
Sonntag, 28. Juni 2009
Samstag, 27. Juni 2009
Live And Let Die
Zwei Menschen sind tot.
Der eine war ein Megastar, ein großartiger Musiker und Entertainer, der die Welt der Popmusik der letzten 30 Jahre entscheidend mitgeprägt hat.
Der andere war eine tragische, bemitleidenswerte Kunstfigur, ein psychisches und körperliches Wrack mit seltsamen Neigungen.
Beide hießen Michael Jackson.
Viel schlimmer noch als der Tod dieses Menschen, für dessen Leben sich zuletzt abseits der Klatschspalten nicht mehr allzu viele Menschen interessierten, ist die Hysterie, die sein Ableben nach sich zieht. Wie im Wahn wird da gechattet, getrauert und gekauft. Obwohl eigentlich statistisch bereits jeder 65. Mensch* im Besitz des Albums "Thriller" sein müßte (Raubkopien nicht mitgerechnet), werden seine Scheiben plötzlich aufs Neue wie Reliquien gehortet. Die Menschen weinen auf der Straße, Radiosender dudeln in Lemmingmanier seine Hits rauf und runter, kein Fernsehsender, der nicht schnell noch eine Boulevard-Super-Sonder-Reportage aus dem Boden stampft. Tausendfach die gleichen Bilder, ewig dieselbe Geschichte vom armen, schwarzen Ghettoküken, das sich in einen stolzen Schwan verwandelte und als gerupfter Pleitegeier endete. Dazu werden dann Experten gefragt, die keine sind und Antworten geben, die jeder kennt und keiner mehr hören kann. Heraus kommt zu 95 % eitles Gewäsch selbsternannter, berufsmäßiger Auskenner und Top-Checker, die ihre Meinung an jeden vermieten, der ihnen für fünf Sekunden eine Kamera ins Gesicht hält.
Was für eine gigantische, widerliche Heuchelei, was für ein erbärmliches Affentheater!
Schlimmer war's nur noch bei Lady Di. Schon bei jener saugten alle Tratschtanten und "Bunte"-LeserInnen dieser Welt jedes noch so verwaschene Paparazzifoto in sich auf, nur um sich im gleichen Atemzug über die sensationslüsterne Fotografenmeute zu echauffieren, die "der armen Princess of Wails" noch bis aufs stille Örtchen folgte. Dieselbe bigotte Voyeurgemeinde weidete sich genüßlich an den schlüpfrigen Enthüllungen ehemaliger Bediensteter, nur um dann einmütig zu verkünden, wie verabscheuenswert solcherlei Indiskretionen doch seien.
Und wie bei Diana war es wohl nun auch bei Michael der Druck der Öffentlichkeit, der indirekt an beider Tod schuld war, auf die ein oder andere Weise. Dieselbe Öffentlichkeit, Fluch und Segen jedes Medienstars, die nun den Verlust bejammert und greint und die Schuld am Tod wieder irgendwie dem prügelnden Vater in die Schuhe schieben möchte. Da liegt ein Toter auf der Couch eines weltweiten Hobby-Psychiater-Kollektivs, einer scheinheiligen Internationale der Leichenfledderei. Wahrscheinlich wird das jetzt noch Monate so weitergehen, die Schlammschlacht um das Erbe hat ja noch nicht mal begonnen. Und nächste Woche kann man dann bei Ebay Jackos Nase ersteigern**.
Sollte er so enden, wie er gelebt hat, müssen wir wohl damit rechnen, daß uns der tote Herr Jackson demnächst als gefriergetrocknete*** Fan-Reliquie in kleinen Portionsbeutelchen zum Erwerb feilgeboten wird, wobei der Erlös selbstverständlich wohltätigen Zwecken zugute käme.
Ich persönlich würde ihm ein Wikingerbegräbnis wünschen. Angezündet, raus auf's Meer, abgefackelt, untergegangen, Feierabend. Endlich Ruhe vor dem Mob.
R.I.P, Michael Jackson.
*) da sind - Hail statistics! - auch chinesische Reisbauern und Beduinen, Neugeborene und Jopi Heesters dabei, sogar Menschen, die alles gleich als "Negermusik" bezeichnen, wenn man nicht dazu schunkeln und sich besaufen kann
**) nur eine Vermutung, aber man weiß ja nie...
***) seinem Aussehen in den letzten Jahren nach zu urteilen, das mit "rapidem Verfall" noch euphemistisch umschrieben wäre, wurde mit der Konservierung ja ohnehin schon zu Lebzeiten begonnen
Der eine war ein Megastar, ein großartiger Musiker und Entertainer, der die Welt der Popmusik der letzten 30 Jahre entscheidend mitgeprägt hat.
Der andere war eine tragische, bemitleidenswerte Kunstfigur, ein psychisches und körperliches Wrack mit seltsamen Neigungen.
Beide hießen Michael Jackson.
Viel schlimmer noch als der Tod dieses Menschen, für dessen Leben sich zuletzt abseits der Klatschspalten nicht mehr allzu viele Menschen interessierten, ist die Hysterie, die sein Ableben nach sich zieht. Wie im Wahn wird da gechattet, getrauert und gekauft. Obwohl eigentlich statistisch bereits jeder 65. Mensch* im Besitz des Albums "Thriller" sein müßte (Raubkopien nicht mitgerechnet), werden seine Scheiben plötzlich aufs Neue wie Reliquien gehortet. Die Menschen weinen auf der Straße, Radiosender dudeln in Lemmingmanier seine Hits rauf und runter, kein Fernsehsender, der nicht schnell noch eine Boulevard-Super-Sonder-Reportage aus dem Boden stampft. Tausendfach die gleichen Bilder, ewig dieselbe Geschichte vom armen, schwarzen Ghettoküken, das sich in einen stolzen Schwan verwandelte und als gerupfter Pleitegeier endete. Dazu werden dann Experten gefragt, die keine sind und Antworten geben, die jeder kennt und keiner mehr hören kann. Heraus kommt zu 95 % eitles Gewäsch selbsternannter, berufsmäßiger Auskenner und Top-Checker, die ihre Meinung an jeden vermieten, der ihnen für fünf Sekunden eine Kamera ins Gesicht hält.
Was für eine gigantische, widerliche Heuchelei, was für ein erbärmliches Affentheater!
Schlimmer war's nur noch bei Lady Di. Schon bei jener saugten alle Tratschtanten und "Bunte"-LeserInnen dieser Welt jedes noch so verwaschene Paparazzifoto in sich auf, nur um sich im gleichen Atemzug über die sensationslüsterne Fotografenmeute zu echauffieren, die "der armen Princess of Wails" noch bis aufs stille Örtchen folgte. Dieselbe bigotte Voyeurgemeinde weidete sich genüßlich an den schlüpfrigen Enthüllungen ehemaliger Bediensteter, nur um dann einmütig zu verkünden, wie verabscheuenswert solcherlei Indiskretionen doch seien.
Und wie bei Diana war es wohl nun auch bei Michael der Druck der Öffentlichkeit, der indirekt an beider Tod schuld war, auf die ein oder andere Weise. Dieselbe Öffentlichkeit, Fluch und Segen jedes Medienstars, die nun den Verlust bejammert und greint und die Schuld am Tod wieder irgendwie dem prügelnden Vater in die Schuhe schieben möchte. Da liegt ein Toter auf der Couch eines weltweiten Hobby-Psychiater-Kollektivs, einer scheinheiligen Internationale der Leichenfledderei. Wahrscheinlich wird das jetzt noch Monate so weitergehen, die Schlammschlacht um das Erbe hat ja noch nicht mal begonnen. Und nächste Woche kann man dann bei Ebay Jackos Nase ersteigern**.
Sollte er so enden, wie er gelebt hat, müssen wir wohl damit rechnen, daß uns der tote Herr Jackson demnächst als gefriergetrocknete*** Fan-Reliquie in kleinen Portionsbeutelchen zum Erwerb feilgeboten wird, wobei der Erlös selbstverständlich wohltätigen Zwecken zugute käme.
Ich persönlich würde ihm ein Wikingerbegräbnis wünschen. Angezündet, raus auf's Meer, abgefackelt, untergegangen, Feierabend. Endlich Ruhe vor dem Mob.
R.I.P, Michael Jackson.
*) da sind - Hail statistics! - auch chinesische Reisbauern und Beduinen, Neugeborene und Jopi Heesters dabei, sogar Menschen, die alles gleich als "Negermusik" bezeichnen, wenn man nicht dazu schunkeln und sich besaufen kann
**) nur eine Vermutung, aber man weiß ja nie...
***) seinem Aussehen in den letzten Jahren nach zu urteilen, das mit "rapidem Verfall" noch euphemistisch umschrieben wäre, wurde mit der Konservierung ja ohnehin schon zu Lebzeiten begonnen
Donnerstag, 25. Juni 2009
Sehr geehrter Mitbewohner!
Ja genau, SIE sind gemeint!
Als ehemaliges Mitglied einer Rockband kann ich Ihre Leidenschaft für Musik gut nachvollziehen. Auch wenn ich dem Genre Klassik, dem sie sich beinah täglich mit all Ihrer Leidenschaft hingeben, nicht allzu viel abgewinnen kann. Erst recht, seitdem ich mit Ihnen im selben Haus wohne.
Seit beinah 3 Jahren höre ich mir nun an, wie Sie von früh bis spät Ihr dürftiges Talent unter Beweis stellen, ohne Rücksicht auf Leib, Leben und Hörvermögen Ihrer Mitmenschen. Gerade durfte ich wieder Zeuge sein, wie Sie im Duett mit Paul Potts (der auch, als er noch schiefe Zähne hatte, hundertmal besser gesungen hat als Sie) mit einer grauenerregenden Version von "Nessun Dorma" unser fünfetagiges Mietshaus erbeben ließen. Ich allein habe bei dem Versuch, mir während der längsten drei Minuten meines Lebens das Blut aus den Ohren zu wischen, ein ganzes Päckchen Zewa Softis verbraucht.
GEBEN SIE ES AUF! Aus Ihnen wird in hundert Jahren kein Sänger mehr, nicht mal ein schlechter. Bei Ihrem jämmerlichen Gewinsel krempeln sich einem die Fußnägel auf, Tapeten fallen von der Wand, Blumen verwelken binnen weniger Minuten. Wären Sie ein Hund, man hätte Sie schon vor Jahren eingeschläfert. Und sind das eigentlich Sie selbst, der sich zu allem Überfluß auch noch selbst auf dem Klavier begleitet? Wenn ja: Was machen Sie währenddessen mit den anderen acht Fingern?
Sie sind so schlecht, daß sogar Ihre Spermien Ohrenschützer tragen. Selbst wenn Sie heute mit Singen aufhören würden, Sie könnten in den nächsten 5 Jahren nur taube Kinder zeugen. Wenn Pavarotti ein Teebeutel wäre, wären Sie der zwanzigste Aufguss. Eine Schlagbohrmaschine hat einen gefälligeren Klang als Sie. Der einzige Ton, den Sie treffen, ist der Stahlbeton, und den auch nur, wenn Sie aus dem Fenster auf's Garagendach springen würden. Lieber würde ich mir mit einer rostigen Heckenschere die Genitalien rasieren, lieber würde ich mir mit Heißwachs die Nasenhaare entfernen lassen, als Ihnen noch länger zuzuhören. Gegen Sie ist selbst Daniel Küblböck ein Enrico Caruso. Lieber würde ich andächtig den Blähungen einer Herde Wasserbüffel lauschen als weiterhin Ihrem atonalen Kojotentenor.
HABE ICH MICH EINIGERMAßEN VERSTÄNDLICH MACHEN KÖNNEN? Sie sind ein hoffnungsloser Fall, ein phonetisches Guantanamo auf zwei Beinen, ein Troubadix, ein Wile E. Cojote des Gesangs. Und wie jene werden Sie entweder gefesselt und geknebelt in einem Baum enden oder von einem herabfallenden Amboß getroffen werden, wenn Sie nicht aufhören, Ihre Umwelt akustisch zu malträtieren.
Meep-meep!
Als ehemaliges Mitglied einer Rockband kann ich Ihre Leidenschaft für Musik gut nachvollziehen. Auch wenn ich dem Genre Klassik, dem sie sich beinah täglich mit all Ihrer Leidenschaft hingeben, nicht allzu viel abgewinnen kann. Erst recht, seitdem ich mit Ihnen im selben Haus wohne.
Seit beinah 3 Jahren höre ich mir nun an, wie Sie von früh bis spät Ihr dürftiges Talent unter Beweis stellen, ohne Rücksicht auf Leib, Leben und Hörvermögen Ihrer Mitmenschen. Gerade durfte ich wieder Zeuge sein, wie Sie im Duett mit Paul Potts (der auch, als er noch schiefe Zähne hatte, hundertmal besser gesungen hat als Sie) mit einer grauenerregenden Version von "Nessun Dorma" unser fünfetagiges Mietshaus erbeben ließen. Ich allein habe bei dem Versuch, mir während der längsten drei Minuten meines Lebens das Blut aus den Ohren zu wischen, ein ganzes Päckchen Zewa Softis verbraucht.
GEBEN SIE ES AUF! Aus Ihnen wird in hundert Jahren kein Sänger mehr, nicht mal ein schlechter. Bei Ihrem jämmerlichen Gewinsel krempeln sich einem die Fußnägel auf, Tapeten fallen von der Wand, Blumen verwelken binnen weniger Minuten. Wären Sie ein Hund, man hätte Sie schon vor Jahren eingeschläfert. Und sind das eigentlich Sie selbst, der sich zu allem Überfluß auch noch selbst auf dem Klavier begleitet? Wenn ja: Was machen Sie währenddessen mit den anderen acht Fingern?
Sie sind so schlecht, daß sogar Ihre Spermien Ohrenschützer tragen. Selbst wenn Sie heute mit Singen aufhören würden, Sie könnten in den nächsten 5 Jahren nur taube Kinder zeugen. Wenn Pavarotti ein Teebeutel wäre, wären Sie der zwanzigste Aufguss. Eine Schlagbohrmaschine hat einen gefälligeren Klang als Sie. Der einzige Ton, den Sie treffen, ist der Stahlbeton, und den auch nur, wenn Sie aus dem Fenster auf's Garagendach springen würden. Lieber würde ich mir mit einer rostigen Heckenschere die Genitalien rasieren, lieber würde ich mir mit Heißwachs die Nasenhaare entfernen lassen, als Ihnen noch länger zuzuhören. Gegen Sie ist selbst Daniel Küblböck ein Enrico Caruso. Lieber würde ich andächtig den Blähungen einer Herde Wasserbüffel lauschen als weiterhin Ihrem atonalen Kojotentenor.
HABE ICH MICH EINIGERMAßEN VERSTÄNDLICH MACHEN KÖNNEN? Sie sind ein hoffnungsloser Fall, ein phonetisches Guantanamo auf zwei Beinen, ein Troubadix, ein Wile E. Cojote des Gesangs. Und wie jene werden Sie entweder gefesselt und geknebelt in einem Baum enden oder von einem herabfallenden Amboß getroffen werden, wenn Sie nicht aufhören, Ihre Umwelt akustisch zu malträtieren.
Meep-meep!
Mittwoch, 24. Juni 2009
Digitaler Käse!
Ich kann ja die ganze Aufregung um den sogenannten Analog-Käse schon verstehen. Man denkt die ganze Zeit, auf der 99-Cent-Pizza Margarita vom Discounter türmen sich Bruchstücke edelsten Büffelmozzarellas über handverlesenen Scheiben südfranzösicher Strauchtomaten, fein abgestimmt mit frischem Basilikum aus der Toskana. Jede Pizza ein kleines Kunstwerk, per Hand belegt, auch was: komponiert von amerikanischen Innenarchitekten unter der Aufsicht eines französischen Maitre du Hefeteig.
Und jetzt sowas! Ein Skandal!
Oder etwa nicht? Haben wir nicht schon immer geahnt, daß uns da kein echter Käse angedreht wird, sondern irgendeine kleingehäckselte Gummipampe? Und, jetzt mal Hand auf's Herz: Hat es uns geschadet? Würde es uns glücklicher machen, wenn wir wüßten, was wir tatsächlich so tagtäglich gutgläubig in uns hineinschaufeln?
Hat es uns etwa nicht trotzdem geschmeckt?
Eben. Es hat. Und vielleicht ärgern wir uns deshalb so sehr darüber. Weil wir nix gemerkt haben. Und damit einmal mehr unter Beweis gestellt haben, daß unsere Geschmacksrezeptoren sich umso leichter veräppeln lassen, je mehr wir daran glauben, daß das, was auf der Packung draufsteht, auch tatsächlich drin ist. Hoch lebe der Placeboeffekt.
Andererseits ist es wohl tatsächlich so, daß Kinder, die zeitlebens nur Lebensmittel mit z.B. Erdbeeraroma zu kosten bekommen haben, echte Erdbeeren geschmacklich nicht mehr als solche wahrzunehmen vermögen. Zumindest bei diesem Gedanken dürfte jeden, der als Kind mal in Omas Garten durchs Erdbeerbeet getippelt ist und sich dort die roten Früchtchen direkt vom Strauch in den Mund gestopft hat, ein diffuses Gefühl kulturellen Verlustes beschleichen. Und wir nehmen uns vor, unserem Nachwuchs ganz viel echte Dinge zum Kosten zu geben und stets einen großen Bogen um das große gelbe M zu machen.
Leider ist das in großen Dörfern wie München nicht so ganz einfach. Platz für Erdbeerbeete gibt's hier nicht. Allen, die die Möglichkeit haben, sich ein kleines Gärtchen anzulegen, sei z.B die Mitgliedschaft bei http://www.nutzpflanzenvielfalt.de/ oder bei http://www.arche-noah.at/etomite/ empfohlen. Beide Vereine haben sich dem Erhalt von vom Aussterben bedrohter Obst- und Gemüsesorten verschrieben, die lt. EU-Bestimmungen nicht mehr agrarindustriell angebaut werden dürfen. Wer kein Vereinsmeier ist, der kann Samen und Setzlinge auch einfach käuflich in verschiedenen Internetshops erwerben.
So, genug der guten Taten. Ich mach mir jetzt ein Surimi-Formfleischvorderschinken-Analogkäse-Sandwich auf Sojabasis mit Gentomatenscheibchen, Rezept exclusiv aus dem großen Monsanto-Kochbuch. Mahlzeit!
PS: Und was den digitalen Käse angeht: Einfach mal Sat1 einschalten!
Und jetzt sowas! Ein Skandal!
Oder etwa nicht? Haben wir nicht schon immer geahnt, daß uns da kein echter Käse angedreht wird, sondern irgendeine kleingehäckselte Gummipampe? Und, jetzt mal Hand auf's Herz: Hat es uns geschadet? Würde es uns glücklicher machen, wenn wir wüßten, was wir tatsächlich so tagtäglich gutgläubig in uns hineinschaufeln?
Hat es uns etwa nicht trotzdem geschmeckt?
Eben. Es hat. Und vielleicht ärgern wir uns deshalb so sehr darüber. Weil wir nix gemerkt haben. Und damit einmal mehr unter Beweis gestellt haben, daß unsere Geschmacksrezeptoren sich umso leichter veräppeln lassen, je mehr wir daran glauben, daß das, was auf der Packung draufsteht, auch tatsächlich drin ist. Hoch lebe der Placeboeffekt.
Andererseits ist es wohl tatsächlich so, daß Kinder, die zeitlebens nur Lebensmittel mit z.B. Erdbeeraroma zu kosten bekommen haben, echte Erdbeeren geschmacklich nicht mehr als solche wahrzunehmen vermögen. Zumindest bei diesem Gedanken dürfte jeden, der als Kind mal in Omas Garten durchs Erdbeerbeet getippelt ist und sich dort die roten Früchtchen direkt vom Strauch in den Mund gestopft hat, ein diffuses Gefühl kulturellen Verlustes beschleichen. Und wir nehmen uns vor, unserem Nachwuchs ganz viel echte Dinge zum Kosten zu geben und stets einen großen Bogen um das große gelbe M zu machen.
Leider ist das in großen Dörfern wie München nicht so ganz einfach. Platz für Erdbeerbeete gibt's hier nicht. Allen, die die Möglichkeit haben, sich ein kleines Gärtchen anzulegen, sei z.B die Mitgliedschaft bei http://www.nutzpflanzenvielfalt.de/ oder bei http://www.arche-noah.at/etomite/ empfohlen. Beide Vereine haben sich dem Erhalt von vom Aussterben bedrohter Obst- und Gemüsesorten verschrieben, die lt. EU-Bestimmungen nicht mehr agrarindustriell angebaut werden dürfen. Wer kein Vereinsmeier ist, der kann Samen und Setzlinge auch einfach käuflich in verschiedenen Internetshops erwerben.
So, genug der guten Taten. Ich mach mir jetzt ein Surimi-Formfleischvorderschinken-Analogkäse-Sandwich auf Sojabasis mit Gentomatenscheibchen, Rezept exclusiv aus dem großen Monsanto-Kochbuch. Mahlzeit!
PS: Und was den digitalen Käse angeht: Einfach mal Sat1 einschalten!
Sonntag, 21. Juni 2009
In den Fängen der Preßspan-Mafia
Seit Tagen schon hüpft Lieblingstochter Nr.1 durch unsere zum Hüpfen nur bedingt geeignete Wohnung, angetan mit einem Schulranzen, so groß, daß sie bei Regenwetter auch gut und gern mal darin Schutz suchen kann. Denn auch wenn sie (gefühlt) bis noch vor ein paar Monaten weder laufen noch sprechen konnte, wird sie ab September in einem muffigen Klassenzimmer hocken. Da muß sie dann einer Alt-68erin mit Holzperlenkette dabei zuschauen, wie sie den Erstklässlern das kleine Einmaleins tanzt und sich dabei selbst auf einem Didgeridoo begleitet.
Nun benötigt die Schulanfängerin von heute für einen erfolgreichen Start in das Leben eines Wissenskonsumenten vor allem drei Dinge: ein Lillifee-Federmäppchen, einen Hello-Kitty-Füllhalter und einen Pferde-Schulranzen. Zumindest, wenn es nach dem Willen von Lieblingstochter Nr. 1 geht. Nachdem die Eltern aber (noch) auch ein Wörtchen mitzureden haben, lag die Priorität in dieser Woche erstmal beim Erwerb eines kindgerechten Schreibtisches samt ergonomischer Sitzgelegenheit.
Obwohl wir sonst gerne unserer Vorliebe für schwedisches Preßspanmobiliar frönen, hatten wir uns diesmal entschieden, mal wieder einem stinknormalen und pottlangweiligen Möbelhaus eine Chance zu geben. Unsere Wahl fiel auf Höffner.
Möbelhäuser wie Höffner haben noch immer ein ziemlich schnarchiges Oma-Image, quasi die Karstadts unter den Einrichtungshäusern. Beim Gedanken daran ziehen an meinem geistigen Auge immer Bilder von überteuerten Landhaus-Küchen, tonnenschweren, hochglanzlackierten Pornobetten in Weiß und Gold und Plüschsofas mit großformatigen Blumenmustern vorbei. Demzufolge war ich auch lang nicht mehr in einem von den Klötzen einkaufen. Bis vorgestern.
Was soll man sagen: Die handgeschnitzten Landhausküchen "Eiche rustikal" und Sofas mit alptraumhaftem Rosen-Muster gibt es noch immer. Ansonsten gibt man sich betont modern, zumindest, was das angebotene Sortiment angeht. Schließlich muß man sich ja irgendwie wieder an die IKEA-Klientel heranwanzen. Leider offenbart ein Blick aufs Detail dann doch etliche Mängel.
Das sah dann z.B. so aus: Am Eingang bekamen wir einen dem Aufdruck nach eigentlich schon abgelaufenen 30%-Rabattgutschein ausgehändigt. Das Gutscheingirl erklärte uns aber, die Aktion werde fortgesetzt und das ginge dann schon in Ordnung.
Beim anschließenden Bummel durchs Gebäude fielen uns dann eine Unzahl von Verkäufern auf, die wie paarungswillige Braunbären auf Nahrungssuche mißmutig und mit unstetem Blick durch die Gänge streiften. Dabei warfen sie uns immer wieder prüfende Blicke zu, wie hungrige Wölfe, die abschätzen, ob an uns wohl genug Fleisch sei. Mit leichter Gänsehaut zogen wir weiter durch die Gänge, jederzeit damit rechnend, von einem glatzköpfigen Hülsta-Berater mit einem Papiermaßband erdrosselt zu werden, nur um uns posthum eine Multimedia-Systemwand aus Balsaholz aufzuschwatzen.
Nur durchaggressives Urinieren finstere Blicke in Richtung der lauernden Meute gelang es uns, die Abteilung "Jugendzimmer" unbeschadet zu erreichen. Stuhl und Schreibtisch waren schnell gefunden, danach griffen wir uns den nächstbesten und am arglosesten wirkenden Möbelfritzen, der uns unter den neidvollen Blicken seiner Rudelgenossen den Kaufvertrag ausfertigte. Auf den Rabattgutschein angesprochen gab er uns die Auskunft, daß wir diesen an der Kasse vorzeigen müßten.
So weit, so gut. Da so ein Möbelkauf samt Räuber-und-Gendarm-Spiel hungrig macht, wollten wir eigentlich unsere perfekt auf eine Köttbullar-Belohnung konditionierten Mägen mit etwas Essbarem füllen. Leider verhieß das gemütliche Restaurant weit mehr, als die Küche dann zu bieten hatte. Freitagabend 18:30, also eineinhalb Stunden vor Ladenschluß, erschöpfte sich das Angebot in ausgefallenen kulinarischen Kreationen wie Schweinsbraten mit Knödel oder Spaghetti Bolognese. Nachdem wir Zeugen werden durften, wie eine osmanische Gewichtheberin mit einem riesigen Küchenmesser vor aller Augen einen Zentnersack bleiche Kartoffelstäbchen aufsäbelte, machten wir auf dem Absatz kehrt und begaben uns, von Deckung zu Deckung hechtend, zur Kasse.
Während jedoch im Rest des Hauses eine Kompanie Sperrholzdealer unterwegs war, bildeten an der Kasse traurige vier Verkäuferinnen die hängenden Köpfe von 4 stetig wachsenden Schlangen.
Wer denkt, daß wir jetzt unsere Einkäufe zahlen durften, irrt genau so wie wir. Wir zeigten unseren Kaufvertrag vor, präsentierten artig den Gutschein und wurden postwendend an die Warenausgabe verwiesen, wo wir dann endlich auch zahlen sollten. Bisher hatten wir gedacht, an einer Kasse würde bezahlt, und an einer Warenausgabe würden - nun ja, Waren ausgegeben.
Nicht so bei Höffner. Wie wir uns überzeugen durften, waren die Kassen im Gegensatz zur Warenausgabe noch vergleichweise üppig besetzt. Denn am Ziel unserer Reise erwarteten uns ganze zwei Mitarbeiter. Einer bediente die Kasse und telefonierte alle paar Minuten mit einem unsichtbaren Obermufti, der irgendwo aus den Katakomben des Gebäudes heraus fernmündlich schicksalhafte Entscheidungen fällte. Es war an ihm, über Wohl und Wehe der Kunden zu richten, die immer neue Gutscheine aus ihren Handtaschen hervorzauberten. Bonusflyer, Zeitungscoupons, Rabattkarten - keiner der Schnipsel glich dem anderen, und am Ende der Schlange standen nun wir und starrten zweifelnd auf unseren abgelaufen-aber trotzdem-gültigen Gutschein.
Auch wir ernteten des Kassenmann's skeptische Blicke, auch wir mußten einen weiteren Anruf beim Schattenmann abwarten, bevor wir endliche unseren um 30% geschmälerten Kaufpreis begleichen durften.
Dies brachte uns dann zum zweiten Ausgabe-Mitarbeiter, welcher dann auch tatsächlich das tat, was man von einem Mitarbeiter an der Warenausgabe erwartet: Er schubste vollgepackte Transportkarren in die Masse der Wartenden und rülpste dazu den Namen des zugehörigen Kunden in den Raum. Hier wollte man wohl bewußt alles anders machen als die Referenz-Schweden, die das "Wem gehört welcher Kartonberg?"-Problem mit einem simplen "Zieh 'ne Nummer"-System lösen. Stattdessen hatte man sich für die "Ein-Mann-brüllt-so-lange-Anweisungen-bis-einer-vortritt"-Variante entschieden. Die Verantwortlichen dachten wohl, was bei der Entlausung im sibirischen Zuchthäusern funktioniert, das sollte schließlich auch in deutschen Möbelhäusern klappen.
Also schauten wir den mit uns wartenden Leidensgenossen dabei zu, wie ihre Mundwinkel proportional zur absolvierten Wartezeit auf Angela-Merkel-Niveau herabsanken. Endlich, nach ca. 25 Minuten und 1 Minute vor Ladenschluß, knurrte der beblaumannte Griesgram endlich auch unseren Namen, und wir konnten den Ort des Grauens endlich frisch vermöbelt hinter uns lassen.
Was uns sonst noch aufgefallen ist: Bei Höffner arbeiten erstaunlich viele Sachsen (s. auch hier). So viele, daß diese unmöglich alle auch in München leben können. Meine Theorie: Irgendwo tief in den Eingeweiden des Möbelkolosses* befindet sich der Eingang eines Wurmloches, dessen anderes Ende sich irgendwo versteckt in der Leipziger Innenstadt** befindet. Allmorgendlich saugt es dort unzählige Pendler in sich auf, um sie nur wenige Sekunden später bei Höffner wieder auszuspucken. Abends dann natürlich retour. Wenn das stimmt, lass ich mir von denen ab sofort Zetti-Knusperflocken und Bambina in die amerikanische Besatzungszone schmuggeln...
*) vielleicht dort, wo der geheimnisvolle Mann ohne Gesicht haust, welcher Blofeld-gleich, in einem Lehnstuhl sitzend und eine weiße Perserkatze streichelnd, über die Validität von Rabattmarken befindet
**) oder in einem bizarren Paralleluniversum, in dem aus nicht näher definierten Gründen der Homo Saxonis an die Spitze der Nahrungskette gestolpert ist und mittlerweile 90% der Erdbevölkerung stellt
Nun benötigt die Schulanfängerin von heute für einen erfolgreichen Start in das Leben eines Wissenskonsumenten vor allem drei Dinge: ein Lillifee-Federmäppchen, einen Hello-Kitty-Füllhalter und einen Pferde-Schulranzen. Zumindest, wenn es nach dem Willen von Lieblingstochter Nr. 1 geht. Nachdem die Eltern aber (noch) auch ein Wörtchen mitzureden haben, lag die Priorität in dieser Woche erstmal beim Erwerb eines kindgerechten Schreibtisches samt ergonomischer Sitzgelegenheit.
Obwohl wir sonst gerne unserer Vorliebe für schwedisches Preßspanmobiliar frönen, hatten wir uns diesmal entschieden, mal wieder einem stinknormalen und pottlangweiligen Möbelhaus eine Chance zu geben. Unsere Wahl fiel auf Höffner.
Möbelhäuser wie Höffner haben noch immer ein ziemlich schnarchiges Oma-Image, quasi die Karstadts unter den Einrichtungshäusern. Beim Gedanken daran ziehen an meinem geistigen Auge immer Bilder von überteuerten Landhaus-Küchen, tonnenschweren, hochglanzlackierten Pornobetten in Weiß und Gold und Plüschsofas mit großformatigen Blumenmustern vorbei. Demzufolge war ich auch lang nicht mehr in einem von den Klötzen einkaufen. Bis vorgestern.
Was soll man sagen: Die handgeschnitzten Landhausküchen "Eiche rustikal" und Sofas mit alptraumhaftem Rosen-Muster gibt es noch immer. Ansonsten gibt man sich betont modern, zumindest, was das angebotene Sortiment angeht. Schließlich muß man sich ja irgendwie wieder an die IKEA-Klientel heranwanzen. Leider offenbart ein Blick aufs Detail dann doch etliche Mängel.
Das sah dann z.B. so aus: Am Eingang bekamen wir einen dem Aufdruck nach eigentlich schon abgelaufenen 30%-Rabattgutschein ausgehändigt. Das Gutscheingirl erklärte uns aber, die Aktion werde fortgesetzt und das ginge dann schon in Ordnung.
Beim anschließenden Bummel durchs Gebäude fielen uns dann eine Unzahl von Verkäufern auf, die wie paarungswillige Braunbären auf Nahrungssuche mißmutig und mit unstetem Blick durch die Gänge streiften. Dabei warfen sie uns immer wieder prüfende Blicke zu, wie hungrige Wölfe, die abschätzen, ob an uns wohl genug Fleisch sei. Mit leichter Gänsehaut zogen wir weiter durch die Gänge, jederzeit damit rechnend, von einem glatzköpfigen Hülsta-Berater mit einem Papiermaßband erdrosselt zu werden, nur um uns posthum eine Multimedia-Systemwand aus Balsaholz aufzuschwatzen.
Nur durch
So weit, so gut. Da so ein Möbelkauf samt Räuber-und-Gendarm-Spiel hungrig macht, wollten wir eigentlich unsere perfekt auf eine Köttbullar-Belohnung konditionierten Mägen mit etwas Essbarem füllen. Leider verhieß das gemütliche Restaurant weit mehr, als die Küche dann zu bieten hatte. Freitagabend 18:30, also eineinhalb Stunden vor Ladenschluß, erschöpfte sich das Angebot in ausgefallenen kulinarischen Kreationen wie Schweinsbraten mit Knödel oder Spaghetti Bolognese. Nachdem wir Zeugen werden durften, wie eine osmanische Gewichtheberin mit einem riesigen Küchenmesser vor aller Augen einen Zentnersack bleiche Kartoffelstäbchen aufsäbelte, machten wir auf dem Absatz kehrt und begaben uns, von Deckung zu Deckung hechtend, zur Kasse.
Während jedoch im Rest des Hauses eine Kompanie Sperrholzdealer unterwegs war, bildeten an der Kasse traurige vier Verkäuferinnen die hängenden Köpfe von 4 stetig wachsenden Schlangen.
Wer denkt, daß wir jetzt unsere Einkäufe zahlen durften, irrt genau so wie wir. Wir zeigten unseren Kaufvertrag vor, präsentierten artig den Gutschein und wurden postwendend an die Warenausgabe verwiesen, wo wir dann endlich auch zahlen sollten. Bisher hatten wir gedacht, an einer Kasse würde bezahlt, und an einer Warenausgabe würden - nun ja, Waren ausgegeben.
Nicht so bei Höffner. Wie wir uns überzeugen durften, waren die Kassen im Gegensatz zur Warenausgabe noch vergleichweise üppig besetzt. Denn am Ziel unserer Reise erwarteten uns ganze zwei Mitarbeiter. Einer bediente die Kasse und telefonierte alle paar Minuten mit einem unsichtbaren Obermufti, der irgendwo aus den Katakomben des Gebäudes heraus fernmündlich schicksalhafte Entscheidungen fällte. Es war an ihm, über Wohl und Wehe der Kunden zu richten, die immer neue Gutscheine aus ihren Handtaschen hervorzauberten. Bonusflyer, Zeitungscoupons, Rabattkarten - keiner der Schnipsel glich dem anderen, und am Ende der Schlange standen nun wir und starrten zweifelnd auf unseren abgelaufen-aber trotzdem-gültigen Gutschein.
Auch wir ernteten des Kassenmann's skeptische Blicke, auch wir mußten einen weiteren Anruf beim Schattenmann abwarten, bevor wir endliche unseren um 30% geschmälerten Kaufpreis begleichen durften.
Dies brachte uns dann zum zweiten Ausgabe-Mitarbeiter, welcher dann auch tatsächlich das tat, was man von einem Mitarbeiter an der Warenausgabe erwartet: Er schubste vollgepackte Transportkarren in die Masse der Wartenden und rülpste dazu den Namen des zugehörigen Kunden in den Raum. Hier wollte man wohl bewußt alles anders machen als die Referenz-Schweden, die das "Wem gehört welcher Kartonberg?"-Problem mit einem simplen "Zieh 'ne Nummer"-System lösen. Stattdessen hatte man sich für die "Ein-Mann-brüllt-so-lange-Anweisungen-bis-einer-vortritt"-Variante entschieden. Die Verantwortlichen dachten wohl, was bei der Entlausung im sibirischen Zuchthäusern funktioniert, das sollte schließlich auch in deutschen Möbelhäusern klappen.
Also schauten wir den mit uns wartenden Leidensgenossen dabei zu, wie ihre Mundwinkel proportional zur absolvierten Wartezeit auf Angela-Merkel-Niveau herabsanken. Endlich, nach ca. 25 Minuten und 1 Minute vor Ladenschluß, knurrte der beblaumannte Griesgram endlich auch unseren Namen, und wir konnten den Ort des Grauens endlich frisch vermöbelt hinter uns lassen.
Was uns sonst noch aufgefallen ist: Bei Höffner arbeiten erstaunlich viele Sachsen (s. auch hier). So viele, daß diese unmöglich alle auch in München leben können. Meine Theorie: Irgendwo tief in den Eingeweiden des Möbelkolosses* befindet sich der Eingang eines Wurmloches, dessen anderes Ende sich irgendwo versteckt in der Leipziger Innenstadt** befindet. Allmorgendlich saugt es dort unzählige Pendler in sich auf, um sie nur wenige Sekunden später bei Höffner wieder auszuspucken. Abends dann natürlich retour. Wenn das stimmt, lass ich mir von denen ab sofort Zetti-Knusperflocken und Bambina in die amerikanische Besatzungszone schmuggeln...
*) vielleicht dort, wo der geheimnisvolle Mann ohne Gesicht haust, welcher Blofeld-gleich, in einem Lehnstuhl sitzend und eine weiße Perserkatze streichelnd, über die Validität von Rabattmarken befindet
**) oder in einem bizarren Paralleluniversum, in dem aus nicht näher definierten Gründen der Homo Saxonis an die Spitze der Nahrungskette gestolpert ist und mittlerweile 90% der Erdbevölkerung stellt
Dienstag, 16. Juni 2009
Von der Kunst, sich zu erholen
Aufmerksame Leser wissen: Der Michel war im Urlaub.
Aber was selbst der aufmerksamste Leser (noch) nicht wissen kann: Der Michel hat sich dabei tatsächlich erholt. Obwohl es Kräfte gab, die hinter den Kulissen dagegen gearbeitet haben. Und zwar unter Ziehung aller Register.
Das unheilige Wirken dieser geheimnisvollen Mächte begann bereits kurz nach der Landung. Denn da ereilte uns bereits der Klassiker unter den Alpträumen jedes Urlaubsreisenden. Alle, die mit uns im Flugzeug saßen, pflückten ihre Gepäckstücke vom Band und trollten sich Richtung Ausgang zu den wartenden Transferbussen. Auch wir hätten gern unser Gepäck geschnappt und es ihnen gleich getan, allein: es kam nix. So verzweifelt wir auch auf das unentwegt Koffer ausspeiende Gummimaul des Gepäckausgabeschachtes starrten: Unser Gepäck war nicht dabei.
Mittlerweile purzelten bereits die Gepäckstücke eines neuen Fluges aufs Laufband. Das war dann wohl der ultimative Wink mit dem Zaunpfahl, um uns klar zu machen: Diesmal hat es uns getroffen.
Also machte ich mich auf zum Lost&Found-Schalter und kalkulierte im Kopf schonmal durch, wie oft man mich wohl in meinem durchgeschwitzten Flugoutfit in den Speisesaal unserer Nobelabsteige einreiten lassen würde, bevor die Angestellten sich aus olfaktorischen Gründen weigern würden, uns zu bedienen. Doch womit niemand gerechnet hatte: Die spanischen Flughafenverweser hatten sich in einem Anfall mediterraner Kreativität dazu entschlossen, mitten im Gepäckausgabeverfahren das Laufband zu wechseln. Und da man offenbar davon ausging, daß man deutsche Pauschaltouristen gleich zu Urlaubsbeginn auf ihren Platz in der lokalen Nahrungskette hinweisen muß, befand sich das Gepäckband, auf dem unsere Koffer dann tatsächlich fröhlich Karussell fuhren, nicht etwa nebenan, sondern am andern Ende der fußballplatzgroßen Halle. Selbstredend erfuhr ich dies nicht von den offiziellen Anzeigetafeln, sondern von einer gelangweilten Lost&Found-Schalterschnepfe.
Schockmoment Nr. 1 war für's erste bewältigt, der Urlaub konnte beginnen.
Von da an wiegte uns das Schicksal vorerst in Sicherheit. Obwohl wir uns auf eine stundenlange Juckelei im Transferbus eingestellt hatten, war tatsächlich unser Hotel das erste, das angefahren wurde. Unter den mißgünstigen Blicken der anderen Fahrgäste kletterten wir aus der überfüllten, nur mäßig klimatisierten Hämorrhoidenschaukel nach draußen ins gelobte Land. Zimmer, Essen, Wetter - alles paßte oder wurde von dienstbeflissenen Lakaien passend gemacht. Ein großartiges Gefühl.
Daß Tantchen Schicksal ein paar unerwartete Plagegeister in Form nach Teutonenblut lechzender Mücken in die Waagschale schmiss - geschenkt. Darüber haben wir aus unserer unsichtbaren Autan-Körperpanzerung heraus nur mild hinweggelächelt.
Aber die kleinen Quälgeister, die es im übrigen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen geschafft haben, mit ihren lächerlich winzigen Rüsseln 12-Unzen-Denim zu durchdringen, sollten uns nur in Sicherheit wiegen. Gerade als wir anfingen, uns so richtig zu entspannen, schlug das Schicksal mit aller Härte zu. Und zwar perfiderweise in Form einer kleinen, dicken, ungemein freundlichen Europcar-Frau. Diese eröffnete mir, daß meine Kreditkarte aus irgendeinem Grund zurückgewiesen worden sei, warum, wüßte sie auch nicht, eine solche Fehlermeldung hätte sie noch nie gesehen usw., und nebenbei: Hätte ich denn auch noch andere Zahlungsmittel?
Als weitgereister Mann von Welt, wie der Michel einer ist, verläßt man sich im Urlaub natürlich auf die Plastikpenunze. NIE würde ich auf die lächerliche Idee kommen, im Urlaub als lebende Taschendiebzielscheibe Unmengen von Bargeld mit mir herumzuschleppen. Und auch wenn einem eine Rolle Ein-Euro-Münzen in der Badehose am Strand eine Menge neidischer Blicke einbringt - es ist das Risiko nicht wert. Außerdem gucken die Eisverkäufer immer recht komisch, wenn man auf der Suche nach Kleingeld zwischen seinen Kronjuwelen herumkramt.
Natürlich hatte ich beabsichtigt, nicht nur den Mietwagen, sondern auch unsere Hotelrechnung mit eben jener Kreditkarte zu begleichen.
Mit anderen Worten: Eine Klärung der Situation war dringend vonnöten. Zumal ich mir keiner Schuld bewußt war und mir die Karte noch ein paar Tage zuvor anstandslos zu einem Paar Schuhe verholfen hatte. Also rief der Michel bei der Citibank in Alemania an, was ihn ganz nebenbei ein Schweinegeld gekostet hat. Und selbstredend wurde der erste Anruf vorzeitig getrennt, ohne daß ich mit einem lebenden Wesen ein Wort gewechselt hatte.
Der zweite Anruf war dann schon erfolgreicher, wenn auch nicht wirklich befriedigend. Die freundliche Citibank-Angestellte eröffnete mir, daß man auf Geheiß von Visa aus Sicherheitsgründen eine ganze Serie von Karten eingezogen hatte, und meine sei wohl leider, leider auch dabei. Ob ich denn die Mitteilung nicht erhalten hätte?
Hatte ich natürlich nicht, denn ich befand mich ja seit einer Woche im Urlaub und stand nun plötzlich ohne Zahlungsmittel da.* Eine wirkliche Lösung des Problems konnte mir die nette Dame auch nicht in Aussicht stellen, eventuell könne man ja eine Art Blitz-Anforderung per Fax stellen, aber ob dies im Ausland so funktioniere wisse sie jetzt auch nicht. (Und überhaupt wäre die neue Karte dann nach Murphys Gesetz vermutlich eine halbe Sunde nach meiner Abreise im Hotel eingetroffen.)
Nun ja, auch dieses Problem ließ sich irgendwie lösen. Doch so leicht gab das Schicksal nicht auf. Schon am nächsten Tag schlug es erneut zu. Und wieder in einem Moment der Arglosigkeit.
Diesmal vertrauten wir dem freundlichen Mitarbeiter an der Hotelrezeption, der uns nur zu gern bestätigte: Natürlich hätten am Pfingstsonntag vor Ort alle Geschäfte geöffnet. Man könne shoppen, bis der Medico kommt, verdad!
Dreimal dürft ihr raten, wer einen Urlaubstag in einer menschenleeren Geisterstadt verbracht hat und sehnsüchtig durch alarmgesicherte Stahlgitter auf die dahinter lauernden Konsumgüter schielen mußte.
Egal, schließlich waren wir angereist, um die Seele baumeln zu lassen, nicht die Einkaufstüten. Also blieb uns nicht weiter übrig, als den ohnehin recht trüben Tag mit reichlich Kultur zu füllen. Die sich vor uns auftürmende Kathedrale kam uns da gerade recht, wurde sie doch weithin als touristisches Highlight und Augenweide angepriesen.
Doch kaum hatten wir die heiligen Hallen betreten, scheuchte uns schon ein gestrenger Klerusknecht wieder nach draußen. Hier sei jetzt Feierabend, bedeutete er uns, und überhaupt wäre hier nur für zahlende Gäste geöffnet. Oder so ähnlich. Nun hege ich ja die heimliche Wunschvorstellung, mal ohne besonderen Anlaß achtkantig aus einer Kirche geschmissen zu werden. Für einen Atheisten ist das so etwas wie ein Ritterschlag. Aber selbst für mich kam dieser Rausschmiß sehr überraschend und bestätigte mir wieder einmal, daß dieser ehemalige Angelverein namens Kirche noch immer seine Hauptaufgabe darin sieht, Geld von A nach B zu scheffeln.
Wie auch immer, wir hatten auch so unseren Spaß, und das Schicksal guckte fluchend in die Röhre. Aber so ganz hatte es noch nicht aufgegeben. Es hatte sich für den Schluß noch eine Überraschung aufgespart.
Denn der Bus, der uns am Abreisetag zum Flughafen bringen sollte, kam nicht. Ein Transferbus nach dem anderen brauste heran, sammelte die Schäfchen anderer Reiseveranstalter ein und fuhr wieder. Nur unser "Bucher"-Bus tauchte nicht auf. Zwischendurch lieferten wir uns einige fruchtlose Diskussionen mit anderen Busfahrern. Letztere sprachen ausschließlich Katalanisch und hatten von den Reiseveranstaltern zwar die jeweilige Anzahl der am Hotel abzuholenden Gäste mitgeteilt bekommen, sinnigerweise aber nicht deren Namen. Was die Sache für uns nicht unbedingt einfacher machte.
Nach einigem Rätselraten, ob wir drei denn die lt. Veranstalter eigentlich vier Gäste seien, die man schon vor einer halben Stunde hätte abholen sollen, schwangen wir uns kurzerhand in den nächsten verfügbaren Bus, frei nach dem Motto "Sch**ßegal, Hauptsache, wir sind am Flughafen!".
Angesichts unseres pragmatischen Lösungsansatzes und unserer erholt-gelösten Stimmung hat das Schicksal danach die Waffen gestreckt und uns für den Rest der Rückreise in Ruhe gelassen.
Obwohl ich mich bis heute frage, warum ein und dieselbe Gürtelschnalle an der deutschen Sicherheitsabfertigung zu Sirenengeheul, hektischer Betriebsamkeit und nervösem Herumgefinger an Dienstpistolen führt, während die spanische Sicherheitskontrolle in keinster weise Notiz davon nimmt. Nicht einen einzigen mitleidigen Piepser konnte ich dem spanischen Metalldetektor entlocken. Vermutlich ist man hier daran gewöhnt, daß Touristen zwar des öfteren einen Kater, einen Tripper oder zumindest Sonnenbrand mit an Bord schmuggeln, aber sich nur sehr selten die Hosentaschen mit Plastiksprengstoff vollstopfen.
*Ganz nebenbei: Die Mitteilung habe ich bis heute nicht erhalten, genauso wenig wie eine neue Karte. Es hat weiterer, meinerseits zunehmend unhöflicher werdende Anrufe bei der Servicehotline bedurft, um das Ganze wieder ins Rollen zu bringen.
Aber was selbst der aufmerksamste Leser (noch) nicht wissen kann: Der Michel hat sich dabei tatsächlich erholt. Obwohl es Kräfte gab, die hinter den Kulissen dagegen gearbeitet haben. Und zwar unter Ziehung aller Register.
Das unheilige Wirken dieser geheimnisvollen Mächte begann bereits kurz nach der Landung. Denn da ereilte uns bereits der Klassiker unter den Alpträumen jedes Urlaubsreisenden. Alle, die mit uns im Flugzeug saßen, pflückten ihre Gepäckstücke vom Band und trollten sich Richtung Ausgang zu den wartenden Transferbussen. Auch wir hätten gern unser Gepäck geschnappt und es ihnen gleich getan, allein: es kam nix. So verzweifelt wir auch auf das unentwegt Koffer ausspeiende Gummimaul des Gepäckausgabeschachtes starrten: Unser Gepäck war nicht dabei.
Mittlerweile purzelten bereits die Gepäckstücke eines neuen Fluges aufs Laufband. Das war dann wohl der ultimative Wink mit dem Zaunpfahl, um uns klar zu machen: Diesmal hat es uns getroffen.
Also machte ich mich auf zum Lost&Found-Schalter und kalkulierte im Kopf schonmal durch, wie oft man mich wohl in meinem durchgeschwitzten Flugoutfit in den Speisesaal unserer Nobelabsteige einreiten lassen würde, bevor die Angestellten sich aus olfaktorischen Gründen weigern würden, uns zu bedienen. Doch womit niemand gerechnet hatte: Die spanischen Flughafenverweser hatten sich in einem Anfall mediterraner Kreativität dazu entschlossen, mitten im Gepäckausgabeverfahren das Laufband zu wechseln. Und da man offenbar davon ausging, daß man deutsche Pauschaltouristen gleich zu Urlaubsbeginn auf ihren Platz in der lokalen Nahrungskette hinweisen muß, befand sich das Gepäckband, auf dem unsere Koffer dann tatsächlich fröhlich Karussell fuhren, nicht etwa nebenan, sondern am andern Ende der fußballplatzgroßen Halle. Selbstredend erfuhr ich dies nicht von den offiziellen Anzeigetafeln, sondern von einer gelangweilten Lost&Found-Schalterschnepfe.
Schockmoment Nr. 1 war für's erste bewältigt, der Urlaub konnte beginnen.
Von da an wiegte uns das Schicksal vorerst in Sicherheit. Obwohl wir uns auf eine stundenlange Juckelei im Transferbus eingestellt hatten, war tatsächlich unser Hotel das erste, das angefahren wurde. Unter den mißgünstigen Blicken der anderen Fahrgäste kletterten wir aus der überfüllten, nur mäßig klimatisierten Hämorrhoidenschaukel nach draußen ins gelobte Land. Zimmer, Essen, Wetter - alles paßte oder wurde von dienstbeflissenen Lakaien passend gemacht. Ein großartiges Gefühl.
Daß Tantchen Schicksal ein paar unerwartete Plagegeister in Form nach Teutonenblut lechzender Mücken in die Waagschale schmiss - geschenkt. Darüber haben wir aus unserer unsichtbaren Autan-Körperpanzerung heraus nur mild hinweggelächelt.
Aber die kleinen Quälgeister, die es im übrigen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen geschafft haben, mit ihren lächerlich winzigen Rüsseln 12-Unzen-Denim zu durchdringen, sollten uns nur in Sicherheit wiegen. Gerade als wir anfingen, uns so richtig zu entspannen, schlug das Schicksal mit aller Härte zu. Und zwar perfiderweise in Form einer kleinen, dicken, ungemein freundlichen Europcar-Frau. Diese eröffnete mir, daß meine Kreditkarte aus irgendeinem Grund zurückgewiesen worden sei, warum, wüßte sie auch nicht, eine solche Fehlermeldung hätte sie noch nie gesehen usw., und nebenbei: Hätte ich denn auch noch andere Zahlungsmittel?
Als weitgereister Mann von Welt, wie der Michel einer ist, verläßt man sich im Urlaub natürlich auf die Plastikpenunze. NIE würde ich auf die lächerliche Idee kommen, im Urlaub als lebende Taschendiebzielscheibe Unmengen von Bargeld mit mir herumzuschleppen. Und auch wenn einem eine Rolle Ein-Euro-Münzen in der Badehose am Strand eine Menge neidischer Blicke einbringt - es ist das Risiko nicht wert. Außerdem gucken die Eisverkäufer immer recht komisch, wenn man auf der Suche nach Kleingeld zwischen seinen Kronjuwelen herumkramt.
Natürlich hatte ich beabsichtigt, nicht nur den Mietwagen, sondern auch unsere Hotelrechnung mit eben jener Kreditkarte zu begleichen.
Mit anderen Worten: Eine Klärung der Situation war dringend vonnöten. Zumal ich mir keiner Schuld bewußt war und mir die Karte noch ein paar Tage zuvor anstandslos zu einem Paar Schuhe verholfen hatte. Also rief der Michel bei der Citibank in Alemania an, was ihn ganz nebenbei ein Schweinegeld gekostet hat. Und selbstredend wurde der erste Anruf vorzeitig getrennt, ohne daß ich mit einem lebenden Wesen ein Wort gewechselt hatte.
Der zweite Anruf war dann schon erfolgreicher, wenn auch nicht wirklich befriedigend. Die freundliche Citibank-Angestellte eröffnete mir, daß man auf Geheiß von Visa aus Sicherheitsgründen eine ganze Serie von Karten eingezogen hatte, und meine sei wohl leider, leider auch dabei. Ob ich denn die Mitteilung nicht erhalten hätte?
Hatte ich natürlich nicht, denn ich befand mich ja seit einer Woche im Urlaub und stand nun plötzlich ohne Zahlungsmittel da.* Eine wirkliche Lösung des Problems konnte mir die nette Dame auch nicht in Aussicht stellen, eventuell könne man ja eine Art Blitz-Anforderung per Fax stellen, aber ob dies im Ausland so funktioniere wisse sie jetzt auch nicht. (Und überhaupt wäre die neue Karte dann nach Murphys Gesetz vermutlich eine halbe Sunde nach meiner Abreise im Hotel eingetroffen.)
Nun ja, auch dieses Problem ließ sich irgendwie lösen. Doch so leicht gab das Schicksal nicht auf. Schon am nächsten Tag schlug es erneut zu. Und wieder in einem Moment der Arglosigkeit.
Diesmal vertrauten wir dem freundlichen Mitarbeiter an der Hotelrezeption, der uns nur zu gern bestätigte: Natürlich hätten am Pfingstsonntag vor Ort alle Geschäfte geöffnet. Man könne shoppen, bis der Medico kommt, verdad!
Dreimal dürft ihr raten, wer einen Urlaubstag in einer menschenleeren Geisterstadt verbracht hat und sehnsüchtig durch alarmgesicherte Stahlgitter auf die dahinter lauernden Konsumgüter schielen mußte.
Egal, schließlich waren wir angereist, um die Seele baumeln zu lassen, nicht die Einkaufstüten. Also blieb uns nicht weiter übrig, als den ohnehin recht trüben Tag mit reichlich Kultur zu füllen. Die sich vor uns auftürmende Kathedrale kam uns da gerade recht, wurde sie doch weithin als touristisches Highlight und Augenweide angepriesen.
Doch kaum hatten wir die heiligen Hallen betreten, scheuchte uns schon ein gestrenger Klerusknecht wieder nach draußen. Hier sei jetzt Feierabend, bedeutete er uns, und überhaupt wäre hier nur für zahlende Gäste geöffnet. Oder so ähnlich. Nun hege ich ja die heimliche Wunschvorstellung, mal ohne besonderen Anlaß achtkantig aus einer Kirche geschmissen zu werden. Für einen Atheisten ist das so etwas wie ein Ritterschlag. Aber selbst für mich kam dieser Rausschmiß sehr überraschend und bestätigte mir wieder einmal, daß dieser ehemalige Angelverein namens Kirche noch immer seine Hauptaufgabe darin sieht, Geld von A nach B zu scheffeln.
Wie auch immer, wir hatten auch so unseren Spaß, und das Schicksal guckte fluchend in die Röhre. Aber so ganz hatte es noch nicht aufgegeben. Es hatte sich für den Schluß noch eine Überraschung aufgespart.
Denn der Bus, der uns am Abreisetag zum Flughafen bringen sollte, kam nicht. Ein Transferbus nach dem anderen brauste heran, sammelte die Schäfchen anderer Reiseveranstalter ein und fuhr wieder. Nur unser "Bucher"-Bus tauchte nicht auf. Zwischendurch lieferten wir uns einige fruchtlose Diskussionen mit anderen Busfahrern. Letztere sprachen ausschließlich Katalanisch und hatten von den Reiseveranstaltern zwar die jeweilige Anzahl der am Hotel abzuholenden Gäste mitgeteilt bekommen, sinnigerweise aber nicht deren Namen. Was die Sache für uns nicht unbedingt einfacher machte.
Nach einigem Rätselraten, ob wir drei denn die lt. Veranstalter eigentlich vier Gäste seien, die man schon vor einer halben Stunde hätte abholen sollen, schwangen wir uns kurzerhand in den nächsten verfügbaren Bus, frei nach dem Motto "Sch**ßegal, Hauptsache, wir sind am Flughafen!".
Angesichts unseres pragmatischen Lösungsansatzes und unserer erholt-gelösten Stimmung hat das Schicksal danach die Waffen gestreckt und uns für den Rest der Rückreise in Ruhe gelassen.
Obwohl ich mich bis heute frage, warum ein und dieselbe Gürtelschnalle an der deutschen Sicherheitsabfertigung zu Sirenengeheul, hektischer Betriebsamkeit und nervösem Herumgefinger an Dienstpistolen führt, während die spanische Sicherheitskontrolle in keinster weise Notiz davon nimmt. Nicht einen einzigen mitleidigen Piepser konnte ich dem spanischen Metalldetektor entlocken. Vermutlich ist man hier daran gewöhnt, daß Touristen zwar des öfteren einen Kater, einen Tripper oder zumindest Sonnenbrand mit an Bord schmuggeln, aber sich nur sehr selten die Hosentaschen mit Plastiksprengstoff vollstopfen.
*Ganz nebenbei: Die Mitteilung habe ich bis heute nicht erhalten, genauso wenig wie eine neue Karte. Es hat weiterer, meinerseits zunehmend unhöflicher werdende Anrufe bei der Servicehotline bedurft, um das Ganze wieder ins Rollen zu bringen.
Montag, 15. Juni 2009
Autonomasiehorror
Jeder, der schon mal an einem längeren Bericht oder Textbeitrag herumgestrickt hat, kennt das Phänomen: Will man nicht ständig das Ob- oder Subjekt des Interesses beim Namen nennen, muß man sich Umschreibungen oder Ersatzworte einfallen lassen. Der Fachbegriff dafür lautet: Autonomasien. Je länger ein Text, umso bunter und ausgefallener werden die Auswüchse und Wortkreationen. Auch Bastian Sick ("Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod") hat diesem Thema eine Kolumne gewidmet.
Manche Journalisten scheinen aber eine handfeste Phobie vor dem Gespenst der Wiederholung zu haben, so verbissen meiden sie Mehrfachnennungen in Texten.
Einen besonderen Vogel hat für mich dabei Christian Leetz abgeschossen. Dieser hat sich im Flyjournal 2/2009 der TUIfly an einer einseitigen Interview-Reportage über Ulrich Wickert verausgabt und sich dabei nicht weniger als 20 verschiedene Formulierungen aus den Rippen geschnitten, ohne auch nur eine davon ein zweites Mal zu verwenden.
Dies beginnt schon in der Überschrift. "Der Meinungsmacher" heißt es dort. Und weiter: "Ulrich Wickert - Journalist, Buchautor und Hochschulprofessor aus Leidenschaft". Damit wären weitere 3 Umschreibungen abgehakt. Und so geht es Schlag auf Schlag weiter. Im nachfolgenden Text ist Wickert im fliegenden Wechsel
- der Nachrichtensprecher
- das ehemalige SPD-Mitglied
- der 66-Jährige
- der Diplomatensohn
- der Medienmann
- der Nachrichtenmann
- der Fernsehmann
- der Korrespondent
- der Wahlhamburger
- der Mann von Welt
- Mister Tagesthemen
- der in Tokio geborene Journalist
- der Honorarprofessor
- der Autor
- der Herausgeber
- und schlußendlich "der Vater einer Tochter".
Wohlgemerkt: Ich werfe hier keinen Stein. Das Ringen um eine passende Formulierung hat auch mich schon manches Mal zur Verzweiflung getrieben. Aber dieser Text ist wirklich ein Kleinod journalistischer Wiederholungsparanoia. Ich wage mir gar nicht vorzustellen, was Herr Leetz gemacht hätte, hätte er eine zweiseitige Reportage abliefern müssen. Vermutlich hätten wir uns auch gegen Rhetorikungetüme wie "der Büchermann", "der News-Titan" oder "der bekennende Sitzpinkler" o.ä. wappnen müssen.
Übrigens: Herr Leetz ist Reisejournalist und Redakteur und macht seinen Job, seiner Webseite nach zu urteilen, ansonsten ganz ordentlich.
Manche Journalisten scheinen aber eine handfeste Phobie vor dem Gespenst der Wiederholung zu haben, so verbissen meiden sie Mehrfachnennungen in Texten.
Einen besonderen Vogel hat für mich dabei Christian Leetz abgeschossen. Dieser hat sich im Flyjournal 2/2009 der TUIfly an einer einseitigen Interview-Reportage über Ulrich Wickert verausgabt und sich dabei nicht weniger als 20 verschiedene Formulierungen aus den Rippen geschnitten, ohne auch nur eine davon ein zweites Mal zu verwenden.
Dies beginnt schon in der Überschrift. "Der Meinungsmacher" heißt es dort. Und weiter: "Ulrich Wickert - Journalist, Buchautor und Hochschulprofessor aus Leidenschaft". Damit wären weitere 3 Umschreibungen abgehakt. Und so geht es Schlag auf Schlag weiter. Im nachfolgenden Text ist Wickert im fliegenden Wechsel
- der Nachrichtensprecher
- das ehemalige SPD-Mitglied
- der 66-Jährige
- der Diplomatensohn
- der Medienmann
- der Nachrichtenmann
- der Fernsehmann
- der Korrespondent
- der Wahlhamburger
- der Mann von Welt
- Mister Tagesthemen
- der in Tokio geborene Journalist
- der Honorarprofessor
- der Autor
- der Herausgeber
- und schlußendlich "der Vater einer Tochter".
Wohlgemerkt: Ich werfe hier keinen Stein. Das Ringen um eine passende Formulierung hat auch mich schon manches Mal zur Verzweiflung getrieben. Aber dieser Text ist wirklich ein Kleinod journalistischer Wiederholungsparanoia. Ich wage mir gar nicht vorzustellen, was Herr Leetz gemacht hätte, hätte er eine zweiseitige Reportage abliefern müssen. Vermutlich hätten wir uns auch gegen Rhetorikungetüme wie "der Büchermann", "der News-Titan" oder "der bekennende Sitzpinkler" o.ä. wappnen müssen.
Übrigens: Herr Leetz ist Reisejournalist und Redakteur und macht seinen Job, seiner Webseite nach zu urteilen, ansonsten ganz ordentlich.
Freitag, 12. Juni 2009
Apropos Musik, Rammstein usw. ...
...das da hab ich grad auf youtube gefunden. Hab ich gelacht...
Grüße aus der Weißwurst-Prärie,
der Michel
Grüße aus der Weißwurst-Prärie,
der Michel
Mittwoch, 10. Juni 2009
Was hört der Michel gerade?
Diese Rubrik habe ich neben der "Was liest der Michel gerade?" in letzter Zeit geradezu sträflich vernachlässigt. Grund genug, der breiten Öffentlichkeit (dieses Blogs - höhö...) mal einige derjenigen musikalischen Fundstücke näher zu bringen, deren Bekanntheitsgrad in Deutschland nicht sooo sonderlich hoch ist. (Zumindest nach meiner Wahrnehmung, Irrtümer sind also vorbehalten.) Vielleicht ist ja für den ein oder anderen Leser was Interessantes dabei.
Rodrigo y Gabriela
Zwei Mexikaner spielen auf akustischen Gitarren. Gähn? Nichts besonderes? Und ob!
Diese zwei mexikanischen Wahl-Iren sind, soweit eruierbar, noch nie in Deutschland gewesen. Das dürfte dann wohl auch der Grund sein, warum sie bei uns völlig zu Unrecht noch relativ unbekannt sind. Dementsprechend mager sind auch die Informationen, die wikipedia über das Duo bereit hält.
Die beiden zupfen, schraddeln und trommeln so virtuos auf ihren Gitarren herum, daß es jedem Amateur-Katzendarmquäler die Tränen in die Augen treiben dürfte. Vor allem ihre Cover-Versionen sind großartig. Sämtliche CDs der beiden kann man jedem Gitarrenfreund vertrauensvoll ans Herz legen.
Leider sind die meisten Internet-Videos des Duos Konzertmitschnitte von eher zweifelhafter Qualität. Daher nachfolgend zwei TV-Auftritte, einer bei David Letterman, der zweite für MTV.
Achtung! Die offizielle Webseite der zwei hat bei mir schon bei der Google-Suche zu einer Trojaner-Warnung geführt.
VAST bzw. Visual Audio Sensory Theater
Wieder eine Band, die seinerzeit irgendwie komplett an mir vorbei gegangen ist. Aufmerksam auf die Jungs bin ich - mea maxima culpa - beim Finale von Germany's Next Topmodel geworden. Da war der hier vorgestellte Song "Touched" einer der Laufstegtitel (Dank an den zuständigen Pro7-Redakteur!) und hat mich glatt aus den Socken gehauen. Letztendlich war der GNTM-mindfuck dann also doch zu etwas nütze.
Ob die Band schon mal in Deutschland war, darüber schweigt sich das Internet aus, ich denke: Eher nicht.
Egal, ich hab mir umgehend das Debüt-Album "VAST" geordert, und es wird wohl bei diesem nicht bleiben. Die Jungs bieten darauf nämlich eine äußerst kreative Mischung aus Rock und Alternative Pop-Elementen, die sich nicht wirklich einer bestimmten Musikrichtung zuordnen läßt. In ihren härteren Momenten erinnern VAST ein wenig an Korn und Paradise Lost, die elektronischen Parts lassen einen an Depeche Mode denken.
Mittlerweile wurde die Besetzung auch mehrfach geändert, noch ist mir nicht ganz klar, ob sich dies auch auf den Musikstil ausgewirkt hat. Wir werden sehen. Hier erstmal die Debüt-Single:
Sevendust
Auch für diese späte Entdeckung meinerseits ist das Fernsehen verantwortlich. Diesmal wurde der hier vorgestellte Song von einem Bewerber bei Stefan Raabs "SSDSDSSWEMUGABRTLAD"-Casting interpretiert und hat mir vom Fleck weg gefallen. Seltsamerweise hatte ich irgendwie auf meinem Schirm, daß sich die Band schon vor Jahren aufgelöst hatt. Ein Blick auf deren Homepage zeigte mir aber heute, daß sie am Wochenende erst bei Rock am Ring aufgetreten sind, also: alles alive and kickin'. Sinnloserweise haben sich die Jungs auch auf den Twitter-Wahn eingelassen, gute Musik machen sie trotzdem.
Iron Horse
Man stelle sich vor: Vier gesetzte Herren in verbeulten Jeans und Karohemden, bewaffnet mit Gitarre, Baß, Mandoline und Banjo (!), schlendern auf die Bühne und postieren sich hinter ihren Mikrofonen. Dann tritt der Gesichtsälteste der vier nach vorn und schreit mit deutlichen Südstaaten-Zungenschlag "Gimme fuel, gimme fire, gimme that which I desire!" in sein Mikro.
So beginnen entweder Alpträume eingefleischter Metallica-Fans, oder Konzerte von Iron Horse. Für die einen eine Zumutung, für die humorvolleren eine witzige Variation ihrer Lieblingsmucke.
Kirk Hammett gefällt's...
So, das war's für's erste. Bei Gefallen gibt's irgendwann mal mehr, bei Nichtgefallen auch.
Rodrigo y Gabriela
Zwei Mexikaner spielen auf akustischen Gitarren. Gähn? Nichts besonderes? Und ob!
Diese zwei mexikanischen Wahl-Iren sind, soweit eruierbar, noch nie in Deutschland gewesen. Das dürfte dann wohl auch der Grund sein, warum sie bei uns völlig zu Unrecht noch relativ unbekannt sind. Dementsprechend mager sind auch die Informationen, die wikipedia über das Duo bereit hält.
Die beiden zupfen, schraddeln und trommeln so virtuos auf ihren Gitarren herum, daß es jedem Amateur-Katzendarmquäler die Tränen in die Augen treiben dürfte. Vor allem ihre Cover-Versionen sind großartig. Sämtliche CDs der beiden kann man jedem Gitarrenfreund vertrauensvoll ans Herz legen.
Leider sind die meisten Internet-Videos des Duos Konzertmitschnitte von eher zweifelhafter Qualität. Daher nachfolgend zwei TV-Auftritte, einer bei David Letterman, der zweite für MTV.
Achtung! Die offizielle Webseite der zwei hat bei mir schon bei der Google-Suche zu einer Trojaner-Warnung geführt.
VAST bzw. Visual Audio Sensory Theater
Wieder eine Band, die seinerzeit irgendwie komplett an mir vorbei gegangen ist. Aufmerksam auf die Jungs bin ich - mea maxima culpa - beim Finale von Germany's Next Topmodel geworden. Da war der hier vorgestellte Song "Touched" einer der Laufstegtitel (Dank an den zuständigen Pro7-Redakteur!) und hat mich glatt aus den Socken gehauen. Letztendlich war der GNTM-mindfuck dann also doch zu etwas nütze.
Ob die Band schon mal in Deutschland war, darüber schweigt sich das Internet aus, ich denke: Eher nicht.
Egal, ich hab mir umgehend das Debüt-Album "VAST" geordert, und es wird wohl bei diesem nicht bleiben. Die Jungs bieten darauf nämlich eine äußerst kreative Mischung aus Rock und Alternative Pop-Elementen, die sich nicht wirklich einer bestimmten Musikrichtung zuordnen läßt. In ihren härteren Momenten erinnern VAST ein wenig an Korn und Paradise Lost, die elektronischen Parts lassen einen an Depeche Mode denken.
Mittlerweile wurde die Besetzung auch mehrfach geändert, noch ist mir nicht ganz klar, ob sich dies auch auf den Musikstil ausgewirkt hat. Wir werden sehen. Hier erstmal die Debüt-Single:
Sevendust
Auch für diese späte Entdeckung meinerseits ist das Fernsehen verantwortlich. Diesmal wurde der hier vorgestellte Song von einem Bewerber bei Stefan Raabs "SSDSDSSWEMUGABRTLAD"-Casting interpretiert und hat mir vom Fleck weg gefallen. Seltsamerweise hatte ich irgendwie auf meinem Schirm, daß sich die Band schon vor Jahren aufgelöst hatt. Ein Blick auf deren Homepage zeigte mir aber heute, daß sie am Wochenende erst bei Rock am Ring aufgetreten sind, also: alles alive and kickin'. Sinnloserweise haben sich die Jungs auch auf den Twitter-Wahn eingelassen, gute Musik machen sie trotzdem.
Iron Horse
Man stelle sich vor: Vier gesetzte Herren in verbeulten Jeans und Karohemden, bewaffnet mit Gitarre, Baß, Mandoline und Banjo (!), schlendern auf die Bühne und postieren sich hinter ihren Mikrofonen. Dann tritt der Gesichtsälteste der vier nach vorn und schreit mit deutlichen Südstaaten-Zungenschlag "Gimme fuel, gimme fire, gimme that which I desire!" in sein Mikro.
So beginnen entweder Alpträume eingefleischter Metallica-Fans, oder Konzerte von Iron Horse. Für die einen eine Zumutung, für die humorvolleren eine witzige Variation ihrer Lieblingsmucke.
Kirk Hammett gefällt's...
So, das war's für's erste. Bei Gefallen gibt's irgendwann mal mehr, bei Nichtgefallen auch.
Sonntag, 7. Juni 2009
Quo vadis, Deutschland?
Auch wenn mein Urlaub offiziell erst morgen endet, muß ich mich aus aktuellem Anlaß doch heute noch melden.
Denn der Michel war heute wählen. Nachdem sogar politische Schwergewichte wie Olli Pocher für die Europawahl geworben haben, konnte ich mich meiner kosmopolitischen Pflicht nicht entziehen.
Nun halte ich mich ja schon für einen politisch einigermaßen interessierten und informierten Menschen, aber wer da so alles auf dem Wahlzettel stand, hat mich dann doch kalt erwischt. Nicht nur, daß das Ding länger war als eine durchschnittliche Einkaufsquittung nach einem verkaufsoffenen Sonntag bei IKEA, aber wer bitte sind denn z.B. die "PIRATEN"?
Nun ja, jetzt bin ich schlauer. Genau genommen hätte ich ausgerechnet die sogar kennen müssen, kämpfen sie doch für die Freiheit des Internets. Aber besser spät als nie.
Lustige Wahlplakate gab es auch wieder zuhauf, obwohl die "Kauf mich!"-Grinsevisagen so mancher Kandidaten eher an optische Umweltverschmutzung grenzen. Versteh einer die Wahlkampfmanager, aber wenn ich die Wahl hätte, entweder einen Kandidaten, der aussieht wie ein menschlicher Leberkäs mit Haaren, oder ein mundgemaltes CSU-Logo auf ein Plakat zu setzen, dann würde ich zu letzterem raten.
Am weitesten hat sich aber diesmal die PBC aus dem Fenster gelehnt. Während "Ohne Gott geht alles kaputt - Jesus macht alles neu!" eher nach einer Werbung für einen Hausmeisterservice klingt, ist "Jesus: "Ich komme bald!"" an bedrohlicher Schmissigkeit kaum zu überbieten. Allerdings: Auch wenn die PBC ihre Informationen offenbar aus ganz heißen Quellen bezieht, wieso sollte ich noch wählen gehen, wenn die Apokalypse offenbar schon vor der Tür steht?

Nun ist die Wahl gelaufen, und ich versteh die Welt nicht mehr. Schwesterwelles FDP hat fett zugelegt. Die CDU hat die meisten Stimmen bekommen.
KANN MIR DAS BITTE MAL JEMAND ERKLÄREN?
Ausgerechnet die FDP, traditionell das Sprachrohr der New Economy-Wirtschaftsliberalen-Blase, auf deren Konto die größte Wirtschaftskrise der Bundesrepublik geht? Die jahrelang die Nichteinmischung des Staates in den Markt gepredigt hat und nach einem fulminanten U-Turn nun genau dies willkommen heißt? Was bitte haben die denn in letzter Zeit Tolles geleistet?
Ich weiß es: Mindestens genauso viel wie die CDU, oder, wie Hans-Ulrich Jörges im Stern Nr 20 treffend formulierte, "der Kanzlerinnen-Wahlverein".
Nicht, daß die anderen Parteien sich in letzter Zeit mit etwas anderem außer Wahlgeschenken hervor getan hätten, aber welche führenden, charismatischen Köpfe hat die CDU denn zu bieten? Scheinbar hat die ewige Trauerweide "Mörkel" (frei nach GWBush) den anderen zarten Parteipflänzchen das Licht geraubt, denn viel ist in ihrem Schatten nicht gediehen. Dafür hat die manchmal noch immer unbeholfen wirkende Ziehtochter Kohls eine erstaunliche Metamorphose zur Volkskanzlerin durchgemacht. Und ihr Rezept ist denkbar einfach: Sie vertritt immer genau die Politik, die die Mehrheit der Bevölkerung befürwortet. Dafür macht sie sich je nach Stimmungslage auch mal Standpunkte des politischen Gegners zu eigen, allerdings stets ohne sich auf etwas allzu konkretes festzulegen. Offenbar will das häßliche Entlein nach Jahren des Spotts endlich mal von allen geliebt werden. Und das hat sie auch geschafft. Nicht gerade durch stringente und integre Politik, nicht durch Phantasie oder Leidenschaft, sondern durchs Mehrheiten fischen. Das mit dem Fischen hat sie offenbar einst in ihrem ersten Wahlkreis Rügen gelernt.
Das letzte Mal, daß sie einen offensichtlich nicht mehrheitsfähigen und damit wohl eigenen Standpunkt vertreten hat, war, als sie sich als Oppositionsführerin auf den Weg nach Washington gemacht hat. Ich erinnere immer wieder gern daran, wie sie dort vor George W. einen Kotau gemacht hat und für die mehrheitlich Irakkriegs-feindliche Haltung der Deutschen ungefragt um Verzeihung gebeten hat. Das fanden damals viele Deutsche so derartig zum Brechen, daß sie solche Fettnäpfchen heute weitgehend vermeidet und dabei schon mal ein erstaunlich biegsames Rückgrat unter Beweis stellt.
Und wie man am heutigen Ergebnis sehen kann, kann sie sich auf die Richtigkeit des Sprichworts verlassen: Des Wählers Gedächtnis ist wahrlich kurz.
Denn der Michel war heute wählen. Nachdem sogar politische Schwergewichte wie Olli Pocher für die Europawahl geworben haben, konnte ich mich meiner kosmopolitischen Pflicht nicht entziehen.
Nun halte ich mich ja schon für einen politisch einigermaßen interessierten und informierten Menschen, aber wer da so alles auf dem Wahlzettel stand, hat mich dann doch kalt erwischt. Nicht nur, daß das Ding länger war als eine durchschnittliche Einkaufsquittung nach einem verkaufsoffenen Sonntag bei IKEA, aber wer bitte sind denn z.B. die "PIRATEN"?
Nun ja, jetzt bin ich schlauer. Genau genommen hätte ich ausgerechnet die sogar kennen müssen, kämpfen sie doch für die Freiheit des Internets. Aber besser spät als nie.
Lustige Wahlplakate gab es auch wieder zuhauf, obwohl die "Kauf mich!"-Grinsevisagen so mancher Kandidaten eher an optische Umweltverschmutzung grenzen. Versteh einer die Wahlkampfmanager, aber wenn ich die Wahl hätte, entweder einen Kandidaten, der aussieht wie ein menschlicher Leberkäs mit Haaren, oder ein mundgemaltes CSU-Logo auf ein Plakat zu setzen, dann würde ich zu letzterem raten.
Am weitesten hat sich aber diesmal die PBC aus dem Fenster gelehnt. Während "Ohne Gott geht alles kaputt - Jesus macht alles neu!" eher nach einer Werbung für einen Hausmeisterservice klingt, ist "Jesus: "Ich komme bald!"" an bedrohlicher Schmissigkeit kaum zu überbieten. Allerdings: Auch wenn die PBC ihre Informationen offenbar aus ganz heißen Quellen bezieht, wieso sollte ich noch wählen gehen, wenn die Apokalypse offenbar schon vor der Tür steht?

Nun ist die Wahl gelaufen, und ich versteh die Welt nicht mehr. Schwesterwelles FDP hat fett zugelegt. Die CDU hat die meisten Stimmen bekommen.
KANN MIR DAS BITTE MAL JEMAND ERKLÄREN?
Ausgerechnet die FDP, traditionell das Sprachrohr der New Economy-Wirtschaftsliberalen-Blase, auf deren Konto die größte Wirtschaftskrise der Bundesrepublik geht? Die jahrelang die Nichteinmischung des Staates in den Markt gepredigt hat und nach einem fulminanten U-Turn nun genau dies willkommen heißt? Was bitte haben die denn in letzter Zeit Tolles geleistet?
Ich weiß es: Mindestens genauso viel wie die CDU, oder, wie Hans-Ulrich Jörges im Stern Nr 20 treffend formulierte, "der Kanzlerinnen-Wahlverein".
Nicht, daß die anderen Parteien sich in letzter Zeit mit etwas anderem außer Wahlgeschenken hervor getan hätten, aber welche führenden, charismatischen Köpfe hat die CDU denn zu bieten? Scheinbar hat die ewige Trauerweide "Mörkel" (frei nach GWBush) den anderen zarten Parteipflänzchen das Licht geraubt, denn viel ist in ihrem Schatten nicht gediehen. Dafür hat die manchmal noch immer unbeholfen wirkende Ziehtochter Kohls eine erstaunliche Metamorphose zur Volkskanzlerin durchgemacht. Und ihr Rezept ist denkbar einfach: Sie vertritt immer genau die Politik, die die Mehrheit der Bevölkerung befürwortet. Dafür macht sie sich je nach Stimmungslage auch mal Standpunkte des politischen Gegners zu eigen, allerdings stets ohne sich auf etwas allzu konkretes festzulegen. Offenbar will das häßliche Entlein nach Jahren des Spotts endlich mal von allen geliebt werden. Und das hat sie auch geschafft. Nicht gerade durch stringente und integre Politik, nicht durch Phantasie oder Leidenschaft, sondern durchs Mehrheiten fischen. Das mit dem Fischen hat sie offenbar einst in ihrem ersten Wahlkreis Rügen gelernt.
Das letzte Mal, daß sie einen offensichtlich nicht mehrheitsfähigen und damit wohl eigenen Standpunkt vertreten hat, war, als sie sich als Oppositionsführerin auf den Weg nach Washington gemacht hat. Ich erinnere immer wieder gern daran, wie sie dort vor George W. einen Kotau gemacht hat und für die mehrheitlich Irakkriegs-feindliche Haltung der Deutschen ungefragt um Verzeihung gebeten hat. Das fanden damals viele Deutsche so derartig zum Brechen, daß sie solche Fettnäpfchen heute weitgehend vermeidet und dabei schon mal ein erstaunlich biegsames Rückgrat unter Beweis stellt.
Und wie man am heutigen Ergebnis sehen kann, kann sie sich auf die Richtigkeit des Sprichworts verlassen: Des Wählers Gedächtnis ist wahrlich kurz.
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