Freitag, 30. Januar 2009

Filmkritiken

Heute gibt's mal wieder News in Sachen Video.

Tropic Thunder

Ein Trupp Schauspieler unter der Führung von Ben Stiller soll einen Vietnamfilm drehen und wird versehentlich in Auseinandersetzungen mit Drogenhändlern verwickelt. Frage: Ist das lustig? Antwort: Ja, wenn auch nicht 90 Minuten lang. Ich hab ein paar Mal ziemlich gelacht, einige der Gags sind wirklich Klasse, andere zünden nicht unbedingt, aber grundsätzlich ist der Film recht witzig. Vor allem für Cineasten bieten sich immer wieder unterhaltsame Momente, wenn Motive aus einschlägigen Genre-Klassikern wie "Apocalypse now" oder "Born on the 4th of July" auf die Schippe genommen werden. Sehenswert ist auch Tom Cruise als schmieriger, glatzköpfiger Filmproduzent, hat eine Weile gedauert, bis ich ihn erkannt hatte.

Fazit: Gut besetzte Parodie auf Vietnamfilme incl. kleinen Seitenhieben auf die Filmindustrie mit einigen Längen

Where in the World is Osama Bin Laden?

Als ich den Trailer gesehen hatte, dachte ich, hier gibt's was zu lachen. Fehlanzeige.

Autor Spurlock macht sich auf die Suche nach OBL und bereist den halben Nahen Osten, bis hin nach Pakistan. Dabei trifft er überall mit Offiziellen, hauptsächlich aber mit Achmed Normalverbraucher zusammen und plaudert mit allen über den allgegenwärtigen Haß auf die USA, El Kaida, persönliche Freiheiten im Islam, die diversen Regimes in Nahost usw.

Bahnbrechend neue Erkenntnisse gewinnt er dabei nicht, trotzdem fand ich den Film recht beeindruckend und werde ihn unbedingt und jederzeit weiter empfehlen.

Denn die Botschaft des Films ist so simpel wie einleuchtend: Armut und Unterdrückung sind der ideale Nährboden für Fanatiker, und überall auf der Welt haben die Menschen den gleichen, einfachen Wunsch: eine Zukunft für ihre Kinder, ohne Armut und Krieg. Diese Erkenntnis ist das Destillat, das der Zuschauer nach und nach aus den unzähligen Begegnungen und manchmal recht schockierenden Erlebnissen Spurlocks gewinnt. Letzterer legt bei seinen Interviews teilweise dieselbe entwaffnende Naivität an den Tag wie Michael Moore in seinen besseren Momenten, und entlockt seinen Interviewpartnern damit allerlei entlarvende Ein- und Zugeständnisse.
Am verblüffendsten fand ich die Szene, in der Spurlock ausgerechnet von einem Haufen orthodoxer Juden (die Jungs mit den Hüten und den Schläfenlocken) attackiert wird, obwohl er eigentlich nur mal mit ihnen reden wollte. Very strange, vor allem, nach dem er bis zu dem Zeitpunkt sogar friedlich mit allen möglichen Arabern geplaudert hatte, die auf Amis nicht so gut zu sprechen waren.

Fazit: Beeindruckendes, durchaus auch unterhaltsames Plädoyer für mehr Menschlichkeit und politischen Dialog.

Outlaw

Gut, atmospärisch dicht, aber auch irgendwie seltsam. Story: Ein Trupp von Duckmäusern, die vor der Gewalt, die andere auf sie ausüben, kapituliert haben, lassen sich von einem Ex-Soldaten, der auch nicht grade ein Siegertyp ist, darauf trimmen, endlich mal zurückzuschlagen. Zentraler bad guy ist ein Mafiaboss, der die Familie von einem der Prügelknaben, einem Staatsanwalt, auf den Gewissen hat.

Was zunächst nach einem geradlinigen Selbstjustiz-Actiondrama klingt, ist letztendlich keines, denn nach anfänglichen Etappensiegen scheitern die Helden kläglich aufgrund des zunehmenden Drucks von innen und außen. Nicht grade erhellend auf Sinn und Zweck der Übung wirkt außerdem, daß einige Handlungsstränge zu sehr im Dunklen bleiben und die Charakterzeichnungen der Figuren nicht immer ganz schlüssig ist. So bleiben am Ende zu viele Fragen offen. Ich hatte hinterher das Gefühl, zwar einen irgendwie guten, aber auch unausgegorenen Film gesehen zu haben.

Fazit: Weiß nicht. Selber kucken.

Leg dich nicht mit Zohan an

Adam Sandler. Muß ich mehr sagen?

Normalerweise kann ich dem Typen nichts abgewinnen, ich habe mich aber leider trotzdem von den Trailern verleiten lassen, mir den Film auszuleihen. Zumal Sandler bei mir bisher immer noch so einen kleinen Happy Gilmore-Bonus hatte (den fand ich noch recht lustig), den er aber spätestens jetzt restlos verspielt hat. Bevor ich je wieder auch nur einen Cent für irgendwas mit Adam Sandler drin oder drauf (und sei es Klopapier) ausgebe, sollen mir eher beide Hände abfaulen. Keine Ahnung, was die ganzen Amis an dem finden.
Story: Unkaputtbarer israelischer Superagent wird Friseur in New York. That's it.
Was folgt, ist eine Ansammlung der plattesten, unlustigsten Gags in der Geschichte des Farbfilms, meistens dreht es sich darum, daß "Zohan" mit seinem "Stachele" alles pimpert, was ihm vor den Lockenstab kommt. Noch schlimmer als die pottlangweilige Originalversion ist eigentlich nur noch die deutsche Synchro, die sämtliche Dialoge in einem kaum verständlichen Pseudo-Jiddisch abspult, in dem sich alles um "Muschile", "Stachele" und "Sexele" dreht.

Achtung: Es besteht die unwahrscheinliche Möglichkeit, daß der Film in der letzten halben Stunde noch zur Hochform aufläuft, da er einer der ganz wenigen Filme ist, die ich mir nicht bis zum Ende angeschaut habe. Das Schlaganfallrisiko war mir einfach zu hoch.

Fazit: Grandiose Schei*e. Wo ist der Zentralrat der Juden, wenn man ihn wirklich mal braucht?

Mittwoch, 28. Januar 2009

Jesu-rama

Beim gestrigen Stadtbummel fiel mir ein bärtiger Zausel in Parka und Pudelmütze auf, der mit leicht wirrem Blick in der Fußgängerzone Flyer verteilte. Zuerst dachte ich, der Verein "Seife-nein danke!" sucht wieder neue Mitglieder, oder daß hier Produkttester für Sprengstoffgürtel angeworben werden sollen (Stichwort "Guerilla-Marketing" bzw. "Wer den Dschi hat, braucht für den Spot nicht zu sorgen"*). Aber dann entdeckte ich an seiner etwas abseits geparkten Umhängetasche den Aufkleber "Die Zukunft heißt Jesus".
'Prima!', dachte ich, 'endlich sagt das mal einer.'
Ich wollte schon immer gerne mal wissen, wie die Zukunft heißt.

Aber was wäre, wenn...?

Daß in einem solchen Fall aus allen Zukunftsforschern automatisch Jesusforscher werden würden - geschenkt. Daß aber der Held meiner Kindertage dann zu dem völlig unsexy-en "Captain Jesus" mutieren würde, wäre schon schwieriger zu verschmerzen. Ganz zu schweigen von der schwer schizophrenen Filmtrilogie "Zurück in den Jesus 1-3".

Völlig prekär wäre die Lage aber in einer Branche, die gerne mit dem Begriff "Zukunft" herumjongliert und ihn mitunter arg strapaziert: der Werbung in allen ihren Erscheinungsformen.

Ein kleiner Check bei "slogans.de":

Die Deutsche Bahn würde von heute auf morgen zum "Unternehmen Jesus" und damit vermutlich der katholischen Kirche in die Quere kommen, die ja von sich selbst dasselbe behauptet.

Bei Visa hieße es damit "Jesus spricht Visa." Aramäisch wäre somit sicher megaout. Aber wo bekommt man ein Wörterbuch "Visa-Deutsch, Deutsch-Visa"?

Sehr gelungen wäre auch "Mercedes -Benz. Der Jesus des Automobils." Vermutlich kann die neue S-Klasse dann auch übers Wasser fahren.

Die Deutsche Bank hinge mal wieder mit "Der Jesus kann kommen" schlappe 2000 Jahre hinterher. Aber dasselbe Kreditinstitut behauptet ja auch, Vertrauen sei der Anfang von allem, und steht damit zur Urknalltheorie genau so in krassem Gegensatz sowie zum Buch Genesis.

Schön fände ich auch: "Magdeburg - die Stadt mit Jesus". Ein langhaariger jüdischer Rabbi als Galeonsfigur der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts, das gäbe sicher ein großes Hallo in der rechten Szene.

Uhrenhersteller Seiko macht dagegen offenbar plötzlich in Reliquien mit "In jeder steckt ein Stück Jesus". Die entsprechenden Chronometer dürften unter Gläubigen reißenden Absatz finden. Zumal man damit auch Wunder wirken und Blinde sehend machen kann.

Etwas provokant wird's bei gofeminin.de. "Jesus ist weiblich" wäre zwar ganz schön revolutionär, aber auch ziemlich irreführend, denn das Portal richtet sich mitnichten an Emma-Leserinnen. Zum Beweis sei beispielgebend die heutige Headline genannt: "Star-Diäten: Abnehmen wie Heidi Klum & Co."

Ein zwar alter, aber dafür umso schönerer Slogan der Firma Blaupunkt würde nach der Neuordnung der Verhältnisse "Jesus eingebaut" lauten.
Da sag ich nur "Wow!".

Hülsta priese sein Produkte mit "Möbel mit Jesus" an und träfe damit voll ins Schwarze. Denn wie jeder weiß: Jesus war ein Zimmermann.

Einzig die Bundeswehr hat mich schwer irritiert. "Karriere mit Jesus" hätte ich aus dieser Richtung am allerwenigsten erwartet.

*) Man, war der schlecht...

Dienstag, 27. Januar 2009

Meine Lieblingsschlagzeilen

...von heute lauten:

"Religion: Problem für den Papst" auf Spiegel Online

"Auto von Buttlar: Zeitreisen sind bald möglich!" auf Bild Online

und mein heutiger Favorit:

"Zombies gibt es wirklich" bei Galileo Mystery auf Pro7.

Der Satz fiel ca 20 Sek. nach Beginn der Sendung und 1 Sek., bevor ich weggezappt habe.
Kaum zu glauben, daß "Galileo" mal als halbwegs seriöses "Wissensmagazin" gestartet ist. Und Aiman Abdallah kommentiert den ganzen Schwachsinn mit bedeutungsschwangerem Raunen und rollenden Augen, daß man meinen könnte, er wäre vielleicht einmal zu oft hart getackelt worden (er hat viele Jahre Rugby gespielt).

Samstag, 24. Januar 2009

Competence rules!

Es gibt verschiedene Binsenweisen, das Finanzamt betreffend. Eine lautet, daß das FA, wenn es dir Geld schuldet, sich mit der Rückzahlung großzügig Zeit läßt. Falls du aber dem FA Geld schuldest, mußt du es am besten schon gestern gezahlt haben, damit dir nicht sofort die Löcher aus dem Käse gefändet werden.

Daß darin mehr Weisheit als Binse steckt, hat uns das FA einmal mehr hautnah bewiesen. Und das kam so:

Ungefähr im Juni 2008 haben wir brav unsere Einkommensteuererklärung (ab sofort ESE genannt) abgegeben.
Im August, kann auch September gewesen sein, erreichte uns dann ein freundlich abgefaßter Drohbrief mit der Aufforderung, doch endlich unsere ESE abzugeben. Mehrere Telefonate später hatte das FA dann tatsächlich eingesehen, daß sie hier etwas anmahnten, was sie schon längst hatten.
Mitte November erreichte uns dann der Steuerbescheid mit der Aufforderung, die errechnete Steuerschuld bis zum 19.12. zu überweisen. Leider hatte das FA aufgrund fehlender Nachweise (es ging um die Ausgaben für Kinderbetreuung) unsererseits und fehlender Logik seinerseits die Steuerschuld falsch (zu hoch) berechnet.
Wir legten daher sofort und fristgerecht Einspruch ein, unter Beifügung idiotensicherer Nachweise über geleistete Zahlungen, welche unsere Steuerlast mindern sollten.

Am 03.01. erreichte uns dann ein neuer Steuerbescheid, nach welchem die Steuerlast neu berechnet worden war und erwartungsgemäß geringer ausfiel als im ersten Bescheid.
Hochzufrieden, überwiesen wir am darauffolgenden Tag, also am 04.01., den fälligen Betrag.

Am 12. Januar erreichte uns dann eine Mahnung des FA, ausgestellt am 05.01. (also ganze 2 Tage nach Erhalt des neuen Bescheids!!!), in welcher die Bezahlung der alten Steuerschuld angemahnt wurde, nebst Mahngebühren von 32,- Euronen.

Natürlich wollten wir wissen, ob die Jungs und Mädels vom FA noch alle Nadeln an der Tanne haben. Also: wieder Telefon geschnappt und angerufen.

Der freundliche Beamte hörte sich unsere Schilderung geduldig an, um uns dann erstmal mitzuteilen, daß wir bei unserem Einspruch extra auch den Aufschub der Zahlung hätten beantragen müssen. Ohne entsprechenden Antrag lief (zeitgleich zur Bearbeitung unseres Einspruchs) die Zahlungsfrist still und heimlich weiter, bis hin zur erfolgten Mahnung.
Dazu hatten wir unsererseits zweierlei zu sagen: Erstens steht von dieser Fußangel nada in der Rechtsbehelfsbelehrung. Zweitens: Wenn ich der Meinung bin, meine Steuerschuld wurde falsch berechnet und daher dagegen Einspruch einlege, wieso zum Kuckuck sollte ich den (eindeutig falschen) Betrag dann trotzdem überweisen?
Wie auch immer, im weiteren Gespräch gab der Amtsmensch dann zu, daß zum einen der neue Bescheid bereits am 18.12. fertig gestellt war und eigentlich auch hätte verschickt werden können. In dem Fall wäre es gar nicht zur Mahnung gekommen, denn wir hätten fristgerecht überweisen können.
Zum anderen räumte er ein, daß wir stets brave Steuerzahler waren und sind und er selbst die Mahnung incl. der recht hohen Mahngebühren aufgrund der Fallkonstellation für un(ge)recht(fertigt) hielt. Trotzdem empfahl er uns, die Gebühren zunächst zu bezahlen, um weitere Mahnungen zu vermeiden, die nächste stellte er uns nämlich (automatisiert) für den 19.01. in Aussicht. Weiterer Protest unsererseits brachte ihn dann aber dazu, weitere derartige Maßnahmen per Vermerk zunächst auszusetzen, gefolgt von dem Versprechen, sich der Sache anzunehmen und uns gegen Ende der Woche zurückzurufen.

Dreimal dürft ihr raten, ob uns tatsächlich jemand angerufen hat. Und wer hier auf "Ja" tippt, der glaubt auch, daß der Storch die Kinder bringt.

Also haben wir wieder angerufen. Eine endgültige Lösung gab's auch diesmal nicht, wieder nur ein Versprechen und die etwas süffisante Frage, ob wir denn den Bescheid gern unterm Weihnachtsbaum gehabt hätten. An der Stelle mußten wir nochmal daran erinnern, daß der erste, höhere Bescheid mit Zahlungsziel 19.12. ja bereits unter dem Weihnachtsbaum lag. Wir wußten also vor den Feiertagen bereits, wie hoch unsere Steuerschuld ausfallen würde. Die ansonsten nobel gemeinte Absicht, kurz vor Weihnachten keine Steuerbescheide zu verschicken, war somit in unserem Fall sogar kontraindiziert, da die geringere Schuld ja eher ein zusätzliches Geschenk gewesen wäre.

Aber die absence of logic* zieht sich ja ohnehin wie ein roter Faden durch den ganzen Vorgang, dessen Ende ja noch immer offen ist. Bleibt abzuwarten, wie es weitergeht. Was Schriftliches haben wir bisher noch nicht.

*) zumindest Logik im Sinne von "gesunder Menschenverstand", welcher offenbar mit Behördenlogik nicht viel gemein hat

Freitag, 23. Januar 2009

Eau de Déchet*

Habt ihr euch auch schon mal gewünscht, spontan an Anosmie zu erkranken?

Bei mir kommt das regelmäßig dann vor, wenn sich so wie heute jemand in der U-Bahn neben mich pflanzt, der sich geschätzte 4 Wochen nicht gewaschen hat und offenbar gerade von einem Schnorchelwochenende in der dienstältesten Kläranlage Bayern zurückkommt.

Wohl erzogene Zivilisationskrüppel wie ich versuchen in solchen Situationen, sich den aufkommenden Würgereiz nicht anmerken zu lassen** und diskret die Nase aus dem Wind zu drehen. Was in einem geschlossenen Raum nicht so einfach ist. Vor allem, wenn das Bouquet des Sitznachbars sich bereits als kleine gelbe Wolke manifestiert hat und sich unsicher wabernd in allen Richtungen im Raum ausbreitet.
Eigentlich müßte man für solche Gelegenheiten mindestens ein Auto-Duftbäumchen mit sich herum tragen, das man dem Homo Kloakus kurzerhand um den Hals hängen kann. Obwohl man Leuten, die so derartig rücksichtslos ihre Umwelt vollstänkern, eigentlich einen Airwick Duftstecker in den Rüssel rammen müßte, begleitet von dem freundlichen Hinweis, sich gefälligst mal zu waschen.

Ich würde mich sogar selbst anbieten, die Klamotten zu waschen, unter einer Bedingung: Ich darf sie wie zu Urgroßmutters Zeiten unten am Fluß auf einen Stein schlagen, und zwar während der Stinkmolch noch drinsteckt.

I'd like it.

*) déchet = frz. Abfall
**) wobei ich bemerken muß, daß ich zu meiner Zeit als notorisch klammer Student zwischenzeitlich auch mit ein paar der unappetitlicheren Jobs Bekanntschaft gemacht habe und eigentlich olfaktorisch nicht so empfindlich bin

Mittwoch, 21. Januar 2009

Spotschau

Daß uns Werbung bzw insbesondere Fernsehwerbung eine Scheinrealität vorgaukeln, die einer seriösen Überprüfung keinen Kaninchenpups lang stand hält, dürfte wohl nach den werbetechnischen Flächenbombardements der letzten Jahrzehnte auch der letzte Dschungelbewohner gemerkt haben.

Schon als kleiner Junge hab ich mich immer gefragt, wieso die seltsame Hausfrau im Fernsehen immer gleich kurz vorm Kollaps war, nur weil ihre Gäste ihre Kaffeetassen nur halb ausgetrunken hatten. Aber noch bevor sie aus lauter Verzweiflung ihre ondulierte Rübe in den Gasherd stecken konnte, kam jedesmal die immer fröhliche Drogendealerin von nebenan namens Frau Sommer mit einem Sack Jacob's Dröhnung vorbei, und die Welt war wieder in Ordnung. Merke: Der Mutti wird das Leben schwer, trinkst du nicht deine Tasse leer.

Oder: Weißer Riese. Eine durchgeknallte Hausfrau spannt eine Wäscheleine gefühlt einmal quer durch Schleswig-Holstein und zurück und hängt sie auch noch mit Wäsche voll. Einfach so. Nur um mal auszuprobieren, ob eine Packung Weißer Riese das tatsächlich schafft. (Nach dem Motto: Mal kucken, ob es wirklich blutet, wenn ich den Kopf in die Kreissäge halte.)

Das war mir schon als Kind nicht geheuer. Ich hab mich dann immer gefragt, was die wohl machen, wenn's jetzt anfängt zu regnen. Mal auf die Schnelle geschätzte 2000 Bettlaken, Hemden und Hosen ins Trockene zu bringen dürfte nicht ganz einfach zu bewerkstelligen sein.
Heute frage ich mich eher, wo die Tussi die ganzen Klamotten her hatte. War sie etwa Chefin eines gut gehenden Stundenhotels?

Im Spot schweigt man sich darüber aus. Auf die wirklich brennenden Fragen unserer Zeit gibt die Werbung eben keine befriedigende Antwort.

Auch in letzter Zeit stoßen mir zwei Werbefilmchen auf, die ich einfach nur unverschämt dämlich finde.

Numero Uno: Milchschnitte mit Magdalena Brzeska

Mal abgesehen von dem etwas eigenartigen Satz "Dabei bleibe ich immer ich - Mag-da-läähna." (Wer sollte sie denn sonst sein? Etwa Wladimir Klitschko?) finde ich es immer ziemlich verantwortungslos, wenn Leistungssportler ihre Reputation in den Ring werfen, um irgendwelche Süßigkeiten anzupreisen. Besonders perfide wird es, wenn sie dabei auch noch (ihre eigenen) Kinder in den Vordergrund schieben und dem Konsumvolk vor der Flimmerkiste suggerieren, der Süßkram wär so unglaublich leicht und nicht belastend ("mit besten Zutaten"), daß man seiner Nachkommenschaft scheinbar kaum etwas besseres antun kann, als sie kartonweise Milchschnitten verspachteln zu lassen. (Milchschnitte hat ungefähr den gleichen Brennwert wie 100g Kassler oder 2 Baby-Bel.)

Das mag vielleicht sogar dauerhaft funktionieren, vorausgesetzt man hat Kinder, die den ganzen Tag durch die Grünanlagen flickflacken, als wären Barbie, Gameboy und Big Mäc noch nicht erfunden worden. So einem Kind kann vermutlich auch eine halbe Sachertorte pro Tag nichts anhaben. Aber seien wir mal ehrlich: Wie viele Eltern nennen tatsächlich ein solches Super-Kid ihr Eigen?

"Ganz einfach: Was gut für mich ist, ist auch gut für meine Kinder."
Aha. Ab und an mal ein Gläschen Wodka (zur Verdauung, versteht sich) und ein hochspannender Psychothriller im Nachtprogramm - gut für mich, gut für die Kinder. Ganz einfach, oder?

Wobei ich weder etwas gegen Milchschnitte, noch etwas gegen (Ex-)Sportler als Werbeträger habe. Nur sollte der Mensch in puncto Glaubwürdigkeit zum Produkt passen und umgekehrt. Wenn morgen Konishiki Yasokichi der neue Ferrero-Werbeträger wird - fein. Oder Jan Ullrich und Ratiopharm - mehr understatement ginge nicht. Aber z.B. Niki Lauda und Fackelmann - das wär zwar auf makabre Art lustig, geht aber genau so wenig wie eine gertenschlanke Turnerin und Süßkram für Kinder.

Nummer 2: Der aktuelle McD.-Spot

Da steigt ein bartloser, schmalbrüstiger Hungerhaken in die Straßenbahn, klopft Sprüche und spannt einem grantigen Drei-Tage-Bart-Träger die Ische aus. Und warum macht er das? Weil er sich grad 'ne Tüte voll Fastfood gekauft hat. Ganz alleine, ohne Hilfe von Mami!
Da kann so einer schon mal stolz auf sich sein.

Mäcces will uns nun glauben machen, dieser Don Quijote-Verschnitt könnte sich, nur bewaffnet mit einer Handvoll Pommes, mit dem Latin Lover ein Sprücheduell um die Gunst der holden Juanita liefern. Und auch noch gewinnen!

Mal abgesehen davon, daß ich mich frage, welche psychotropen Substanzen Mäcces so in seine Buletten mischt, damit einer so derartig die Realität aus dem Glubschauge verliert wie Mr. McChicken-Brust in dem Spot, wird vor dem Einsetzen der realen Handlung leider ausgeblendet. Die sieht zu 99% in etwa so aus, daß der Dreitagebart mit dem Spacko den Boden aufwischt und ihm den Inhalt seiner Freßtüte ins Rektum schiebt. Anschließend fängt sich Spacko von Juanita auch noch ordentlich eine ein und wird aus der fahrenden Straßenbahn geschmissen.

Für diese "special extended version" würd' ich mir sogar einen BigMac kaufen. Ehrlich.

Sonntag, 18. Januar 2009

"Die Künstlerin"

(dieser Beitrag bezieht sich u.a. auf den vorangegangenen, daher sollte man diesen ggfs zuerst lesen)
(muß man aber nicht)

Den Typus dieser Dame begegnet man in München sehr häufig, da sich in dieser Stadt aus irgendeinem seltsamen Grund eine bürgerlich-alternative Künstlerboheme angesiedelt hat, die es geschafft hat, 70er Jahre Hippieattitüde mit 90er Jahre Kommerz zu vereinen.

Die Grundform der Künstlerin ist immer dieselbe. Man schließe die Augen und stelle sich vor: Eine Endvierzigerin mit welligem, etwas angefilztem, schulterlangem Haar*. Blasser Teint, dabei auffällig rot geschminkte Lippen. Kleidung konservativ mit Hang zu abstrakten Mustern, Musikerinnen tragen eher dunkle Farben, Malerinnen & Co. neigen dagegen zu grelleren Kontrasten. Keinesfalls von der Stange, keinesfalls Markenware, am besten von der befreundeten Schneiderin entworfen und handgenäht, zum Freundschaftspreis.

Die verwendeten Accessoires sind gewöhnlich in Form und Farbe möglichst auffällig, finden allerdings dezenteren Einsatz als z.B. die obligatorischen knielangen Ketten aus riesigen, bunten Holzperlen, Kupferscheiben und Glasbausteinen der durchschnittlichen Deutschlehrerin. (Letztere wird von Laien gern mit der Künstlerin verwechselt.)

Die Künstlerin widmet ihr Dasein mindestens einer Kunstform, von deren Endprodukten sie aber nicht leben kann, daher hält sie sich bis zum endgültigen Durchbruch** mit Klavierstunden, Tantra-Kursen und "ganzheitlicher Lebensberatung" über Wasser.
Außerdem kennen sich Künstlerinnen alle untereinander, da sie zusammen dieselben Szenecafés und Yogakurse besuchen und sich dauernd gegenseitig ihre unverkäuflichen Kunstwerke schenken. Außerdem treten sie dauernd auf den Festen der jeweils anderen auf, natürlich kostenlos***, auch wenn sie sich eigentlich gar nicht ausstehen können.

Im Normalfall geht von Künstlerinnen keine Gefahr aus, meist sind sie etwas überkandidelt, aber unterhaltsam. Wenn man aber in Betracht zieht, daß sich jede dieser reiferen Damen aus der bürgerlichen Mitte tief drin für eine heimliche Revoluzzerin und berufsjugendliche Bilderstürmerin hält, dann schlummert in diesen Ladies durchaus ein gewisses anarchisches Potential.
Wenn Ihr also während eines Besuchs im größten Dorf einer Horde agitiert wirkender Endvierzigerinnen mit wirrem Haar begegnet, die anläßlich Che's Geburtstag nackt und unrasiert durch den englischen Garten stolpert, spätestens dann werdet Ihr wissen, was ich meine.


*) Hier liegt der Unterschied zu Frauen in psycho-sozialen Berufen, die derselben Generation angehören, denn jene tragen ihr Haar asymmetrisch geschnitten und mit betont breitem, grauen Ansatz. Hier bewahrt Sie vorheriges genaures Hinschauen vor eventuellen Peinlichkeiten.
**) der nie kommt
***) und weil für die dargebotenen "Genüsse" kaum jemand was bezahlen würde

Early Sunday Morning Brunch

...im Feierwerk in München ist ein "Musik-Frühstück für die ganze Familie". Da waren wir heute. Kann man durchaus mal machen, wenn man mal am Sonntagmorgen was anderes machen möchte als bloß ausschlafen.

Von außen sieht das Feierwerk-Gebäude ziemlich baufällig und wenig vertrauenerweckend aus, zum Glück ist es von innen etwas ansehnlicher, wenn auch nicht gravierend. Der typische stadteigene Münchner "wir wissen nicht, was wir sonst damit machen sollen, daher vermieten wir die Bruchbude an einen linksalternativen Kulturverein, der peruanische Klöppelworkshops veranstaltet"-Mehrzweckaltbau.

Alles in allem war es ein netter Brunch: Genug zu essen, Kaffee und Saft bis zum Abwinken, und das alles zum AI-Preis von 11,90 € pro Erwachsenem. Das ist für Münchner Verhältnisse nicht schlecht und lohnt sich um so mehr, wenn man morgens zu ungehemmtem Kaffeekonsum neigt. Zumal der Kaffee dort nicht sooo stark ist, daß einem ein Haferl schon reichen würde, um den betriebsnotwendigen Koffeinspiegel zu erreichen.
Allerdings ist das "early" möglichst wörtlich zu nehmen, schon 10 Minuten nach Beginn war die Bude proppenvoll. Und man sollte auch über einen hohen Toleranzpegel gegenüber Kindern verfügen, gerade auch gegenüber antiautoritär erzogenen Blagen, denn von denen flitzen da genug herum. Wenn man also ein Fleckchen sucht, wo man in Ruhe die FAZ durchblättern und dabei immer mal an seinem Weißbier nippen kann, ist man im Feierwerk denkbar falsch. Aber so jemand verirrt sich wohl eher seltener dorthin, überhaupt besteht das Publikum zu 98% aus Mittelschicht-Eltern in Öko-Strickjacken und Ralph-Lauren-Polohemden samt Nachwuchs.

Für die Kleinen gibt's im Separee Kinderkino und Bastelstube, alles komplett kostenlos. Währenddessen schlürfen die Erwachsenen ihr Käffchen und lauschen der Live-Musik. Heute gab's ein Jazz/Blues-Trio, dessen Mucke angenehm unaufdringlich durch den Raum plätscherte. Der Bassist zupfte cool und scheinbar unbeteiligt an seinem Arbeitsgerät herum*, während der beeindruckend segelohrige Gitarrist gedankenverloren in seiner eigenen Welt vor sich hin klampfte. Die Sängerin** schmachtete melancholische Jazz "the moon is my only friend"-Jazztexte in die Botanik, betont lasziv oder zumindest das, was sie dafür hielt.

Nett war auch der betont ungeschäftsmäßige Eindruck der Veranstaltung. Obwohl das Personal unermüdlich neue Teller, Wurst- und Käseplatten herankarrte, war das Bezahlen eher Nebensache. Man kam, suchte sich ein Plätzchen und begann zu essen und zu trinken. Soll jetzt zwar kein Tip sein, aber wenn man sich nach ausgiebiger Schlemmerei wieder heimlich davon gestohlen hätte, ohne was zu bezahlen, wäre das auch keinem weiter aufgefallen. Zumindest ließ die freundliche Auskunft der Kellnerin ("Sie können bezahlen, wenn sie soweit sind") eine sehr großzügige Interpretation zu.

Wir haben natürlich bezahlt. Nur, um Mißverständnissen vorzubeugen.

*) Entgegen gegenteiliger Annahmen ist der Job des Bassisten nicht primär das Spielen eines Instruments, sondern das Absenken der Raumtemperatur durch absolute, 200%ige Coolness. Hilfsmittel: Blues-Brothers-Sonnenbrille, Zigarette
Von diesem Dogma gibt es nur sehr wenige Ausnahmen, u.a. Sting, Paul McCartney, Flea.


**) Dem Typus dieser Dame, ich nenne sie mal "die Künstlerin", ist nachfolgend ein eigener Beitrag gewidmet.

Freitag, 16. Januar 2009

Warum Übersetzungsprogramme nicht funzen

Als heftiger Befürworter der Übersetzungsprogramme wie Babelfish bin ich doch immer wieder überrascht, was diese Wunder der Technik alles so hinbekommen. Da ich gerade ein altes Auto für meinen Schwager über das INET verkaufen soll, bekomm ich hin und wieder email aus England mit "hey ruf mich an, ich bin auf der Suche nach nem deutschen Auto und kauf einfach alles." Normalerweise ignoriere ich das, weil einfach mal das Lenkrad bei dem Auto, das ich verkaufe wie bei den meisten deutschen Kisten, auf der falschen Seite für Englands Straßen ist. Aber heute hat sich echt jemand die Mühe gemacht und seine "Message" ins germanische gebabelt. ....lol


Der Interessent: xxxxx
sendet Ihnen folgende Nachricht:
Hallo Sir/gnädige Frau,

Ergänzung der Jahreszeit, mag ich wissen, wenn das oben annoncierte Auto für Verkauf als morgens noch vorhanden ist, das an dem Kaufen es interessiert wird. what' s der Autogeschenkzustand, der letzte Preis würden Sie ihn für gehen lassen. Zahlung würde Zahlung würde sein durch ein zugelassenes Bank' sein; s-Scheck oder Entwurf und ich sammeln das Auto, sobald Zahlung in Ihr Konto löscht. Dank fürs Erste und hört von Ihnen bald.

Rgds

Mrs XXXXX



Meine Antwort:

Moin,
thanks for its interest, but I do not know anything about the addition of the seasons, but the car is still there in the morning like in the evening. I would let the car go for the indicated price. Transfer would not however most of all be me, takes cheques or sketches. That you collect cars, but please you delete not my account, that beautifully would be muck. Me happy very much about its message made, hope it to call not to have.
MFG

(wer wissen will, was ich geschrieben habe, Text hier eingeben http://de.babelfish.yahoo.com/translate_txt)

Viele Grüße
Ede

Donnerstag, 15. Januar 2009

X-mas-Nachschlag

Das ist mein Schlitten! Es gibt viele andere, aber dieser gehört mir! Mein Schlitten ist mein bester Freund! Er ist mein Leben! Ich muß ihn meistern, wie ich mein Leben meistern muß! Ohne mich ist mein Schlitten nutzlos! Ohne ihn bin auch ich nutzlos!...

Montag, 12. Januar 2009

Short Cuts 2

Israel - Hamas 765:14

Israel liegt damit deutlich in Führung.
Im Ernst: Wenn amerikanische Ureinwohner es geschafft haben, ihre Kriege per Lacrosse auszutragen, wenn Maoris seit 1000 Jahren Gegner in die Flucht tanzen und im antiken Griechenland die Beilegung von Querelen schon mal vom Ausgang der olympischen Spiele abhängig gemacht wurde, warum benehmen sich dann ausgerechnet die aufgeklärten, angeblich so zivilisierten Menschen der Neuzeit wie die allerletzten Vollpfosten? Fällt uns denn immer noch nichts besseres ein als die Rambo-Splatter-Games, Folge 1438?
Und wofür? Für ein paar Quadratkilometer blutgetränkte Wüste. Und natürlich dafür, wer Recht hat. Oder hatte. Je nachdem. Es sind auch schon Menschen für weniger gestorben.
Bleibt nur zu hoffen, daß (nicht) wirklich mal ein paar höhere Wesen an der Erde vorbeizischen, sich unser beklopptes Treiben für 2 Minuten ankucken und anschließend die Menschheit per galaktischem Todesstrahl vom Erdball putzen.

RTL-Dschungelcamp

Da kann sich der aufgeklärte Bildungsbürger pikiert abwenden, so viel er will: Nichts ist unterhaltsamer, als dabei zuzuschauen, wie sich subprominente Nervensägen, die ihre Flachzangenvisage in jede Kamera halten und sich aufführen, als hätten sie die beheizbare Campingsocke erfunden, gegenseitig verbal zerfleischen. Dabei kürzen sich die selbsternannten VIPs selbst soweit auf Prekariatsniveau ein, daß man ihnen am liebsten Peter Zwegat und die Super-Nanny im Doppelpack auf den faltigen Hals hetzen möchte.
Und wenn der zickigen Gelegenheits-Werktätigen und wandelnden Omniphobie G. Siegel ein Sack Kakerlaken in die totblondierte Fontanellenbepflanzung gekippt wird, kann auch der verbissendste Sozialneidhammel erleichtert aufatmen. Denn vom P1 zu Hartz4 ist es offensichtlich nur ein ganz kleiner Schritt.

Auch schön: Die Show läßt Sozialhilfeempfänger hoffen. Denn obwohl dem Vernehmen nach einige der Happy Camper zuhause in Deutschland stempeln gehen, scheint das Geld vom Amt immer noch für fäßchenweise Haargel oder ein paar neue Möpse zu reichen.
Oder gibt's die jetzt auch schon bei Lidl?

Hey, Medienheinis!

Thema Althaus: Wann gibt's denn wieder mal richtige Nachrichten?

Über die Toten nur Gutes...

...trotzdem, Herr Merckle: Mußte es unbedingt ein Personenzug sein?
Gab's da nicht was von Ratiopharm?

Surftip

Was dabei rauskommt, wenn Asiaten mit Gewalt englische Phrasen sinnlos aneinander reihen, weil's grade schick ist, kann man auf sich engrish.com anschauen. Dort gibt es zur persönlichen Kurzweil in der Mittagspause massenhaft Übersetzungspannen zu bestaunen.

Kleines Beispiel:




















So eine Seite wünsche ich mir mal für die unzähligen Tattoos mit chinesischen Schriftzeichen, die tausende Europäer stolz spazierentragen. Die sind ja immer der Meinung, sie hätten sich so toll kreative Sachen wie "Glück", "Stärke" oder "kleiner Tiger" in die Haut hämmern lassen. Aber so wenig wie chinesische T-Shirt-Fabrikanten Englisch können, so wenig können deutsche Tätowierer chinesisch, demzufolge läuft wohl der ein oder andere mit einem in Schriftzeichen hübsch codierten "Hakle feucht", "Nur bei 30° waschen" oder schlicht "Dorftrottel" im Genick oder auf dem Arm herum.
So zumindest meine (etwas boshafte) Vermutung.

Filmtip: "1 1/2 Ritter"

Kann man sich anschauen.
Muß man aber nicht.
Gegenteilige Stimmen meinten allerdings, man könne den Film auch in "1 1/2 Lacher" umbenennen.

Musiktip: Scala & Kolacny Brothers "Dream On"

Die muß man sich anhören. Hierzulande kaum bekannt: Ein belgischer Mädchenchor singt unter spärlicher Bekleidung Begleitung Coverversionen mehr oder weniger bekannter Pop- und Rocksongs. Einfach nur schön, und auch wenn nicht jeder Song 100%ig stimmig ist: Macht nix.

Jede andere CD von Scala & Kolacny Brothers tut's aber auch, "On the Rocks", "Schrei nach Liebe" usw.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Secrets and Sekrete

Über "Feuchtgebiete" ist ja schon eine Menge geschrieben und gesabbelt worden. Kein Grund für den Michel, das Buch nicht auch mal zu lesen. Den Verkaufszahlen nach müßte das Ding ja sowieso schon jeder zweite Deutsche in der Schrankwand stehen haben.
Und da steht es vermutlich noch immer. Denn viele haben es sich sicher allein des Hypes wegen gekauft, die ersten 10 Seiten gelesen und es dann angeekelt ganz hinten im Bücherregal versteckt, um nur ja nicht drauf angesprochen zu werden.

Denn eins muß man ganz klar feststellen: Wirklich appetitlich ist die Lektüre nicht, bisweilen sogar reichlich abartig. Das ist ja mitunter auch der einzige Fakt des Buches, der landauf, landab in jeder Talkshow durchgekaut wurde.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Die 18jährige Helen liegt anläßlich einer Anal-OP im Krankenhaus und philosophiert dabei über ihre ganz privaten Ansichten zu den Themen Sex, Hygiene und Beziehungen. Die Protagonistin überstrapaziert bzw sprengt dabei mit ihrem Tun alle gängigen gesellschaftlichen Scham-, Hygiene- und Ekelgrenzen. Lt. der Autorin soll dies den Zweck heiligen, die zugrunde liegenden Moralstandards als übertrieben zu brandmarken bzw. zu kritisieren.

So sehr ich C. Roche (bei der ich nie weiß, ob man sie nun "Rosch" oder "Rouwtsch" ausspricht) und ihre Arbeit auch sonst schätze, ich glaube, diesmal ist sie übers Ziel hinaus geschossen. Denn spätestens, wenn die "Heldin" aus keinem vernünftigen (wo sollte der auch herkommen?) Grund die herausgeschnippelten Überreste ihrer Analfissur auffrißt, wird dem Leser klar: Die hat ordentlich eins am Sträußchen. Auch ihr sonstiges Handeln zeigt deutlich psychotische Züge, das hat dann auch nix mehr mit Tabubruch oder Offenheit zu tun. Wenn sich eine 18jährige sterilisieren läßt, um ohne Umstände rumvögeln zu können, wenn sie mit dem Unterleib dreckige Klobrillen sauber wischt oder sich absichtlich die OP-Wunde aufreißt, indem sie sich ein Stück Metall in den Hintern rammt, dann muß der Leser unweigerlich schlußfolgern: Da sind im Oberstübchen ein paar Anschlüsse falsch verdrahtet worden.

Nun dachte ich, ich hätte begriffen, worum es bei dem Roman tatsächlich geht, denn die Geschichte hat neben dem ganzen Sekretgemansche noch einen ganz anderen Aspekt: Die Heldin ist nämlich ein emotional verwahrlostes, großes Kind. Durch die Geschichte zieht sich wie ein roter Faden ihr ebenso inniger wie hoffnungsloser Wunsch, die seit langem getrennt lebenden, phlegmatischen Eltern wieder zusammen zu bringen. Außerdem hat sie noch an dem unverarbeiteten Trauma zu knabbern, daß sie als Kind miterleben mußte, wie die Mutter versucht hatte, sich selbst und den kleinen Bruder umzubringen.

Natürlich dachte ich: "Na klar, deswegen macht die all die kranken Sachen. Ich, der Michel, hab das begriffen, während sich alle anderen Kritiker nur auf die Sex&Ekel-Aspekte konzentriert haben." Detektivischer Stolz, gemischt mit literarischem Erkenntnis-Triumph, ließ meine Brust schwellen. Und ich war überzeugt: Mit der erheblichen Fokussierung auf die "Bäh!"-Gesichtspunkte der Story hat sich Madame Roche keinen Gefallen getan. Denn somit hat außer mir keiner geblickt, was sie uns wirklich mitteilen wollte: Ein Blick in das Seelenleben eines emotional vernachlässigten Teenies, die aus lauter Verzweiflung dauernd irgendwelche Unterleibsexperimente macht.

Falsch gedacht.

Wie heißt es so schön: Es ist erst vorbei, wenn die dicke Frau singt. Denn ich durfte dieses Interview mit Charlotte lesen, in dem sie mitteilt, daß es ihr im Roman hauptsächlich darum ging, die "Amerikanisierung des weiblichen Körpers" anzuprangern.

Verdammt. Und ich dachte, ich hätte verstanden.

"Liebe Charlotte,

knapp daneben ist auch vorbei.

Denn wenn man einen Charakter erschaffen will, der stellvertretend für den Autor als Sprachrohr für Gesellschaftskritik dienen soll, dann bastelt man sich eigentlich jemanden, den der Leser irgendwie ernst nehmen, respektieren oder zumindest sympathisch finden kann. Deine Heldin hingegen kann man streckenweise nur bemitleiden, um wirklich Sympathie zu wecken ist sie einfach zu extrem.
Merke: Wenn man z.B ein Traktat gegen die Todesstrafe schreiben möchte, dann kreiere man dafür möglichst keinen Helden mit einem Sympathiepotential, bei dem sogar Mutter Teresa mit einem Lächeln den Hebel umgelegt hätte.

Und was sollte der ganze Psycho-Kram? Das macht Deine Helen auch nicht grade zu Germany's Most Wanted Hygienedozentin.

Herzlichst,
der Michel"

Sonntag, 4. Januar 2009

Was ich wirklich gern noch mal wissen möchte...

Sind amerikanische Dauerwerbesendungen für überflüssige Küchengeräte und anderen Sperrmüll eigentlich mit Absicht so besch...en synchronisiert?
Steckt da vielleicht irgendein tiefenpsychologischer Verkäufer-Trick dahinter, hinter den ich nur noch nicht gekommen bin?
Suggerieren die überkandidelten Stimmen von Hobby-Synchronsprechern in drogeninduzierter Konsumekstase zu unsynchronen Lippenbewegungen, daß ich ein japanisches Obstmesser für 699,- Euro unbedingt benötige? Weil man offenbar häufig in die Verlegenheit kommt, im heimischen Wohnzimmer spontan Eisenbahnschienen zerkleinern zu müssen, genau so wie der abgehalfterte Fernsehstar im Werbespot?

Wer's weiß: Bitte Info an mich.

Samstag, 3. Januar 2009

The crazy world of Margarine

Als ich heute morgen eine neue Schachtel Lätta aufgeknippert habe, durfte ich in der eigentlich überflüssigen Zwischenabdeckung lesen: " Neu - noch frischer!"
"Na, das freut mich aber!", dachte ich.
Beim weiteren Nachdenken kamen mir aber dann doch Zweifel. Woran macht man eigentlich fest, daß eine Margarine "frisch" schmeckt, bzw. "noch frischer"? Den Fall, daß das Zeug schon beim Öffnen ranzig ist, mal ausgenommen?
Und wie stelle ich fest, daß mir Unilever (der Hersteller) hier keinen Kuschelweich-Bären aufbindet, denn wie soll ich denn prüfen, daß die neue Lätta noch frischer schmeckt als die alte? Ich hab ja in der Regel keine Geschmacksprobe der alten mehr auf der Zunge, wenn ich ein neues Packerl aufreiße.
Also alles Schummel?

Michel will's wissen. Also schnell zu laetta.de und nachgeschaut.

Wer jetzt wie ich denkt, auf den Lätta-Webseiten fände man fundierte Produktinfos, die das Geheimnis enthüllen könnten, warum die neue Lätta denn jetzt so viel frischer schmeckt - falsch gedacht. Stattdessen erwartet den neugierigen Konsumenten eine Reise in das durchgeknallt-bunte Paralleluniversum der Lätta-Werbestrategen. Die halten Lätta offenbar nicht nur für blasses, streichfähiges Pflanzenfett, sondern für eine Art Ersatzreligion.

Ein paar Auszüge:

Neben total leckeren Rezepten (z.B. "Senf-Ananas-Lätta mit Sauerkraut und Würstchen auf Pumpernickel"- hmmmm!!) kann man beispielweise sich "totale verrückte" Frühstücksideen holen.
Zum Beispiel: Frühstücken im Cabrio auf dem obersten Parkdeck des Parkhauses. Crazy!
Oder einfach Frühstück im Bett. Irre!
Oder der ultimative Frühstückstipp für notgeile Singlefrauen: Lättabecher schnappen, Schleife drum und damit beim schmucken Nachbarn klingeln. Denn nichts macht einen Mann geiler als ein Becher Halbfettmargarine.
Da weiß man gleich, warum die Olle noch Singel ist.
Immerhin: Immer noch besser, als dem verdutzten Nachbarn gleich eine Tube Gleitcreme in die Hand zu drücken. Da ist ein Becher Lätta schon noch etwas subtiler, wenn auch nicht sehr.

Für jeder dieser total crazy Ideen gibt es dann auch eine Checkliste, damit man auch ja nicht vergißt, wie Frühstücken geht. Margarinefressen macht also scheinbar nicht nur einsam, sondern auch noch strunzdumm.

Zumindest wird spätestens hier klar, an wen sich das ganze Gedöns wendet: Den vielumworbenen urbanen Single in der werberelevanten Zielgruppe. Rentner, Hartz4-Empfänger und Dorfbewohner lassen also bitte zukünftig ihre erdverkrusteten Griffel von der kultverdächtigen Brotschmiere.

Der Knaller aber ist die Rubrik "Lätta macht fit". Da darf man nämlich erfahren, wie sich die Unilever-Werbefuzzis den Tagesablauf des Lättakonsumenten vorstellen (Originaltext):

"7.30 Uhr - Der Wecker klingelt, du machst die Augen auf. Gähnst. Normalerweise ist noch einmal Umdrehen angesagt. Heute nicht! Heute geht die Bewegung schon in der Horizontalen los. In Rückenlage die Beine nach oben strecken und kräftig ausschütteln. Danach linkes Knie und rechten Ellbogen zusammenbringen - je Seite 6 mal wiederholen."

Geht's noch? Soll mir das Margarinebrot vom Vorabend wieder hochkommen, oder was? Wenn ich um 7.30 Uhr anfange, im Bett herumzuzappeln, kann ich davon ausgehen, daß sich dann wie von allein verschiedene Knie und Ellbogen auf mich zu bewegen, allerdings nicht meine eigenen.

"8.00 Uhr - Eine warme Dusche ist kuschelig, macht aber nicht fit. Jetzt kommt die Powerdusche. Du wagst es und drehst den Hahn auf "kalt". Einfach wunderbar."

Wow! The crazy world of Lätta Adventures! Die kalte Dusche als Polarexpedition des kleinen Mannes. Das flasht!

"8.30 Uhr - Zum Lätta Frühstück, ein frisch gepresster Saft Papaya-Ananas-Saft; Apfel-Möhre mit Minze oder Karotte-Orange. Klingt gut, schmeckt gut."

Sieht aus wie Durchfall, schmeckt wie eingeschlafene Füße.
Nochmal zum Mitmeißeln: Zu einer Tageszeit, wo der durchschnittliche Großstadt-Werbe-Knallkopf sich gerade die letzten Koksreste aus der Nasenfalte kratzt, soll ich mich nach der Eisdusche in die Küche stellen, Grünzeug schälen, schnippeln, entkernen und durch den Mixer jagen? Von der ganzen Schweinerei mal abgesehen: Schon mal was von Kaffee gehört?

In diesem Stil geht das den Rest des Tages weiter. Was mich wundert: Ich hatte erwartet, daß man mir dabei empfiehlt, mich den ganzen Tag mit Lätta vollzustopfen oder einzureiben, aber nichts dergleichen. Der ultimative Fett Fitmacher wird tatsächlich nirgendwo erwähnt. Wozu dann das ganze Lifestyle-Gesums? Glaubt da wirklich jemand, es gäbe sowas wie eine "Generation Lätta", die das alles nötig hat?

Liebe Werbefuzzis: Da hat aber einer das Konzept von der Weltherrschaft durch Margarinekonsum irgendwie nicht zu Ende gedacht.
Aber zumindest haben wir gelernt, daß der durchschnittliche Lätta-Fresser in Städten wie München, Hamburg oder Berlin wohnt, Single ist und lauter Freunde hat, die auch Singles sind, gern komische Sachen ißt, die teuer klingen und Scheiße schmecken, und in Nachmittags-Meetings gerne mal ein Nickerchen macht. Ein wirklich beneidenswerter Lebenswandel.
Und wißt ihr, liebe Werbestrategen, an wessen trostlose Existenz mich das erinnert? An eure.
Nun ist es zwar (noch) nicht strafbar, das eigene klischeehafte Dasein zwischen Blackberrygefummel und After Hour Margarine-Orgien zum role model zu erheben, aber ich halte es zumindest für a) unseriös und b) öde wie aufgeweichtes Knäckebrot.

Zurück zu den Lätta-Webseiten. Für die Zukunft erwarte ich mir da z.B. Beiträge zu folgenden ultimativen Lifestyle-Themen:

"Sun&Fun mit Lätta: Jetzt auch mit Lichtschutzfaktor 20"
"Crazy Ayurveda-Ideen für kühle Single-Sonntage: Mach dir selbst einen wärmenden Lätta-Einlauf!"
"Styling mit Lätta - Die 5 lässigsten Manager-Frisuren für's Meeting"
"Neue Fitnessdrinks im Test, heute: Lätta Macchiato"
"Thema Gesundheit: Was tun, wenn die Margarine beim Aufwachen noch hart ist - Problemfall Morgenlätta"

Also, Jungs&Mädels: Frisch ans Werk.

Gestern, Mediamarkt, 16h00

Ausverkauf bei Mediamarkt im Stahlgruber-Center, 20% auf alles (außer Tiernahrung).
Berauschte Konsumenten im Schnäppchenfieber reißen sich gegenseitig Flatscreens aus den Händen.
Von der Rezession gebeutelte Rentner tragen waschkörbeweise Playstations ins Altersheim.
Alleinerziehende Mütter stopfen sich iPods in die Kittelschürzen, bis das Nylon reißt.
Verunsicherte Kleinsparer legen ihr Geld in Laptops und Waschmaschinen an.
Schlangen, wie man sie zuletzt vor 19 Jahren bei der Abholung des Begrüßungsgelds sah.

Wenn so die Krise aussieht, dann hätte ich gern mehr davon.

Freitag, 2. Januar 2009

Liebe Klatschpresse!

Könntest du, nachdem sämtliche verfügbaren Käseblättchen heute den beim Skifahren verunfallten MiniPräsi Althaus auf dem Titel hatten (Ski-Drama, Pisten-Drama usw.), vielleicht auch noch erwähnen, daß zeitgleich noch hunderte andere, nur leider auflagerelevant betrachtet völlig unbedeutende Opfer des Winter"sports" mit zersemmelten Bändern und kaputten Knochen in alpenländische Kliniken eingeliefert wurden?
Ja?
Besten Dank!