Sonntag, 29. November 2009

Nets and gadgets

Ich bin ein Neandertaler. Zumindest, was mein sogenanntes "Netzwerk" angeht.

Ich habe weder einen Facebook-, noch einen MySpace-Account. Ich war noch nie bei StudiVZ, habe noch nie getwittert und bin kein Lokalist. Ich war noch nie in einer Studentenverbindung, habe noch nie an einem Seminar für virales Marketing teilgenommen und besitze kein Blackberry.

Ich besitze lediglich ein Prepaid-Handy, dessen Nummer ich nicht auswendig weiß und mit dem man Hollywood-Filme weder abspielen noch drehen kann. Ich habe einen rudimentären Xing-Account, bei dem ich zweimal im Jahr die virtuellen Spinnweben wegputze. Das war's.

Ich bin ein Neandertaler. Denn ich besitze keinen Lifestyle-Fetisch. Nicht einen.

Dafür kenne ich nicht wenige Menschen, die ein halbes Dutzend Online-Profile pflegen wie andere Leute ihre Radieschen. Die nur unter der Voraussetzung ruhig schlafen können, daß all ihre Akkus geladen und all ihre Gadgets soweit up-to-date sind, daß sie notfalls auch vom Meeresgrund ihren Börsenticker zeitnah abrufen könnten. Die sich am liebsten einen UMTS-Hub in die Schläfe dübeln lassen würden, um auch ja sofort reagieren zu können, wenn das Million-Dollar-Angebot vom Microsoft-Headhunter bei ihnen eintrifft.* Diese Menschen müllen ihre Aktentaschen City-Bags mit ihren elektronischen Phallussymbolen zu, jederzeit bereit, diese Insignien des kurzlebigen Erfolgs hervorzuzaubern und mit denen der konkurrierenden Büroprimaten zu vergleichen.**

Vermutlich ist das wieder auf zutiefst maskulines Rollenverhalten aus den Katakomben unseres Genpools zurückzuführen. Trotzdem fände ich es irgendwie sympathischer, wenn einfach alle nur mit heruntergelassener Hose rumlaufen würden, anstatt sich mit der Zurschaustellung teurer Lifestyle-Insignien zu duellieren. Das wäre Zen, das wäre Büro-Tantra in Reinkultur. Wir hätten eine viel friedlichere Welt, glaubt es mir. So ein schrumpliger Dödel erreicht zwar nicht die kühle Eleganz eines matt glänzenden Designerhandys, aber wenigstens klingelt er nicht in unpassenden Augenblicken***, und man muß sich auch nicht jedes Jahr das neueste Modell kaufen, um mitreden zu können.

Sollte der ein oder andere Zeitgenosse tatsächlich schon soweit degeneriert sein, daß er mehr Spaß an seinem Handy als an seinem Wurmfortsatz hat, möge er sich doch bitte mal fragen, ob bei ihm nicht irgendetwas schief läuft im Leben.

Wenn man erstmal so weit ist zu zweifeln, hat man es fast geschafft. Die Intelligenteren unter den Lifestyle-Fetischisten schwören noch am Tag der Erkenntnis all ihrem Elektronik-Klimbim ab. Damit hätte man den Kern des Problems eigentlich schon beseitigt, aber die meisten können sich angesichts der Wucht der Erkenntnis, wie fehlgeleitet sie doch waren, nicht bremsen. Sie reißen sich die Boss-Hemden von der kalkigen Körpertapete und steigen aus. D.h., sie verkaufen ab sofort auf dem Wochenmarkt selbstgekochtes Mango-Chutney, begeben sich auf einen Drogentrip durch Mittelamerika oder "Cocoonen" einfach nur. Was bedeutet, daß sie sich dem heimischen Garten- und Nestbau verschreiben und sich so ein plüschiges Zuhause zurechthobeln, das es an geborgenheitsfühliger Kuscheligkeit mit jeder Gebärmutter aufnehmen kann. Back to the roots eben.

Jene Trendlemminge, die eben noch mit der Größe ihres persönlichen Netzwerks prahlten, beeilen sich plötzlich, sämtliche Fäden zu kappen, um fortan ein Leben im Funkloch zu führen, unerreichbar, aber glücklich.

Dann gibt es da noch die weniger Intelligenten. Die können zwar erkennen, daß sie zu Sklaven ihres Lebensstils und seiner Statussymbole geworden sind, meinen aber, diesen Zustand nur mit Hilfe von außen überwinden zu können. Was natürlich Blödsinn ist, aber erzähl das mal einem, dessen Erfahrungsschatz über das Leben "da draußen" auf dem beruht, was man bei Google und Wikipedia dazu findet. Also buchen sie bei irgendeiner Seminaragentur ein Anti-Stress-Weekend und üben dort Change-und-Release-Management im Spiritual-Power-Workshop****. New Age für die New Economy, sozusagen.

Am Ende kommen die Jungs (und Mädels - es lebe die Emanzipation) vielleicht auf den Trichter, daß sich individuelle Zufriedenheit doch nicht in der Anzahl von iPhone-Apps oder Xing-Kontakten messen läßt. Und daß sie trotz Mitgliedschaft in 20 verschiedenen Netz-Communities abends doch wieder allein vor ihrem Flatscreen-TV sitzen und sich bei den Sexy Sport-Clips im DSF einen von der Palme wedeln.


*) Was natürlich nie passiert.
**) Placebo-Schwanz-Vergleich, wenn man so will. Nur mit umgekehrten Vorzeichen. Denn hier punktet der, der den/die/das kleinste(n) hat.

***)Wenn doch, sollte man unbedingt mal einen Arzt aufsuchen.
****) Infolgedessen sieht man überall in Deutschland Informations-Junkies sich gegenseitig mit verbundenen Augen durch den Wald führen, in Hochseilgärten herumhangeln und am Lagerfeuer Stockbrot backen, um sich mal wieder "zu spüren". Das Ganze kostet dann 1000 Euro pro Nase, komplett mit Pfadfinder-Diplom und anschließendem 4-Gänge-Menü, und schon geht's wieder schnell ab nach Hause. Schließlich hat ja schon 48 Stunden lang niemand mehr die Emails gecheckt.

Dienstag, 24. November 2009

Dinge, die man leicht verwechselt


Falsch
: Die gelben Teufel
















Richtig: Die gelben Engel


Pannenhelfer - MyVideo

Montag, 23. November 2009

Gedanke zur Konsumgesellschaft

Auch das System der DDR war eine Konsumgesellschaft.
Nur wurde damals auf der ersten Silbe betont.

(Zugegeben: Der ist nur was für Insider.)

Mittwoch, 18. November 2009

Fundstück der Woche

Dienstag, 17. November 2009

Bekloppte in München, Teil 7

Eine besonders originelle Form der Bettelei ist mir dieser Tage in meiner Stamm-Videothek begegnet.

Ich stand gerade nichtsahnend vor dem DVD-Regal und ging die Angebote durch, da flötete es plötzlich hinter mir in ohrenbetäubend fröhlichem Singsang "Guten Ah-bend! Ich bin die Glücks-Fee! Ich komme einmal im Jahr und bringe Ihnen Glü-hück!" Aus den Augenwinkeln erkannte ich eine mit kiwigrünem Filzparka und ebensolcher Paschtunen-Mütze angetane Mittfünfzigerin, die mir schon vor dem Laden aufgefallen war, Typ postklimakterische Esoterik-Else in patschuli-induzierter Dauerekstase.

Ich tat, was ich immer tue, wenn mir Leute begegnen, die ein eindeutiges Trinkgefäß-Defizit im Küchenmobiliar haben: Ich ignoriere sie möglichst weiträumig. So wendete ich der selbsternannten Glücksfee weiter den Rücken zu, vertiefte mich demonstrativ ins DVD-Angebot und harrte der Dinge, die da kommen sollte.
Der Filzparka bewegte sich weiter in Richtung offen stehende Bürotür des Videothekenbetreibers, der ausnahmsweise mal anwesend war und dies wohl nie so bereut hatte wie jetzt. An der Tür angekommen, zauberte der Lillifee-Verschnitt für die Generation 60+ aus den Untiefen ihrer Gewandung ein Glöckchen hervor und bimmelte dem verdutzten Videothekenmann eine Runde scheppernd vor der Nase herum. Anschließend ließ sie die Bimmel wieder verschwinden und streckte ihm irgendetwas entgegen, was ich nicht sehen konnte, da sie mir mittlerweile den Rücken zuwandte. Ihr übergeschnappter Sopran ging in ein balzendes Gurren über, als sie nun endlich zum Wesentlichen kam und den Mann fragte, ob er nicht etwas Geld spenden wolle. Wofür und warum, sagte sie nicht.

Wie das sprichwörtliche Kaninchen im Angesicht der Kobra griff der Betreiber mechanisch nach seiner Brieftasche und kramte hastig darin herum. Bevor ich Zeuge wurde, wie das penetrant fröhliche Bettelgenie dem hilflosen Mann auch noch ein paar Gratis-DVDs aus dem Kreuz leierte, verließ ich betont unauffällig, aber zügig den Ort des Geschehens. Am Ende wäre ich vielleicht noch selbst Opfer ihres fröhlich-aggressiven Inkassos geworden, obwohl solche Aktionen normalerweise an mir abperlen wie Öl von einer Teflonpfanne.

Dem Auftreten und Aussehen nach war die Dame natürlich keine klassische Bettlerin. Allerdings war auch nicht erkennbar, daß sie für irgendeine seriöse Hilfsorganisation unterwegs war. Ich vermute eher, daß Madame Tinkelbell auf eigene Kappe für die notleidenden Torfkröten von Borneo gesammelt hat oder das erbimmelte Geld in mikrowellensichere Aluminiumtapete für die heimische Meditationswabe anlegt.

Samstag, 14. November 2009

Togo

Ein Argument gegen die Schulfach-Synthese namens GSE (Geschichte, Erdkunde, Sozialkunde) an bayrischen Hauptschulen haben mir heute unfreiwillig zwei ca. 14jährige Teenager geliefert.
Beide saßen neben mir im Bus, schauten sich auf einen Handy Fotos an und unterhielten sich dabei (vermutlich) über eine Mitschülerin mit Migrationshintergrund oder etwas ähnliches.

Die eine: "Die spricht französisch. Die ist aus Togo."
Die andere. "Ja. Die sprechen da französisch. Weil das nämlich ganz nah an der französischen Grenze liegt."

Die andere nickte, ohne eine Spur des Widerspruchs. Wie sollte sie auch, besuchten doch beide dieselbe Hochbegabten-Lehranstalt.

Ganz kurz war ich versucht, den beiden zu offenbaren, daß die Togolesen nicht nur ausgezeichnet französisch sprechen, sondern auch einen hervorragenden Spezialkaffee brauen, der wohlbekannte, bei jedem guten Bäcker erhältliche "Coffee To Go".

Ich hab's dann doch bleiben lassen.

Freitag, 13. November 2009

Warum ein Spaziergang im Wolkenbruch manchmal die bessere Wahl ist

Schon klar, daß auch fette, häßliche Alkoholiker mit nassgeregneten Wuschelhunden von der Größe eines kleinen Maultiers sich irgendwie von A nach B bewegen müssen.

Aber wieso muß es unbedingt mit der Tram sein, in der ich grad sitze?

Und hätte nicht erstmal einer von der Sorte gereicht, die mutmaßliche Prekariats-Beförderungs-Quote des MVV zu erfüllen? Mußte es gleich Kompaniestärke sein, so daß man hätte annehmen können, der Kümmerling-Fanclub veranstaltet sein Jahrestreffen in "meiner" Straßenbahn? Die Faulgas- und Äthanolkonzentration in der Luft hätte ausgereicht, ein kleines Fabrikgebäude in die Luft zu jagen. Gut, daß ich keinen Kanarienvogel dabei hatte.

Oder findet im größten Dorf gerade ein Spritti-Kongreß statt? War gestern etwa Internationaler Feiertag der Zirrhosenzüchter?

Dienstag, 10. November 2009

Blick zurück

Eigentlich sollte hier ein anderer Beitrag stehen, aber nach Edes wunderbarer Retrospektive kann ich nicht einfach schnöde abseits stehen und den Mauerfall gänzlich unkommentiert lassen. So, wie ich es eigentlich geplant hatte, denn gerade in den letzten Tagen ist zu diesem Thema schon viel zuviel und viel zuviel Unsinn gesagt und geschrieben worden, so daß ich zu dem Schluß kam, jedes weitere Wort würde die Verwirrung und den Überdruß nur vergrößern.

Wie man sich irren kann. Chapeau, mon ami!

In der Tat ist es so, daß auch ich mich nicht erinnern kann, was ich an jenem denkwürdigen Abend gemacht habe. Vermutlich haben wir Deutschen gegenüber den Amerikanern erheblichen Nachholebedarf, was das historische Gedächtnis betrifft. Denn die können sich angeblich alle haarklein erinnern, was sie gerade gemacht haben, als JFK erschossen wurde oder als die Flugzeuge in die Twin Towers krachten. Vermutlich können sich einige sogar erinnern, was der Ururgroßvater auf der Mayflower zum Mittag hatte...

Kann aber auch sein, daß wir Deutschen als Meister der Verdrängung, die wir geworden sind oder vielleicht schon immer waren, es uns selbst nicht eingestehen können, daß wir irgendetwas total Profanes getan haben, während anderswo Landsleute Geschichte schrieben.

Viel wahrscheinlicher aber ist dies: Die Zeit, bevor der erste "Mauerspecht" sein Hämmerchen schwang, war so derartig euphorisierend, daß so ein fernes, unwirkliches Ereignis wie der Fall der Mauer vor der Kulisse weit greifbarer und doch unbegreiflicher Veränderungen unterging. Nachdem man ohnehin kaum glauben konnte, was in diesen Tagen eigentlich geschah, nachdem die Geschichte jeden Tag neue, undenkbare Wendungen nahm, stand man als stino Zoni sowieso permanent unter Strom. Gleichzeitig mischte sich ebenfalls eine gewisse Skepsis unter zwischen all die elektrisierenden Momente.
Im Rausch des kollektiven Erregungszustands war der Fall der Mauer nur eines unter vielen unfaßbaren Ereignissen. Tagtäglich zerbröselten Institutionen, Ämter und Personen, vor denen man sich gerade noch geduckt hatte, unter dem Druck des gemeinschaftlichen öffentlichen Aufbegehrens. Als dann die Mauer fiel, war das irgendwie in dem Moment nur logische Folge all dessen, was dem voraus gegangen war. Dementsprechend ist meine Wahrnehmung des Ereignisses in meiner Erinnerung eher von einer gewissen Nüchternheit, "abgehakt", sozusagen. Die wahren Konsequenzen, die volle Tragweite diese Ereignisses habe ich, glaube ich, erst Monate später erfaßt. Vielleicht hätte man unmittelbar dabei sein müssen. Aber Berlin ist schon vor der "Wende" immer sehr weit weg gewesen...

Auch ich kann mich noch gut an unsere erste Fahrt über die Grenze erinnern. Es war arschkalt, der unwirkliche Moment des Grenzübertrtitts ging unerwartet unspektakulär von statten, und plötzlich war man im Westen. Dort war es - wenig überraschend - genauso kalt wie auf der anderen Seite der Grenze. Wenige Kilometer nach der Grenze empfing uns eine westdeutsche Dame mit dampfendem Kaffee und Kartons voller tiefgekühlter Bananen. Gut erinnern kann ich mich noch an deren leicht angesäuerte Miene, als ich die erwartungsvoll dargebotene Banane dankend ablehnte (ich war damals schon kein Bananen-Fan, dafür ein verspätetes "Sorry" in Richtung der unbekannten Spenderin). Ich erinnere mich, daß ich mir damals das erste Mal ein bißchen vorkam wie ein Fabeltier, dem von neugierigen Menageriebesuchern Leckerlis durch die Gitterstäbe gesteckt werden. Aber vermutlich haben wir für viele Westler auch gewirkt wie Neandertaler, die nach 50.000 Jahren in einem Eisblock in unsere Welt getaut werden und stumm und staunend die blinkenden Leuchtreklamen betrachten.

Ich weiß auch noch, wie wir peinlicherweise ein paar vorbeilaufende Jugendliche um ein paar antike Bravos anbettelten, die jene gerade in Vorbereitung einer 70er-Jahre -Party (was wir Landeier damals für einen total verrückten und absolut dekadenten Einfall hielten) in Partykellerdeko verwandeln wollten. Ich erinnere mich ebenso, wie wir uns zu vorgerückter Stunde trotz knurrender Mägen nicht trauten, die knappen D-Mark für so etwas profanes wie Essen auszugeben. Ich weiß noch, wie ich mir dann doch einen Heidelbeerjoghurt leistete, den ich zwar wirklich lecker fand, der aber meinen Hunger eher noch befeuerte als stillte.


So ist das mit mit historischen Ereignissen und der Erinnerung daran: Am Ende merkt man sich doch wieder nur, was es zu essen gab.

Montag, 9. November 2009

9. November ... beinah verpasst

Moin miteinander,


da schau ich heute auf Michels Blog und nix zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Hätte ich nicht gerade gesehen wie vor Thommy Gottschalk hunderte überdimensionale Streichholzschachteln umgefallen wären, hätte ich den 09. November im Jahr 2009 beinah verpasst.

Angekommen im real existierenden Kapitalismus ist mir gar nicht aufgefallen, dass sich heute am Montag dieser historische Akt zum 20sten mal jährt. Keine Ahnung warum ich nun gerade heute nich dran gedacht habe. Das ganze Jahr werden wir ja schon damit bombardiert und eigentlich ist auch jeden zweiten Tag einer in der Glotze, der beschreibt wie sein 09.11.89 war. Weder meine Kollegen, die Hälfte geboren auf der eine Seite des Antifaschutzwalles und die andere Hälfte halt im anderen Teil unseres Landes, haben es erwähnt...vielleicht weil sich niemand mehr erinnert...gefangen zwischen Trabbiostalgie und Solizuschlagsirrtum erwartet uns vielleicht die nächste große kollektive Gedächtnislücke...

Ich habe mich versucht zu erinnern, wie war mein 09.11.89? Ich war 16 und vermutlich lag ich irgendwo bei meinen Eltern vor der Glotze oder auf dem Sofa und war froh, dass schon Donnerstag Abend war..nur noch 2 Tage zur Penne dann war endlich Wochenende. Im Gegensatz zu den ganzen Kollegen, die man immer als Zeitzeugen einblendet mit "..und dann bin ick mid de Muddi zu de Bornholmer Strasse jefahn und jetze bin ick in Westen..." kann ich mich leider gar nicht mehr erinnern, was ich gemacht habe. Als die Worte von Herrn Schabowski fielen " Wann tritt das in Kraft? Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich." ist vermutlich die Blechbüchsentelefonleitung in die Thüringer 'Provinz einem Terrorakt eines imperialistischen Aggressors zum Opfer gefallen. Nicht dass wir Telefon hatten, aber die Information ist von der Hauptstadt bis zu uns irgendwie steckengeblieben...oder doch nicht? wie gesagt ich erinner mich nicht mehr...


Woran ich mich aber erinnere ist der erste Trip mit dem Michel und Erwin und Dane (glaub ich) ins Taka Tuka Land, ne Woche später auf unseren superheißen S50 und Erwin mit der Shoppermaschine ;-), ich erinnere mich an das erste Buch, das ich mir für 10 DM gekauft habe, an die Leute die so gut gerochen haben, an die vielen völlig kaputten Typen, die man kennenlernen durfte (obwohl man da auch sicher ein paar mit geschlossener Mauer getroffen hätte), ich erinnere mich an meine 4 Trabbis, die ich beerdigt habe, auf die andere in Summe vermutlich fast 100 Jahre gewartet haben, ich erinnere mich an die Erkenntnis, dass man von Bananen Verstopfung bekommen kann, dass man Kiwis besser schält und dass es Erbeeren auch im September gibt (warum auch immer), ich erinnere mich wie "Auf ins blaukarierte Himmelbett" der Kracher auf jeder Videofete war und "Rambo III" die ehemaligen Waffenbrüder zurück in die Sowjetunion schickte, ich erinnere mich an Kinderschokolade, die nicht mehr nach Seife schmeckte (keine Ahnung warum Schokolade immer neben parfümierter Seife im Westpaket lag), ich erinnere mich an freie Mittwoch Nachmittage und
plötzlich keine Schule am Samstag, ich erinnere mich an die vielen Möglichkeiten, die man plötzlich hatte und immer noch hat.....


....ich erinnere mich an aufregende Zeiten, schön dass ich erleben durfte wie dies alles geschah, schön, dass ich heute in diesem Land leben darf, schön, dass ich die 10 Leser von Michels Blog schon aus der Schule kenne ;-) und dass auch ein paar nach dem Mauerfall dazugekommen sind. Schade, dass ich mich nicht mehr an diese Nacht erinnere, in der das alle begann ...und ich den 09. November 89 vermutlich verpasst habe...aber geklappt hats trotzdem...haben wir gut gemacht!

Ed

Nervensägen-Ranking

Es gibt im täglichen Leben immer Menschen, die einem auf den Senkel gehen, auf die ein oder andere Art und Weise. Jenen Spitzenkandidaten unter ihnen, mit denen wir uns direkt und live auseinander setzen müssen, gehen wir weiträumig aus dem Weg. Jene, die uns „nur“ auf dem Umweg über die Massenmedien begegnen, zappen wir schnellstmöglich weg. Es sei denn, wir sind ein bisschen Maso drauf, dann kucken wir uns die Orgelpfeifen natürlich an und lassen uns dabei vor lauter Grausen eine dritte Augenbraue wachsen. Hier meine persönlichen „Worst 4“ der Männer, bei denen ich mir lieber mit einem Flammenwerfer die Achselhaare entfernen lasse, als ihnen länger als die paar Sekunden zu lauschen, die ich zum Wegzappen brauche.

Platz 3 teilen sich brüderlich Ralph Siegel und Georg Preusse alias „Mary“. Das tragische bei beiden: Ersterer ist bzw. war wirklich mal richtig erfolgreich, letztere(r) hat wirklich etwas zu sagen. Leider hat Herr Siegel den Grundsatz „Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören“ nie kapiert und geistert als ewiger Wiedergänger des belanglosen Popliedchens durch die Katakomben der europäischen Schlagerlandschaft, quasi das „Phantom des Grand Prix“. So nervt er uns jedes Jahr wieder mit einem neuen Anlauf, mit dem er beinah in jedem Jahr noch grandioser scheitert als im Jahr davor. Als wenn nicht schon die mediale Präsenz von Töchterchen Giulia, für die er ja indirekt mitverantwortlich ist, ein hinreichendes Plädoyer für die Wiedereinführung der Prügelstrafe gewesen wäre…
Georg Preusse hingegen nervt mich persönlich auf ganz andere Art. Zum einen ist er auf dem Gebiet der Travestie im positiven Sinne eine Ausnahmeerscheinung, zum andern hat er auch was im Kopf und lässt das sein Publikum auch wissen. Nur leider ist die Travestie-Nummer mittlerweile ein dermaßen alter Hut, dass man damit kaum noch eine Botschaft transportieren kann. So gehen bei Preusse ernst gemeinte Messages zwischen lahmen Zoten und vermeintlich koketten, in Wirklichkeit aber lediglich abgedroschenen Anzüglichkeiten unter. Mensch Georg, wir haben einen schwulen Außenminister! Da lockt doch ein Mann in High Heels und Glitzerfummel keinen mehr hinterm Ofen hervor, vielleicht mal abgesehen von den paar Hanseln, die schon in den 80ern über Marys Penis-Witze gelacht haben!

Auf Platz 2 landet beim Michel Klaus Meine, für Namenslegastheniker einfach nur: der Sänger der „Scorpions“.
Herr Meine, stets erkennbar an verkehrtrumer Mütze und ununterbrochenem Kaugummigekaue, wäre prinzipiell als vermeintlich aufrechter, „echter“ Musiker nie auf dieser meiner Liste gelandet. Wenn er nur nicht so ein fürchterlicher Jammerlappen wäre. Ich glaube, ich habe noch nie ein Interview mit ihm gesehen, wo er nicht, ungeachtet der eigentlichen Frage, umgehend darauf zu sprechen gekommen wäre, dass die „Scorpions“ soeben von ihrer jährlichen Sommertour durch Lampukistan kommen, wo sie jeden Abend vor einer Milliarde Menschen aufgetreten sind, mittlerweile in ganz Südamerika als Götter verehrt werden und ganz nebenbei mal alleine den kalten Krieg beendet haben. Nur um im nächsten Satz darüber zu beschweren, dass in Deutschland mal wieder keiner davon Notiz nehmen will.
Nur mal so zwischen uns zwei Pfarrerstöchtern, Herr Meine, erstens: Mit „Wind of change“ haben Sie nicht nur einen der erfolgreichsten, sondern auch einen der nervtötendsten Schmachtfetzen der Musikgeschichte geschrieben. Das sehe nicht nur ich so, wie ein Blick in zahlreiche Internetforen beweist. Zweitens: Dass Sie sich ständig selbst hochleben lassen, nervt, so erfolgreich Sie auch tatsächlich sein mögen. Diese weinerliche Larmoyanz steht einem "taffen" Rockmusiker, der Sie ja sind, nicht sonderlich gut zu Gesicht.

Platz 1 hat sich in langen Jahren harter Arbeit Gunter Gabriel erkämpft. Gunter Gabriel geriert sich, so lange ich zurückdenken kann, als „Arbeiterjunge“, als „Malocher“, als „Sohn aus dem Volk“*, der stets gerade heraus und frei Schnauze seine Meinung sagt und für die Interessen der kleinen Leute kämpft. Dies betont er stets und ständig und fischt damit Sympathien, die er eigentlich nicht verdient. Denn in Wirklichkeit hat er in den letzten zwanzig Jahren in diversen Talkshows, Boulevardmagazinen und in der Yellow Press einen bunten Strauß widersprüchlichster Standpunkte vertreten, jedes Mal mit der ewig gleichen „ich bin ja sooo authentisch“-Attitüde. Diese versucht er durch extra prollige Wortwahl noch zu unterstreichen (Gabriel sagt nicht „Mund“, sondern „Maul“, nicht „Geld“, sondern „Kohle“ usw.). Als weiteren Beweis seiner ungeheuren Authentizität stellt er es dar, dass er kaum eine Peinlichkeit seines Privatlebens unausgesprochen lässt. Pleiten, Drogen, Gewalt gegen Frauen, stets geht Gabriel damit offensiv an die Öffentlichkeit und versucht über die Rolle des reuigen Sünders, als „einer von uns, der einfach vom Weg abgekommen ist“, wieder ein paar Pluspunkte beim Publikum zu scheffeln. Was er bei aller Spiegelfechterei nicht sagt: Hier versucht einfach nur jemand, der mal erfolgreich war, sich krampfhaft wieder ins Gespräch zu bringen, koste es, was es wolle. Wäre er mir sympathischer, ich würde ihn glatt bemitleiden. Leider wird er mit der Zeit immer unausstehlicher, denn seit einigen Jahren gibt er den altersweisen, geläuterten Songschreiber, der für alles und jeden eine überflüssige Lebensweisheit parat hat. So auch zuletzt im ZDF, wo er mal wieder erzählen durfte, daß alle möglichen bösen Menschen ihn um sein Geld betrogen haben, er sich aber im Schweiße seines Angesichts wieder ganz allein am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen hat und sogar ein paar Tränchen verdrücken mußte, weil sein Vater ihm zeitlebens nie gesagt hat, wie stolz er auf den Sohnemann ist.

*) so heißt übriges auch seine letzte CD

PS: Die persönliche Wahrnehmung ist eine Sache. Die Realität eine andere. Und das Internet nochmal eine ganz andere.
Grund für dieses Statement: Ich habe trotz intensivster Suche im Netz kein einziges Video von den Scorpions gefunden, in dem der Herr Meine Kaugummi kaut oder sich über die Mißachtung der deutschen Öffentlichkeit beschwert. Entweder wurden alle einschlägigen Beiträge von wohlmeinenden Fans weggeputzt, erst gar nicht eingestellt, oder meine Wahrnehmung spielt mir einen bösen Streich.
Es heißt nicht von ungefähr: "Meinungen sind wie Arschlöcher Darmaustrittsöffnungen - jeder hat eine." Blogger ganz besonders.

Freitag, 6. November 2009

Übrigens...

...falls ihr wissen wollt, wieso meine posts in letzter Zeit so lang ausfallen: Ich weiß es, ganz ehrlich, auch nicht.
Mein Tip: Ausdrucken, klein schneiden und in der Mittagspause häppchenweise konsumieren. Das freut den Chef und macht nicht dick.
Oder jeden Tag nur ein kleines Stückchen lesen. Das steigert die Vorfreude ins Unermeßliche, gerade in der Vorweihnachtszeit ("jeden Tag ein neues Türchen").

Donnerstag, 5. November 2009

Hom(m)e, sweet hom(m)e

Welcher männliche Teilnehmer an unserem globalen Zivilisationsprojekt kennt nicht folgende Situation: Man kommt von der Arbeit nach Hause, nichts anderes im Sinn als sich mit einem Gläschen Rotwein in der einen und einem Quadratmeter Pizza in der anderen Hand vor dem heimischen PC niederzulassen, um bei SpiegelOnline die Katastrophen des Tages noch einmal Revue passieren zu lassen. Man sperrt die Tür auf, betritt die Wohnung bzw. versucht es zumindest. Was aber nicht geht, da der Flur mit mehreren verschiedenfarbigen Farbeimern und einer halb fertigen IKEA-Anbauwand vollgestellt ist, die man noch nie zuvor gesehen hat. Gleichzeitig ruft es aus dem Wohnzimmer: „Gut dass du kommst, kannst du mir mal eben helfen!“.

Kenner der Lage und Männer, die sich in diesem Moment noch spontan für ein zukünftiges Single-Dasein entscheiden, schmeißen an dieser Stelle ihre Tasche in die Ecke und suchen sich für die nächsten 14 Tage (Minimum) ein gemütliches Hotelzimmer.

Treu ergebene, duldsame oder einfach nur brunzdumme Zeitgenossen eilen flugs der Hilfe Suchenden entgegen und finden sie, in der einen Hand eine Bohrmaschine, in der anderen einen dreißig Kilo schweren Kronleuchter aus massivem Blei, auf der Lehne eines wackligen Küchenstuhls balancierend. Wer bei diesem Anblick noch immer nicht die Flucht ergreift, der ist entweder völlig unbedarft oder schwer verliebt, in jedem Fall ist ihm aber nicht mehr zu helfen.
Denn die Holde, mit der er sich das Domizil und vermutlich auch das übrige Leben teilt, ist von einer Krankheit befallen, die sich ausschließlich Frauen zuziehen können. Die Rede ist von Renovieritis bzw. dem „Ich will wieder mal was Neues“-Syndrom.

Männer können das nicht verstehen. Das maskuline Hirn liebt Kontinuität. Wir finden uns am besten in einem Umfeld zurecht, in dem sich seit Jahren nichts verändert hat. Oder wo Veränderungen sich zumindest so langsam manifestieren, dass unsere Akklimatisierung in aller Ruhe vonstatten gehen kann. Wir lieben Harmonie; ein geregelter Tagesablauf, eine fest stehende Agenda geben uns Sicherheit und Stabilität in einer sich ständig verändernden Welt. Aus diesem Grund tragen wir dieselben Socken, die schon vor zwanzig Jahren unsere Füße umschmeichelt haben. Aus diesem Grund benutzen wir seit 10 Jahren dasselbe Rasierwasser und hören auf, uns zu rasieren, sollte es je vom Markt genommen werden. Aus diesem Grund bleiben wir auch gern jahrelang mit derselben Partnerin liiert, obwohl eben diese in regelmäßigen Abständen versucht, unsere kleine Insel der Harmonie einem kompletten Makeover zu unterwerfen.

Gerade dann, wenn wir unser Zuhause als gemütlich und auf geradezu perfekte Weise verwohnt empfinden, wird unsere Partnerin nervös. Sie beginnt, Wände, Decken, Böden, Möbel und selbst uns mit nachdenklichem Blicken bedenken, still kalkulierend die Augen zusammen zu kneifen und undeutlich vor sich hin zu murmeln. Wer jetzt die Gelegenheit beim Schopfe packt und seine Lebensab-Schnitte von einem eingeweihten Hausarzt in eine geschlossene Abteilung einweisen lässt, erspart sich zumindest kurzfristig eine Menge Streß.

Wer die dazu notwendige Chuzpe nicht aufzubringen vermag, wird alsbald subtil in Konversationen eingestreute Sätze zu hören bekommen wie:„Diese Wand muß dringend mal wieder gestrichen werden“, „Ich kann dieses Muster nicht mehr sehen“ oder auch „Ich hätte die Badewanne gern dort, wo jetzt der Fernseher steht“.
Wer jetzt mit einem schlichten „Nein“ oder einer anderen Form von pauschaler Ablehnung reagiert, hat schon verloren. Den entweder wird er ab sofort von einem Flächenbombardement aus nörgeligen Seitenhieben und bösartig platzierten Spitzen eingedeckt, bis er unter diesen zerbröselt wie Dresden `45. Oder er kommt irgendwann nach Hause und findet das eingangs beschriebene Chaos vor.
Denn selbstverständlich gibt sich die Königin der eigenen 4 Wände nicht mit „Schöner Wohnen“ zufrieden. Es ist immer ein „Noch Schöner Wohnen“ drin. Und dabei werden „Neins“ nicht akzeptiert. Schon unser Freund der Neandertaler musste alle halbe Jahre ein paar neue Deko-Stoßzähne oder Schlaf-Kiesel in die Höhle rollen, statt sich gemütlich mit der neusten Ausgabe der Wochen-Schiefertafel von „Jagen&Sammeln“ oder „Speer-Tuning 2000“ auf den Fernseh-Hügel zurück zu ziehen.

Wer das verstanden hat und trotzdem ein einigermaßen geregeltes Leben ohne böse Überraschungen führen möchte, der lerne frühzeitig, der Lebensabschnittsgefahr in ihren Bestrebungen beizupflichten. Nur so hat man eine Chance, zumindest einen Teil der Wohnung im gewohnt-gemütlichen Urzustand belassen zu können. Nur wer früh klein beigibt, kann Schlimmeres verhindern. Wer opponiert, der endet wie Al Bundy in der folgenden Episode.

Andererseits: Dieses sensible Gleichgewicht zwischen maskuliner Kontinuitätssehnsucht und femininem Renaissancestreben bringt zwar stets Spannungen, aber auch Würze in unser Leben. Denn, wenn wir ehrlich sind, brauchen wir eine Partnerin, die uns verlässlich darauf aufmerksam macht, dass die 80er-Jahre-Stretchunterhose mit den faustgroßen Löchern in letzter Zeit einiges von ihrer erotischen Strahlkraft eingebüßt hat, egal, wie bequem wir sie finden. Und wer sonst sollte uns wohl darauf hinweisen, dass sich unser Konfirmationsfoto nur bedingt für das Bewerbungsanschreiben für die neue Führungsposition eignet. Und wieso der Schraubenzieher, mit dem wir uns vor sechs Monaten mal einen Brocken Hundescheiße von Schuh gekratzt haben, noch immer patinaverkrustet im Badezimmerschrank liegt, dass können wir Männer uns garantiert nicht mehr zusammen reimen. Sie hingegen weiß genau, wie es dazu gekommen ist*. Dafür wir lieben wir unsere besseren Hälften doch. Oder nicht? Denn letztendlich brauchen wir jemanden, der uns ab und an mal in den wabbelig gewordenen Hintern tritt, denn, Hand aufs Herz: Wir verlottern sonst. Am besten lässt sich das an Männern erkennen, deren Frauen mal für zwei Wochen zur Kur fahren oder anderweitig für einen gewissen Zeitraum das gemeinsame Domizil verlassen. Nach 14 Tagen ziehen sie nach ihrer Heimkehr einen stinkenden, unrasierten Cro Magnon unter einem Stapel Pizzakartons und schmutzigen Socken hervor, dem die Fernbedienung in der Handfläche festgewachsen ist. Männer sind in der Lage, ohne die (neu)ordnende Hand einer weiblichen Person innerhalb weniger Stunden sämtliche zivilisatorischen Fesseln abzustreifen und uns in sabbernde Halbaffen zu verwandeln, die sich im Fernsehen stundenlang mit wachsender Begeisterung Bikinimiezen beim Schlammcatchen oder uralte Didi-Hallervorden-Filme anschauen können.

PS: Wer bei den letzten zwei Sätzen feuchte Augen und ein seliges Grinsen ins Gesicht bekommen hat: Such dir `ne Frau. Schnell! Bevor es zu spät ist! Sonst droht dir ein frühes Ende in glücklicher Agonie, felicitas mortuus primates!

Aber nun für alle Nostalgiker unter euch, wie versprochen, Al Bundy, passend zum Thema. Den zweiten Teil der Folge findet ihr hier.




*) Weggeräumt hat sie ihn aber auch nicht. Aber das nur nebenbei.