Ich bekenne mich schuldig, im voran gegangenen Beitrag Ihre hehre Vision geschmäht zu haben.
Dabei hatten Sie ja soooo Recht. NATÜRLICH sind Sie nicht Kanzlerin aller Deutschen. Nicht mal ein Viertel aller Deutschen will Sie wirklich als Kanzlerin haben, genauer gesagt, 23,9 Prozent. Vor vier Jahren waren es wenigstens noch 27,35 Prozent. Auch nicht gerade ein Grund, sich in Ekstase die Kleider vom Leib zu reißen (wofür ich in Ihrem Fall auch recht dankbar bin) aber immerhin... Von einem Ergebnis wie beim Amtsantritt Ihres Mentors H. Kohl von 43,48 Prozentpunkten im Jahr 1983 können Sie dennoch nur träumen. Sogar Schröder hatte 1998 ein Drittel aller wahlberechtigten Deutschen auf seiner Seite.
Und obwohl die überwältigende Mehrheit der Deutschen offensichtlich kein Interesse an der Verlängerung Ihrer Kanzlerinnenschaft hat, bleiben Sie trotzdem im Amt und sind auf dieses in meinen Augen desaströse Ergebnis auch noch stolz wie Bolle. Hauptsache, Sie halten weiter das Heft in der Hand. Daß darin mittlerweile die meisten Seiten fehlen, braucht Sie ja nicht weiter zu kümmern. Sie hatten ohnehin nicht vor, mal reinzuschauen.
Repräsentative Demokratie ist etwas Wunderbares.
Dienstag, 29. September 2009
Montag, 28. September 2009
Denk ich an Deutschland in der Nacht...
Sach ma, Germania: Geht's noch?
Man kann ja über nichts so schön unterschiedlicher Meinung sein wie über Politik, Religion oder Fußball. Aber daß mitten in der größten Wirtschafts- und Finanzkrise der BRD eine FDP mit 14,6% drittstärkste Partei in Deutschland wird, für so bekloppt hätt' ich uns Deutsche dann doch nicht gehalten. Ist da nicht dem ein oder anderen der Gedanke gekommen, daß er damit den Bock zum Gärtner macht? Eine Partei, die ihr neoliberales Gedankengut noch immer vor sich her trägt wie eine wie ein selbst gelegtes, goldenes Ei? Eine Partei, die jahrelang einer antisozial agierenden Managerkaste das Wort geredet und die Wege geebnet hat, soll nun deren (Ver-)Hüter werden? Eine Partei, die angesichts steigender Arbeitslosenzahlen, Konzernpleiten und staatlicher Rettungspakete noch immer die angebliche "Kraft des Marktes" beschwört? Wie lächerlich und gleichzeitig witzlos ist das denn?
Wer ist das überhaupt, die "FDP"?
Einzig ernst zu nehmender Politiker ist der omnipräsente, ehemalige Guidomobil-18-Kasper Westerwelle, der sich - soviel muß man ihm neidlos zugestehen - in den letzten Monaten zum glaubwürdigen, ernsthaften und rhetorisch versierten Volksvertreter gemausert hat. Ob er seine ganzen Versprechungen halten kann, steht auf einem anderen Blatt. Vermutlich eher nicht, wie Spiegel Online in dieser Woche schlüssig vorgerechnet hat. Hat nur scheinbar kein Schwein gelesen.
Ansonsten gibt es noch die Frau Pieper, von der ich lange nix mehr gehört habe, den Herrn Niebel, der mir jedesmal, wenn er den Mund aufmacht, wieder ein Stück unsympathischer wird, des weiteren die zwei Jugendbeauftragten Graf Lambsdorff und Genscher, die "Waldorf und Stadler" der FDP, und Hausgeist Möllemann, der noch immer durch die Katakomben spukt. Ach ja, und natürlich Frau Doppelnamen-Ungetüm, die uns heute folgenden Satz kredenzte (Zitat SpOn): "Wolfgang Schäubles Horrorliste hat kurz vor der Wahl drastisch vor Augen geführt, dass eine starke FDP in einer schwarz-gelben Koalition notwendig ist." Da irrt sich die Frau Leutheusser-Schnarrenberger. Denn die Liste hat uns allenfalls gezeigt, zu was eine schwarz-gelbe Koalition fähig ist. Ähnlich wie die Guttenberg'sche Giftliste zum Abbau sozialer Errungenschaften. Ich bin mir gaaanz sicher, daß die FDP, seit jeher Feuer und Schwert des "kleinen Mannes", hier brutalstmöglich dazwischengrätschen wird.
Diese Lokalversion der "gelben Gefahr" soll also unserem Ländle den Aufschwung bringen. Glauben die Deutschen denn wirklich immer noch den ollen Schmus von der sozialen Marktwirtschaft? Wann war die denn das letzte Mal sozial? Da war Brandt noch Kanzler, oder? Wenn denn tatsächlich das soziale Gefüge unseres materialistischen Gesellschaftsentwurfs sooo gut funktioniert, warum jammern dann eigentlich immer alle Beteiligten, über Dumpinglöhne und Hartz4, unsichere Renten und Zweiklassenmedizin, mangelnde Investitionen in Bildung, den Ausbau des Überwachungsstaats, die gesellschaftliche "Schere" und, und, und? Ich hoffe, es stehen handfestere Gründe hinter dem Ausgang dieser Wahl als der bloße Glaube an das FDP-Märchen von "Mehr Bretto vom Nutto" (Volker Pispers) .
Wieso setzen die Deutschen angesichts all dieser Mißstände ausgerechnet auf FDP und CDU? Auf die Frau Merkel, die lt. Spiegel Online heute den denkwürdigen Halbsatz hinausposaunte "...wir haben es geschafft, unser Wahlziel zu erreichen." Welches denn, Frau Merkel? Etwa Kandesbunzlerin zu bleiben? Wie selbstlos...
Und wie als hätten Sie meine Frage schon vorausgeahnt, antworten Sie auch schon: "Ich möchte die Bundeskanzlerin aller Deutschen werden, damit es uns allen besser geht, gerade in einer solchen Krise".
Erstens sind Sie bereits Bundeskanzlerin aller Deutschen. (Oder betrachten Sie sich derzeit nur als Bundeskanzlerin eines bestimmten Teils der Bevölkerung? Das würde natürlich einiges erklären...). Zweitens geht es Deutschland noch nicht automatisch besser, nur weil Sie Kanzlerin sind. Den Beweis für diese These stehen Sie in steter Verkörperung des "Nichts sehen-nichts hören-nichts sagen"-Prinzips noch aus.
Wie üblich waren Sie ja mal wieder mit konkreten Zielsetzungen im Wahlkampf recht geizig und standen deswegen auch in allgemeiner Kritik. Getreu dem Grundsatz: Wer keine Versprechungen macht, muß auch keine einhalten. Einzig, daß sie unbedingt was mit der FDP, auf keinen Fall aber nochmal was mit der SPD machen wollen und daß sie Mindestlöhne irgendwie nicht so gut, Atomenergie aber eigentlich ganz okay finden, ließen Sie die Wähler wissen.
Jetzt endlich, nach dem Wahlsieg, werden sie mal endlich so richtig konkret, was ihre wahre Mission angeht. Danke dafür: "Es sind viele Probleme zu lösen in diesem Land. Unser Anspruch heißt: Wir wollen Volkspartei bleiben, auch im 21. Jahrhundert. Daran wollen wir weiter arbeiten." Mit anderen Worten: Während es eigentlich viele Probleme anzupacken gilt, werden Sie Ihre Kräfte vornehmlich darauf konzentrieren, Volkspartei zu bleiben. Richtig?
Alle Achtung. Das nenne ich mal eine Vision. So viel gestalterischen Willen, eine solch regelrechte Reformwut hatte ich Ihnen gar nicht zugetraut.
Denn auf Teufel komm raus Volkspartei bleiben zu wollen heißt doch einfach nur: Viel versprechen, nirgendwo anecken, keinem weh tun, Unangenehmes verschieben, aussitzen oder im stillen Kämmerlein abhandeln. Also mithin dieselbe Tour, die wir schon die letzten paar Jahre von ihnen erleben durften. Weitgehender Stillstand, allenfalls ein wenig stop-and-go hie und da. Großartig.
Wenn ich da mal einen Schriftsteller des vorletzten Jahrhunderts zitieren darf: "In einem wankenden Schiff fällt um, wer stillesteht, nicht wer sich bewegt."
Vielleicht haben die Deutschen wiedermal nur das "kleinere Übel" gewählt. Oder die Parteienvariante, bei der man sich keine falschen Hoffnungen macht. Weil schon vorher mit 99%iger Sicherheit weiß, daß man von dieser Koalition ohnehin nicht viel zu erwarten hat. Wer keine hohen Erwartungen hat, kann nicht enttäuscht werden. Was ja auch eine Lebenseinstellung ist, wenn auch keine besonders optimistische.
Nichtsdestotrotz, wie das so ist mit Unkenrufen: Entweder es wird nur halb so schlimm, wie befürchtet, oder mindestens doppelt so schrecklich wie prophezeit. Man darf gespannt sein. Ich hoffe auf ersteres. Aber ich bleibe skeptisch...
Man kann ja über nichts so schön unterschiedlicher Meinung sein wie über Politik, Religion oder Fußball. Aber daß mitten in der größten Wirtschafts- und Finanzkrise der BRD eine FDP mit 14,6% drittstärkste Partei in Deutschland wird, für so bekloppt hätt' ich uns Deutsche dann doch nicht gehalten. Ist da nicht dem ein oder anderen der Gedanke gekommen, daß er damit den Bock zum Gärtner macht? Eine Partei, die ihr neoliberales Gedankengut noch immer vor sich her trägt wie eine wie ein selbst gelegtes, goldenes Ei? Eine Partei, die jahrelang einer antisozial agierenden Managerkaste das Wort geredet und die Wege geebnet hat, soll nun deren (Ver-)Hüter werden? Eine Partei, die angesichts steigender Arbeitslosenzahlen, Konzernpleiten und staatlicher Rettungspakete noch immer die angebliche "Kraft des Marktes" beschwört? Wie lächerlich und gleichzeitig witzlos ist das denn?
Wer ist das überhaupt, die "FDP"?
Einzig ernst zu nehmender Politiker ist der omnipräsente, ehemalige Guidomobil-18-Kasper Westerwelle, der sich - soviel muß man ihm neidlos zugestehen - in den letzten Monaten zum glaubwürdigen, ernsthaften und rhetorisch versierten Volksvertreter gemausert hat. Ob er seine ganzen Versprechungen halten kann, steht auf einem anderen Blatt. Vermutlich eher nicht, wie Spiegel Online in dieser Woche schlüssig vorgerechnet hat. Hat nur scheinbar kein Schwein gelesen.
Ansonsten gibt es noch die Frau Pieper, von der ich lange nix mehr gehört habe, den Herrn Niebel, der mir jedesmal, wenn er den Mund aufmacht, wieder ein Stück unsympathischer wird, des weiteren die zwei Jugendbeauftragten Graf Lambsdorff und Genscher, die "Waldorf und Stadler" der FDP, und Hausgeist Möllemann, der noch immer durch die Katakomben spukt. Ach ja, und natürlich Frau Doppelnamen-Ungetüm, die uns heute folgenden Satz kredenzte (Zitat SpOn): "Wolfgang Schäubles Horrorliste hat kurz vor der Wahl drastisch vor Augen geführt, dass eine starke FDP in einer schwarz-gelben Koalition notwendig ist." Da irrt sich die Frau Leutheusser-Schnarrenberger. Denn die Liste hat uns allenfalls gezeigt, zu was eine schwarz-gelbe Koalition fähig ist. Ähnlich wie die Guttenberg'sche Giftliste zum Abbau sozialer Errungenschaften. Ich bin mir gaaanz sicher, daß die FDP, seit jeher Feuer und Schwert des "kleinen Mannes", hier brutalstmöglich dazwischengrätschen wird.
Diese Lokalversion der "gelben Gefahr" soll also unserem Ländle den Aufschwung bringen. Glauben die Deutschen denn wirklich immer noch den ollen Schmus von der sozialen Marktwirtschaft? Wann war die denn das letzte Mal sozial? Da war Brandt noch Kanzler, oder? Wenn denn tatsächlich das soziale Gefüge unseres materialistischen Gesellschaftsentwurfs sooo gut funktioniert, warum jammern dann eigentlich immer alle Beteiligten, über Dumpinglöhne und Hartz4, unsichere Renten und Zweiklassenmedizin, mangelnde Investitionen in Bildung, den Ausbau des Überwachungsstaats, die gesellschaftliche "Schere" und, und, und? Ich hoffe, es stehen handfestere Gründe hinter dem Ausgang dieser Wahl als der bloße Glaube an das FDP-Märchen von "Mehr Bretto vom Nutto" (Volker Pispers) .
Wieso setzen die Deutschen angesichts all dieser Mißstände ausgerechnet auf FDP und CDU? Auf die Frau Merkel, die lt. Spiegel Online heute den denkwürdigen Halbsatz hinausposaunte "...wir haben es geschafft, unser Wahlziel zu erreichen." Welches denn, Frau Merkel? Etwa Kandesbunzlerin zu bleiben? Wie selbstlos...
Und wie als hätten Sie meine Frage schon vorausgeahnt, antworten Sie auch schon: "Ich möchte die Bundeskanzlerin aller Deutschen werden, damit es uns allen besser geht, gerade in einer solchen Krise".
Erstens sind Sie bereits Bundeskanzlerin aller Deutschen. (Oder betrachten Sie sich derzeit nur als Bundeskanzlerin eines bestimmten Teils der Bevölkerung? Das würde natürlich einiges erklären...). Zweitens geht es Deutschland noch nicht automatisch besser, nur weil Sie Kanzlerin sind. Den Beweis für diese These stehen Sie in steter Verkörperung des "Nichts sehen-nichts hören-nichts sagen"-Prinzips noch aus.
Wie üblich waren Sie ja mal wieder mit konkreten Zielsetzungen im Wahlkampf recht geizig und standen deswegen auch in allgemeiner Kritik. Getreu dem Grundsatz: Wer keine Versprechungen macht, muß auch keine einhalten. Einzig, daß sie unbedingt was mit der FDP, auf keinen Fall aber nochmal was mit der SPD machen wollen und daß sie Mindestlöhne irgendwie nicht so gut, Atomenergie aber eigentlich ganz okay finden, ließen Sie die Wähler wissen.
Jetzt endlich, nach dem Wahlsieg, werden sie mal endlich so richtig konkret, was ihre wahre Mission angeht. Danke dafür: "Es sind viele Probleme zu lösen in diesem Land. Unser Anspruch heißt: Wir wollen Volkspartei bleiben, auch im 21. Jahrhundert. Daran wollen wir weiter arbeiten." Mit anderen Worten: Während es eigentlich viele Probleme anzupacken gilt, werden Sie Ihre Kräfte vornehmlich darauf konzentrieren, Volkspartei zu bleiben. Richtig?
Alle Achtung. Das nenne ich mal eine Vision. So viel gestalterischen Willen, eine solch regelrechte Reformwut hatte ich Ihnen gar nicht zugetraut.
Denn auf Teufel komm raus Volkspartei bleiben zu wollen heißt doch einfach nur: Viel versprechen, nirgendwo anecken, keinem weh tun, Unangenehmes verschieben, aussitzen oder im stillen Kämmerlein abhandeln. Also mithin dieselbe Tour, die wir schon die letzten paar Jahre von ihnen erleben durften. Weitgehender Stillstand, allenfalls ein wenig stop-and-go hie und da. Großartig.
Wenn ich da mal einen Schriftsteller des vorletzten Jahrhunderts zitieren darf: "In einem wankenden Schiff fällt um, wer stillesteht, nicht wer sich bewegt."
Vielleicht haben die Deutschen wiedermal nur das "kleinere Übel" gewählt. Oder die Parteienvariante, bei der man sich keine falschen Hoffnungen macht. Weil schon vorher mit 99%iger Sicherheit weiß, daß man von dieser Koalition ohnehin nicht viel zu erwarten hat. Wer keine hohen Erwartungen hat, kann nicht enttäuscht werden. Was ja auch eine Lebenseinstellung ist, wenn auch keine besonders optimistische.
Nichtsdestotrotz, wie das so ist mit Unkenrufen: Entweder es wird nur halb so schlimm, wie befürchtet, oder mindestens doppelt so schrecklich wie prophezeit. Man darf gespannt sein. Ich hoffe auf ersteres. Aber ich bleibe skeptisch...
Samstag, 26. September 2009
Sendepause
Liebe Bumsbutzener-Gumpfen-Leser,
falls ihr euch gewundert habt, wieso der Michel am Vorabend der Bundestagswahl und angesichts des medialen Vor-der-Wahl-Talkrunden-Overkills so verdächtig ruhig bleibt, dann freut mich das. Denn es zeigt, daß ich euch nicht gleichgültig bin < schnüff! leise einsetzende Geigenmusik im Hintergrund >.
Aber es gibt eine ebenso simple wie entnervte (zumindest, was mich angeht) Erklärung für die letzte Schweigewoche: Mein PC-Netzteil ist überraschend von mir gegangen und hat meine Festplatte gleich mitgenommen. Aus, Ende, Buffalo.
Bis heute war ich damit beschäftigt, der abgerauchten Harddisk Cluster für Cluster verloren geglaubte Daten zu entlocken und den Rechner wieder in einen annähernden Urzustand zu versetzen, was mir auch halbwegs gelungen ist. Aber bei jedem Scharmützel gibt es Verluste, in meinem Fall heißen diese "Favoriten", "Emails" und "Kontakte". Das heißt, jede Email, die ich jemals bekommen habe (ätsch, Spammer!) und jede Email-Adresse, die ich jemals archiviert hatte, sind dahin - abgeraucht, verdampft, in Datenfragmenten vergraben. (Ja, ich weiß, daß man Backups machen soll. Talk to the hand, Klugsch.....!)
Wer dies also liest und auch in Zukunft ab und zu Emails, Glückwunschkarten oder Drohbriefe von mir erhalten möchte, der möge mir erneut seine sämtlichen Kontaktdaten mailen, auf daß ich ihn oder sie aufs Neue abspeichern möge. Meine Adresse ist wie gehabt: der_michel(ätt)ymail.com. Oder die andere.
Das soll's erstmal gewesen sein, habe gerade ein wenig die Nase voll von widerspenstigen Bits und Bytes.
Euer Michel
PS: Sollte da draußen ein generöser Mäzen mitlesen, der zufällig auf einem Stapel Flash-Speicher hockt und nicht weiß, wohin damit: Wenn ich Ihnen damit einen Gefallen tun kann, nur her damit.
falls ihr euch gewundert habt, wieso der Michel am Vorabend der Bundestagswahl und angesichts des medialen Vor-der-Wahl-Talkrunden-Overkills so verdächtig ruhig bleibt, dann freut mich das. Denn es zeigt, daß ich euch nicht gleichgültig bin < schnüff! leise einsetzende Geigenmusik im Hintergrund >.
Aber es gibt eine ebenso simple wie entnervte (zumindest, was mich angeht) Erklärung für die letzte Schweigewoche: Mein PC-Netzteil ist überraschend von mir gegangen und hat meine Festplatte gleich mitgenommen. Aus, Ende, Buffalo.
Bis heute war ich damit beschäftigt, der abgerauchten Harddisk Cluster für Cluster verloren geglaubte Daten zu entlocken und den Rechner wieder in einen annähernden Urzustand zu versetzen, was mir auch halbwegs gelungen ist. Aber bei jedem Scharmützel gibt es Verluste, in meinem Fall heißen diese "Favoriten", "Emails" und "Kontakte". Das heißt, jede Email, die ich jemals bekommen habe (ätsch, Spammer!) und jede Email-Adresse, die ich jemals archiviert hatte, sind dahin - abgeraucht, verdampft, in Datenfragmenten vergraben. (Ja, ich weiß, daß man Backups machen soll. Talk to the hand, Klugsch.....!)
Wer dies also liest und auch in Zukunft ab und zu Emails, Glückwunschkarten oder Drohbriefe von mir erhalten möchte, der möge mir erneut seine sämtlichen Kontaktdaten mailen, auf daß ich ihn oder sie aufs Neue abspeichern möge. Meine Adresse ist wie gehabt: der_michel(ätt)ymail.com. Oder die andere.
Das soll's erstmal gewesen sein, habe gerade ein wenig die Nase voll von widerspenstigen Bits und Bytes.
Euer Michel
PS: Sollte da draußen ein generöser Mäzen mitlesen, der zufällig auf einem Stapel Flash-Speicher hockt und nicht weiß, wohin damit: Wenn ich Ihnen damit einen Gefallen tun kann, nur her damit.
Freitag, 18. September 2009
Popstars, die Dritte
Popstars war noch nie ein Format, dem man guten Gewissens das Prädikat "emotionsarm" hätte anpappen können. Und ProSieben war sich auch nie zu schade, in menschelnden Momenten nochmal extra nachzubohren und draufzuhalten. So ist es eben, das Privatfernsehen. Zudem sind die zusammengecasteten Selbstdarsteller nach Jahren der Casting-Dokusoap-Dailytalk-Dauerberieselung ebenfalls schon derart konditioniert, daß scheinbar wie auf Knopfdruck Gefühle sprudeln, sobald irgendwo eine Kamera angeknipst wird.
Trotzdem oder gerade deshalb hat man bei der derzeitigen Staffel das Gefühl, hier würden keine zukünftigen Popstars gecastet, sondern Germany's Next Jammerlappen. Kaum eine Viertelstunde, in der nicht irgendjemand in Tränen aufgelöst an des Tanzlehrers breiter Brust zusammensackt und lauthals die schweren Schicksalschläge ihres/seines 16jährigen Langweilerdaseins beweint. Und der gute Onkel Detlef ist dabei selbstverständlich nie um eine "Laß es raus!"-Worthülse verlegen.
Was in diesem Jahr besonders auffällt: Es sind vor allem die Jungs, die Tränen vergießen, daß man damit ein kleines afrikanisches Land bewässern könnte. Nichts gegen weinende Männer, aber das Schauspiel ist zeitweise wirklich erbärmlich. Schlimmer noch: Die Gefühlausbrüche wirken wegen ihrer Häufigkeit kalkuliert. Der ein oder andere Teilnehmer hofft wohl dabei recht unverblümt auf einen Mitleidsbonus, wenn er sein Gekrächze vor dem Auftritt schluchzend seinem krebskranken Goldfisch widmet. Scheinbar ist kein Anlaß zu banal, um nicht als Anlaß für einen Gefühlsausbruch herzuhalten. Zwar bleiben die angeblichen Schicksalsschläge (Gottseidank) oft diffus, sonst käme man vermutlich vor lauter "Home Stories" gar nicht mehr zum Casting. Trotzdem fragt man sich, was ein Vorstadt-Konsum-Kid denn in seiner kurzen Teenager-Existenz so schreckliches durchmachen mußte, daß es bei jedem Britney-Spears-Titel kollabiert.
Oder ist unsere Gesellschaft wirklich schon so krank, daß manche Kids als Perspektive für sich selbst nur noch die Wahl zwischen Amokläufer und Castingpsychowrack sehen, zwischen manisch und depressiv, zwischen Bohlen und Soost?
Trotzdem oder gerade deshalb hat man bei der derzeitigen Staffel das Gefühl, hier würden keine zukünftigen Popstars gecastet, sondern Germany's Next Jammerlappen. Kaum eine Viertelstunde, in der nicht irgendjemand in Tränen aufgelöst an des Tanzlehrers breiter Brust zusammensackt und lauthals die schweren Schicksalschläge ihres/seines 16jährigen Langweilerdaseins beweint. Und der gute Onkel Detlef ist dabei selbstverständlich nie um eine "Laß es raus!"-Worthülse verlegen.
Was in diesem Jahr besonders auffällt: Es sind vor allem die Jungs, die Tränen vergießen, daß man damit ein kleines afrikanisches Land bewässern könnte. Nichts gegen weinende Männer, aber das Schauspiel ist zeitweise wirklich erbärmlich. Schlimmer noch: Die Gefühlausbrüche wirken wegen ihrer Häufigkeit kalkuliert. Der ein oder andere Teilnehmer hofft wohl dabei recht unverblümt auf einen Mitleidsbonus, wenn er sein Gekrächze vor dem Auftritt schluchzend seinem krebskranken Goldfisch widmet. Scheinbar ist kein Anlaß zu banal, um nicht als Anlaß für einen Gefühlsausbruch herzuhalten. Zwar bleiben die angeblichen Schicksalsschläge (Gottseidank) oft diffus, sonst käme man vermutlich vor lauter "Home Stories" gar nicht mehr zum Casting. Trotzdem fragt man sich, was ein Vorstadt-Konsum-Kid denn in seiner kurzen Teenager-Existenz so schreckliches durchmachen mußte, daß es bei jedem Britney-Spears-Titel kollabiert.
Oder ist unsere Gesellschaft wirklich schon so krank, daß manche Kids als Perspektive für sich selbst nur noch die Wahl zwischen Amokläufer und Castingpsychowrack sehen, zwischen manisch und depressiv, zwischen Bohlen und Soost?
Dienstag, 15. September 2009
Sie aber, Tobias Rapp,
...durften wen für Spiegel Online interviewen? Genau: Dr. Dre, laut O-Ton der Webseite "Rap-Mastermind" und "Urvater des Gangsta-Rap".
Wenn das mal kein Zufall ist...
Ihr nächster Rapport kommt dann vermutlich von der Rappbode-Talsperre, wo räuberische Raptoren die Rapsernte rapide vernichtet haben.
Lassen Sie's rappeln!
Wenn das mal kein Zufall ist...
Ihr nächster Rapport kommt dann vermutlich von der Rappbode-Talsperre, wo räuberische Raptoren die Rapsernte rapide vernichtet haben.
Lassen Sie's rappeln!
Montag, 14. September 2009
United we stand, devided we fall
Vor dem Eindruck des heutigen gestrigen TV-Duells muß man eigentlich zu genau derselben Frage kommen, die Moderatoren und Zuschauer vor und nach der Sendung stellten: Wenn Merkel und Steinmeier schon wie ein altes Ehepaar wirken, warum machen Sie dann mit der großen Koalition nicht einfach weiter? Natürlich beeilten sich beide umgehend, dem Publikum zu versichern, daß es ja doch ganz schön viele Unterschiede gäbe, was die jeweilige Politik angeht.
Ach ja?
Der einzige wirklich deutliche Kontrastpunkt zwischen beiden Kandidaten bzw. Parteien ist das Thema Kernenergie. Steinmeier will raus, Merkel nicht, wobei sie sich so beim einzigen Thema, bei dem die Kanzlerin ausnahmsweise klar Profil zeigt, auf dünnes Eis begibt.
Sonst ist alles Friede, Freude, Wählerschwund. Beide wollen sie Steuern senken, Arbeitslosigkeit bekämpfen, Renten sichern, in Afghanistan bleiben und auf keinen Fall was mit der Linken machen. Wie sie das machen wollen, sagen sie im Falle von Frau Merkel entweder nicht oder ergehen sich wie im Fall von Steinmeier in langatmigen Erklärungen, bei denen viele Zuhörer nach der Hälfte einnicken. Nun, zumindest hat der Mann so etwas wie eine Vision*. Leider ist Steinmeier nur selten in der Lage, dies auch glaubhaft zu vermitteln. Meist kuckt er nur wie Onkel Uhu nach der Wurmkur verkrampft drein und markiert den Erklärbär. Man gewinnt den Eindruck, daß er sich als stiller Diplomat und Strippenzieher im Hintergrund viel wohler fühlt als im Rampenlicht der Kanzlerkandidatur.
Merkel ist aber nicht besser. Mit hochgezogenen Schultern quetschte sie sich zum Ende des "Duells" (Pistolen auf 10 Schritt wären gnädiger gewesen, vor allem für die Zuschauer) noch ein Lächeln aus dem Hirnkasten, das war's dann.
Die sage und schreibe vier Moderatoren bemühten sich redlich, mit provokanten Fragen dem öden Schlagabtausch so etwas wie Schwung einzuhauchen - leider vergeblich. Von einem TV-Duell nach US-Vorbild hatten sich sicher viele ein rhetorisches Feuerwerk und eine kontroverse Diskussion erhofft, vergleichbar mit einem Tennis-Match zwischen John McEnroe und Ivan Lendl (erinnert sich noch jemand an die beiden?). Manch ein Wankelmütiger hatte vielleicht sogar auf eine richtungsweisende Initialzündung in Richtung des einen oder anderen Kandidaten gewartet. Er dürfte enttäuscht worden sein.
Kaum einer, der heutzutage den Politikzirkus nicht mit einer gewissen Distanz als grandiose Inszenierung wahrnimmt, die x-te Wiederholung des Stücks "Parlamentarische Demokratie" in 5 Akten. Aber wenn schon Theater, dann sollten die tragenden Rollen wenigstens nicht mit Mutter Baldrian und Prinz Valium besetzt werden.
Hätten wir nicht viel lieber einem verbalen Schlagabtausch zwischen Gysi und Westerwelle zugeschaut? Oder wenigstens zwischen Westerwelle und Trittin?
Ich weiß noch immer nicht genau, wo ich mein Kreuz machen soll... da hat mir auch der Wahl-o-mat nix geholfen.
Dem interessierten Leser möchte ich noch zwei wirklich lesenswerte Spiegel-Online-Artikel empfehlen, den und den. Beide beschäftigen sich pointiert und scharfsinnig mit der "Krise des Konservativen".
*) Wobei Helmut Schmidt ja gern mit den Worten "Wer Visonen hat, sollte zum Arzt gehen." zitiert wird. Ich hab das Programm gelesen - schmissig, aber für eine SciFi-Kurzgeschichte viel zu trocken. Möchte mal wissen, was der Mann sich so einwirft, um sich ein derartiges Shangri-La-Germanien auszudenken. Aber immerhin...
Ach ja?
Der einzige wirklich deutliche Kontrastpunkt zwischen beiden Kandidaten bzw. Parteien ist das Thema Kernenergie. Steinmeier will raus, Merkel nicht, wobei sie sich so beim einzigen Thema, bei dem die Kanzlerin ausnahmsweise klar Profil zeigt, auf dünnes Eis begibt.
Sonst ist alles Friede, Freude, Wählerschwund. Beide wollen sie Steuern senken, Arbeitslosigkeit bekämpfen, Renten sichern, in Afghanistan bleiben und auf keinen Fall was mit der Linken machen. Wie sie das machen wollen, sagen sie im Falle von Frau Merkel entweder nicht oder ergehen sich wie im Fall von Steinmeier in langatmigen Erklärungen, bei denen viele Zuhörer nach der Hälfte einnicken. Nun, zumindest hat der Mann so etwas wie eine Vision*. Leider ist Steinmeier nur selten in der Lage, dies auch glaubhaft zu vermitteln. Meist kuckt er nur wie Onkel Uhu nach der Wurmkur verkrampft drein und markiert den Erklärbär. Man gewinnt den Eindruck, daß er sich als stiller Diplomat und Strippenzieher im Hintergrund viel wohler fühlt als im Rampenlicht der Kanzlerkandidatur.
Merkel ist aber nicht besser. Mit hochgezogenen Schultern quetschte sie sich zum Ende des "Duells" (Pistolen auf 10 Schritt wären gnädiger gewesen, vor allem für die Zuschauer) noch ein Lächeln aus dem Hirnkasten, das war's dann.
Die sage und schreibe vier Moderatoren bemühten sich redlich, mit provokanten Fragen dem öden Schlagabtausch so etwas wie Schwung einzuhauchen - leider vergeblich. Von einem TV-Duell nach US-Vorbild hatten sich sicher viele ein rhetorisches Feuerwerk und eine kontroverse Diskussion erhofft, vergleichbar mit einem Tennis-Match zwischen John McEnroe und Ivan Lendl (erinnert sich noch jemand an die beiden?). Manch ein Wankelmütiger hatte vielleicht sogar auf eine richtungsweisende Initialzündung in Richtung des einen oder anderen Kandidaten gewartet. Er dürfte enttäuscht worden sein.
Kaum einer, der heutzutage den Politikzirkus nicht mit einer gewissen Distanz als grandiose Inszenierung wahrnimmt, die x-te Wiederholung des Stücks "Parlamentarische Demokratie" in 5 Akten. Aber wenn schon Theater, dann sollten die tragenden Rollen wenigstens nicht mit Mutter Baldrian und Prinz Valium besetzt werden.
Hätten wir nicht viel lieber einem verbalen Schlagabtausch zwischen Gysi und Westerwelle zugeschaut? Oder wenigstens zwischen Westerwelle und Trittin?
Ich weiß noch immer nicht genau, wo ich mein Kreuz machen soll... da hat mir auch der Wahl-o-mat nix geholfen.
Dem interessierten Leser möchte ich noch zwei wirklich lesenswerte Spiegel-Online-Artikel empfehlen, den und den. Beide beschäftigen sich pointiert und scharfsinnig mit der "Krise des Konservativen".
*) Wobei Helmut Schmidt ja gern mit den Worten "Wer Visonen hat, sollte zum Arzt gehen." zitiert wird. Ich hab das Programm gelesen - schmissig, aber für eine SciFi-Kurzgeschichte viel zu trocken. Möchte mal wissen, was der Mann sich so einwirft, um sich ein derartiges Shangri-La-Germanien auszudenken. Aber immerhin...
Sonntag, 13. September 2009
Bekloppte in München 5
An den kleinen Klugscheißer,
der meinte, mich vorgestern abend in der Automatenvideothek zum Thema "Mitdenken" belehren zu müssen.
Folgende Situation: Man stelle sich das Innere einer Automatenvideothek vor, angefüllt mit drei Auswahlterminals, einem Ausgabe/Rückgabe-Automaten und einigen Leuten. Der Ausgabeautomat sowie zwei der Terminals waren besetzt, das dritte frei. Außer mir standen weitere 5 Personen frei im Raum verteilt, worauf, auf wen oder ob überhaupt sie warteten, war spontan nicht erkennbar. Meine Annahme lautete daher, daß die Herumstehenden entweder DVDs zurückgeben wollten, noch unentschlossen oder unbeteiligte Anhängsel eines Terminalbelagerers waren. Wie gesagt: Ein Auswahlterminal war FREI, allenfalls minimal überschattet von den Schulterpolstern eines Motorradfahrers, der am benachbarten Terminal zugange war. Infolgedessen steuerte ich das freie Terminal an, in der berechtigten Annahme, ich wäre derzeit der einzige Anwärter.
Soweit die Ausgangslage. Nun zu Ihnen, Sie Holzkopf.
Auf einen freien Automaten zu warten, während man gleichzeitig vor einem freien Automaten steht und dabei lediglich faustgroße Löcher in die Luft starrt, hat mit Logik, geschweige denn mit "Mitdenken", nichts zu tun. Umso weniger, wenn sich hinter einem eine stetig wachsende Schlange von Leuten bildet. Offensichtlich haben Sie armer Wicht sich nicht getraut, den freundlichen Biker, der mir auf Nachfrage problemlos Platz gemacht hat, um dieselbe Gefälligkeit zu bitten. Ein schmales Handtuch wie Sie hätte im übrigen locker noch unter des Bikers Achsel gepaßt, selbst wenn dieser nicht zur Seite gerückt wäre. Stattdessen beschränkten Sie sich darauf, mit Sanduhren in den Pupillen in Ihren Trachtenjanker zu schwitzen und Speichelfaden-Jojo zu spielen.
Was Sie anschließend dazu getrieben hat, in einem Anfall kleingeistiger Aggressivität auf mich los zu gehen, wage ich kaum zu erraten. Schwere Kindheit? Ritalinmangel? Spontaner Testikelspasmus? Oder einfach nur ganz normal bekloppt? Berücksichtigt man die etwas unübersichtliche Ausgangssituation, hätte es ein freundlicher Hinweis an mich auch getan. Schließlich ist der Michel in der Regel ein recht entspannter und auf friedliche Koexistenz gepolter Zeitgenosse; zudem ging es ja nicht gerade um den letzten freien Sitzplatz auf der Arche Noah.
Stattdessen zogen Sie es vor, als altkluges Aggro-Rumpelstilzchen mit leichtem Hang zum Autismus in Erscheinung zu treten. Sie haben sich nicht zufällig "Rain Man" ausgeliehen, oder? Wäre nicht Ihr sonst recht konformistisches Erscheinungsbild gewesen (sieht man von dem abgewetzten Filofax ab, das sie krampfhaft umklammert hielten), ich hätte tatsächlich eine pathologische Ursache in Betracht gezogen. Schizoaffektive Videotheken-Psychose oder etwas ähnliches.
Aber vermutlich waren und sind Sie doch nur ein ganz normal bekloppter Münchner mit dem Ereignishorizont eines Glühwürmchens und leiden diffus unter dem Umstand, sich keinen Blackberry leisten zu können und somit als ewiger Filofax-Nerd zum Gespött Ihrer Schuhverkäufer-Kollegen zu werden.
Gez. Charlie Babbitt, Oberboss
der meinte, mich vorgestern abend in der Automatenvideothek zum Thema "Mitdenken" belehren zu müssen.
Folgende Situation: Man stelle sich das Innere einer Automatenvideothek vor, angefüllt mit drei Auswahlterminals, einem Ausgabe/Rückgabe-Automaten und einigen Leuten. Der Ausgabeautomat sowie zwei der Terminals waren besetzt, das dritte frei. Außer mir standen weitere 5 Personen frei im Raum verteilt, worauf, auf wen oder ob überhaupt sie warteten, war spontan nicht erkennbar. Meine Annahme lautete daher, daß die Herumstehenden entweder DVDs zurückgeben wollten, noch unentschlossen oder unbeteiligte Anhängsel eines Terminalbelagerers waren. Wie gesagt: Ein Auswahlterminal war FREI, allenfalls minimal überschattet von den Schulterpolstern eines Motorradfahrers, der am benachbarten Terminal zugange war. Infolgedessen steuerte ich das freie Terminal an, in der berechtigten Annahme, ich wäre derzeit der einzige Anwärter.
Soweit die Ausgangslage. Nun zu Ihnen, Sie Holzkopf.
Auf einen freien Automaten zu warten, während man gleichzeitig vor einem freien Automaten steht und dabei lediglich faustgroße Löcher in die Luft starrt, hat mit Logik, geschweige denn mit "Mitdenken", nichts zu tun. Umso weniger, wenn sich hinter einem eine stetig wachsende Schlange von Leuten bildet. Offensichtlich haben Sie armer Wicht sich nicht getraut, den freundlichen Biker, der mir auf Nachfrage problemlos Platz gemacht hat, um dieselbe Gefälligkeit zu bitten. Ein schmales Handtuch wie Sie hätte im übrigen locker noch unter des Bikers Achsel gepaßt, selbst wenn dieser nicht zur Seite gerückt wäre. Stattdessen beschränkten Sie sich darauf, mit Sanduhren in den Pupillen in Ihren Trachtenjanker zu schwitzen und Speichelfaden-Jojo zu spielen.
Was Sie anschließend dazu getrieben hat, in einem Anfall kleingeistiger Aggressivität auf mich los zu gehen, wage ich kaum zu erraten. Schwere Kindheit? Ritalinmangel? Spontaner Testikelspasmus? Oder einfach nur ganz normal bekloppt? Berücksichtigt man die etwas unübersichtliche Ausgangssituation, hätte es ein freundlicher Hinweis an mich auch getan. Schließlich ist der Michel in der Regel ein recht entspannter und auf friedliche Koexistenz gepolter Zeitgenosse; zudem ging es ja nicht gerade um den letzten freien Sitzplatz auf der Arche Noah.
Stattdessen zogen Sie es vor, als altkluges Aggro-Rumpelstilzchen mit leichtem Hang zum Autismus in Erscheinung zu treten. Sie haben sich nicht zufällig "Rain Man" ausgeliehen, oder? Wäre nicht Ihr sonst recht konformistisches Erscheinungsbild gewesen (sieht man von dem abgewetzten Filofax ab, das sie krampfhaft umklammert hielten), ich hätte tatsächlich eine pathologische Ursache in Betracht gezogen. Schizoaffektive Videotheken-Psychose oder etwas ähnliches.
Aber vermutlich waren und sind Sie doch nur ein ganz normal bekloppter Münchner mit dem Ereignishorizont eines Glühwürmchens und leiden diffus unter dem Umstand, sich keinen Blackberry leisten zu können und somit als ewiger Filofax-Nerd zum Gespött Ihrer Schuhverkäufer-Kollegen zu werden.
Gez. Charlie Babbitt, Oberboss
Donnerstag, 10. September 2009
Liebe Italiener!
Ich weiß: Seit den Wirtschaftswunderjahren bis heute sind wir Deutschen in jedem Sommer zu Millionen bei euch eingefallen und haben solange die Adria vollgekackt, daß man zu Fuß nach Kroatien rüberlaufen konnte. Außerdem haben wir euer leckerstes Nationalgericht genommen, zu eurem herben Mißfallen Dosen-Ananas obendrauf gepackt und das ganze "Pizza Hawaii" getauft. Und Papst bzw. Bischof von Rom sind wir neuerdings auch noch.
Das ist aber immer noch kein Grund, jedes Jahr im September nach München zu pilgern unddie Stadt das Dorf vollzupinkeln, bis es rund um die Theresienwiese riecht wie Venedig im Hochsommer.
PS: Wer jetzt meint, es hapere mir an Political Correctness, der hat noch nie mit einer Horde* italienischer Oktoberfest-Touristen ein U-Bahn-Abteil geteilt. Die durchschnittliche Italienerin klingt, als würde sie morgens mit Reißzwecken gurgeln und erreicht schon im Flüstergang den Lautstärkepegel eines startenden Airbus.
*) Horde bedeutet in diesem Fall alles ab 2 Personen
Das ist aber immer noch kein Grund, jedes Jahr im September nach München zu pilgern und
PS: Wer jetzt meint, es hapere mir an Political Correctness, der hat noch nie mit einer Horde* italienischer Oktoberfest-Touristen ein U-Bahn-Abteil geteilt. Die durchschnittliche Italienerin klingt, als würde sie morgens mit Reißzwecken gurgeln und erreicht schon im Flüstergang den Lautstärkepegel eines startenden Airbus.
*) Horde bedeutet in diesem Fall alles ab 2 Personen
Dienstag, 8. September 2009
Ausgezockt
Hallelujah! Nachdem ProSieben mit seinem Auktionshaus dem Begriff "Ladenhüter" eine neue Dimension verliehen und so manchen Frühaufsteher wieder in den Schlaf gelangweilt hat, macht der Ramschladen seine Schotten jetzt wieder dicht. Nicht, daß ich mir den Schwachsinn je angetan hätte, aber wenigstens soll nun frühmorgens wieder ein Programm laufen, bei dem einem nicht gleich vor lauter Ödnis die Kaffeetasse an der Unterlippe festfriert.
Wie ich darauf komme? Ich bin heute morgen beim Durchzappen doch erstmalig kurz darauf hängen geblieben. Dort wurde nämlich ein - TA-TA-TA-TAAA! - Topf-Set angeboten. Allein anhand dieser hoffnungslosen Verkaufsgurke wurde sofort deutlich, aus welchen Gründen das Auktionshaus demnächst eine hübsche Gruft auf dem Sendefriedhof bezieht.
Nicht nur, daß Topf-Sets neben Gesundheitszäpfchen aus linksdrehender Yakscheiße so ziemlich der abgedroschenste Kaffeefahrt-Trödel seit der Erfindung der Lamadecke sind. Selbstverständlich bestand das angebotene Set wie in solchen Fällen üblich auch aus ungefähr 127 Teilen plus Deckel, incl. Waffelböden und eingebautem Höhenmesser, zu erwerben zum absolut unwiederbringlichen, sagenhaft günstigen Knaller-Preis. Und als würden die ganzen Superlative noch nicht reichen, meinte das nervöse Moderationsfrettchen, noch einen drauf setzen zu müssen. Angeblich habe man es bei dem angepriesenen Edelstahlsammelsurium mit deutscher Markenware der Marke "Kaiserkoch" zu tun.
Sucht man allerdings mal im Netz nach "Kaiserkoch", findet man zwar eine Menge Restposten-Messersets und ähnlichen Kladderadatsch sowie ein österreichisches Auflaufrezept, aber keinerlei Hinweis auf eine altehrwürdige deutsche Kasserollen-Schnitzerei oder etwas ähnlich traditionsreiches.
Sucht man noch ein bißchen weiter, stößt man am Ende doch auf die Firma Kaiserkoch Germany Co. Ltd. . Nur hat die chinesische Blechschmiede, die sich hinter dem hübschen Namen verbirgt, mit deutscher Markenware so wenig zu tun wie Rinderrouladen mit Frühlingsröllchen.
Bye bye, Auktionshaus. Oder feierst du bald Auferstehung bei der ewigen ProSiebenSatEins-Resterampe Kabel1? Mit der Wiederholung der besten Verkaufs-Sessions? Oder wenigstens ein Best-of? Vielleicht kuckt ja diesmal sogar einer zu...
Wie ich darauf komme? Ich bin heute morgen beim Durchzappen doch erstmalig kurz darauf hängen geblieben. Dort wurde nämlich ein - TA-TA-TA-TAAA! - Topf-Set angeboten. Allein anhand dieser hoffnungslosen Verkaufsgurke wurde sofort deutlich, aus welchen Gründen das Auktionshaus demnächst eine hübsche Gruft auf dem Sendefriedhof bezieht.
Nicht nur, daß Topf-Sets neben Gesundheitszäpfchen aus linksdrehender Yakscheiße so ziemlich der abgedroschenste Kaffeefahrt-Trödel seit der Erfindung der Lamadecke sind. Selbstverständlich bestand das angebotene Set wie in solchen Fällen üblich auch aus ungefähr 127 Teilen plus Deckel, incl. Waffelböden und eingebautem Höhenmesser, zu erwerben zum absolut unwiederbringlichen, sagenhaft günstigen Knaller-Preis. Und als würden die ganzen Superlative noch nicht reichen, meinte das nervöse Moderationsfrettchen, noch einen drauf setzen zu müssen. Angeblich habe man es bei dem angepriesenen Edelstahlsammelsurium mit deutscher Markenware der Marke "Kaiserkoch" zu tun.
Sucht man allerdings mal im Netz nach "Kaiserkoch", findet man zwar eine Menge Restposten-Messersets und ähnlichen Kladderadatsch sowie ein österreichisches Auflaufrezept, aber keinerlei Hinweis auf eine altehrwürdige deutsche Kasserollen-Schnitzerei oder etwas ähnlich traditionsreiches.
Sucht man noch ein bißchen weiter, stößt man am Ende doch auf die Firma Kaiserkoch Germany Co. Ltd. . Nur hat die chinesische Blechschmiede, die sich hinter dem hübschen Namen verbirgt, mit deutscher Markenware so wenig zu tun wie Rinderrouladen mit Frühlingsröllchen.
Bye bye, Auktionshaus. Oder feierst du bald Auferstehung bei der ewigen ProSiebenSatEins-Resterampe Kabel1? Mit der Wiederholung der besten Verkaufs-Sessions? Oder wenigstens ein Best-of? Vielleicht kuckt ja diesmal sogar einer zu...
Donnerstag, 3. September 2009
Eine Brust geht nach Westen
Großartig! Die Fleischtheke von Frau Lengsfeld hat es bis in die amerikanischen (Satire-)News geschafft. Auch eine Leistung.
Vielleicht macht das Beispiel aber auch Schule. Schließlich hat die SPD ja immer noch einige Wählerstimmen aufzuholen. Hier ein "Sex sells"-Plakatvorschlag vom Michel. Vorhang auf für "Die Sozen-dales":
Vielleicht macht das Beispiel aber auch Schule. Schließlich hat die SPD ja immer noch einige Wählerstimmen aufzuholen. Hier ein "Sex sells"-Plakatvorschlag vom Michel. Vorhang auf für "Die Sozen-dales":
Dienstag, 1. September 2009
Zweites Standbein
Bei einer meiner Wanderungen durch das größte Dorf bin ich auf das Praxisschild einer Zahnärztin aufmerksam geworden. Auf selbigem prangte nämlich unter dem Namen der Doktoressa "Zahnärztin und Visagistin".
'Na', dachte ich, 'da hat sich die Gute aber vertan. Zahnbelag und Makeup - das paßt nicht zusammen. Die will potentiellen Patienten sicher nur verklickern, daß sie bei der Sanierung ihrer Kauleisten besonders auf ästhetische Aspekte Wert legt und zum Beispiel darauf achtet, daß die neue Zahnspange nicht aussieht wie ein überfahrener Hamsterkäfig.'
Da hab ich aber die Rechnung ohne den Einfallsreichtum der Zahnklempnerin gemacht. Denn ein Besuch ihrer Webseite www.zahnarzt-funk.de zeigte: Die Dame meint, was sie an der Tür stehen hat, und bietet tatsächlich eigenhändig Makeup an. Vermutlich in einem Anfall von Schickeria-Servilität hat die Frau Doktor nach ihrem Doktortitel auch noch die Ausbildung zur Visagistin absolviert. Wobei Ausbildung natürlich erstmal anspruchsvoll klingt. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich, daß das diplomgekrönte "Aufbaustudium" wohl gerade mal 3 Wochen gedauert hat. (Ein "richtige" Visagisten-Ausbildung setzt eigentlich eine komplette Friseurlehre voraus, aber das nur nebenbei.)
Muß aber ja noch nix heißen. Vielleicht kennt sich die Frau Doktor ja mit Poren sogar besser aus als mit bohren, wer weiß?
Ich weiß noch nicht so genau, wie ich diesen etwas seltsamen Service-Mix finden soll. Genialer Marktlückenfüller oder komplett bescheuerte Geschäftsidee á la "Botox to go", für eine vermeintliche Upper Class, die zum Schminken zum Zahnarzt geht? Verdient eine Zahnärztin heute wirklich so schlecht, daß sie einer herkömmlichen Schminkmeisterin die Kunden wegnehmen muß? Was kommt als nächstes? Muß ich damit rechnen, daß der Urologe demnächst auch fesche Intimfrisuren anbietet, wird mir mein Hausarzt nach dem nächsten Besuch gleich auch noch mein Auto waschen?
Die meisten Menschen sind wohl froh, wenn sie keine Zahnarztpraxis von innen sehen müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Leute freiwillig länger dort bleiben, um sich nach erfolgter Wurzelbehandlung gleich noch die betäubte Visage neu kacheln zu lassen. Wer legt denn tatsächlich Wert darauf, daß sein Zahnarzt nicht nur Zähne, sondern auch Augenbrauen ausreißen kann? In der Realität ist es mir und meinem hohlen Zahn doch völlig egal, ob mein Dentalmechaniker nebenbei noch perfekt schminken, tapezieren oder Schuhe besohlen kann.
Oder nicht?
'Na', dachte ich, 'da hat sich die Gute aber vertan. Zahnbelag und Makeup - das paßt nicht zusammen. Die will potentiellen Patienten sicher nur verklickern, daß sie bei der Sanierung ihrer Kauleisten besonders auf ästhetische Aspekte Wert legt und zum Beispiel darauf achtet, daß die neue Zahnspange nicht aussieht wie ein überfahrener Hamsterkäfig.'
Da hab ich aber die Rechnung ohne den Einfallsreichtum der Zahnklempnerin gemacht. Denn ein Besuch ihrer Webseite www.zahnarzt-funk.de zeigte: Die Dame meint, was sie an der Tür stehen hat, und bietet tatsächlich eigenhändig Makeup an. Vermutlich in einem Anfall von Schickeria-Servilität hat die Frau Doktor nach ihrem Doktortitel auch noch die Ausbildung zur Visagistin absolviert. Wobei Ausbildung natürlich erstmal anspruchsvoll klingt. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich, daß das diplomgekrönte "Aufbaustudium" wohl gerade mal 3 Wochen gedauert hat. (Ein "richtige" Visagisten-Ausbildung setzt eigentlich eine komplette Friseurlehre voraus, aber das nur nebenbei.)
Muß aber ja noch nix heißen. Vielleicht kennt sich die Frau Doktor ja mit Poren sogar besser aus als mit bohren, wer weiß?
Ich weiß noch nicht so genau, wie ich diesen etwas seltsamen Service-Mix finden soll. Genialer Marktlückenfüller oder komplett bescheuerte Geschäftsidee á la "Botox to go", für eine vermeintliche Upper Class, die zum Schminken zum Zahnarzt geht? Verdient eine Zahnärztin heute wirklich so schlecht, daß sie einer herkömmlichen Schminkmeisterin die Kunden wegnehmen muß? Was kommt als nächstes? Muß ich damit rechnen, daß der Urologe demnächst auch fesche Intimfrisuren anbietet, wird mir mein Hausarzt nach dem nächsten Besuch gleich auch noch mein Auto waschen?
Die meisten Menschen sind wohl froh, wenn sie keine Zahnarztpraxis von innen sehen müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Leute freiwillig länger dort bleiben, um sich nach erfolgter Wurzelbehandlung gleich noch die betäubte Visage neu kacheln zu lassen. Wer legt denn tatsächlich Wert darauf, daß sein Zahnarzt nicht nur Zähne, sondern auch Augenbrauen ausreißen kann? In der Realität ist es mir und meinem hohlen Zahn doch völlig egal, ob mein Dentalmechaniker nebenbei noch perfekt schminken, tapezieren oder Schuhe besohlen kann.
Oder nicht?
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