das soll mal jeder für sich selbst entscheiden...
Merkmal Nr 1: Weihnachtsnaschereien.
Nun möchte ich ja gar nicht in den Chor derer einstimmen, die sich drüber aufregen, daß schon kurz nach den Sommerferien der erste Spekulatius in den Schaufenstern steht. Denn ich für meinen Teil verfüge über eine hohe Lebkuchentoleranz und würde diese auch im Sommer mit ins Freibad schleppen, leider sind Sonnenschein und Schokoglasur eine eher unglückliche Kombination.
Was aber richtig krank ist, sind Schokonikoläuse im Oktober. Welcher Perversling knaupelt sich allen Ernstes 2 Monate vor Weihnachten einen Schokoladenhohlkörper aus der Silberpelle, um selbigen anschließend zu verspeisen? Ich meine: Ohne schlechtes Gewissen? Sie etwa? Da kann man sich auch gleich im Mai einen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer stellen oder an Silvester Ostereier essen.
Abgesehen davon: Schokoweihnachtsmänner ißt man nicht. Die verschenkt man, oder man bekommt sie geschenkt. Anschließend läßt man sie so lange im Schrank stehen, bis die Schokolade grau ist, und dann schmeißt man sie weg. Essen darf man allerhöchstens die ganz teuren, also die von Lindt, After Eight usw. Bei allen andern steckt ohnehin in der bunten Verpackung meist mehr Geschmack als in dem, was darunter steckt.
Merkmal Nr 2: Verkrüppelte rumänische Bettler in der Fußgängerzone.
Immer, wenn ich einer dieser Jammergestalten ansichtig werde, fallen mir zynischerweise zwei Monty Python - Filmszenen ein. In "Jabberwocky" sägt sich ein Bettler selbst den Fuß ab, um seinen Umsatz hochzutreiben. Und "Life of Brian" beschwert sich der Leprakranke über seine Heilung, weil er nun seiner Einnahmequelle verlustig geht.
Kein Zweifel: Der bizarre Karneval verstümmelter, schaurig anzusehender Bettler, der jedes Jahr kurz vor Jahresende in den Einkaufsstraßen ausbricht, ist gleichermaßen erbarmungswürdig wie erbärmlich. Eine Pervertierung des "weniger ist mehr"-Prinzips: Weniger Gliedmaßen=mehr Spenden. Ich bin nicht herzlos, aber wenn ich weiß, daß diese Leute tausende Kilometer aus Osteuropa herangekarrt werden, um sich hier unter Zwang als Freaks zu prostituieren, macht mich dieser Mitleidstourismus einfach nur sauer. Und wenn ich dann den verantwortlichen Ostblock-Schlepper in feinem Zwirn nebenan im Cafe stehen sehe, wo er sich im Warmen einen Kaffee nach dem anderen in den fetten Hals schüttet und "seinen" Krüppeln beim Anschaffen zuschaut, dann möchte ich am liebsten da reingehen und diesem Aasgeier postwendend auch ein paar Körperteile entfernen.
Uns Wohlstandsbürger beschleicht beim Anblick dieses alljährlichen Panoptikums reflexartig ein schlechtes Gewissen (was ja wohl auch der beabsichtigte Zweck der Übung ist). Einerseits wissen wir, daß von dem einen Euro, den wir dem Bettler in den Pappbecher schmeißen, 99 Cent bei dem feisten Zuhälter landen. Andererseits fragen wir uns, ob der verbleibende Cent nicht immer noch ausreicht, um die daheimgebliebene, 10-köpfige Familie über den Winter zu bringen, und ob der arme Schlucker nicht vielleicht Prügel bezieht, wenn er nicht genug Almosen zusammengebettelt hat.
So Mitleid erregend der Anblick auch sein mag: Ich gebe für das Schmierentheater keinen Cent. Und zwar aus demselben Grund, aus dem ich auch dem angeblichen Ex-Junkie an der Wohnungstür kein Zeitungsabo abkaufe. Ich geh auch nicht aus Mitleid in den Puff, um eine ukrainische Nutte beim Abarbeiten ihrer zwangsweisen Einfuhrgebühren zu unterstützen. Denn mit all dem macht man am Ende nur einen wirklich reich, nämlich die kriminellen Fädenzieher im Hintergrund. Die anderen kriegen nicht viel mehr, als sie auch vorher schon hatten, und gehen im Gegenzug im Zweifel auch noch ihrer Selbstachtung verlustig. Bei dem lausigen Spiel mag ich nicht auch noch Helfershelfer sein.
Aber das soll mal jeder für sich selbst entscheiden...
Mel läßt metzeln
Nach kürzlicher Sichtung von "Apocalypto" bin ich zu dem Schluß gekommen, daß es mit des Gibsmeisters Geschirrschrank nicht zum besten steht. Denn da dürfte ihm über die Jahre das ein oder andere Trinkgefäß abhanden gekommen sein.
In den 80ern und 90ern hat olle Mel ja noch meistens vor der Kamera gestanden, und das war auch gut so, denn dort wurde er bekanntermaßen zu einem der erfolgreichsten Filmstars seiner Epoche. Das war auch die schöne Zeit, als es bei seinen Filmchen immer noch hin und wieder was zu lachen gab. Die Zeiten sind aber nun wohl vorbei, denn spätestens, seit er auch hinter der Kamera steht, liefert er nur noch Kinoware ab, die man auf keinem Kindergeburtstag mehr guten Gewissens zeigen kann. Und dabei hab ich das dumme Gefühl, daß bei jedem Film die Splatterquote zunimmt, und zwar aus reinem, primitivem Selbstzweck.
Man möge mich nicht falsch verstehen: Seine Filme sind nach wie vor spannend und solide gemacht. Auch wenn sein Originalsprachen-Tick langsam etwas seltsam rüberkommt. Aber die Geschichten, die er erzählt, folgen - bei aller Dramatik - immer dem gleichem, simplen Strickmuster: Rechtschaffener "Guter" wird mit bösem Brutalinski konfrontiert, der seine Frau/Eltern/Kinder möglichst brutal und dabei möglichst grinsend dahinmetzelt. Good guy kriegt daraufhin die gerechte Wut und verwandelt sich in einen Racheengel, der wiederum mit möglichst versteinerter Miene ebenso blutige Rache nimmt. Also "böse" Gewalt vs. "gute" Gewalt. Und dieses Verhältnis schaukelt sich bei ihm von Film zu Film immer weiter hoch, der simplen Logik folgend: Je brutaler der Böse vorlegt, umso heftiger darf der Gute nachlegen, um seine Vergeltung möglichst "angemessen" erscheinen zu lassen. Da bricht bei Mr Gibson scheinbar voll der Fundi-Christ durch, "Auge um Auge" in seiner brutalst möglichen Form. (Sowieso wundere ich mich bei ihm einmal mehr, wie einträchtig kommerzieller Erfolg in Hollywood und religiöser Fundamentalismus scheinbar Hand in Hand gehen können.)
Einziger Film, der dabei natürlich aus der Reihe tanzen muß, ist "Die Passion Christi". Es gibt eben Drehbücher, die traut sich auch ein Mel Gibson nicht umzuschreiben. Und weil er daher in diesem Film auf das Vergeltungsmotiv verzichten mußte*, läßt er die bösen Römer eine um so heftigere Schlachteplatte anrichten. Ich sach mal: Gut, daß es damals noch keine Kettensägen gab. So transformiert Regisseur Gibson die Rachegelüste (die im Film ja unbefriedigt bleiben und eigentlich nach christlicher Lehre auch in der Liebesbotschaft aufgehen sollen) geschickt auf der arglosen Zuschauer. Ich kann mich noch gut an meine in heiligem Zorn und religiöser Inbrunst entflammte, römisch-katholische Schwiegermutter erinnern, nachdem sie den Film zum ersten Mal im Fernsehen gesehen hatte. Hätte man ihr gleich nach dem Abspann eine Kalaschnikov und ein Flugticket in die Hand gedrückt, sie hätte innerhalb der nächsten 48 Stunden Jerusalem im Alleingang "befreit".
Sonderbar finde ich nur, daß bei all der durchwachsenen Kritik an seinen letzten Filmen soweit erinnerlich nie so richtig die Selbstjustiz-Schwarze Peter-Karte gezogen wurde. Soll heißen: Wenn heute ein Charles-Bronson-Reißer aus den 70ern im Fernsehen läuft, heißt es jedesmal in der Kritik "Zynischer und brutaler Selbstjustiz-Thriller" o.ä., ähnliches liest man bei "Dirty Harry" und Co.
Wenn aber Willy Wallace seinem Kontrahenten mit dem Zweihänder den Helmhalter von den Schultern trennt, "Der Patriot" mit dem Tomahawk einen Trupp Bösewichte zerhackstückt oder der brave Indio seinen Peiniger per Speerfalle ans Tropengehölz nagelt, gibt's dafür bei Mel sogar reihenweise Preise. Irgendwie wird hier mit zweierlei Maß gemessen.
Dabei halte ich einen stoischen Rächer, der nach vollbrachter Vergeltungstat leer und freudlos in einer Ecke vor sich hinbrütet, für ehrlicher und realistischer als Gibsons Helden. Die wischen sich nämlich buchstäblich nach vollendeter Metzelei einfach nur das Blut aus dem Gesicht und setzen sich zur Familie an den Frühstückstisch, als wenn nix gewesen wäre. Dieser Schwenk vom gerade eben noch bluttriefenden Schlachtfeld-Szenario zum Heile-Welt-Bärenmarke-Werbespot kommt mir dann doch ein bißchen zu unrealistisch und plump sympathieheischend daher.
Vermutlich arbeitet M.G. deswegen lieber mit Plots, die in vergleichweisen archaischen Gesellschaften oder Zeiten spielen. So mogelt er sich nämlich um die fällige Aufarbeitung der Traumata herum. Denn selbst wenn seine Filmhelden zur Verarbeitung ihrer diversen Amokläufe psychologische Hilfe ganz gut hätten brauchen können: Es gab vor 1000 oder 2000 Jahren einfach noch keine Psychoanalytiker und Selbsthilfegruppen. **
*) Auch eine Filmvariante, die ich gern mal sehen würde: Jesus steigt jede Nacht von Kreuz, läßt sich "Nächstenliebe" und "Vergebung" auf die Fingerknöchel tätowieren und verprügelt im Ninja-Gewand fiese Römer und Pilatus-Schergen. Buch: Quentin Tarantino, Regie: Mel Brooks, Hauptrolle: Bruce Willis oder Ben Stiller. In einer Nebenrolle: Samuel L Jackson als Petrus, der als "Q" den Meister mit kleinen Gimmicks (David-Wurfsterne, Streitwagen mit Weihwasserwerfer usw) ausstattet.
**) Wär vielleicht ein schöner Ansatz für eine Parodie: "Pranke des Jaguars" (der Held aus "Apocalypto") liegt beim Analytiker auf der Couch und erzählt, wie sehr es ihn traumatisiert hat, daß bei seinem Stamm alle Frauen oben ohne rumlaufen, auch die alten. Oder ein William Wallace, der in seiner Selbsthilfegruppe darüber spricht, wie ihn seine Mutter als Kind zwang, Hosen zu tragen und sich blau zu schminken, weil sie sich eigentlich ein Mädchen gewünscht hatte.
In den 80ern und 90ern hat olle Mel ja noch meistens vor der Kamera gestanden, und das war auch gut so, denn dort wurde er bekanntermaßen zu einem der erfolgreichsten Filmstars seiner Epoche. Das war auch die schöne Zeit, als es bei seinen Filmchen immer noch hin und wieder was zu lachen gab. Die Zeiten sind aber nun wohl vorbei, denn spätestens, seit er auch hinter der Kamera steht, liefert er nur noch Kinoware ab, die man auf keinem Kindergeburtstag mehr guten Gewissens zeigen kann. Und dabei hab ich das dumme Gefühl, daß bei jedem Film die Splatterquote zunimmt, und zwar aus reinem, primitivem Selbstzweck.
Man möge mich nicht falsch verstehen: Seine Filme sind nach wie vor spannend und solide gemacht. Auch wenn sein Originalsprachen-Tick langsam etwas seltsam rüberkommt. Aber die Geschichten, die er erzählt, folgen - bei aller Dramatik - immer dem gleichem, simplen Strickmuster: Rechtschaffener "Guter" wird mit bösem Brutalinski konfrontiert, der seine Frau/Eltern/Kinder möglichst brutal und dabei möglichst grinsend dahinmetzelt. Good guy kriegt daraufhin die gerechte Wut und verwandelt sich in einen Racheengel, der wiederum mit möglichst versteinerter Miene ebenso blutige Rache nimmt. Also "böse" Gewalt vs. "gute" Gewalt. Und dieses Verhältnis schaukelt sich bei ihm von Film zu Film immer weiter hoch, der simplen Logik folgend: Je brutaler der Böse vorlegt, umso heftiger darf der Gute nachlegen, um seine Vergeltung möglichst "angemessen" erscheinen zu lassen. Da bricht bei Mr Gibson scheinbar voll der Fundi-Christ durch, "Auge um Auge" in seiner brutalst möglichen Form. (Sowieso wundere ich mich bei ihm einmal mehr, wie einträchtig kommerzieller Erfolg in Hollywood und religiöser Fundamentalismus scheinbar Hand in Hand gehen können.)
Einziger Film, der dabei natürlich aus der Reihe tanzen muß, ist "Die Passion Christi". Es gibt eben Drehbücher, die traut sich auch ein Mel Gibson nicht umzuschreiben. Und weil er daher in diesem Film auf das Vergeltungsmotiv verzichten mußte*, läßt er die bösen Römer eine um so heftigere Schlachteplatte anrichten. Ich sach mal: Gut, daß es damals noch keine Kettensägen gab. So transformiert Regisseur Gibson die Rachegelüste (die im Film ja unbefriedigt bleiben und eigentlich nach christlicher Lehre auch in der Liebesbotschaft aufgehen sollen) geschickt auf der arglosen Zuschauer. Ich kann mich noch gut an meine in heiligem Zorn und religiöser Inbrunst entflammte, römisch-katholische Schwiegermutter erinnern, nachdem sie den Film zum ersten Mal im Fernsehen gesehen hatte. Hätte man ihr gleich nach dem Abspann eine Kalaschnikov und ein Flugticket in die Hand gedrückt, sie hätte innerhalb der nächsten 48 Stunden Jerusalem im Alleingang "befreit".
Sonderbar finde ich nur, daß bei all der durchwachsenen Kritik an seinen letzten Filmen soweit erinnerlich nie so richtig die Selbstjustiz-Schwarze Peter-Karte gezogen wurde. Soll heißen: Wenn heute ein Charles-Bronson-Reißer aus den 70ern im Fernsehen läuft, heißt es jedesmal in der Kritik "Zynischer und brutaler Selbstjustiz-Thriller" o.ä., ähnliches liest man bei "Dirty Harry" und Co.
Wenn aber Willy Wallace seinem Kontrahenten mit dem Zweihänder den Helmhalter von den Schultern trennt, "Der Patriot" mit dem Tomahawk einen Trupp Bösewichte zerhackstückt oder der brave Indio seinen Peiniger per Speerfalle ans Tropengehölz nagelt, gibt's dafür bei Mel sogar reihenweise Preise. Irgendwie wird hier mit zweierlei Maß gemessen.
Dabei halte ich einen stoischen Rächer, der nach vollbrachter Vergeltungstat leer und freudlos in einer Ecke vor sich hinbrütet, für ehrlicher und realistischer als Gibsons Helden. Die wischen sich nämlich buchstäblich nach vollendeter Metzelei einfach nur das Blut aus dem Gesicht und setzen sich zur Familie an den Frühstückstisch, als wenn nix gewesen wäre. Dieser Schwenk vom gerade eben noch bluttriefenden Schlachtfeld-Szenario zum Heile-Welt-Bärenmarke-Werbespot kommt mir dann doch ein bißchen zu unrealistisch und plump sympathieheischend daher.
Vermutlich arbeitet M.G. deswegen lieber mit Plots, die in vergleichweisen archaischen Gesellschaften oder Zeiten spielen. So mogelt er sich nämlich um die fällige Aufarbeitung der Traumata herum. Denn selbst wenn seine Filmhelden zur Verarbeitung ihrer diversen Amokläufe psychologische Hilfe ganz gut hätten brauchen können: Es gab vor 1000 oder 2000 Jahren einfach noch keine Psychoanalytiker und Selbsthilfegruppen. **
*) Auch eine Filmvariante, die ich gern mal sehen würde: Jesus steigt jede Nacht von Kreuz, läßt sich "Nächstenliebe" und "Vergebung" auf die Fingerknöchel tätowieren und verprügelt im Ninja-Gewand fiese Römer und Pilatus-Schergen. Buch: Quentin Tarantino, Regie: Mel Brooks, Hauptrolle: Bruce Willis oder Ben Stiller. In einer Nebenrolle: Samuel L Jackson als Petrus, der als "Q" den Meister mit kleinen Gimmicks (David-Wurfsterne, Streitwagen mit Weihwasserwerfer usw) ausstattet.
**) Wär vielleicht ein schöner Ansatz für eine Parodie: "Pranke des Jaguars" (der Held aus "Apocalypto") liegt beim Analytiker auf der Couch und erzählt, wie sehr es ihn traumatisiert hat, daß bei seinem Stamm alle Frauen oben ohne rumlaufen, auch die alten. Oder ein William Wallace, der in seiner Selbsthilfegruppe darüber spricht, wie ihn seine Mutter als Kind zwang, Hosen zu tragen und sich blau zu schminken, weil sie sich eigentlich ein Mädchen gewünscht hatte.
Mittwoch, 22. Oktober 2008
Liebe Asia-Bringdienste!
Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Stunden meiner kostbaren Lebenszeit ich damit verbracht habe, bei euch telefonisch Bestellungen aufzugeben.
Ist es euch schon mal in den Sinn gekommen, daß es möglich ist, jemanden einzustellen, der diese Bestellungen aufnimmt und trotzdem der deutschen Sprache zumindest ansatzweise mächtig ist?
Bei meiner heutigen Bestellung habe ich dem (vermutlich) vietnamesischen Lingustheniker Name und Anschrift 3x langsam wiederholen müssen, anschließend alles nochmal buchstabiert, dabei gezwungenermaßen jeden Buchstaben nochmal einzeln erläutert, um nachfolgend auch die Erläuterungen nochmal auseinander zu klamüsern ("R wie Richard"-"Lichald???"). Und grade als ich dachte, der Deutsch-Unterricht wäre vorbei, eröffnet mir der Hirni von einem Mitarbeiter, daß er die ganze Zeit gar keinen "Kugeschleibe" zur Hand hatte, und daraufhin das Ganze nochmal von vorn losgeht. Vielbesteller (zu denen ich gottlob nicht gehöre) sollten in jedem Fall darauf achten, sich möglichst unkomplizierte, einfach durchzugebende Adressen zuzulegen. Wenn man in München zB in der Charles-de-Gaulle-Straße, im Kreuzschnabelweg, am Rainer-Werner-Faßbinder-Platz oder Am Haselnußstrauch wohnt, kann man eigentlich das Telefon auf der Gabel lassen und gleich essen gehen, ist unkomplizierter. Ansonsten kann man nur einen baldigen Umzug in Erwägung ziehen.
Nach dem Auflegen hatte ich dann wie jedesmal das kribbelige Gefühl, daß der Bestellfuzzi letztendlich doch nicht geschnallt hat, was ich will, und ich trotz mehrmaligen Buchstabierens statt der "Ente 23" frittiertes Tintenfischhirn mit 8 Kostbarkeiten geliefert bekomme. Ein resignatives "Bringen Sie mir doch einfach, was Sie wollen" funktioniert allerdings auch nicht. *
Tintenfischhirn gab's dann zwar doch nicht, aber die getrockneten Affenhoden süß-sauer, die ich stattdessen bekam, waren nicht nur mindestens ebenso ungenießbar, sondern standen nicht mal auf der Karte.
Der Hammer kam zum Schluß: Ausgeliefert wurde das Überraschungspaket von einem bayrischen Opi, der sich damit wahrscheinlich seine Rente aufbessert.
Wieso läßt man den nicht stattdessen die Bestellungen aufnehmen?
*) Ich hab's probiert. Das hat den armen Kerl am andern Ende der Leitung derart aus dem Konzept gebracht, daß er sich vor lauter Aufregung einfach nochmal meine Adresse buchstabieren ließ.
Ist es euch schon mal in den Sinn gekommen, daß es möglich ist, jemanden einzustellen, der diese Bestellungen aufnimmt und trotzdem der deutschen Sprache zumindest ansatzweise mächtig ist?
Bei meiner heutigen Bestellung habe ich dem (vermutlich) vietnamesischen Lingustheniker Name und Anschrift 3x langsam wiederholen müssen, anschließend alles nochmal buchstabiert, dabei gezwungenermaßen jeden Buchstaben nochmal einzeln erläutert, um nachfolgend auch die Erläuterungen nochmal auseinander zu klamüsern ("R wie Richard"-"Lichald???"). Und grade als ich dachte, der Deutsch-Unterricht wäre vorbei, eröffnet mir der Hirni von einem Mitarbeiter, daß er die ganze Zeit gar keinen "Kugeschleibe" zur Hand hatte, und daraufhin das Ganze nochmal von vorn losgeht. Vielbesteller (zu denen ich gottlob nicht gehöre) sollten in jedem Fall darauf achten, sich möglichst unkomplizierte, einfach durchzugebende Adressen zuzulegen. Wenn man in München zB in der Charles-de-Gaulle-Straße, im Kreuzschnabelweg, am Rainer-Werner-Faßbinder-Platz oder Am Haselnußstrauch wohnt, kann man eigentlich das Telefon auf der Gabel lassen und gleich essen gehen, ist unkomplizierter. Ansonsten kann man nur einen baldigen Umzug in Erwägung ziehen.
Nach dem Auflegen hatte ich dann wie jedesmal das kribbelige Gefühl, daß der Bestellfuzzi letztendlich doch nicht geschnallt hat, was ich will, und ich trotz mehrmaligen Buchstabierens statt der "Ente 23" frittiertes Tintenfischhirn mit 8 Kostbarkeiten geliefert bekomme. Ein resignatives "Bringen Sie mir doch einfach, was Sie wollen" funktioniert allerdings auch nicht. *
Tintenfischhirn gab's dann zwar doch nicht, aber die getrockneten Affenhoden süß-sauer, die ich stattdessen bekam, waren nicht nur mindestens ebenso ungenießbar, sondern standen nicht mal auf der Karte.
Der Hammer kam zum Schluß: Ausgeliefert wurde das Überraschungspaket von einem bayrischen Opi, der sich damit wahrscheinlich seine Rente aufbessert.
Wieso läßt man den nicht stattdessen die Bestellungen aufnehmen?
*) Ich hab's probiert. Das hat den armen Kerl am andern Ende der Leitung derart aus dem Konzept gebracht, daß er sich vor lauter Aufregung einfach nochmal meine Adresse buchstabieren ließ.
Videokritik
Neues aus der Filmkiste:
"Doomsday-Tag der Rache" ist ein krachiger, temporeicher Verschnitt aus "28 days later", "Flucht aus LA" und "Mad Max" mit einem Schuß "Waterworld", nur ohne Water. Ein Endzeitfilmchen also. Und ähnlich wie beim Mad Max, bei dessen Optik teilweise ordentlich geklaut wurde, darf man nicht unbedingt nach Sinn oder Unsinn des Ganzen fragen. Die Freunde gepflegter Action aber dürfen sich zurücklehnen und genießen, denn in Sachen martialischer Zweikämpfe und wilder Verfolgungsjagden wird ordentlich was geboten. Und das ist auch noch so schick und und spannend ins Szene gesetzt, daß es auch einem Blockbuster Ehre gemacht hätte. Die etwas pessimistische Story stört dankenswerterweise nicht durch völlige Hirnrissigkeit oder unfreiwillige Komik, wie es bei Filmen deises Genres leider oft der Fall ist, sondern hält sich angenehm rahmengebend im Hintergrund.
Fazit: "Zehn kleine Negerlein"-Truppe unter Führung einer eiszapfencoolen, nett anzuschauenden Einzelkämpferin wird von fiesen Typen durchs endzeitliche Schottland gehetzt. Top für Actionfans, Flop für Liebhaber skandinavischer Autorenfilme.
"No Country for Old Men" - Absolut sehenswert, obwohl ich nicht genau sagen kann, warum. Denn obwohl der Film eine sehr dichte Story aufzuweisen hat, eine Menge Spannung und eine Prise tiefschwarzen Humor, ist man als Zuschauer stets etwas irritiert. Hauptsächlich, weil die Inszenierung und die Charaktere eher unkonventionell sind: 3 Handlungsstränge, die sich nach und nach immer mehr verdichten: der clevere, kaltschnäuzige, nicht immer ganz durchschaubare Held, der genial diabolische, etwas seltsame Killer und der müde, staubtrockene Provinzbulle. Das wäre normalerweise der Stoff für ein Action-Roadmovie, aber der gewollt schleppende, lakonische Erzählstil, der einen beim Zuschauen den Südstaatenstaub förmlich einatmen läßt, nimmt einiges an Tempo aus der Geschichte. Immer wieder wechseln sich ruhige Erzählpassagen, meist getragen vom perfekt besetzten Old Leatherface Tommy Lee Jones, mit Ausbrüchen brutaler Gewalt ab, sobald der mit unheimlicher Präsenz agierende Killer auf der Bildfläche erscheint.
Das Ende kommt dann schnell und unerwartet und hat zumindest mich etwas ratlos zurück gelassen, wie so oft bei Filmen, in denen das Ende anders aussieht als erwartet.
Fazit: Schwer einzuordnender Mix aus Neo-Western, Roadmovie und Actiondrama. Keine leichte Hollywood-Kost, aber spannend und mit toller Besetzung.
Und noch einmal alles andere als Durchschnittsware: "Pans Labyrinth". In der Zeit nach dem spanischen Bürgerkrieg zieht ein Mädchen mit ihrer schwangeren Mutter zu ihrem Stiefvater in eine alte Mühlemitten im Wald. Der Stiefvater, ein sadistischer, liebloser Offizier, bekämpft dort brutal die Aufständischen der Gegend und ist von vornherein alles andere als ein Sympathieträger. Das Mädchen (altersmäßig an der Schwelle zum Erwachsenwerden), entdeckt nebenbei im Wald ein magisches Labyrinth und begegnet dort dem Waldgott Pan, der ihr eröffnet, daß sie die längst verschollene Prinzessin eines magischen Reiches ist. Um in dieses zu gelangen, muß sie verschiedene Aufgaben lösen, die sie in eine magische, unheimliche Zwischenwelt führen. Und während die Kampfhandlungen, die stellenweise nichts für zart Besaitete sind, ihrem unweigerlichen Höhepunkt entgegentreiben, versucht das Mädchen auf der Flucht aus der unschönen Realität einen Weg hinein in die fantastische Welt der Feen zu finden. Vermutlich ist da auch wieder irgendeine Parabel auf das Erwachsenwerden versteckt, aber ich will mal nicht zuviel hineininterpretieren.
Fazit: Düsteres, poetisches Fantasy-Märchen mit expliziten Gewaltszenen und klar verteilten gut/böse-Rollen.
"Doomsday-Tag der Rache" ist ein krachiger, temporeicher Verschnitt aus "28 days later", "Flucht aus LA" und "Mad Max" mit einem Schuß "Waterworld", nur ohne Water. Ein Endzeitfilmchen also. Und ähnlich wie beim Mad Max, bei dessen Optik teilweise ordentlich geklaut wurde, darf man nicht unbedingt nach Sinn oder Unsinn des Ganzen fragen. Die Freunde gepflegter Action aber dürfen sich zurücklehnen und genießen, denn in Sachen martialischer Zweikämpfe und wilder Verfolgungsjagden wird ordentlich was geboten. Und das ist auch noch so schick und und spannend ins Szene gesetzt, daß es auch einem Blockbuster Ehre gemacht hätte. Die etwas pessimistische Story stört dankenswerterweise nicht durch völlige Hirnrissigkeit oder unfreiwillige Komik, wie es bei Filmen deises Genres leider oft der Fall ist, sondern hält sich angenehm rahmengebend im Hintergrund.
Fazit: "Zehn kleine Negerlein"-Truppe unter Führung einer eiszapfencoolen, nett anzuschauenden Einzelkämpferin wird von fiesen Typen durchs endzeitliche Schottland gehetzt. Top für Actionfans, Flop für Liebhaber skandinavischer Autorenfilme.
"No Country for Old Men" - Absolut sehenswert, obwohl ich nicht genau sagen kann, warum. Denn obwohl der Film eine sehr dichte Story aufzuweisen hat, eine Menge Spannung und eine Prise tiefschwarzen Humor, ist man als Zuschauer stets etwas irritiert. Hauptsächlich, weil die Inszenierung und die Charaktere eher unkonventionell sind: 3 Handlungsstränge, die sich nach und nach immer mehr verdichten: der clevere, kaltschnäuzige, nicht immer ganz durchschaubare Held, der genial diabolische, etwas seltsame Killer und der müde, staubtrockene Provinzbulle. Das wäre normalerweise der Stoff für ein Action-Roadmovie, aber der gewollt schleppende, lakonische Erzählstil, der einen beim Zuschauen den Südstaatenstaub förmlich einatmen läßt, nimmt einiges an Tempo aus der Geschichte. Immer wieder wechseln sich ruhige Erzählpassagen, meist getragen vom perfekt besetzten Old Leatherface Tommy Lee Jones, mit Ausbrüchen brutaler Gewalt ab, sobald der mit unheimlicher Präsenz agierende Killer auf der Bildfläche erscheint.
Das Ende kommt dann schnell und unerwartet und hat zumindest mich etwas ratlos zurück gelassen, wie so oft bei Filmen, in denen das Ende anders aussieht als erwartet.
Fazit: Schwer einzuordnender Mix aus Neo-Western, Roadmovie und Actiondrama. Keine leichte Hollywood-Kost, aber spannend und mit toller Besetzung.
Und noch einmal alles andere als Durchschnittsware: "Pans Labyrinth". In der Zeit nach dem spanischen Bürgerkrieg zieht ein Mädchen mit ihrer schwangeren Mutter zu ihrem Stiefvater in eine alte Mühlemitten im Wald. Der Stiefvater, ein sadistischer, liebloser Offizier, bekämpft dort brutal die Aufständischen der Gegend und ist von vornherein alles andere als ein Sympathieträger. Das Mädchen (altersmäßig an der Schwelle zum Erwachsenwerden), entdeckt nebenbei im Wald ein magisches Labyrinth und begegnet dort dem Waldgott Pan, der ihr eröffnet, daß sie die längst verschollene Prinzessin eines magischen Reiches ist. Um in dieses zu gelangen, muß sie verschiedene Aufgaben lösen, die sie in eine magische, unheimliche Zwischenwelt führen. Und während die Kampfhandlungen, die stellenweise nichts für zart Besaitete sind, ihrem unweigerlichen Höhepunkt entgegentreiben, versucht das Mädchen auf der Flucht aus der unschönen Realität einen Weg hinein in die fantastische Welt der Feen zu finden. Vermutlich ist da auch wieder irgendeine Parabel auf das Erwachsenwerden versteckt, aber ich will mal nicht zuviel hineininterpretieren.
Fazit: Düsteres, poetisches Fantasy-Märchen mit expliziten Gewaltszenen und klar verteilten gut/böse-Rollen.
Mittwoch, 15. Oktober 2008
Ich hab es getan
Ich habe einen fremden, älteren, gutsituierten Herrn Geld dafür gegeben, damit er mir seinen Finger in den Hintern steckt.
Naja, das Geld heißt eigentlich Kassenbeitrag, und der Herr war Urologe, aber so klingt es doch gleich viel spektakulärer.
Ja, auch der Michel wird nicht jünger, und da war dann auch mal ein Antrittsbesuch beim Spezialisten fällig.
Ich persönlich bin spätestens seit heute der Meinung, daß Urologen die einzigen Mediziner sind, bei denen man sich darauf verlassen kann, daß sie mit Leidenschaft Arzt sind und ihren Beruf ernst nehmen. Urologen sind die Herren und Damen der Säfte, die sich täglich durch Seen, Pfützen und Ströme unangenehmster Ausscheidungsprodukte des menschlichen Körpers kämpfen. Das macht keiner, der beim Medizinstudium nur den Sportwagen und die Golftasche vor Augen hat. Kann ich mir zumindest nicht vorstellen.
Trotzdem gibt es für Männer kaum etwas Unangenehmeres als den Gang zum Urologen. Wir lassen uns lieber ohne Betäubung die Wirbelsäule entfernen und quer wieder einsetzen. Wir ziehen eine Lobotomie einer Darmspiegelung vor. Wir würden lieber zuschauen, wie unser kleiner Freund langsam schwarz wird und abfällt, als unser Wasserwerk in die fachkundigen Hände eines Unterleibsklempners zu legen. So ist das mit uns Männern. Nur einer von vielen Gründen, warum unsere Lebenserwartung niedriger ist als die der Frauen.
Zwar mußten wir alle schon mal miterleben, wie ein gelangweilter Musterungsarzt mehr oder weniger neiderfüllt unsere Teenager-Bällchen in der Hand wog und uns nachhaltig zum Husten aufforderte, ohne sich mit langen Erklärungen über den Sinn dieses Hustens aufzuhalten. Aber das war letztendlich ein Kindergeburtstag gegen einen richtigen Unterleibs-Check.
Naja, wie auch immer, jedenfalls war ich da. Und was soll ich sagen: Es war nicht ganz so schlimm, wie man es sich immer vorstellt. Schön war's aber auch nicht. Auf die Prostatamassage hätte ich zum Beispiel ganz gut verzichten können. Meinen G-Punkt hat er zwar nicht gefunden, dafür war er meinem H-Punkt (der "Hau ich ihm gleich auf die Fresse oder nicht?"-Punkt) ganz schön nahe.
Andererseits gehört die Nummer natürlich zum beinah legendären Standardrepertoire ("Und nun läßt der Große Hodini vor Ihrer aller Augen seinen Finger verschwinden!") eines jeden Unterleibsvirtuosen, so daß man sich vermutlich - im wahrsten Sinne - verarscht vorkommt, wenn er den Part ausspart.
Besonders "spassig" fand ich aber, daß während der ganzen Chose eine zwar ältere (ca. 50 J.) und diskrete, aber nicht minder weibliche Arzthelferin dem Geschehen aufmerksam folgte und artig die kryptischen Ansagen des Arztes mitmeißelte. Nennt mich altmodisch, aber bisher habe ich immer Wert darauf gelegt, zumindest den Namen der jeweiligen Dame zu kennen, bevor ich vor ihr die Hosen runterließ. Vielleicht hätte mich das in der Situation auch noch befangener gemacht, denn so namenlos, wie sie war, war sie in dem Moment nicht mehr als eine Art menschliches Diktiergerät. Blöd fand ich es trotzdem. Aber noch schlimmer wär es wohl gewesen, ich hätte es mit einer jungen und hübschen Arzthelferin zu tun gehabt.
Überhaupt sollten Urologen-Helferinnen alt, häßlich und gemein sein. Bei einer solchen Frau wäre es mir wahrscheinlich überhaupt nicht peinlich, ihr mit einem selbstzufriedenen Lächeln meinen stramm gefüllten Pinkelbecher in die wurstigen Hände zu drücken.
Warum sowas hier in den Blog hacke, fragt ihr euch? Na, weil mich das ganze a) verständlicherweise nachhaltig beeindruckt hat und ich b) allen Zaghaften sagten will: Traut euch! Es hat mir nicht gefallen, aber ich hab es überlebt.
Trotzdem eine Warnung an alle, die sich bei einschlägigen sexuellen Eskapaden evtl. schon mal an die lustvolle Erforschung des Prostata-Orgasmus gewagt haben: Jungs, es ist nicht dasselbe. Definitiv nicht.
Sonntag, 12. Oktober 2008
Telefon-Knigge
Manchen Menschen scheint es erhebliche Schwierigkeiten zu bereiten, ihre Belange am Telefon sinnvoll in Worte zu fassen. Daher hier einige Regeln, die uns das Leben leichter machen können und die im Zeitalter der mobilen Telefonie selbstverständlich sein sollten:
1) Bevor Sie einen Hörer in die Hand nehmen, überlegen Sie sich erstmal, was Sie mit dem anstehenden Telefonat ausrichten möchten. Nichts ist für den Angerufenen nervtötender als jemand, der erst nach ausschweifenden Exkursen in seine eigene Lebensgeschichte oder andere, noch spannendere Themen zum Punkt kommt.
Merke: Nur weil Sie selbst unermeßlich viel Zeit, aber keinen Gesprächspartner haben, muß das für andere Menschen noch lange nicht gelten.
2) Beginnen Sie das Gespräch nicht mit "Mein Hund hat gestern...", "Meine Waschmaschine..." oder "Meine Nummer lautet...". Die abendländische Etikette gebietet, daß man zumindest seinen Namen nennt, am besten noch begleitet von guten Wünschen unter Bezugnahme der jeweiligen Tageszeit ("Guten Morgen"). Grunzlaute sind weitestgehend unzureichend.
Besonders eigenwillig ist es u.a. auch, das Gespräch mit der leicht panisch vorgetragenen Frage "Sprechen Sie Deutsch?" zu beginnen. Vor allem, wenn man a) wie Sie gerade einen Telefonanschluß in Deutschland angewählt und b) der Empfänger sich bereits laut und vernehmlich mit "Schönen guten Tag, mein Name ist Günther Schmidt..." o.ä. gemeldet hat.
3) Wenn Sie schon wissen, daß Sie gerade eine falsche Nummer anwählen, Sie aber vor lauter Verzweiflung keine andere Nummer parat haben: Legen Sie trotzdem wieder auf. Davon, daß Sie jemanden anrufen, von dem Sie schon wissen, daß er Ihnen Ihre Fragen nicht beantworten kann, wird Ihre Situation auch nicht besser. Genauso gut könnten Sie in eine Bäckerei gehen, um ein Pfund Tomaten zu kaufen. Sie verschwenden durch solche Sinnlosigkeiten nur kostbare Lebenszeit, und zwar Ihre und die des Angerufenen.
4) An vielen Telefonen dieser Welt sitzen Menschen, die gestreßt, schlecht bezahlt, inkompetent oder auch einfach stinkfaul und hundsgemein sind. Oft sind diese Menschen auch nicht von Natur aus rektale Charaktere, sondern folgen durch solch verwerfliches Tun nur den Maßgaben ihrer Arbeitgeber.
Bitte gehen Sie aber nun nicht davon aus, daß Sie es jedesmal, wenn Sie einen Hörer in die Hand nehmen, am anderen Ende der Leitung mit einem dieser unangenehmeren Zeitgenossen zu tun haben. Es sitzen durchaus auch nette Leute am Telefon, die tatsächlich wissen, was Kundenservice ist und auch Ahnung von ihrem Job haben. Die haben es nicht verdient, von Ihnen angeschnauzt zu werden. Denn die reale Gefahr besteht, daß Sie mit Ihrem offenen Unmut den Stein des Anstoßes gegeben haben, aus dem bislang netten Teilnehmer genau den griesgrämigen Fiesling zu machen, mit dem Sie nie zu tun haben wollten.
Ja, genau: Dann sind SIE Schuld!!
5) Legen Sie sich Stift und Papier parat. Immer wieder passiert es, daß Leute in der Absicht anrufen, bestimmte Informationen zu erhalten. Scheinbar rechnen sie aber nie wirklich damit, auch Antworten zu erhalten. Denn wenn es darum geht, sich die erfragten Informationen zu notieren, haben sie plötzlich keinen Stift in Reichweite. Ja, Leutchen, watt denn nu? Wolltet ihr etwa die 50-stellige Seriennummer, nach der ihr gefragt habt, im Kopf behalten?
6) Lernen Sie Ihre Telefonnummer auswendig. Vor allem Ihre Handynummer. Verlassen Sie sich nie darauf, daß der Angerufene sie schon irgendwie sehen oder herausfinden kann. Ausreden wie "Ich kenn die Nummer nicht, ich rufe mich ja so selten an!" sind nicht witzig, sondern peinlich. Sie führen ja auch nicht ständig Selbstgespräche. Aber Ihren Namen wissen Sie trotzdem, oder nicht?
7) Versuchen Sie, hochdeutsch zu sprechen. Auch wenn es schwer fällt. Sie möchten doch, daß der Angerufene versteht, was Sie von ihm wollen, oder? Geben sie sich Mühe, auch wenn Ihr schnurriger Bergdialekt sie bisher immer dazu befähigt hat, den Paarungsruf des Murmeltiermännchens naturgetreu nachzuahmen und Sie damit der Abräumer bei jeder volkstümlichen Abendgesellschaft waren. Denn um mit einem Finanzbeamten in einem Büro, 400 km von Ihrer Wohnhöhle entfernt, telefonisch die Feinheiten der deutschen Steuergesetzgebung zu diskutieren, reicht ihr von Schnalzlauten durchsetztes, gutturales Gebrummel vielleicht doch nicht aus.
Nun noch ein paar Dinge, die Sie nie, wirklich niemals am Telefon (und auch sonst nicht) sagen sollten, für den Fall, daß Sie mal Ihren Willen nicht kriegen:
"Sie wissen wohl nicht, wer ich bin?" - Leute, die diese Frage stellen, stellen sie meist zu Recht, denn sie halten sich in der Regel für weit wichtiger, als sie tatsächlich sind. Mit anderen Worten: Sie haben es nötig, so zu fragen, denn ihr Gegenüber weiß meist wirklich nicht, wer sie sind, und dies aus gutem Grund. Und wenn er es wüßte, wär es ihm wahrscheinlich herzlich egal.
Merke: Wer wirklich wichtig ist, hat diese oder ähnliche Fragen nicht nötig. Alle andern geben sich mit solchen Kinkerlitzchen der Lächerlichkeit preis.
"Damit gehe ich zur Bildzeitung/zum Fernsehen/zum Anwalt!" - Gehen Sie ruhig. Mag sich Ihr Anwalt vielleicht noch für Ihre kleinliche Rechthaberei interessieren (schließlich lebt er ja davon), bei der Bildzeitung, Super-Illu oder der Bäcker-Blume interessiert Ihre Leidensgeschichte keine Sau. Dinge, wie sie Ihnen passieren, geschehen jeden Tag hundertfach. Und wie viele davon landen wirklich in den Medien? Grade mal eine Handvoll. Merken Sie was? Damit sich irgendein gelangweilter Redaktionspraktikant Ihre Geschichte vom geplatzten Wasserrohr, Ihrem überfahrenen Dackel oder Ihren außerirdischen Nachbarn anhört, müssen schon mindestens fünf zugekokste Prostituierte, Roberto Blanco oder beides drin vorkommen.
"Mein Name ist Professor Doktor Kurt Schlagmichtot..."("...und wehe, du Domestik sprichst mich im folgenden nur mit "Herr" an!" - erfahrene Telefonierer können den unausgesprochenen Nachsatz am Tonfall erkennen...) - TRÖÖÖÖÖÖT! Falsch! Es sei denn, Ihre verkommenen Erzeuger hätten Ihnen wirklich "Professor Doktor" als Vornamen mitgegeben. Was zwar ein erstmal clever ausgedachter, letztlich aber recht fieser und wohl auch rechtlich nicht durchführbarer, elterlicher Schachzug gewesen wäre.
Titel sind nun mal keine Namensbestandteile, schließlich sind wir hier nicht in Österreich. So weit ich weiß, sind bisher alle kleinen Wichtigtuer gescheitert, die vor Gericht das Gegenteil für sich erstreiten wollten.
Nun darf ja jeder auf seine diversen Titel stolz sein und sich selbst auch damit schmücken, die meisten Menschen haben ja auch etwas dafür geleistet. Das Dumme ist nur, das einige von denen die unangenehme Angewohnheit haben, sich infolge des Titels pauschal für etwas besseres zu halten. So ist denn meist auch die plakative verbale Unterstreichung des Titels bei Telefonaten auch nichts weiter als ein plumper Versuch, sich durch kurzfristige Installation einer virtuellen Rangordnung einen Vorteil zu verschaffen und den Gesprächspartner einzuschüchtern. Viele Titulare merken nicht, daß sie durch solches Verhalten eher ihr Gesicht verlieren als wie erhofft Status zu gewinnen. Understatement geht anders.
Also: Bleiben sie ruhig, bleiben Sie höflich, fassen Sie sich kurz. Denn wie es in den Wald hineinruft,...
Und außerdem wollen Sie ja meistens irgend etwas von demjenigen, den Sie gerade anrufen, nicht umgekehrt. Sie rufen ihn ja nicht an, weil Sie ihm damit einen Gefallen tun wollen, oder im Bestreben, seiner tristen Existenz mit Ihrem bescheidenen Anliegen endlich einen Sinn zu geben, oder?
1) Bevor Sie einen Hörer in die Hand nehmen, überlegen Sie sich erstmal, was Sie mit dem anstehenden Telefonat ausrichten möchten. Nichts ist für den Angerufenen nervtötender als jemand, der erst nach ausschweifenden Exkursen in seine eigene Lebensgeschichte oder andere, noch spannendere Themen zum Punkt kommt.
Merke: Nur weil Sie selbst unermeßlich viel Zeit, aber keinen Gesprächspartner haben, muß das für andere Menschen noch lange nicht gelten.
2) Beginnen Sie das Gespräch nicht mit "Mein Hund hat gestern...", "Meine Waschmaschine..." oder "Meine Nummer lautet...". Die abendländische Etikette gebietet, daß man zumindest seinen Namen nennt, am besten noch begleitet von guten Wünschen unter Bezugnahme der jeweiligen Tageszeit ("Guten Morgen"). Grunzlaute sind weitestgehend unzureichend.
Besonders eigenwillig ist es u.a. auch, das Gespräch mit der leicht panisch vorgetragenen Frage "Sprechen Sie Deutsch?" zu beginnen. Vor allem, wenn man a) wie Sie gerade einen Telefonanschluß in Deutschland angewählt und b) der Empfänger sich bereits laut und vernehmlich mit "Schönen guten Tag, mein Name ist Günther Schmidt..." o.ä. gemeldet hat.
3) Wenn Sie schon wissen, daß Sie gerade eine falsche Nummer anwählen, Sie aber vor lauter Verzweiflung keine andere Nummer parat haben: Legen Sie trotzdem wieder auf. Davon, daß Sie jemanden anrufen, von dem Sie schon wissen, daß er Ihnen Ihre Fragen nicht beantworten kann, wird Ihre Situation auch nicht besser. Genauso gut könnten Sie in eine Bäckerei gehen, um ein Pfund Tomaten zu kaufen. Sie verschwenden durch solche Sinnlosigkeiten nur kostbare Lebenszeit, und zwar Ihre und die des Angerufenen.
4) An vielen Telefonen dieser Welt sitzen Menschen, die gestreßt, schlecht bezahlt, inkompetent oder auch einfach stinkfaul und hundsgemein sind. Oft sind diese Menschen auch nicht von Natur aus rektale Charaktere, sondern folgen durch solch verwerfliches Tun nur den Maßgaben ihrer Arbeitgeber.
Bitte gehen Sie aber nun nicht davon aus, daß Sie es jedesmal, wenn Sie einen Hörer in die Hand nehmen, am anderen Ende der Leitung mit einem dieser unangenehmeren Zeitgenossen zu tun haben. Es sitzen durchaus auch nette Leute am Telefon, die tatsächlich wissen, was Kundenservice ist und auch Ahnung von ihrem Job haben. Die haben es nicht verdient, von Ihnen angeschnauzt zu werden. Denn die reale Gefahr besteht, daß Sie mit Ihrem offenen Unmut den Stein des Anstoßes gegeben haben, aus dem bislang netten Teilnehmer genau den griesgrämigen Fiesling zu machen, mit dem Sie nie zu tun haben wollten.
Ja, genau: Dann sind SIE Schuld!!
5) Legen Sie sich Stift und Papier parat. Immer wieder passiert es, daß Leute in der Absicht anrufen, bestimmte Informationen zu erhalten. Scheinbar rechnen sie aber nie wirklich damit, auch Antworten zu erhalten. Denn wenn es darum geht, sich die erfragten Informationen zu notieren, haben sie plötzlich keinen Stift in Reichweite. Ja, Leutchen, watt denn nu? Wolltet ihr etwa die 50-stellige Seriennummer, nach der ihr gefragt habt, im Kopf behalten?
6) Lernen Sie Ihre Telefonnummer auswendig. Vor allem Ihre Handynummer. Verlassen Sie sich nie darauf, daß der Angerufene sie schon irgendwie sehen oder herausfinden kann. Ausreden wie "Ich kenn die Nummer nicht, ich rufe mich ja so selten an!" sind nicht witzig, sondern peinlich. Sie führen ja auch nicht ständig Selbstgespräche. Aber Ihren Namen wissen Sie trotzdem, oder nicht?
7) Versuchen Sie, hochdeutsch zu sprechen. Auch wenn es schwer fällt. Sie möchten doch, daß der Angerufene versteht, was Sie von ihm wollen, oder? Geben sie sich Mühe, auch wenn Ihr schnurriger Bergdialekt sie bisher immer dazu befähigt hat, den Paarungsruf des Murmeltiermännchens naturgetreu nachzuahmen und Sie damit der Abräumer bei jeder volkstümlichen Abendgesellschaft waren. Denn um mit einem Finanzbeamten in einem Büro, 400 km von Ihrer Wohnhöhle entfernt, telefonisch die Feinheiten der deutschen Steuergesetzgebung zu diskutieren, reicht ihr von Schnalzlauten durchsetztes, gutturales Gebrummel vielleicht doch nicht aus.
Nun noch ein paar Dinge, die Sie nie, wirklich niemals am Telefon (und auch sonst nicht) sagen sollten, für den Fall, daß Sie mal Ihren Willen nicht kriegen:
"Sie wissen wohl nicht, wer ich bin?" - Leute, die diese Frage stellen, stellen sie meist zu Recht, denn sie halten sich in der Regel für weit wichtiger, als sie tatsächlich sind. Mit anderen Worten: Sie haben es nötig, so zu fragen, denn ihr Gegenüber weiß meist wirklich nicht, wer sie sind, und dies aus gutem Grund. Und wenn er es wüßte, wär es ihm wahrscheinlich herzlich egal.
Merke: Wer wirklich wichtig ist, hat diese oder ähnliche Fragen nicht nötig. Alle andern geben sich mit solchen Kinkerlitzchen der Lächerlichkeit preis.
"Damit gehe ich zur Bildzeitung/zum Fernsehen/zum Anwalt!" - Gehen Sie ruhig. Mag sich Ihr Anwalt vielleicht noch für Ihre kleinliche Rechthaberei interessieren (schließlich lebt er ja davon), bei der Bildzeitung, Super-Illu oder der Bäcker-Blume interessiert Ihre Leidensgeschichte keine Sau. Dinge, wie sie Ihnen passieren, geschehen jeden Tag hundertfach. Und wie viele davon landen wirklich in den Medien? Grade mal eine Handvoll. Merken Sie was? Damit sich irgendein gelangweilter Redaktionspraktikant Ihre Geschichte vom geplatzten Wasserrohr, Ihrem überfahrenen Dackel oder Ihren außerirdischen Nachbarn anhört, müssen schon mindestens fünf zugekokste Prostituierte, Roberto Blanco oder beides drin vorkommen.
"Mein Name ist Professor Doktor Kurt Schlagmichtot..."("...und wehe, du Domestik sprichst mich im folgenden nur mit "Herr" an!" - erfahrene Telefonierer können den unausgesprochenen Nachsatz am Tonfall erkennen...) - TRÖÖÖÖÖÖT! Falsch! Es sei denn, Ihre verkommenen Erzeuger hätten Ihnen wirklich "Professor Doktor" als Vornamen mitgegeben. Was zwar ein erstmal clever ausgedachter, letztlich aber recht fieser und wohl auch rechtlich nicht durchführbarer, elterlicher Schachzug gewesen wäre.
Titel sind nun mal keine Namensbestandteile, schließlich sind wir hier nicht in Österreich. So weit ich weiß, sind bisher alle kleinen Wichtigtuer gescheitert, die vor Gericht das Gegenteil für sich erstreiten wollten.
Nun darf ja jeder auf seine diversen Titel stolz sein und sich selbst auch damit schmücken, die meisten Menschen haben ja auch etwas dafür geleistet. Das Dumme ist nur, das einige von denen die unangenehme Angewohnheit haben, sich infolge des Titels pauschal für etwas besseres zu halten. So ist denn meist auch die plakative verbale Unterstreichung des Titels bei Telefonaten auch nichts weiter als ein plumper Versuch, sich durch kurzfristige Installation einer virtuellen Rangordnung einen Vorteil zu verschaffen und den Gesprächspartner einzuschüchtern. Viele Titulare merken nicht, daß sie durch solches Verhalten eher ihr Gesicht verlieren als wie erhofft Status zu gewinnen. Understatement geht anders.
Also: Bleiben sie ruhig, bleiben Sie höflich, fassen Sie sich kurz. Denn wie es in den Wald hineinruft,...
Und außerdem wollen Sie ja meistens irgend etwas von demjenigen, den Sie gerade anrufen, nicht umgekehrt. Sie rufen ihn ja nicht an, weil Sie ihm damit einen Gefallen tun wollen, oder im Bestreben, seiner tristen Existenz mit Ihrem bescheidenen Anliegen endlich einen Sinn zu geben, oder?
Mittwoch, 8. Oktober 2008
Dienstag, 7. Oktober 2008
Seltsame Begegnung 1
Gestern, 17:45, an einer Bushaltestelle in München.
Feierabendverkehr. Direkt vor meiner Nase staut sich der Verkehr Richtung Innenstadt.
Einer Sportwagenfahrerin, Typ Zahnarztfrau in den besten Wechseljahren, paßt das scheinbar überhaupt nicht. Dank der wie gewohnt überragenden Leistungen deutscher Schallschutzingenieure kann man ihr Schimpfen außerhalb ihrer Luxuskarosse zwar nicht hören, dafür hätte ihr Gestikulieren aber Marcel Marceau alle Ehre gemacht. Offenbar kann sie sich grade noch so zurückhalten, ins Lenkrad zu beißen.
Das überambitionierte Spiel der Hobby-Pantomimin verkürzt mir die Wartezeit auf den Bus erheblich. Die Situation steht dabei ganz im Zeichen sozialneidischer Ironiebetrachtungen: Da sitzt diese vermeintliche Society-Husche in ihrem schnittigen Proletenausbremser, wahrscheinlich gerade auf dem Weg von ihrem Golflehrer zu ihrem Börsenmakler, und ist damit momentan auch nicht schneller unterwegs als die sie umgebenden Kleinsparer in ihren Feinstaubmobilen. Und gerade als ich mir ausmale, mit welchen speziellen Dienstleistungen sie ihren Gatten wohl zum Kauf des noblen Gefährts "überredet" hat, darf sie im Stau ca 1 Meter aufrücken, ihre Visagistenleinwand wird zur Gänze sichtbar, und meine monitormüden Augen identifizieren Uschi Glas.
Das macht mir natürlich meine schönen, gehässigen Phantasien prekariatsnaher Selbstgerechtigkeit zunichte.
Denn Uschi hat sich die Asphaltfräse wahrscheinlich selber gekauft.
Denn Uschi hat sich die Asphaltfräse wahrscheinlich selber gekauft.
Freitag, 3. Oktober 2008
Happy Birthday!
Die Wiedervereinigung wird 18. Deutschland darf endlich legal Auto fahren, wählen und endlich auch mal die richtig harten Sachen trinken.
Normalerweise ist der 18. Geburtstag ja ein Anlaß, es mal so richtig krachen zu lassen. Man lädt sich Freunde ein, stellt Hochprozentiges kalt und sorgt für Snacks, die sich - nur für den Fall - problemlos erbrechen lassen.
So würde das wahrscheinlich auch in den meisten anderen Ländern dieser Welt ablaufen. Sogar die tiefgekühlten Finnen, die Erfinder der Polarnachtsdepression und des Death Metal, sitzen am Unabhängigkeitstag allesamt brav vor dem Fernseher und schauen begeistert ihrem Präsi beim Feiern zu.
Nicht so bei uns. Oder hat etwa gestern tatsächlich jemand der Rede unseres Bundes-Horsts gelauscht und Strichliste geführt, wie oft er "zusammenwachsen" gesagt hat? Nicht wirklich.
Deutschland hat, statt eine heiße Party zu schmeißen, allein im Jogginganzug mit einer Flasche Bier vor dem Fernseher gesessen. In der Glotze lief vermutlich gerade taffblitzexplosivbrisant, wo gerade irgendeine dampfgeföhnte Moderationspraktikantin mit gespielter Betroffenheit irgendwas von der "Mauer in den Köpfen" faselte, die es jetzt doch endlich mal zu überwinden gilt.
So ist das eben mit uns Dschörmans: Wir jetten um den Globus, besaufen uns mit den Iren am St Patricks Day, grillen mit den Amis am Independence Day und verprügeln am griechischen Unabhängigkeitstag ein paar Türken. Wir feiern mit den Völkern dieser Welt deren nationale Feiertage, nur an unserem eigenen kriegen wir es nicht so richtig hin. Nur vereinzelt klemmt mal einer ein übriggebliebenes WM-Deutschlandfähnchen ans Balkongeländer.
Warum das so ist? Die Frage hab ich mir u.a. angesichts der heutigen BILD-Schlagzeile auch gestellt. "Wir sind ein Volk" stand da zu lesen. Aber was für ein Volk sind wir eigentlich? Welche Nation begeht da ihren Nationalfeiertag?
Schwierig zu beantworten, denn allein die Bedeutung der Worte "Volk" bzw "Nation" läßt verschiedene Definitionen zu. Bin ich also Deutscher, weil ich meinen Wohnsitz hier habe? Oder etwa, weil Deutsch meine Muttersprache ist? Oder weil ich einen deutschen Paß habe? Weil ich hier geboren und aufgewachsen bin? Weil ich gerne Bratwurst esse?
Keine der Antworten auf diese Fragen kann wirklich die Frage nach dem "Deutschsein" zufrieden stellend beantworten. Würde man z.B einen Australier zu dem Thema befragen, würde er uns vermutlich sagen, daß wir uns nicht den Kopf über so einen Scheiß zerbrechen sollen, er sei Australier, weil er eben einer sei bzw sich als Australier fühlt, goddammit.
Wir beneiden den Australier daraufhin um sein unverkrampftes Verhältnis zu seiner nationalen Identität. Und fragen uns, warum uns das nicht gelingt. Was für ein Gefühl ist das, "deutsch"?
Wie soll man heutzutage so etwas wie nationale Identität überhaupt definieren, wenn der Busfahrer aus Uganda ein verständlicheres Deutsch spricht als der aus Stuttgart? Wenn das Auto meines Nachbarn Metin sauberer ist als meins, Kollege Marek pünktlicher ist und Kollege Jean-Paul Kartoffeln noch viel lieber ißt als ich selbst Pizza? Wir schicken unsere Bundeswehr nach Afghanistan, unsere Sportler nach Monaco, unsere Arbeitsplätze nach Taiwan und unser Geld nach Liechtenstein. Die Welt ist rund, Deutschland nicht.
Die Frage ist wohl mittlerweile eher: Brauchen wir eine nationale Identität überhaupt noch? Was nützt mir das Bewußtsein, daß ich Deutscher bin? Bringt es mich weiter, erweitert es meinen Geist, bezahlt es meine Rechnungen? Oder weiß ich dadurch im Zweifel nur, welcher Fußballmannschaft ich zujubeln muß? Obwohl mir die andere Mannschaft vielleicht viel sympathischer ist?
Sicher ist, daß der Mensch nach einer gewissen Ordnung strebt. Jedes Ding und jeder Mensch soll einen Namen haben, ein Etikett, einen Rang, der es oder ihn kategorisierbar macht. Ob er will oder nicht. So bringen wir Ordnung in das Chaos, das das Leben uns serviert, so schaffen wir uns unzählige Schubladen, in die wir alles, was uns begegnet, einzusortieren versuchen. So funktioniert unser Denken, so wird die Welt für uns begreifbar. Und weil jedes Individuum sich seine eigenen Schubladen bastelt, sind wir gezwungen, miteinander zu kommunizieren. Denn so synchronisieren wir unsere verschiedenen Weltbilder miteinander und finden heraus, wer uns sympathisch ist und wer eher nicht.
Immer wieder gewinnt dabei die Einordnung nach verschiedenen Völkern ganz besonders an Bedeutung. Manchmal fangen wir dann plötzlich an, den Gaul von hinten aufzuzäumen. Wir knüpfen unsere Sympathien plötzlich nicht mehr an Individuen, sondern verteilen sie anhand von bestimmten Einordnungskriterien, Klassifizierungen, Etiketten. Wir fangen an, unsere Datenbank neu zu sortieren. Wir verfrachten Schubladen, deren Inhalt uns nicht gefällt, mit Gewalt ganz unten ins Regal. Und manchmal versuchen wir sogar, sie loszuwerden.
Mit anderen Worten: Die politischen Konstrukte von Völkern und Nationen haben in der Vergangenheit zu wenig mehr gedient als uns begreiflich zu machen, wen wir mögen sollen und wen nicht, wem welches Stückchen Land gehört und wen wir attackieren müssen, um es zu bekommen. Nichts gutes also.
Dabei ist es letztendlich für mich heute völlig egal, ob ich Deutscher bin oder nicht. Wenn ich mich dafür entscheide, könnte ich in kürzester Zeit Buddhist werden, die österreichische Staatsbürgerschaft annehmen, meinen Wohnsitz nach Spanien verlegen und an jedem jüdischen Feiertag die kanadische Flagge aus dem Fenster hängen, und bliebe trotzdem im Grundsatz derselbe Mensch.
Schön, in einem Land zu leben, wo ich all das machen könnte, wenn ich wollte.
Danke, Deutschland. Und nichts für ungut.
Sicher ist, daß der Mensch nach einer gewissen Ordnung strebt. Jedes Ding und jeder Mensch soll einen Namen haben, ein Etikett, einen Rang, der es oder ihn kategorisierbar macht. Ob er will oder nicht. So bringen wir Ordnung in das Chaos, das das Leben uns serviert, so schaffen wir uns unzählige Schubladen, in die wir alles, was uns begegnet, einzusortieren versuchen. So funktioniert unser Denken, so wird die Welt für uns begreifbar. Und weil jedes Individuum sich seine eigenen Schubladen bastelt, sind wir gezwungen, miteinander zu kommunizieren. Denn so synchronisieren wir unsere verschiedenen Weltbilder miteinander und finden heraus, wer uns sympathisch ist und wer eher nicht.
Immer wieder gewinnt dabei die Einordnung nach verschiedenen Völkern ganz besonders an Bedeutung. Manchmal fangen wir dann plötzlich an, den Gaul von hinten aufzuzäumen. Wir knüpfen unsere Sympathien plötzlich nicht mehr an Individuen, sondern verteilen sie anhand von bestimmten Einordnungskriterien, Klassifizierungen, Etiketten. Wir fangen an, unsere Datenbank neu zu sortieren. Wir verfrachten Schubladen, deren Inhalt uns nicht gefällt, mit Gewalt ganz unten ins Regal. Und manchmal versuchen wir sogar, sie loszuwerden.
Mit anderen Worten: Die politischen Konstrukte von Völkern und Nationen haben in der Vergangenheit zu wenig mehr gedient als uns begreiflich zu machen, wen wir mögen sollen und wen nicht, wem welches Stückchen Land gehört und wen wir attackieren müssen, um es zu bekommen. Nichts gutes also.
Dabei ist es letztendlich für mich heute völlig egal, ob ich Deutscher bin oder nicht. Wenn ich mich dafür entscheide, könnte ich in kürzester Zeit Buddhist werden, die österreichische Staatsbürgerschaft annehmen, meinen Wohnsitz nach Spanien verlegen und an jedem jüdischen Feiertag die kanadische Flagge aus dem Fenster hängen, und bliebe trotzdem im Grundsatz derselbe Mensch.
Schön, in einem Land zu leben, wo ich all das machen könnte, wenn ich wollte.
Danke, Deutschland. Und nichts für ungut.
Upps...
Man soll sich eben nicht mit der Tagespolitik einlassen, die hat einen letztendlich schneller überholt, als man "Oktoberrevolution" sagen kann.
Gerade noch entwerfe ich gedanklich Beckstein'sche Zukunftsperspektiven als Klinsmann-Jünger, da rollt schon sein Kopf an mir vorbei. Obwohl der ja nicht weit rollen kann, bei den Ohren.
Beck, Beckstein, Banken - Verschwörungstheoretiker könnten meinen, hier würde derzeit alles und jeder gemeuchelt, der mit "B" beginnt - schlechte Aussichten für Barack Obama.
Mit dem, was derzeit gerade in der CSU los ist, hätte man glatt 3 Sommerlöcher füllen können. Allerdings ist mittlerweile bereits Herbst, sozusagen "deutscher Herbst 2.0", und wir könnten uns auch mit wichtigerem beschäftigen als dem bayrischen Denunziantenstadel.
Und wie immer, wenn es irgendwo rummst und sich daraufhin die Aufmerksamkeit aller auf die Quelle des Rummsens fokussiert, nutzen allerlei Ganoven die Gunst der Stunde und schlagen dort zu, wo gerade niemand hinschaut.
Während wir also verzückt die Selbstdemontage einer Volkspartei betrachten, deren Alleinherrschaftsanspruch schon fast SED-mäßige Züge hatte, merken wir z.B. gar nicht, daß unsere netten Energieversorger gerade deutschlandweit die Preise um 20, 30% raufgesetzt haben. Andererseits könnte sich das positiv auf die Selbstmordrate auswirken, denn so manch Suizidgefährdeter wird sich das baldige Ableben bei den jetzigen Gaspreisen gar nicht mehr leisten können.
Und während wir darauf wetten, ob die Supermami aus Alaska sich den Weg zum Weißen Haus freischießen wird oder ob diesmal, entgegen jeden Filmklischees, doch der Schwarze der last man standing sein wird, fahren die diversen Kabumm-istans dieser Welt heimlich, still und leise mit der Tali-Bahn zurück in die Zukunft.
Und wenn wir immer noch drüber nachgrübeln, ob wir angesichts der Bankenkrise nun zukünftig unsere übriggebliebenen Euronen lieber in Dosenpfandbriefen, fliegenden Wechseln oder Hüftgold anlegen sollen, arbeiten andere daran, uns dieses Problems durch steigende Kosten zu entheben. Ulla Schmidt, bei deren altklugen Näseln ich mich immer frage, ob Aachen außer Printen auch noch was vernünftiges hervorgebracht hat, strickt weiter fleißig an ihrer Gesundheitsreform, die zwar vielen nützt, nur nicht a) den Kranken und b) denen, die den Schlamassel mit ihren Beiträgen finanzieren. Wofür stand doch gleich das "S" in SPD?
Gerade noch entwerfe ich gedanklich Beckstein'sche Zukunftsperspektiven als Klinsmann-Jünger, da rollt schon sein Kopf an mir vorbei. Obwohl der ja nicht weit rollen kann, bei den Ohren.
Beck, Beckstein, Banken - Verschwörungstheoretiker könnten meinen, hier würde derzeit alles und jeder gemeuchelt, der mit "B" beginnt - schlechte Aussichten für Barack Obama.
Mit dem, was derzeit gerade in der CSU los ist, hätte man glatt 3 Sommerlöcher füllen können. Allerdings ist mittlerweile bereits Herbst, sozusagen "deutscher Herbst 2.0", und wir könnten uns auch mit wichtigerem beschäftigen als dem bayrischen Denunziantenstadel.
Und wie immer, wenn es irgendwo rummst und sich daraufhin die Aufmerksamkeit aller auf die Quelle des Rummsens fokussiert, nutzen allerlei Ganoven die Gunst der Stunde und schlagen dort zu, wo gerade niemand hinschaut.
Während wir also verzückt die Selbstdemontage einer Volkspartei betrachten, deren Alleinherrschaftsanspruch schon fast SED-mäßige Züge hatte, merken wir z.B. gar nicht, daß unsere netten Energieversorger gerade deutschlandweit die Preise um 20, 30% raufgesetzt haben. Andererseits könnte sich das positiv auf die Selbstmordrate auswirken, denn so manch Suizidgefährdeter wird sich das baldige Ableben bei den jetzigen Gaspreisen gar nicht mehr leisten können.
Und während wir darauf wetten, ob die Supermami aus Alaska sich den Weg zum Weißen Haus freischießen wird oder ob diesmal, entgegen jeden Filmklischees, doch der Schwarze der last man standing sein wird, fahren die diversen Kabumm-istans dieser Welt heimlich, still und leise mit der Tali-Bahn zurück in die Zukunft.
Und wenn wir immer noch drüber nachgrübeln, ob wir angesichts der Bankenkrise nun zukünftig unsere übriggebliebenen Euronen lieber in Dosenpfandbriefen, fliegenden Wechseln oder Hüftgold anlegen sollen, arbeiten andere daran, uns dieses Problems durch steigende Kosten zu entheben. Ulla Schmidt, bei deren altklugen Näseln ich mich immer frage, ob Aachen außer Printen auch noch was vernünftiges hervorgebracht hat, strickt weiter fleißig an ihrer Gesundheitsreform, die zwar vielen nützt, nur nicht a) den Kranken und b) denen, die den Schlamassel mit ihren Beiträgen finanzieren. Wofür stand doch gleich das "S" in SPD?
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