Montag, 30. März 2009

Test the Tester

Ich muß euch ein Geständnis machen: Ich stehe auf Restauranttest-Dokus, besser gesagt: Doku-Soaps. Wer nicht weiß,. worüber ich spreche, dem möchte ich hier die drei bekanntesten Shows vorstellen.

Beginnen wir mit "Ramsay's Kitchen Nightmares", hierzulande bekannt geworden als "Chef ohne Gnade".
Unangefochtener Star ist Gordon Ramsay, Sternekoch und verflixt erfolgreicher Restaurantmanager. Dessen hauptsächliche Erfolgsfaktoren sind seine schmerzhaft ehrlichen, vernichtenden Kritiken und seine phantasievollen Verwünschungen unter inflationärem Gebrauch des Wortes "fuck". Leider fällt all das in der deutschen Version der Synchronisation zum Opfer, Internet sei Dank findet man alle Folgen auf youtube im Original.

Wie jede Doku-Soap, wird auch hier dem Zuschauer der dokumentarische Charakter nur vorgegaukelt, in Wirklichkeit folgt die Show immer demselben Strickmuster und wird natürlich redaktionell bearbeitet. In der britischen Version hält man sich mit der Bearbeitung allerdings noch angenehm zurück und läßt Ramsay einfach "machen". Was eigentlich auch schon reicht, denn Präsenz, Sympathie und Humor des Schotten tragen die Soap schon im Alleingang.

Der Ablauf ist fast immer gleich: Ramsay betritt ein Restaurant, findet das Ambiente gewöhnungsbedürftig und bestellt 2-4 Gerichte, die er alle Sch...e findet. Dann redet er mit dem Eigentümer, der erzählt, daß er seine letzten Ersparnisse sowie die seiner gesamten Verwandschaft in den Laden gesteckt hat und nun langsam, aber sicher vor die Hunde geht. Gordon erklärt ihm oder ihr, daß er eine Schlafmütze ist und mal in die Puschen kommen muß. Dann geht er in die Küche und führt ein Gespräch mit dem Koch, bei welchem er diesen einmal von oben nach unten durchbeleidigt. Kurz bevor ihm der erzürnte Küchenbulle mit der Schaumkelle eine Scheitel ziehen kann, verläßt Ramsay das Restaurant, nicht ohne nochmal den Fernsehzuschauern direkt in die Kamera hinein zu verklickern, wieso der Freßtempel auf dem letzten Loch pfeift.

Am nächsten Tag kommt er wieder, stellt die Küche auf den Kopf und findet heraus, was wir sowieso schon alle wußten: In allen Ecken herrscht König Gammel. Ramsay verordnet der Küche eine Grundreinigung, stellt ein neues Restaurantkonzept auf, setzt seine Kreationen auf die Karte und schwört das Personal darauf ein. Dann läßt er das Restaurant einen Tag lang mit dem neuen Konzept alleine, was natürlich maximal in die Hose geht, weil die Hälfte der Leute noch nicht begriffen hat, daß sie sich um 180° drehen müssen. Tags darauf putzt er die gesamte Belegschaft nochmal richtig runter und verpaßt dem Restaurant eine Generalüberholung, auf die ein oder andere Weise. Dabei legt er selbst mit Hand an, und plötzlich funktioniert alles. Der Dramaturgie folgend, sind ab sofort alle Kunden glücklich, satt und zufrieden, der Laden brummt und ist von da ab auf der Straße des Erfolges.
Manchmal geht der Rettungsversuch auch in die Hose, wie man ab und an aus dem Nachspann erfährt. Allerdings weit öfter, als uns das Fernsehen glauben machen will, wie dieser Artikel zeigt. Was wohl der ultimative Beweis dafür sein dürfte, daß auch der erfolgreichste Manager nicht in 7 Tagen aus einer Absteige eine Goldgrube machen kann.

Warum ich mir das ganze trotzdem gerne anschaue? Weil Ramsay ein grundsympathisches und vor allem authentisches Kerlchen ist, der kein Blatt vor den Mund nimmt und dessen Schimpftiraden wirklich großartig sind. Hier eine kleine Kostprobe:



Die zweite Show ist "Kitchen Nightmares", die US-Version von "Ramsay's Kitchen Nightmares", Star auch hier: Gordon Ramsay.
Das Konzept ist dasselbe, der einzige Unterschied und gleichzeitig Pferdefuß (aus europäischer Sicht) ist, daß die US-Version eine viel stärkere redaktionelle Bearbeitung erfahren hat, viel stärker geschnitten wurde und allgemein "more drama" hat. Wenn z.B. die britische
Produktion in Gestalt von Gordon Ramsay dem Restaurant einen neuen Grill spendiert, wird in der US-Version über Nacht die gesamte Küchenausstattung ausgetauscht. Kriegt der walisische Pub ein paar neue Tischdecken, wird das amerikanische Diner komplett neu gestrichen, vertäfelt und möbliert. (Was natürlich nie ohne viele Tränen, Nervenzusammenbrüche und Liebeserklärungen seitens der Belegschaft abgeht.) Hängt Ramsay in der UK-Ausgabe eine neue Werbetafel an den Gartenzaun, wird in New York zu Werbezwecken eine komplette Parade samt Festwagen organisiert.
Besonders ätzend wird es, wenn der Schnitt so schlecht gearbeitet hat, daß der aufmerksame TV-Zuschauer mitbekommt, daß er verarscht wird. So ist der Wutausbruch eines Restaurantmanagers so in eine Folge eingeschnitten, daß man glauben soll, er wäre ausgeflippt, während der Laden voll war. Schaut man genauer hin, wird deutlich, daß der Ausraster stattfand, als kein Mensch da war. Was aber aus Sicht der Macher wohl nur halb so dramatisch wäre.

Auch wenn ich weiß, daß ich mir gerade keine "echte" Doku anschaue, sondern etwas, das wie eine wirken soll, ärgert mich eine derart plumpe Verarsche. Trotzdem schaue ich mir auch diese Show gern an, eigentlich nur wegen Ramsay. Ihm dabei zuzuschauen, wie er ohne Skrupel 300 Pfund schwere italienische Restaurantchefs vor versammelter Mannschaft verbal zusammenfaltet und dabei mehr als einmal kurz davor steht, von einem wutschnaubenden Küchenbullen filettiert zu werden, hat unbestreitbar seinen Charme.

Der deutsche 1:1-Abklatsch heißt "Rach, der Restauranttester". Die Show ist soweit ich weiß das einzige deutschsprachige Format, das sich ausschließlich mit dem Aufmöbeln von Gastwirtschaften beschäftigt, die irgendwie auf dem absteigenden Ast gelandet sind.
Titelstar ist Christian Rach, ebenfalls preisgekrönter Koch und Restaurantchef. Warum ausgerechnet er unter all den deutschen Fernsehköchen für den Job herhalten muß, weiß man nicht, vermutlich waren alle anderen schon bei Kerner unter Vertrag. Letztendlich ist er es aber, der ähnlich wie Ramsay die gesamte Show trägt. Nur geht das alles viel betulicher ab als im britischen Vorbild. Rach versprüht auf seine etwas linkische Art spröden norddeutschen Charme. Zwar nimmt auch er kein Blatt vor den Mund, allerdings bleibt er dabei politisch korrekt und weitgehend höflich. Ein bißchen mehr von der krawalligen Art Ramsays würde ab und zu nicht schaden, aber die Produzenten haben wohl Angst, daß dies auf Kosten der Glaubwürdigkeit bzw der Quote ginge. Das kann ich zwar für meine Person nicht unterschreiben, trotzdem behielten die Produzenten vermutlich sogar Recht. Denn so lange in Deutschland auch stumpfsinnige Soaps wie "Bauer sucht Frau" zum Quotenhit werden und seit Jahren ungestraft allnachmittäglich hölzerne Laienspielgruppen hanebüchene Justizfälle herunterdilettieren, so lange werden Fernsehformate abseits des uniformen Mainstreams eher die Ausnahme bleiben.

Freitag, 27. März 2009

Fundstücke der Woche

Heute speziell für Filmfans: Die schönsten Überarbeitungen erfolgreicher Kinostoffe

Platz 3: Arnold Schwarzenegger in "Der Passionator"



Platz 2: Bruce Willis in "Biet langsam"



Platz 1: Peter Jackson brauchte beinah 12 Stunden, um uns "Lord of the Rings" cineastisch näher zu bringen. Hier schafft es jemand in 1 Minute.

Dienstag, 24. März 2009

Bahlsen - schon wieder!

Was mir beim Herumstöbern auf den Bahlsen-Websites noch aufgefallen ist: Bahlsen teilt seine Produkte mitunter in seltsame Kategorien ein.

Eine davon heißt "Unkompliziertes Naschen". Das einzige Produkt, das man unter dieser Rubrik findet, sind Bahlsen Crispini. Wörtlich heißt es "Modernes Naschen ist unkompliziert und findet vor allem vor dem Fernseher statt - dazu gibt es nun Crispini ..."

Ich war geschockt. Offenbar habe ich bisher immer total kompliziert genascht. Häufig sogar ohne vorher den Fernseher einzuschalten. Ich bin offenbar ein ernährungsphysiologischer Neandertaler, ohne daß ich mir dessen bisher bewußt war. Aber vielleicht geht ja die damit verbundene Unterzuckerung als mildernder Umstand durch.

Dank Bahlsen hat aber nun auch ein Kekskretin wie ich endlich die Möglichkeit, sich auf moderne Art und Weise einer Adipositas entgegen zu futtern. Nie wieder langweiliges und total kompliziertes (Schale, Kerne, Stiel usw.) Vertilgen von Obst und Gemüse in freier Natur. Das ist mega-out! Stattdessen lädt man sich Freunde ein, feiert eine Crispini-Orgie und schaut sich dabei auf dem Großbild-Flatscreen alte "Bulle von Tölz"-Folgen an.

Danke, Bahlsen!

















(Foto by Franz Bernack)

Afrika - schon wieder!

Scheinbar gibt es unter den Nahrungsmittelproduzenten Deutschlands einen weiteren Afrikafan: Bahlsen.

Über Lindt's "Geheimnisvolles Afrika" hatte ich ja schon berichtet. Bahlsen läßt es da schon bescheidener angehen. Komplett ohne Giraffen-Ambiente, ohne "Gewürzextrakte", einfach "Waffelblätter in Schokolade". Und schmecken tun sie auch, wie sie sollen: knusprig-schokoladig, ohne zusätzliches Gewürz-Potpourri.

Da frag ich mir nur: Wieso dann "Afrika"? Was soll denn an den Dingern so verflixt afrikanisch sein? Laut Bahlsen-Werbespot kommt der Kakao für das Zeug "aus dem Herzen Afrikas". Ist das aber wirklich schon Grund genug, dem Gebäck gleich den Namen des ganzen Kontinents zu verpassen? Ist das nicht ein bißchen dick aufgetragen? Und warum ist dies das einzige Bahlsen-Produkt, dem eine derartige Namensgebung zuteil wurde?

Das wird doch am Ende nicht doch vielleicht damit zusammen hängen, daß die Dinger rundherum so schön... braun sind? Bringt Bahlsen vielleicht demnächst auch noch goldgelb glasierte Zitronenbisquits namens "Asien" auf den Markt? Oder ein Weißbrot namens "Europa"?

Vermutlich nicht. Das branding ist auch weit nicht so plump wie die Obama-Werbung für russische Eiskrem, im besten Fall ist es schlicht einfallslos. So richtig koscher find ich die Sache trotzdem nicht.

Samstag, 21. März 2009

- ohne Worte -

Freitag, 20. März 2009

Wochenendrätsel

Und nun gilt es, in der beliebten Kolumne "Michels Rätselecke zum Wochenende" wieder 3 knifflige Menschheitsfragen zu lösen.

Rätsel Nr. 1: Amerika hat wirklich großartige Comedians, aber was zum Kuckuck finden die Amis nur an Adam Sandler, Will Ferrell und Jack Black so witzig? Welchen Narren hat das amerikanische Publikum an der Darstellung rülpsender, furzender Vollidioten gefressen?

Rätsel Nr. 2: Wieso können sich Amerikaner nicht freuen wie andere Leute auch? Wieso muß es schon beim banalsten Anlaß in eine hysterische Herzkapser-Freuorgie ausarten, komplett mit wildem Auf-und-ab-Gehüpfe, Beinahe-Orgasmus und "Oh my god, oh my god!"-Gekreische? Geht's nicht auch 'ne Nummer kleiner?

Rätsel Nr 3: Wieso kann ich innerhalb weniger Minuten mit einem einfachen Telefonanruf den Strom-, Internet- oder Telefontarif bzw. -anbieter wechseln, Aktiendepots eröffnen und mir eine neue Wohnzimmergarnitur aus Tropenholz bestellen, brauche aber eine notariell beglaubigte Willenserklärung, ein psychiatrisches Gutachten und den letzten Einkommenssteuerbescheid, um das ganze wieder rückgängig zu machen?

Zusatz-Rätsel für ganz Fleißige: Welcher Schwachmat hat sich eigentlich den Begriff "Erweiterter Suizid" zur Kategorisierung von Amokläufen ausgedacht?

Zum Schluß unser Bilderrätsel:




















Was denkt der Bär in der Mitte?

a) Eskimos - Eisbären 0:1
b) Hmm, lecker Erdbeereis!
c) Jungs, kommt schon! Das Essen wird kalt!
d) Knut wer?

Dienstag, 17. März 2009

Miß-BILD-ung

Ich möchte an dieser Stelle auf einen Zapp-Beitrag hinweisen, der sich mit der neuen Werbekampagne von Deutschlands führendem Zentralorgan für Panik und Hetze auseinander setzt.

In einem TV-Spot und auf Plakaten werben Prominente für die Bildzeitung, in dem sie vermeintlich kritisch ihre Meinung über BILD äußern. Leider finden sich unter den Testimonials auch Leute, die man irgendwie für vernünftiger und integer gehalten hätte. Stattdessen halten J.B. Kerner, G. Gysi und U. Lindenberg ihre Köpfe für die 4 großen Buchstaben hin. Olle Udo hat sogar ein Plakat gemalt und angelehnt an die FAZ-Kampagne mit kühnem Pinselschwung darunter gekritzelt "Hinter dieser Zeitung steckt immer ein kluger Hut."
Richtig, Udo, denn wenn der Hut schlauer ist als der Kopf, der darunter steckt, kommt solch Schwachsinn dabei heraus.

Hier erstmal der Zapp-Beitrag: http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/zapp3186.html

Auch wenn immer mal wieder gemunkelt wird, die BILD wäre mittlerweile zahm und gesellschaftsfähig und der Pressekrieg der 60er Jahre sei vergessen: Ein Blick auf die heutige Ausgabe reicht schon, um zu wissen, wo man steht.

Da jammert BILD nämlich in den üblichen Riesenlettern, daß die Rente im bösen Osten viel stärker steigt als im Westen. Aufregung wegen der scheinbaren Ungerechtigkeit vorprogrammiert. Im Text (zumindest in der Web-Ausgabe, für die Print-Version gebe ich kein Geld aus) wird dann auch nochmal erklärt, warum das so ist: Weil die Renten an die Gehälter gekoppelt sind, und - Schock!! - die sind im Osten auch stärker gestiegen als im Westen.

Dabei unterschlägt die BILD leider komplett, daß sowohl Renten als auch Gehälter im Osten auch nach der Erhöhung weit niedriger sind als im Westen, wie BILD selbst erst im Februar 2009 wieder meldete. Bemerkenswert auch, wie die Zeitung auch weiter Ressentiments Ost gegen West schürt, nur um sich dann jedes Jahr am Nationalfeiertag scheinheilig zu wundern, warum die "Mauer in den Köpfen" eigentlich noch immer steht.

Ich wüßte da eine Antwort.

Capture the fleck

Die Marketingstrategen haben mal wieder eine schöne Möglichkeit versemmelt, mit einem originellen Spot aufzufallen.

Diesmal die Jungs von Procter § Gamble.

Im neuen TV-Spot ist ein Pärchen beim Candlelight-Diner zu sehen. Die ganze Szene riecht stark nach entscheidendem Date.
Unter Mißachtung einer fundamentalen Rendezvous-Regel läßt er sich Hummer servieren und bekleckert sich prompt das Hemd mit Soße. Während er einen zerknirschten Gesichtsausdruck aufsetzt, kriegt sie einen Lachanfall. Schlechte Idee, da sie grade im Begriff ist, sich ein Glaserl Wein in den Hals zu kippen, und sich ihrerseits ebenfalls bekleckert. Was sie aber ebenfalls sehr lustig zu finden scheint.

In diesem Moment ist die Handlung auf ihrem Spannungshöhepunkt angekommen. Wie wird diese potentiell brenzlige Situation wohl gelöst? Wird er irgendwie die Kurve kriegen? Wird sie ihn sitzenlassen? Oder passiert etwas ganz Abstraktes, z.B. schreit einer "Cut!", und die Szene löst sich in einer Werbespot-im-Werbespot-Situation auf?
Ich jedenfalls hatte automatisch eine witzige Auflösung erwartet. Aber was machen die beiden? Sie reißen sich die Flecken von der Klamotte als wären es Abziehbildchen, werfen sie weg und fangen neben ihrem Tisch an zu tanzen.
Klingt bescheuert, ist bescheuert. Und vor allem: Stinklangweilig.

Sonntag, 15. März 2009

Wie man seinen Schnupfen los wird und gleichzeitig abnimmt

Warnhinweis: Im folgenden Beitrag dreht sich alles um Körperflüssigkeiten. Zart besaitete Gemüter sollten an dieser Stelle vielleicht lieber wieder zu http://land.heim.at/waldviertel/240060/engelwald.htm zappen.

Wenn der Mensch Schnupfen hat, produzieren die Schleimhäute der Atemwege eine Substanz, die anders als mit der klangvollen Silbe "ROTZ" kaum treffender zu beschreiben ist. Meine Erzeuger pflegten mich in Kindertagen gern auch mal als "Rotzfaß" zu bezeichnen*, wenn mich die Rüsselpest plagte (das trauen sie sich aber jetzt nicht mehr).

Ich denke, die Situation ist bekannt: Die Nase füllt sich, man bekommt keine Luft, man schneuzt sich, bis einem die Nasenhaare ausfallen, und immer wenn man denkt "JETZT krieg ich wieder Luft!", geht die Sache von vorne los.

Ich als momentan Betroffener habe im Fieberwahn** eine Theorie ausgeknobelt, die dieses uralte Menschheitsproblem beseitigt oder zumindest erträglicher machen dürfte.***
Mein Vorschlag: Sobald der Schnupfen einsetzt, sollte der Mensch auf jegliche Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme verzichten.

Der Körper hat dann zwei Möglichkeiten. Entweder, die Schleimhäute fahren fort, Sekret zu produzieren, und müssen zu diesem Zweck auf die körpereigenen Rohstoffreserven zurückgreifen. Jedes vollgeschnodderte Tempotaschentuch bringt einen dadurch dem Idealgewicht ein Stückchen näher. Man schneuzt sich quasi schlank.
Oder, die Nase stellt die Rotzproduktion ein. Dann bleibt man zwar mopsig, kriegt aber wenigstens wieder Luft.

In meinen Augen ist das eine Win-Win-Lösung. Zum Problem könnte lediglich werden, daß man anfängt, durch den Flüssigkeitsverlust innerlich auszutrocknen. Aber diese "Durststrecke" kann man ja dadurch überbrücken, indem man den Schnodder hochzieht und runterschluckt**** immer mal wieder ein Schlückchen Wasser trinkt.

Man sollte vielleicht noch erwähnen, daß die obige Praxis natürlich nur für Übergewichtige Sinn macht. Magersüchtigen sei an dieser Stelle dringend abgeraten, sich auf diese Weise dem Hungertod entgegen zu popeln.


PS: Bei wikipedia.de gibt es zwei schöne Beiträge zu den Themen " Nasensekret" und "Nasenbohren", denen man an merkt, wieviel Spaß die Autoren beim Schreiben hatten.


*) Eine elterliche Praxis, die schon Scharren von Psychotherapeuten reich gemacht haben dürfte.
**) Ich habe in diesem Zustand schon mehrere erfolgversprechende Fernsehspielshows konzipiert, aber leider jedes Mal alles wieder vergessen.
***) Natürlich muß die Theorie noch in entsprechenden Feldversuchen verifiziert werden. Ich stelle meinen Riechkolben zu diesem Zweck gern zur Verfügung.
****) Wie schon Schopenhauer sagte: "Der Schluck aus der Nase ist die Auster des kleinen Mannes."
Wer schon mal Austern gegessen hat, weiß, was damit gemeint ist.

Unverschämtheit der Woche

Politik ist ja bisweilen, wenn nicht sogar meistens, ein seltsames Geschäft. Was z.B. eine ehemals ultralinke, dröge Hilfsschullehrerin aus Aachen dazu befähigt, das Bundesministerium für Gesundheit zu leiten, muß mir wirklich mal jemand erklären.

Fakt ist, daß Tr Ulla Schmidt in dieser Funktion wenig mehr geleistet hat, als die Waffen vor den verschiedenen Lobbygruppen (ausgenommen der der Patienten) zu strecken, und das gleich mehrfach. Das BMG ist damit quasi das Polen unter den deutschen Ministerien.

Nun hat man offenbar im BMG ausgeknobelt, wie man die schönen Steuergelder am sinnlosesten anlegen könnte. Und voila: Man hat sich überlegt, in Zeitschriften ganzseitige Anzeigen zu schalten, in denen nichts weiter getan wird, als die Krankenversicherten aufzufordern, mal bei ihrer Krankenkasse anzurufen und nachzufragen, was für besondere Leistungen diese denn so bietet. Also: Eine ganze Zeitschriftenseite, nur um uns Kassengestellen zu die simple Botschaft mitzuteilen: "Ruf doch mal an!" Die Anzeige kostet - nur in der TV Spielfilm, wo ich sie entdeckt habe - schlappe 65.900,- €.

Und als wenn das noch nicht reicht, ist in der Mitte eine völlig sinnlose Karte in doppeltem Kreditkartenformat eingeklebt (Extrakosten von 34,- € je 1000 Exemplare, was bei einer Auflage von 1,5 Mio nochmal mit satten 51.000,-€ zu Buche schlägt). Auf dieser findet man nichts anderes als eine Reihe von Fragen, die man seiner Krankenkasse bei einem Telefonat stellen könnte und auf die man ohne die unhandliche Karte auf keinen Fall selbst gekommen wäre. Offenbar denkt man im BMG, Kassenpatienten wären dumm wie Hüttenkäse.

Der Clou kommt aber erst noch. Denn neben den ganzen schlauen Fragen finden sich auf dem Kärtchen auch die Internetadressen des BMG, der Verbraucherzentrale und der Stiftung Warentest, sowie die Nummer des Bürgertelefons des BMG. Eine 01805 - Nummer, den Tarif von 14 Ct/Min schön rentnerfreundlich in Schriftgröße 2 (?) darunter gedruckt.
Eine 01805 - Nummer! Für ein Bürgertelefon!
Hallooooo?

Ich stell mir grade vor, wie Hunderte verunsicherter Rentner ihr sogenanntes Bürgertelefon anrufen, dort schön lange in der Warteschleife herumhängen, um anschließend von ein paar genervten CallCenter-Tagelöhnern abgefrühstückt zu werden. Großartig. Das nenn' ich Dienst am Bürger, resp. Steuer- oder Beitragszahler.


Nachtrag: Das BMG ist nicht das einzige Ministerium, das eine derartige Abzocke betreibt. Besonders deutlich zeigt das BM für Arbeit und Soziales, was es von seinen Klienten hält. Hier können Hartz4-Empfänger, Rentner, Behinderte usw. auf teuren 01805-Nummern z.B. die Frage stellen, wovon sie das Telefonat überhaupt bezahlen sollen.
Besser steht da schon das Familienministerium da. Dieses erreicht man zumindest unter einer etwas günstigeren 01801-Nummer. Noch löblicher das BM für Forschung und Bildung, hier hat man fast ausschließlich kostenlose Hotlines eingerichtet.
Finanz-, Innen-,Verteidigungs- und Verkehrsministerium sowie das Auswärtige Amt haben dagegen stinknormale 030-Ortsnetznummern, die einem im Zeitalter der Flatrate auch keine Kopfschmerzen mehr bereiten.

Freitag, 13. März 2009

Meine Meinung zu Schützenvereinen

"Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde." (A. Einstein)

Donnerstag, 12. März 2009

Comeback der Woche

Michael Jackson is back!

Montag, 9. März 2009

Im Westen nichts neues

Auf der Suche nach kurzweiliger und interessanter U-Bahn-Lektüre bin ich am Stern Extra 1/2009 hängengeblieben und hab ihn für stolze 6 Euronen erworben.
"60 Jahre Bundesrepublik - eine opulente Zeitreise von 1949-2009" - so der vielversprechende Titel. "Opulent" heißt laut meinem Fremdwörterbuch "üppig, reichhaltig, im Überfluß". Im Überfluß, sollte das vielleicht ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung "überflüssig" sein? Na ja, das ist vielleicht doch ein wenig überkonstruiert.

Das Magazin ist soweit ganz nett. Ich hatte mir interessehalber etwas mehr Hintergrundinfos zu den frühen Jahren der BRD gewünscht, leider blieb das Ganze irgendwie hinter meinen Erwartungen zurück. Stattdessen gab's wieder die ewig gleiche Soße aus Historie "light" und Zeitzeugenzitaten, das fand ich nach den x verschiedenen "Die Geschichte der BRD"- bzw. "...Deutschlands"-Sonderausgaben der letzten Jahre etwas mager. Wenn man dann den 200sten Aufguss desselben Themas abliefert, erwarte ich mir eigentlich etwas mehr Innovation.
Also insgesamt wenig Neues, unterlegt mit einem seltsam unrepräsentativ zusammengewürfelten Zeitstrahl, in dem zwischen "Neues Scheidungsrecht" und "Schleyer entführt" schon mal die Meldung "Boney M ganz oben" zu finden ist.

So richtig geärgert hab ich mich aber über die einseitige Berichterstattung über die parallel verlaufende Geschichte der DDR. Nun heißt das Heft ja streng genommen "60 Jahre BRD", aber man kann ja schlecht die Entwicklung beider Staaten getrennt voneinander betrachten. Das sahen die Herausgeber wohl auch so, daher findet auch immer wieder die Geschichte der DDR Erwähnung. Nur leider ziemlich einseitig.

Wenn man die einschlägigen Reportagen (west)deutscher Magazine studiert, könnte man auf den Gedanken kommen, daß zwischen den Meilensteinen DDR-Staatsgründung, Mauerbau, Prager Frühling und Montagsdemos eigentlich nicht viel passiert ist. Da macht auch die Stern Extra-Ausgabe leider keine Ausnahme. Wer zwischen Adenauer, RAF und Wackersdorf darin auch noch lesen möchte, was den Westdeutschen in der 60er Jahren in die Kinos trieb, welches Auto er in den 70ern fuhr und welche Zukunftsängste ihn in den 80ern am meisten beschäftigten, der wird fündig. Im Osten passierte zur gleichen Zeit scheinbar gar nichts, von den oben genannten Ereignissen mal abgesehen. Das dürften wohl auch die einzigen Geschehnisse sein, die der gemeine Westdeutsche als alleinige und typische DDR-Themen seit Jahrzehnten immer wieder vorgekaut und beigebogen bekommt.

Vertraut man dem Tenor der Reportage, lebten in der DDR offenbar mehrheitlich auch nur 2 Arten von Menschen: SED-Mitglieder bzw. Unterdrücker auf der einen, Dissidenten bzw. Unterdrückte auf der anderen Seite. Dazwischen gab's allerhöchstens eine kleine Grauzone von Leuten, die sich irgendwie so durchmogelten, es sich "in der Diktatur eingerichtet hatten". Auch diese Formulierung wenig schmeichelhaft, mit einem Unterton, der sofort an Prädikate wie "Duckmäuser" oder "Mitläufer" denken läßt.

So sind die einzigen Ostdeutschen, die im Heft auftauchen, folgerichtig 4 Dissidenten, eine Kanzlerin namens Merkel bzw. "Mörkel", wie sie seit der Cebit heißt, und die ehemalige "Aktuelle Kamera"-Nachrichtenvorleserin, die ein wenig den naiven Mitläufer heraushängen lassen darf. Gegenstimmen: keine.

Wenn man sowas liest, könnte man denken, die Mauer stünde noch, und Informationen aus der "Zone" wären noch immer Mangelware, ebenso wie alles andere aus dem Osten. Hier wird ein Schwarz/Weiß-Bild gemalt wie zu Zeiten des Kalten Kriegs: Auf der einen Seite die diabolischen Finsterlinge und ihre Helfershelfer, auf der anderen heldenhafte Widerständler, dazwischen die Verführten, die Feiglinge und die Unentschlossenen. Auf diese bequeme Art und Weise hat man ja in Deutschland schon mal eine Diktatur "aufgearbeitet". "Lord of the Rings", made in Germany. Leider ignoriert diese Sichtweise, daß es nicht nur Nazgul und Ringgefährten gibt, sondern daß die eigentliche Mehrheit aus einer Menge Hobbits, Rohirrim und Gondorianer besteht, die einfach versuchen, sich so gut wie es geht durchzuwurschteln und ihre Kinder groß zu kriegen.

Ich bin weit von jeder DDR-Glorifizierung oder Relativierungsversuchen entfernt und kann die angestaubte Ostalgie zwar ein Stück weit nachvollziehen, aber nicht teilen. Mitunter geht mir die gelegentlich noch aufflackernde Ossi-Jammerei sogar gehörig auf den Senkel. Aber die in der Reportage vorgestellte, erzkonservative, beinah reaktionäre Sicht der Dinge, die hier 20 Jahre nach dem Mauerfall ausgerechnet von einem einst hoch angesehenen Magazin wie dem Stern propagiert wird, stinkt.

Mittwoch, 4. März 2009

Kulturzeit

Dieser Beitrag sei einem faszinierendem Schauspiel gewidmet, dessen ich selbst schon Zeuge sein durfte: Dem Hüftschwung der Polynesierinnen.
Selbigen stellen diese knusprigen Südseewesen vor allem beim Tanzen zur Schau, ein Schauspiel, daß uns steifen Nordeuropäern regelmäßig die Tränen in die Augen treibt. Vor allem die überschaubare Einwohnerschaft der Cook Islands hat es dabei zu einiger Meisterschaft gebracht.
Leider existieren im Netz nur unzureichende Zeugnisse dieser Kunst, meist schlecht beleuchtete und verwackelte Touristenvideos, deren Kameraführung man die Ekstase anmerkt, mit welcher sie der Darbietung folgten.

Der erste Kurzfilm zeigt einen Ausschnitt aus einem lokalen Tanzwettbewerb und soll mal einen ersten Hinweis darauf geben, was ich meine.



Hier das ganze nochmal ohne das ganze Gepuschel, zum Beweis, daß sich da mehr bewegt als nur das Baströckchen.



Hier einmal eine etwas bessere Videoqualität nebst dem Beweis, daß auch die polynesischen Jungs nicht von Pappe sind. Einfach mal eine halbe Minute in der Haltung und Geschwindigkeit die Knie zusammen schlagen, und wir sprechen uns wieder.



Zum Schluß der Beweis, daß wir gerade nicht nur ein paar (Achtung-Wortspiel!) Inselbegabungen gesehen haben, sondern daß so etwas auch in großer Formation und minutenlang zu haben ist.


Zugegeben: Man benötigt eine gewisse Toleranz gegenüber Percussionmusik*. Aber hab ich zuviel versprochen?

Leider sorgt die typisch polynesische Schweinefleisch-Brotfrucht-Kokos-Diät dafür, daß Männlein wie Weiblein mit zunehmendem Alter ihrer faszinierenden Bewegungsfähigkeit verlustig gehen. Trotzdem haben sie auch dann noch mehr Rhythmus im kleinen Finger als der typische Norddeutsche im ganzen Körper, selbst, wenn man ihn an eine Kesselpauke fesseln würde. Seltsam, wie ungerecht solche Talente doch über den Erdball verteilt sind.

Noch ein Grund, dem global warming den Kampf anzusagen. Denn spätestens wenn die Jungs und Mädels bis zum Nabel im Wasser stehen, wird von dem ganzen Hüftgewackel nicht mehr viel zu sehen sein. Vielleicht hätte man schon vor Jahren G.W.Bush diese Videos zeigen sollen, das Kyoto-Protokoll wäre kein Problem gewesen. So müssen Umwelt-Lobbyisten eben aussehen!

*) Hab ich. Aber zur Not kann man sich das Schauspiel auch ohne Ton ankucken.

Dienstag, 3. März 2009

Liebe Bäckereikette Müller-Brot!

Schon klar, daß man keinen Universitätsabschluß braucht, um ein paar Semmeln und Krapfen zu verkaufen. Aber deine Bäckereifachverkäuferinnen sollten wenigstens:

- über Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügen,
- Addition und Subtraktion beherrschen und
- zumindest eine rudimentäre Vorstellung davon haben, wie freundlicher Kundenservice funktioniert.

Eine gerade Anzahl von halbwegs parallel angeordneten Sinnesorganen (Augen, Ohren) und Extremitäten (Hände, Finger) wäre auch begrüßenswert, dies aber aus rein einkaufsästhetischen Erwägungen und nicht Bedingung.

Anlaß zu dieser freundlichen Erinnerung ist mein heutiger Einkauf bei einer meiner Lieblingsverkäuferinnen*, bei deren Anblick mich immer der Verdacht beschleicht, sie würde nur für ihre Zeit hinterm Müller-Tresen von ihrem Schlafbaum heruntersteigen. Ein Einkauf bei ihr artet zudem fast immer in einen 5minütigen Gratis-Crashkurs "Deutsch für Quereinsteiger" aus.

Nicht nur, daß ich meine deutlich ausgesprochene Bestellung ("Drei Semmeln, bitte!") zweimal laut wiederholen mußte**. Nein, die Gute hat mir auch zu ihren Ungunsten 10 Cent*** zuviel rausgegeben. Darauf aufmerksam gemacht, wollte sie mir erst nicht glauben, brummelte dann etwas Unverständliches (ein "Danke" war definitiv nicht herauszuhören) und strich das Geld wieder ein.
Ich hätte ihr am liebsten meine Semmeltüte an den Quadratschädel gedonnert. Und anschließend mir, denn wieso hab ich das Geld nicht einfach stillschweigend eingestrichen?

*) Kennt ihr das, wenn man jemandem in die Augen schaut und sofort weiß, daß man jemanden vor sich hat, der sogar von seinen Mitschülern auf der Sonderschule noch "Doofkopp" genannt wurde?
**) Vielleicht haben die Kirchenglocken in ihrem Wohnzimmer sie ja taub gemacht?

***) Ein Euro minus 81 Cent ist auch wirklich eine Herausforderung...

Sonntag, 1. März 2009

Ab und zu frage ich mich,...

...ob manche Leute wirklich glauben, gegen die Fahrtrichtung rückwärts durch die Einbahnstraße zu fahren wäre erlaubt?

...warum Bio-Tomaten nicht nach Tomate riechen, sondern genau wie die Nicht-Bio-Tomaten: Nach gar nix?

...ob Teenager wirklich keinerlei reflektierende Oberflächen zuhause haben, da sich nur so die seltsamen Frisuren erklären, mit denen sie rumlaufen?

...wieso sich grundsätzlich die neurotischsten, lebensunfähigsten Hohlbrote mit der unpräsentabelsten Familie on earth freiwillig zu Shows wie "Frauentausch" melden?

...wieso man unreife Erdbeeren einmal um den halben Erdball schippert, und wenn sie bei uns im Supermarkt landen, ist die Hälfte schon verschimmelt?

...ob es wirklich ein Paralleluniversum gibt, in dem Investmentbanker, Firmenberater und andere Zecken gleich morgens zum Frühstück erstmal eins in die Zähne bekommen, und zwar von all denen, deren Existenz sie am Tag zuvor mit leichtfertigen, inkompetenten Entscheidungen ruiniert haben?