Ich glaube, ich habe etwas verloren. Zwei Menschen haben mich darauf gebracht.
Der erste ist die schöne Münchnerin, der ich mein Leben, meinen Nachwuchs und gelegentlich meine Kreditkarte anvertraue und die meine härteste Kritikerin ist. Dieses wunderbare Wesen hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß sie meinen Blog in letzter Zeit nicht mehr so gerne liest wie zu Beginn. Mein Stil habe sich verändert, sagt sie. Nicht unbedingt zum Schlechteren, aber anders. Weniger authentisch, weniger witzig.
Sie hat Recht.
Die zweite Person ist mein bester Freund Ede, der sich mit Kritik immer sehr zurückhält, vermutlich, um mich nicht zu verletzten. Ede ist selbst ein begnadeter Schreiberling, auch wenn er dies nur ungern zugibt und bedingt durch Arbeit und Familie selten pflegt. Sein Schreibstil ist spontan, frisch und unverfälscht witzig. Das zeigen mir seine Kommentare und Beiträge, über die ich mich sehr gefreut habe, immer wieder. Und sie zeigen mir noch etwas: Daß ich ihn darum beneide.
Denn mein Stil hat sich verändert. Ich schreibe nun seit beinahe 2 Jahren an diesem Blog. 245 Beiträge sind dabei insgesamt zusammen gekommen, im Schnitt 2-3 Beiträge pro Woche. Mir ist offenbar in dieser Zeit das Witzig-Spontane, das Persönlich-Authentische abhanden gekommen. Zumindest in solchem Maße, daß es zum Schluß sogar mir selbst aufgefallen ist. Man wird da schnell "betriebsblind", wenn man so in Eigenregie vor sich hinwerkelt. Aus der journalistischen, satirischen "Fingerübung" ist eine Verpflichtung geworden, die in letzter Zeit auch mal ansatzweise anstrengend wurde. Plötzlich waren Leser da (nicht falsch verstehen: Ich freue mich über jeden einzelnen, der regelmäßig oder zufällig diesen Blog besucht und sich tatsächlich durchliest, was ich hier so verzapfe). Aber das Wissen darum, daß es Menschen gibt, die jeden oder jeden zweiten Tag diese Seiten besuchen, auf der Suche nach neuem Lesestoff oder witzigen Netzfundstücken, setzt einen in einen gewissen Zugzwang. Schließlich möchte man dem Besucher auch etwas Neues bieten, wenn er sich schon die Mühe macht, regelmäßig wiederzukehren. (Wobei, wie mir gerade klar wird, ein Mausklick keine große Mühe ist und ich selbst ja auch nicht in Tränen ausbreche, wenn sich bei einem meiner Lieblings-Blogs mal ein paar Tage nichts tut. Wie gesagt: Man wird betriebsblind.)
Ich denke, das böse Wort heißt "Routine". Die schönste Müchnerin hat das mit "TV total" oder einem Liebespaar verglichen. Am Anfang war Raab rotzfrech, innovativ, witzig und spontan. Da hatte er seine besten Momente, man mochte, man durfte keine Sendung verpassen. Heute folgt "TV total" einer festen Routine, ohne große Highlights, ohne Ukulele. Wenn man heute eine Sendung verpaßt, ist das alles andere als tragisch. Geht mir übrigens mit Harald Schmidt ähnlich.
Und das Liebespaar? Am Anfang ist die Liebe noch frisch, man lernt sich kennen, hat Schmetterlinge im Bauch (eine grauenhaft kitschige Metapher, aber sie bringt's auf den Punkt). Alles ist neu, man saugt den Partner in sich auf, hängt an seinen Lippen und anderen, intimeren Körperteilen. Über die Jahre rubbelt sich der Lack ab. Der Mensch darunter ist zwar immer noch derselbe, hat aber den ein oder anderen Rostfleck. Dann beginnt die Zeit, in der man an seiner Liebe arbeiten muß, sie fällt einem nicht mehr spontan in den Schoß. Das muß nicht heißen, daß die Partnerschaft dann nicht mehr schön ist, aber sie ist anders. Man muß sich ein bißchen mehr anstrengen, die Rostflecken lieben lernen.
So ist das. Frage ist nun: Was tue ich dagegen?
Ich denke, ich brauche eine kreative Pause. Zeit, wieder auf spontane Eingebungen für neue Beiträge zu warten, statt sie mir zu erarbeiten, immer den leisen Druck einer Verpflichtung im Nacken. Was bedeutet, daß ich seltener schreiben werde. Gut möglich, daß sich hier eine längere Zeit gar nichts tun wird. Vielleicht nie wieder, auch wenn ich das eigentlich nicht möchte. Aber auch die Tür muß ich mir offen halten, wenn ich "back to the roots" will.
Wie der Terminator sagen würde: "I'll be back." Wie, wann und womit, weiß ich noch nicht. Sicher ist nur: Es wird ein Sequel geben. Ob es eher in Richtung Woody Allen, Robert Emmerich oder Peter Jackson geht, muß man sehen. Hauptsache, kein Uwe Boll.
Bis dahin,
Euer
