Sonntag, 21. Dezember 2008

Pause

Liebe Leser,

aufgrund absolut vorhersehbarer Umstände (Weihnachten, Silvester) macht der Michel erstmal Blogpause bis Januar 2009. Vielleicht melde ich mich auch schon früher zurück, wenn ich mal ganz dringend dem Weihnachts-Gruppenkuschel-Terror entfliehen muß, aber rechnet nicht damit.

Allen Stammlesern und auch allen, die sich zufällig auf diese Seiten verirren, ein paar schöne Feiertage und ein sanftes Hinübergleiten ins Jahr 2009. Wenn ihr nichts zu feiern habt oder als Pastafari dem christlichen Weihnachts-Gesums nichts abgewinnen könnt: Auch gut, macht's euch trotzdem schön. Und versucht bitte, euch nicht in einem Anfall von Jahresenddepression das Lebenslicht auszuknipsen. Fänd' ich echt unfair, denn so viele Leser hab ich nun auch wieder nicht!

Freitag, 19. Dezember 2008

Tach, Post!

Zu meinem allergrößten Vergnügen durfte ich heute wieder den Post-Shop meines Vertrauens aufsuchen, um dort hinter ca. 96 tattrigen Rentnern den Schlußmann in der Inkontinenz-Polonaise zu spielen. Ca. die Hälfte der Anwesenden stand nur in der Schlange, um beim Postbeamten jeweils 10 Euro in kleinen Scheinen abzuheben. Nur einer der Gründe, warum ich diesem Postfilialen-Mix aus Versandunternehmen, Kreditinstitut und Tante-Emma-Laden nicht traue, um nicht zu sagen: ihn verabscheue.

Naja, aber vielleicht ziehe ich mir auch irgendwann mal den Hosenbund bis unter die Brust, schnappe meinen Rollator und stelle mich in die erstbeste Schlange, derer ich ansichtig werde, um dort stundenlang zahnlos vor mich hin zu murmeln, wenn ich erstmal über 70 bin.

Wie auch immer, ich war da, weil ich ein Paket abholen mußte, also hatte ich keine Wahl. Und so hatte ich auch aufs neue das Vergnügen, in Ermangelung sinnvoller Alternativen (Regale mit Briefkuverts in verschiedenen Größen und Schächtelchen mit bunten Büroklammern verlieren nach spätestens einer Viertelstunde enorm an Faszination) meine Aufmerksamkeit dem grandiosen InStore-TV zu widmen.

Und wieder hat es mir aufgrund des teuflischen Mixes aus Postbank-Werbespots, aktuellen Schlagzeilen an der Grenze der Desinformation und windigen Schnäppchenangeboten die Tränen in die Augen getrieben.

Nicht nur, daß nach wie vor sämtliche Textbeiträge vor Schreibfehlern nur so strotzen, mir ist auch zum ersten Mal aufgefallen, daß man im aktuellen Postbank-Werbespot auf die haarsträubende Idee verfallen ist, statt "günstig" "günstich" zu schreiben, weil ja bei der Post das "ich" im Mittelpunkt steht". Prima Steilvorlage für alle Nachwuchs-Rapper, die in der nächsten Deutschstunde dem Lehrer verklickern, daß sie "Post-Idiot" ab sofort "Post-Idyo!t" schreiben, weil bei ihnen das "Yo!" im Vordergrund steht.

Als nächstes wurde per Bildschirm ein "Lifestyle-Schreibset" angeboten, von ehemals 50irgendwas Euronen herabgesetzt auf 9,99 €, zu erwerben unter efiliale.de. Da mich brennend interessierte, was man bei der Post so unter einer "Lebensstil-Schreibgarnitur" versteht (der Abbildung nach zu urteilen einen silbrigen Wegwerf-Kuli aus Fernost in einem Kunstleder-Mäppchen), wollte ich mir das ganze zuhause mal online anschauen. Was soll ich sagen: Das Angebot gab's gar nicht mehr.

Hey Post: Schon mal was von Lockvogelangeboten gehört?

Montag, 15. Dezember 2008

München für Dummies

Obwohl das größte Dorf mittlerweile weitgehend von Nord-,West- und Ostdeutschen, Türken, Russen und anderen "Preußen" unterwandert ist, lebt immer noch ein erkleckliches Häuflein Eingeborene hier. Und natürlich kommen auch die Aborigines aus dem Umland immer wieder in die "große Stadt", um sich die vielen bunten Lichter anzuschauen und sich einen neuen Fuchsschwanz für den Trecker zu kaufen.
Und obwohl man in manchen Geschäften mit sächsisch weiter kommt als mit dem einheimischen Idiom, bleibt der "Zugroaste" nicht von Irritationen mit dem bayrischen verschont.

Daher nachfolgend ein paar bunt gewürfelte Vokabeln, die dem Unkundigen das Leben in München erleichtern.

Fleischpflanzerl = nichts anderes als ein Hackfleischklößchen, auch bekannt als Bulette, Frikadelle oder Burger

Tram = die Straßenbahn

Wiesn = gemeint ist das Oktoberfest bzw das Gelände, wo es stattfindet: die Theresienwiese

mausen = wer hier an Diebstahl und klauen denkt, liegt aber sowas von falsch... "mausen" means "poppen", "pimpern", "rummachen", kurzum: den Prozeß der Fortpflanzung

Obatzda
= leckerer Brotaufstrich, eine Art gewürzte Käsecreme, Hauptbestandteil: zermatschter Camembert

Fotzen (jaja, ich weiß, aber es ist natürlich nicht, was ihr jetzt denkt) = Mund oder Ohrfeige ("Halt dei Fotzn!" oder auch "I fotz dir glei oane!")

Einser = nicht nur die Schulnote, auch die lokale Umschreibung für das P1

schnackseln = s. "mausen"

Gmiasdandler = Obst- und Gemüsehändler

Oachkatzerlschwoaf = Eichhörnchenschwanz, eine im Prinzip völlig nutzlose Vokabel, mit der Einheimische aber seit Jahrhunderten versuchen, "Zugereiste" zu foltern

Pfister = ist der ortsansässige Vorzeige-Öko-Bäcker und hat rein gar nix mit der Münchner Schwulenszene zu tun

Stachus = neben dem Marienplatz wohl bekanntester Platz im Zentrum, eigentlich Karlsplatz, warum ihn stattdessen jeder Stachus nennt, dazu gibt es eine ebenso herzige wie langweilige Geschichte, die euch jeder Fremdenführer gern erzählt, ich aber nicht

Petuelring = Teilstrecke des Mittleren Rings im Münchner Norden, wird aber "Pe-tu-el" gesprochen, nicht "Petül"

Zipfelklatscher (auch einfach nur "Zipfi") = dank M. Mittermeier nicht mehr ganz so unbekannte Umschreibung für "Vollidiot"

Es zeichnet sich schon ab, daß die Gefahr von kulturellen Mißverständnissen vor allem auf kulinarischem Gebiet am größten ist. Dabei dürfte inzwischen jeder wissen, daß eine "Leberkässemmel" ein fettes Stück warmen Fleischkäses in einem Brötchen bezeichnet, idealerweise genossen mit ordentlich süßem bayrischen Senf.* Aber bestellt euch bitte NIE in einer bayrischen Wirtschaft (= Gaststätte) einen Fleischsalat, wenn ihr nicht gerade Lust auf einen Berg kleingeschnippelte Lyoner mit Zwiebelringen habt, der in einem Liter Essig eingeweicht wurde. Beim "Schweizer Wurstsalat" wird das ganze noch von einem Haufen in Streifen geschnittener Emmentaler gekrönt.


To be continued...

*)
Eine frische Semmel mit frischem, nicht zu fetten Leberkäs und süßem Senf ist für mich die bayrische Erfindung schlechthin, allein dafür lohnt sich eine Reise nach München. Den hiesigen Wurstsalat hingegen halte ich für völlig ungenießbar. Überhaupt hegt der Bayer eine seltsame Vorliebe für Essig, sämtliche Salate werden hierzulande bevorzugt in großzügig bemessenen Mengen Essig ersäuft. Von Sauerbraten und Frankenwein will ich gar nicht erst anfangen...

Eltern!

Wenn ihr euren Kindern schon öde Allerweltsvornamen wie Kevin, Justin, Mandy und Chantal geben müßt, mit denen ihr den armen Würmern glänzende Karrieren als Nageldesignerinnen und Dauergast bei Olli Geißen vorzeichnet, dann lernt wenigstens, sie richtig auszusprechen.

Wann hört ihr außerdem endlich auf, sämtliche, mittlerweile weithin bekannten Prekariatsklischees zu erfüllen und begreift, daß man mit einem Namen wie Kevin Kleinschmidt und Chantal Neumann niemals nicht Innenminister, Superstar oder Chef der Deutschen Bank wird, sondern allenfalls noch Pornodarsteller?
Es muß ja nicht gleich irgendein Sozialpädagogen-Vorname wie "Corbinian Balthasar" oder "Torben Joshua" sein, aber ein bißchen mehr Phantasie darf es schon sein. Dann klappt's vielleicht auch mit der Aussprache...

Mußte mal gesagt werden.

Samstag, 13. Dezember 2008

Deutsche sind doch doof

Gerade freu ich mich noch darüber, daß Deutschland und Thüringen im Speziellen offenbar Kambodscha mittlerweile bildungstechnisch überholt haben und nun vermutlich endlich mit Botswana auf Augenhöhe sind, da verweilt mein nichtsahnender Daumen beim Durchzappen auf RTL2. Dort haben sich nämlich aufs Neue ein paar Dumpfbacken im Rahmen der 129sten BigBrother-Staffel freiwillig in einen Menschenzoo einweisen lassen. Just in dem Moment, wo ich hinzappe, versuchen sich zwei der Insassen, ein fränkischer Bäcker und türkischer Hamburger, im Feuer anmachen.
Einigermaßen entsetzt, unfähig, den rettenden Click mit der Fernbedienung auszuführen, durfte ich den ebenso hilf- wie sinnlosen Versuchen, ein Feuer zu entfachen, beiwohnen. Da standen diese großen weißen Jäger, die Krone der Zivilisation, der Stolz des Abendlandes, und waren zu blöd, mit Hilfe von Streichhölzern (!), Papier und Holzspänen ein Feuer zu machen. Die Jungs machten zwar den Eindruck, als könnten sie 10 verschiedene Sorten Enthaarungswachs am Geschmack erkennen, aber was nützt denen das, wenn sie es nicht mal heiß machen könnten?

Nun ja, dachte ich mir, was erwarte ich eigentlich? Auch die bisherigen Containerbewohner haben nicht gerade als Nobelpreisträger von sich reden gemacht .

Schaun wir also, was uns im Gegenzug das Bildungsbürger-Fernsehen so zu bieten hat: Maybrit Illner im ZDF. Dort versuchten ein paar vorgeblich intelligente Menschen und Verona Pooth zu erklären, warum sie es für eine bzw keine gute Idee halten, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern. Und scheiterten an ihrer Aufgabe ebenso wie die beiden Feuermacher. Einig war man sich am Ende in 2 Dingen: Daß es zwar niemandem schadet, wenn im Grundgesetz "Bei uns wird deitsch gesprecht" stünde, daß es andererseits aber auch rein gar nichts nützt. Zur Krönung wurden in einem Einspieler Leute auf der Straße gefragt, ob ihnen spontan deutsche Substitute für böse Anglizismen wie zB "Hotline" einfielen. Meine unangefochtene Lieblingsantwort war "Meeting", dichtauf gefolgt von "Service Hotline"*.

Ich glaube, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

*) Sie haben richtig verstanden. Dies waren die Antworten bzw. die ersatzweisen "deutschen" Vorschläge der Passanten für das Wort "Hotline".
Noch mehr grandiose Auskünfte findet man hier:


Freitag, 12. Dezember 2008

Deutsche sind nicht doof

Wenn wir dem Fernsehen und anderen finsteren Propheten Glauben schenken, dann hat unser Ländle derzeit so viele Baustellen, daß mit einer baldigen Verknappung von Sand, Kies und Zement gerechnet werden muß, eine virtuelle Betonkrise, wenn man so will.
Unser Phrasen dreschender Bundespagenkopf aus der Uckermark ist auch wirklich nicht zu beneiden. Wenn sie z B nicht grade als oberster Klimaschutzengel um den Erdball jettet, wirbt sie im Namen deutscher Autobauer für deren spritschluckende Rußwerfer. Bei derartigen Spagats sind schon stabilere Hosenanzüge zu Bruch gegangen...

Nun scheint es, als hätte sich zumindest eine Baustelle, die Bildung, zumindest teilweise erledigt. Nachdem unsere Kanzlerette (Kanzleuse?) ja ihre "Bildungsoffensive" (lt. Fremdwörterbuch bezeichnet der Begriff "Offensive" einen Angriff auf einen Feind...) nicht nur vom Namen her vergeigt hat, zeigt die neueste Iglu-Studie, daß deutsche Schüler doch gar nicht so doof sind wie immer alle sagen. Vor allem Thüringen (YES! We can!) ist offensichtlich bevölkert mit lauter wißbegierigen Leseratten. Das muß auch so sein, denn gerade in Thüringen gibt es Gegenden, in denen sich 40-bändige Enzyklopädien auch anderweitig als sehr nützlich erwiesen haben. Etwa, wenn man diese vor der Haustür stapelt, um an rauhen Wintertagen die Wölfe am Eindringen zu hindern. Und nichts motiviert einen Erstklässler mehr, seinen Nußknacker fertig zu schnitzen, als ein paar kräftige Hiebe mit einem handkolorierten Reader's Digest-Sammelband. Vielleicht zeigen sich hier sogar Nachwehen der DDR-Vergangenheit, wenn man in Zeiten der Klopapierverknappung froh war, für alle Fälle ein paar richtig dicke Wälzer in der Bibliothek.

Mehr zum Thema Merkel und Co:

Samstag, 6. Dezember 2008

Wo ist das Geld geblieben?

Seit Wochen beschäftigt die Welt zu Recht nur noch ein Thema: die Finanzkrise. Otto Normalo bleibt aber davon seltsam unbeeindruckt, obwohl wir es hier mit einem Ereignis zu tun haben, in dessen Folge gerade ein ganzes europäisches Land Konkurs angemeldet hat und das vermutlich in den nächsten Jahren noch Millionen Arbeitsplätze kosten wird.

Hierzulande regt sich kein Mensch darüber auf. Kein Mensch geht auf die Straße, weil der Staat gerade Banken, Autobauern und demnächst weiß Gott wem noch Milliarden Steuergelder in den Hintern bläst, z.T. ohne eine konkrete Gegenleistung zu verlangen. Uns dummen Hanseln wird lediglich erklärt, dies sei wichtig, sonst würde alles noch viel schlimmer, und dann kommt das deutsche Totschlagsargument schlechthin, mit dem wir auch schon mal einen Weltkrieg entschuldigt haben: Arbeitsplätze. Und wir halten still und fragen nicht weiter. Wird schon richtig sein, was "die da oben" machen. Daß wir treudoof und träge wie die Osterlämmer alles mit uns machen lassen, haben wir ja in der Vergangenheit reichlich bewiesen. Energiepreise, Gesundheitsfond, Bildungspolitik, Klimaschutz, Hartz4 - welches Thema man auch immer nimmt, die Regierung scheint immer am Willen und Interesse der Mehrheit der Bevölkerung vorbei zu regieren. Und wir kucken zu und machen unser Kreuzchen bei der nächsten Wahl wieder bei denselben Deppen.
Irgendein Kabarettist hat mal gesagt: "Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger, Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen, und Volksvertreter..."

Otto Normalverbraucher (der in ca 20 Jahren bestimmt in "Justin Normalverbraucher" umbenannt werden muß) läßt nun wie gesagt die derzeitigen Katastrophenmeldungen und Warnrufe recht ungerührt an sich abperlen, wie Öl von einer Teflonpfanne. Vermutlich, weil bei all diesen Pressemeldungen, Gesprächsrunden und "Experten"meinungen derart viel geschwafelt wird, daß auf Deutsch gesagt kein Schwein mehr durchblickt und wir dann doch lieber wieder zu Pro7 zappen. Ein weiterer Grund mögen die für den Durchschnittsverdiener kaum greifbaren Summen sein, die dabei durch den Raum schwirren. Und zuletzt sind wir wahrscheinlich auch krisenmüde, abgestumpft durch tägliche Krisenmeldungen aus aller Welt, die sich in der Regel als halb so wild entpuppen bzw. letztendlich spurlos an uns vorüber gehen. Daß wir Presseorgane haben, die flächendeckend jede Boris-Becker-Besenkammer-Nummer zur nationalen Katastrophe ausrufen, trägt auch nicht grade zu einem objektiven Umgang mit realen News bei.

Falls sich aber doch noch jemand dafür interessiert, wie es eigentlich dazu kam, daß plötzlich 2,8 Billionen Dollar (das entspricht in etwa der Summe der Bruttoinlandsprodukte von Süd-, Mittelamerika und Afrika zusammen genommen!) scheinbar unwiederbringlich "verschwunden" sind, dem lege ich dringend diesen hervorragenden ZEIT-Artikel ans Herz.
Hierin wird ziemlich idiotensicher und sehr anschaulich erklärt, wie es zu all den dramatischen Entwicklungen kommen konnte. Gut geschrieben & recherchiert.

Who wants to buy a Müllionnaire?

Die Münchner Abfallwirtschaft hat den Münchnern in einem Rundschreiben verboten, den Müllmännern Bares zuzustecken. Wörtlich heißt es da: "Über viele Jahre war es üblich, dass sich die Münchnerinnen und Münchner zum Jahreswechsel mit einem Trinkgeld bei ihren Müllmännern bedankten."

Dieser wunderschöne und offensichtlich uralte Volksbrauch scheint irgendwie an mir vorbei gegangen zu sein. Ich käme aber auch nie auf die Idee, einem Müllmann für sein segnungsreiches Tun extra Trinkgeld zuzuschustern. Wozu auch? Damit er zukünftig freundlich lächelt, wenn er mit seinem Müllwagen dicht neben einem durch die Schlammpfützen kachelt? Umwickeln die Jungs aus lauter Dankbarkeit die Räder der Mülltonnen mit Schaumgummi, bevor sie mit ihnen früh um 6 durch den Hinterhof rumpeln? Nö. Sie tun einfach Ihren Job, so wie jeder andere von uns auch, ohne daß bei den meisten andern Menschen jemals jemand auf die Idee käme, mit kleinen Präsenten bei ihnen Weihnachtsmann zu spielen. Außer im Taxi, beim Friseur oder in der Gastronomie sind Trinkgelder in Deutschland einfach nicht üblich, und selbst dort nur, wenn der Service wirklich gut war. Wobei wir ja prinzipiell schon aufrunden, wenn die Bedienung uns nicht beim Servieren auf den Teller spuckt. Die Erwartungshaltung der Deutschen in Sachen Kundenservice setzt ja traditionell recht weit unten an. Man ist ja schon beinah bereit, einem deutschen Kellner für ein Lächeln und die Frage "Hat's geschmeckt?" wohlwollend in die eigene Erbengemeinschaft aufzunehmen.

Zurück zu den Müllmännern. Grund für das Verbot ist wie so oft Neid, zumindest läßt die Begründung das vermuten. "Im Abfallwirtschaftsbetrieb sind nunmehr alle Bereiche und alle Beschäftigten gleichgestellt. Viele andere Kolleginnen und Kollegen mit Kundenverkehr, zum Beispiel auf den Wertstoffhöfen, bei der Sperrmüllabholung, beim Giftmobil, in der Halle 2, in den AWM-Werkstätten, auf der Deponie und im Müllhof des Heizkraftwerks leisten ebenfalls schwere Arbeit. Ihnen war eine Trinkgeldannahme schon immer untersagt."

Mit anderen Worten: Du darfst nicht mehr, weil wir auch nicht dürfen. So weit, so deutsch. Weiter heißt es: "Die Beschäftigten der öffentlichen Hand stehen besonders im Blickfeld der Öffentlichkeit. Jeder Bürger, jede Bürgerin hat Anspruch auf eine zuverlässige, pünktliche und zuvorkommende Leistungserbringung. Ein Verbot, Trinkgelder in jeder Form anzunehmen, trägt dazu bei, jeden Anschein von Vorteilsannahme schon im Vorfeld abzuwehren und fördert die Integrität des öffentlichen Dienstes."

Wobei mich natürlich schon interessieren würde, wie "Vorteilsnahme" bei einem Müllmann aussehen soll. Etwa, daß er dann schon mal ein Auge zudrückt, falls ich irgendwann den unfreiwillig aus dem Leben geschiedenen Erbonkel kostengünstig im Altpapiercontainer entsorgen will?

Damit die Jungs aber nicht ganz darben müssen, darf man Ihnen immerhin noch Sachspenden im Maximalwert von 15 Euro zukommen lassen, vorzugsweise Lebensmittel. Was wird wohl bei dieser Regelung herauskommen? Werden die Leute tatsächlich, statt den Männern in Orange wie offenbar üblich verschämt Geldscheine in die Latzhosen zu stopfen, Ihnen Care-Pakete mit Dosenwurst und Kaviar auf die Tonnen stellen? Oder werden die Müllmänner in der Vorweihnachtszeit allabendlich palettenweise Brot, Eier und Dosenravioli nach Hause karren?
Wenn ich mal eine zugegebenermaßen klischeebeladene Vermutung äußern darf: Der Trend wird wohl eher in Richtung einer Flasche Mariacron oder eines Kasten Weißbier gehen, wenn der dankbare Müllkunde nicht grade einen 10-Euro-Schein "zufällig" unter dem Mülltonnendeckel hervor schauen lassen möchte. Mit anderen Präsenten braucht man so einem Müllmann wahrscheinlich gar nicht erst kommen, selbstgestrickte Socken oder Blumensträuße verschwinden wahrscheinlich gleich postwendend in des Müllwagens gierigem Schlund.

Wobei man da auch schon wieder aufpassen muß. Denn den ein oder anderen muslimischen Müllfahrer kann man mit einer Pulle Schnaps oder einem Kilo Gehacktem ordentlich verprellen. Am Ende macht man damit nur wieder jahrelange, mühevolle Integrationsarbeit zunichte. Im Zweifel tut's da auch mal ein Tütchen Sonnenblumenkerne. Sonst kann es geschehen, daß man im Winter türkische Müllmänner dabei erwischt, wie sie bei einem im Vorgarten stehen und das Vogelhäuschen leerfressen.

Freitag, 5. Dezember 2008

München ist anders

Im größten Dorf der Welt gibt es ja bekanntermaßen an Straßen und Gehwegen diese Zeitungskästen, die der gemeine Deutsche eigentlich nur aus alten Hollywood-Streifen kennt: Klappe auf, Zeitung raus, Klappe zu. Entgegen der landläufigen Meinung einiger Zugereister (zuletzt sagte noch einer zu mir: "Cool, die kann man sich da einfach so rausnehmen!") müssen die Zeitungen bezahlt werden, ob sie es nun wert sind oder nicht. Kleiner Tipp: Deswegen haben die Dinger diese formschönen Münzschlitze.

Der einzige Ort in München, wo Zeitungen wirklich ungestraft und kostenlos aufgesammelt, gelesen und sogar mitgenommen werden dürfen, sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Der Münchner hat es sich zur Angewohnheit gemacht (Zugereiste wie ich adaptieren das Prinzip sehr schnell), von Büchern mal abgesehen, all seine Lektüre in U-Bahnen, Trams und Bussen liegen zu lassen. Vermutlich ist die Entstehung dieser Sitte einfach nur irgendwie auf die individuelle Faulheit des urbanen Dorfbewohners zurückzuführen, so wie manche eben auch ihre halbleergesoffenen McDödels-Pappbecher überall rumstehen lassen. Im Gegensatz zu den Pappbechern kann man die Lektüre aber wiederverwenden, zumindest so lange niemand versucht hat, sich mit der Bild-Zeitung die Hundescheiße vom Schuh zu kratzen, wofür ich vollstes Verständnis hätte. Und so wird ein und dieselbe Zeitung x-mal gelesen. Ökologisch ist das auf hohem Niveau, ökonomisch für die Pressefuzzis eher ein Alptraum.
So richtig ästhetisch sieht so eine Gazette natürlich nicht mehr aus, wenn sie am Ende des Tages, von unzähligen Händen zerpflückt und tausendmal gefaltet, in der Plastiktüte eines Müllsammlers ihr Eintagsfliegenleben aushaucht. Aber mit Ästhetik hat ja die Aufmachung der meisten Revolverblättchen schon von Beginn an nicht viel zu tun.

Wenn man den heutigen Meldungen obiger Presseartikel glauben darf, kriegt das größte Dorf der Welt es grad ganz dicke. Nicht nur, daß der (oder heißt es das?) "Rhino-Virus" München im Würgegriff hält, da hat doch der böse Uwe Ochsenknecht behauptet, seine Noch-Wahlheimat sei "ein verschlafenes Nest"! Schock!
Nun ja, was soll ich sagen: Der Mann hat Recht. Ich erinnere mich gut an einen meiner ersten Samstagabende in München. Wie gewohnt wollte ich nach dem Kinobesuch mit Freunden noch hübsch irgendwo versumpfen. Aber was in einer Provinz-Kleinstadt funktioniert, muß in München noch lange nicht klappen, denn ich durfte zum ersten Mal in meinem Leben Bekanntschaft mit dem Thema "Sperrstunde" machen. Ich dachte immer, sowas wie eine Sperrstunde gibt's nur in Filmen mit Heinz Rühmann, leider mußte ich mich eines besseren belehren lassen. Tatsache war: In der Münchner Innenstadt war Samstagnacht um kurz nach 12 Uhr tote Hose, das hatte auch mit "verschlafenem Nest" schon nichts mehr zu tun, da hatte schon die Totenstarre eingesetzt. Ich war entsetzt. Von einer grausamen Wirtin, die uns sogar den obligatorischen "Absacker" verwehrte, wurden wir zu allem Überfluß ans Amüsier-Ghetto des damaligen Kunstparks Ost verwiesen. Das ist in etwa, als würde man einem Ertrinkenden statt eines Rettungsrings eine Handvoll halb aufgeblasener Kinderschwimmflügel zuwerfen.
Ob das heute noch genauso ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht, denn seit 2005 gibt es die böse 1-Uhr-Sperrstunde nicht mehr. Da war ich aber bereits dem "Zug um die Häuser"-Alter entwachsen und war nahtlos in die "ohne-Babysitter-an-die-Wohnung-gefesselt"-Phase eingetaucht, in der ich noch immer feststecke. Nachdem aber manche Gewohnheiten nur recht langsam sterben und dabei manchmal sogar der Konsum zurückstehen muß, glaube ich, daß viele Etablissements noch immer gegen 1 Uhr die Schotten dicht machen. München, die Weltstadt mit Herz, aber ohne Leber und Milz.

Einzig das P1, Vorhölle aller Vorstadtblondinen und Provinzhedonisten, die gerne vor dem eigenen Spiegelbild onanieren, hält tapfer Stand und tut noch immer so, als würde Mick Jagger dort jeden Abend auf dem Tresen tanzen. Aber dazu vielleicht später mehr.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Fundstücke - Heute nur Konserven

Dancing Queen

Manche Leute haben seltsame Hobbies...funktioniert am besten, wenn man mitliest

Mal was von Volker Pispers - guter Mann