Sonntag, 5. Juli 2020

Bye-bye, Rubikon

Schade eigentlich. Da war vor wenigen Jahren doch tatsächlich mal eine publizistische Plattform namens “Rubikon” gestartet, die sich auf die Fahnen geschrieben hatte, kritisch, unabhängig und fundiert zu berichten. Als Autoren und Unterstützer laute namhafte Köpfe aus Wissenschaft, Politik und Journalismus.

Man wolle dort „kritisch Politik und Gesellschaft analysieren – auf einem hohen Niveau, aber niemals mit dem Anspruch, das jeweilige Thema erschöpfend, oder gar im Alleinbesitz der Wahrheit befindlich, zu beschreiben.“ So steht es im Redaktionsstatut. Das Ganze auf Basis eines humanistischen Welt- und Menschenbildes.

In der Anfangszeit waren die Artikel auch dementsprechend. Das meiste schien fundiert recherchiert, in der Texten ausführlich dargelegt und mit Quellen belegt und verlinkt. So, wie man sich das als mündiger Leser in Zeiten eines hysterischen copy&paste-Journalismus von jedem Artikel wünschen würde.  Dazu namhafte Autoren, Wissenschaftler und Philosophen, die Ereignisse des Zeitgeschehens aus anderen Blickwinkeln beleuchteten und dabei den Mainstream einer kritischen Prüfung unterzogen, ohne ins Verschwörerische abzugleiten. Anspruchsvolle Texte, manchmal anstrengend zu lesen, aber meist erhellend und informativ.

Wenn ich mir allerdings die heutige Homepage anschaue, graust es mich.

Von den zwölf Aufmacher-Artikeln auf der Frontseite beschäftigen sich elf mit Corona bzw Covid-19.  Verzapft zum überwiegenden Teil von Philosophen, Psychologen und einer dubiosen „Weltredaktion“. Lediglich zwei Naturwissenschaftler werfen ihre Mützen in den Ring, einer davon der Herr Bhakdi, der bisher vor allem mit seiner Kritik der Shutdown-Maßnahmen von sich reden machte. Dass Herr Bhakdi hier fleißig für sein reißerisch betiteltes Corona-Enthüllungsbuch Werbung macht, stößt bei Rubikon, die sich sonst für keine Konsum-Kritik zu schade sind, scheinbar niemandem auf.

Tenor, in unterschiedlichen Ausprägungen und aus diversen Blickwinkeln: Wie „die Mächtigen“ weltweit „die Bevölkerung“ in diktatorische Verhältnisse treiben und keiner merkt’s, außer die kritischen Top-Checker-Bunnies bei Rubikon, die zudem auch gleich die ganzen übertriebenen Corona-Lügen aufdecken, Motto „nicht schlimmer als Grippe, bitte Hände waschen und weitergehen, es gibt nichts zu sehen“.

Nach der Lesart sind die getroffenen Maßnahmen „psychische Mißhandlung“ der Regierung bzw. eines nicht näher beschriebenen „Corona-Establishments“ an der schutzlosen Bevölkerung, einziges Ziel: aus mündigen Bürgern willfährige Arbeitssklaven zu machen zur Schaffung einer quasi-faschistischen Diktatur zur Bereicherung der Pharmaindustrie und anderer „Eliten“, und das am besten weltweit. Symbol der Unterdrückung: die Mund-Nase-Maske als Menetekel der Unterordnung und der Aufgabe sämtlicher Bürgerrechte.

Nebenbei wird in jedem dritten Artikel noch auf Christian Drosten herumgekloppt, wobei sich Rubikon mit BILD in bester Gesellschaft befindet. Allein, dass die „Mainstream-Medien“ dem Wissenschaftler weitgehend vertrauen, macht ihn in den Augen der Rubikon-Schreiberlinge verdächtig. So wird aus dem bis dahin unbescholtenen Wissenschaftler ein mephistohafter Scharf- und Geschäftemacher, dem man lauter unlautere Absichten unterstellt. 

Dabei bedienen sich die Autoren desselben Framings, dessen sie die „Mainstream-Presse“ gerne zeihen, in dem sie z.B. fortwährend von „Corona-Wahnsinn“, „Propaganda-Pandemie“ oder „Impfhektik“ reden. Da ist man sich dann auch nicht zu schade, den Schulterschluss mit Impfgegnern zu suchen und den Erfolg von Impfkampagnen mit dem „Profit der Pharmaindustrie“ zu relativieren.

Roter Faden bei Rubikon, wie er in fast jedem Beitrag irgendwie zum Ausdruck kommt, Stand heute: Die Regierung und eigentlich alle Parteien im Parlament sind lediglich exekutive Lobby-Anhängsel der Industrie. Sämtliche Medien sind entweder im Regierungssinn gleichgeschaltet und lügen, einzig Rubikon und einer Handvoll von Getreuen kann man vertrauen. Außerdem möchte man sich noch nach rechts abgrenzen, denn mit „kritischen Köpfen“ in Pegida, AfD und ähnlichen mehr möchte man in der humanistischen Blase nichts zu tun haben.  Und Verschwörungstheoretiker mag man sich auch nicht schimpfen lassen, das sind allerhöchstens die andern, auch wenn man im Wort- und Denksinn dasselbe Vokabular benutzt. Nach dem Motto: „Ich sage dasselbe, meine aber etwas anderes.“
Und die USA sind böse, böse.

Das sind keine kritischen Analysen mehr, und erst recht nicht auf hohem Niveau. Beinahe jeder Beitrag auf der Homepage von heute ergeht sich in plattester Polemik. Wo Ideologiekritik draufsteht, ist leider nur Ideologie drin.
Schade, war Rubikon doch einst hoffnungsvoll gestartet, mit dem glaubhaften Anspruch, ein „Magazin für die kritische Masse“ sein zu wollen. Nun haben sich die Kritiker der Filterblasen ihre eigene geschaffen. Und finden nicht mehr heraus – so scheint es.

Was die Macher – bei aller berechtigten Kritik an Medien, Politik und Wirtschaft – in ihrer Berichterstattung leider immerfort implizieren, ist der sprichwörtliche „Schwarze Mann“.
Denn in und zwischen den Zeilen liest man allenthalben, dass eine mehr oder weniger unsichtbare Hand in nahezu teuflischer Absicht die Geschicke der Menschheit lenkt. Also mithin „das Böse“ an sich, in Gestalt einer weitgehend gesichtslosen, diabolischen „Elite“, deren einziges Ziel die Weltherrschaft ist, bzw. der Erhalt derselben, und der dafür jedes Mittel Recht ist, je subtiler und hinterfotziger, desto besser.
Dieser Glaube an zielgerichtetes und gemeinsames Handeln einer mit beinah unerschöpflicher Macht ausgestatteter Gruppe elitärer Wesen trägt starke pseudo-religiöse Züge. Dass es eine solche Gruppe in der Geschichte noch nie gegeben hat, obwohl deren diabolische Eigenschaften und Absichten im Laufe der Zeit schon vielen Gruppierungen zugeschrieben wurden, ist für die Mystik-Gläubigen noch lange kein Indiz dafür, dass sie sich auf dem Holzweg befinden. Wer sich Kopf an Kopf mit Prometheus wähnt, bereit, sich den Göttern in den Weg zu stellen und sich gar zu opfern, um den Menschen das Feuer bzw das Licht der Erkenntnis zu bringen, der darf nicht zaudern oder zagen.

Schade, denn mit Zweifel an der eigenen Position beginnt gute Kritik oft erst. Diese Form der Objektivität scheinen die Rubikonisten bei ihrem Kampf um Wahrheit und Erkenntnis aber aufgegeben zu haben. Wer sich auf die Fahne schreibt, Kritiker des Mainstreams zu sein, der würde seinen USP und als publizistische Plattform ggfs. seine Leser verlieren, sollte er versehentlich dem Mainstream einmal Recht geben. Wer aber von vornherein ausschließt, dass die "Mainstream-Meinung" auch mal versehentlich die richtige sein könnte, beraubt sich der eigenen Objektivität und tapst genau so halbblind durchs Gelände wie die "System-Medien", denen man genau diese Auf-einem-Auge-Blindheit immer  vorwirft.

Denn wer am Ende kritisch gegen alle ist, kann kaum noch kritisch gegen sich sein. Wenn ich der einzige bin, dem ich vertraue, ziehe ich mir selbst den Boden unter den Füßen weg, wenn ich schlußendlich auch noch mich selbst in Frage stelle. Letzteres mag allenfalls Privatpersonen leicht fallen, die eine gewisse Lust am Scheitern umtreibt. Menschen mit einer Mission, wie es die Rubikon-Macher augenscheinlich sind, würden damit den Kern ihres Schaffens in Frage stellen. Das dürfte ein äußerst schmerzhafter Prozess sein, den nur die wenigsten bereit sind, in Angriff zu nehmen.

PS: Ach, und zu Corona: Welche der Wissenschaftler nun "Recht" behalten werden, ob die Maßnahmen nun zu drastisch oder zu willkürlich waren/sind und wie  die Pandemie ohne sie verlaufen wäre/würde, werden wir evtl. nie oder erst viel später erfahren.
Ebenso könnte man diskutieren, ob nicht die Kritik an den Shutdown-Maßnahmen nicht völlig überzogen und unverhältnismäßig ist ("Corona-Wahnsinn"). Sicher scheint mir, dass wir bislang keine Übung im Umgang mit globalen Pandemien hatten und daher auch viel probiert wurde und wird. Sicher scheint ebenso, dass dies eine Chance sein wird, aus Fehlern zu lernen. Sicher auch, dass Corona für viele eine Lehrstunde in Demut ist.
Welchen finsteren Hintermännern der Monate andauernde, temporäre Stillstand des Lebens und des Konsums in Deutschland und der Welt denn nun nützen soll, die Antwort bleibt uns Rubikon nämlich schuldig. Sie lautet vermutlich: 42.

Dienstag, 12. Mai 2020

Heilige Scheiße!!!

Falls das Video echt sein sollte: Gruß an Cyberdyne Systems. Wir sind am Arsch. Kann bitte jemand Linda Hamilton Bescheid geben? 


Mittwoch, 6. Mai 2020

Liebe "truther",...

...ernsthaft, ihr glaubt immer noch an die Zion-Protokolle, Bill Gates  und Illuminaten?
Sorry, aber das sind doch alles ganz alte - Achtung, Wortspiel! - Aluhüte.

All das Gerede von der NWO (new world order) wurde doch nur von der RNWO (real new world order) in die Welt gesetzt, um diejenigen, die begonnen haben, hinter den Vorhang zu sehen, erneut auf eine falsche Fährte zu lenken. Diverse Prominente, die derzeit für angebliche Erkenntnisse über die NWO trommeln, sind in Wirklichkeit Vernebelungs-Agenten der RNWO.

Die RNWO ist eine sehr alte Organisation, die möglicherweise schon seit der Entstehungszeit des Menschen existiert, vielleicht sogar noch länger. Sie hat früh begonnen, all ihre Aktivitäten mit immer neuen Formen von Religionen, Esoterik und Pseudoreligionen zu verschleiern. Organisiert ist die RNWO nach dem Vorbild von Insekten, die sich um eine Königin scharen.

Anführerin der RNWO ist Melania Trump. Ja-ha, richtig gelesen. Die "etablierten" Religionen versuchen auf Betreiben der RNWO seit Anbeginn der Zeit in ihrem Schriften  (ganz im Gegensatz zu den Naturreligionen), Frauen als schwach und für Führungsaufgaben nicht geeignet darzustellen. So verwundert es nicht, dass diese Vertuschung bis heute so gut funktioniert hat, dass man sofort geneigt ist, zu sagen"nie im Leben ist das dümmliche Model aus Südeuropa die heimliche Führerin der Welt".

Dabei liegen die Beweise quasi auf der Hand. Wann immer Melania in der Öffentlichkeit spricht, was selten genug ist, spricht sie mit einem einfach wirkenden slawischen Akzent. Allerdings sagte Jeffrey Epstein, der Melania mit Donald Trump zusammengebracht hatte, kurz vor seinem mysteriösen Tod, Melania spräche 6 Sprachen fließend. Kurz darauf war der Mann tot.
Überhaupt fällt beim Studium von Melanias Wikipedia-Eintrag auf, wieviele Informationen über Abstammung und Jugend von Melania dort aufgeführt sind - sehr ungewöhnlich für ein Model aus einem kleinen slowenischen Dorf bzw. für eine ähnlich "unbedeutende" Person der Geschichte.
So wird u.a. die Familiengeschichte bis ins 19.Jahrhundert dargelegt, und es wird der auffallend privilegierte Status erwähnt, den die Familie unerklärlicherweise genoß. Auch dass Melania ihren Namen und ihr Aussehen mehrfach änderte, ist dort zu lesen. Was damit wohl kaschiert werden sollte?

Reicht noch nicht für Zweifel? Melanias Geburtstag ist der 26.April 1970. An ihrem 16.Geburtstag ereignete sich der Atomunfall von Tschernobyl. In der Offenbarung (des Johannes) 16 heißt es: "Und ich hörte eine große Stimme aus dem Tempel, die sprach zu den sieben Engeln: Gehet hin und gießet aus die Schalen des Zorns Gottes auf die Erde!"
Noch ein Zufall?

Ihr Geburtsort ist "Novo Mesto". Fügt man dem Namen ein "a" und "r" hinzu, erhält man "Novo Maestro", was "neuer Meister" bedeutet. "A" steht als Alpha schon immer als Synonym für "Anfang" oder "Gott". Mit "R" unterzeichnete schon Königin Elisabeth II. als Abkürzung für "Regina" (Königin). Forscht man weiter, stößt man auf den A&R Verlag, ein ursprünglich australisches Unternehmen, das 10 Jahre nach der Geburt von Melanias Urgroßvater gegründet wurde und heute unter dem Namen "Booktopia" von sich reden macht, weil es "gemeinnützig" Leseprojekte indigener Literatur fördert. Auch hier also wieder verklausuliert lauter Hinweise auf die Rolle der Matriarchin, wie man sie von Naturvölkern bzw. von Insekten kennt. Alles Zufälle?

Gerüchte, dass es sich bei Melania in Wirklichkeit um einen insektenartigen Außerirdischen handeln würde, konnten nicht bestätigt werden. Auffällig ist aber ihr maskenhaftes Aussehen und die Tatsache, dass sie lange Zeit den an einen Termitenhügel erinnernden Trump-Tower nicht verlassen wollte oder konnte. Erhellend könnte hier auch der Fakt sein, dass die in Roswell verunglückten Aliens riesige Augen hatten, wie sie für Wesen typisch sind, die in der Dämmerung Insekten jagen.

Immer wieder hat es Versuche gegeben, die Öffentlichkeit auf die Rolle Melania Trumps und auf die RNWO hinzuweisen. Einen der augenfälligsten, aber trotzdem unbeachtet gebliebenen Versuche, die Öffentlichkeit in Deutschland zu informieren, kam von Michael Wendler. Der Schlagersänger, der seitdem von der Systempresse zum Deppen stilisiert wird, wollte mit "Sie liebt den DJ" gezielt auf Melania hinweisen. Der Song wurde 2005, im Jahr der Hochzeit von Melania mit Donald Trump, veröffentlicht. Leider wurde die Doppeldeutigkeit  der Abkürzung "DJ" von der deutschen Öffentlichkeit nicht erkannt, denn DJ sind selbstversändlich die Initialen von Donald John Trump.
Wer sich den Text des Liedes durchliest, wird weitere Hinweise auf das ambivalente Verhältnis des angeblichen Paares finden...
Wendler selbst widerlegt das Bild, das von den Medien von ihm gezeichnet wird, auf subtile Weise und erweist sich als genialer Denker. Hat er doch mit seinem Künstlernamen den Namen eines deutschen Theologen und Philosophen des 17.Jahrhunderts angenommen, dessen letztes Werk den Titel "Exercitatio polita de dominatu" trägt, was übersetzt "Ausübung politischer Dominanz (oder Eroberung)" bedeutet. Ein Schelm, der dahinter keine tiefere Bedeutung erkennen will...

...liebe Leute, ich wette, jetzt haben schon einige gedacht, jetzt dreht er ab. Mitnichten. Unter dem Eindruck eines sehr, sehr kruden Interviews von Xavier Naidoo mit Eva Herman wollte ich einen satirischen Beitrag zu einer neuen Verschwörung hinter der Verschwörung verzapfen. Leider ist das bei näherer Beschäftigung mit der Thematik alles gar nicht mehr lustig. Denn ich habe schnell gemerkt, dass man, wenn man sich nur eine "Wahrheit" als Ausgangsbasis zurecht legt, schnell "Beweise" für jedes noch so kranke Hirngespinst findet. Und genau diese Verquickung aus realen Fakten und deren irrealen Verknüpfungen machen Verschwörungstheorien so "glaub-bar". Zumindest in Sinne einer Sage oder Fabel, nach dem Motto "es gibt einen wahren Kern". Dieser angeblich wahre Kern ist die Saat des Zweifels, aus der Verschwörungsgläubige ihre seltsamen Pflänzchen züchten.
Kommt dann noch eines der Grundprinzipien der Propaganda (heute euphemistisch PR genannt) dazu, das da lautet "Eine Lüge wird um so glaubhafter, je öfter sie (von verschiedenen Quellen) wiederholt wird", wachsen diese Pflänzchen weiter und wachsen u.U. zu einem Dschungel heran, durch den man nur noch mit Mühe den Pfad der Vernunft findet.

Freunde, wenn es eine Wahrheit gibt, dann die: Menschen sind für solche Verschwörungen, wie ihnen angedichtet werden, viel zu dumm, zu eitel, zu ehrgeizig, zu moralisch, um "dicht zu halten". Schon gar nicht über Jahrhunderte hinweg. Selbst wenn man die imaginären Verschwörer mit der quasi uneingeschränkten Macht ausstattet, alle "undichten Stellen" zu vertuschen - in der menschlichen Geschichte hatten alle Mächtigen, so mächtig sie jeweils auch waren, Konkurrenten und Neider. Selbst die menschengemachten Götter oder Superhelden haben alle einen oder mehrere mächtige Gegenspieler, die mit Freuden den Mächtigen in die Suppe spucken. Für jeden Menschen, der etwas zu verbergen hat, gibt es einen, der es mit Freuden ausplaudert. Selbst in Verbrecherkreisen, in denen der Bruch eines Schweigegelübdes mit Tod und Verderben belohnt wird, gab und gibt es den ein oder anderen Verräter.

Dienstag, 28. April 2020

Tach auch!

Mein letzter Post ist sage und tippe schon fast ein halbes Jahr her, und ich habe bereits mit dem Gedanken gespielt, diesen Blog sanft entschlummern zu lassen. 12 Jahre sind eine lange Zeit, und ich hatte das Gefühl, zuletzt nur noch Rants abzusondern.
Ich hätte zwar das ein oder andere Mal noch Lust gehabt, den ein oder anderen Kommentar in die Welt zu blasen (ein paar lose Enden baumeln noch auf der Agenda), aber irgendwie überrollt einen das Zeitgeschehen, und am Ende hat ein anderer dasselbe schon gesagt, oder besser, oder überhaupt.

Aber was uns heute ins Haus geflattert ist, läßt mir dann doch eine Hasskappe wachsen.
Die süßeste Tochter hat heute Post von - haltet euch fest - der Bundeswehr bekommen. Genauer: Vom Personalmanagement der Bundeswehr.

Die Postkarte ist eine Aneinanderreihung von Unverschämtheiten, dass ich im Strahl kotzen könnte.
Nicht nur, dass die Vorderseite einen Namensaufnäher mit meinem Nachnamen auf Tarnhintergrund darstellt, was wohl suggerieren soll, dass irgendein perverser Personal-Sesselfurzer es bereits als gesetzt betrachtet, dass meine minderjährige Tochter demnächst im Kampfanzug durch die Scheiße robbt.

Überschrieben ist das Ganze mit "Wir kämpfen gegen Corona". Ach ja? Erschießt ihr die Viren mit dem Flitzebogen, oder was?
Das einzige, wogegen ihr kämpft, ist doch die verdiente Bedeutungslosigkeit. All die verzweifelten Versuche, Deutschland wieder zu militarisieren und die unzähligen Werbekampagnen lassen doch nur eins zu Tage treten: Der Großteil der deutschen Bevölkerung und insbesondere die jungen Leute haben kaum noch ein Interesse daran, sich ihre Ärsche für irgendeine pathetische Kackscheiße wegschießen zu lassen. Und Recht so!

Zurück zur Werbepost. Die Corona-Pandemie auf billigste Weise für eigene "Mitgliederwerbung" bzw "recruitment" zu instrumentalisieren, ist so geschmacklos, das haben bisher nicht mal die Zeugen Jehovas oder die GEZ gebracht.

Als nächstes kommt natürlich das Zuckerl von wegen "guck mal, auch die Bundeswehr(krankenhäuser?) helfen der Bevölkerung bei Corona".
Ja natürlich tun sie das, verdammt! Schließlich finanziert "die Bevölkerung" den Laden zu 100%, und Kriegsverletzte gibt es ja gerade (hallelujah!) nicht zu versorgen.
Aber die Existenz dieser Krankenhäuser und all das andere Greenwashing täuscht doch keinen mehr drüber weg, dass eine Armee mit Gewehren, Panzern und Kampfflugzeugen nicht den primären Zweck verfolgt, Kranke zu heilen und Brunnen zu bauen.

Nach dem kurz gefassten Aufruf, sich weiter über den Wehrdienst zu informieren, folgt die Nennung der Webseite, die sich leicht verfremdet so liest: bundesw€hrk@rriere.de/VIP/.. gefolgt vom Namen meiner Tochter. Die nächste plumpe Anmache aus der Kategorie "Hat es weh getan, als du vom Himmel gefallen bist?". Wie schlecht kann es noch werden? Glaubt in eurem Laden echt einer, ihr müßt nur ein "VIP" in die Webadresse basteln, und schon können diese selbstverliebten Teenies gar nicht anders, als sich einen Job in der Bundeswehr herbeizusehnen?

Der letzte Klopper verbirgt sich dann im "Datenschutzhinweis", der wohlweislich und ungeheuer seriös in Mini-Miemelschrift gehalten ist, bei der sogar ein Adlerauge wie ich eine Lupe brauchte.
Nachdem ich mich bereits gefragt hatte, wie die BW an den vollen Namen (incl ungenutzter Zweitnamen) meiner Tochter kommt, um diesen dann samt Anschrift an die "Dialogpost" der Deutschen Post weiterzureichen, steht da die Auflösung. Gemäß Bundesmeldegesetz hätte meine Tochter einer Datenübermittlung laut Soldatengesetz nicht widersprochen. Daher senden die Meldebehörden regelmäßig Daten demnächst volljährig werdender Jugendlicher an die BW zum Zwecke des Versands von Infomaterial. So steht's da, leicht verkürzt.

Mal unabhängig davon, dass sich das in meinen Augen irgendwie mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung beißt: Hier argumentiert eine Bundesbehörde damit, dass eine Minderjährige, die in ihrem Leben noch nie von einem Soldatengesetz gehört geschweige denn sich damit auseinander gesetzt hat, Einspruch gegen eine Weitergabe Ihrer Daten hätte erheben sollen, mit der sie nie im Leben gerechnet hätte.

Selbst, wenn ich die Verantwortung auf mich umlege: Bin ich als Verbraucher bzw Bundesbürger tatsächlich dazu aufgefordert, über sämtliche Gesetze und Regelungen Bescheid zu wissen, die z.B. mit einer Weitergabe meiner Daten einher gehen und gegen die ich daher Einspruch erheben müßte, wenn ich denn wollte? Was für eine Art von umgekehrter Rechtsauffassung ist das denn? Soll nun jeder Bundesbürger höchstselbst bei jeder möglichen Bundesbehörde, die eventuell über seine Daten verfügt, auf Verdacht Einspruch gegen eine möglichen Weitergabe dieser Daten einlegen?
Müßte nicht eher eine Behörde zuerst mich fragen, bevor sie meine Daten weitergibt, speziell zu Werbezwecken?

Die im Datenschutzhinweis aufgeführte Norm im Bundesmeldegesetz gibt überraschenderweise darauf sogar Antwort: "Die betroffene Person ist auf ihr Widerspruchsrecht bei der Anmeldung und spätestens im Oktober eines jeden Jahres durch ortsübliche Bekanntmachung hinzuweisen."
Leider etwas schwammig. Welche "Anmeldung" ist da gemeint, etwa die kurz nach der Geburt? Und was ist eine "ortsübliche Bekanntmachung"? Wird das in Bayern auf Weißwurst-Verpackungen gedruckt?
Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ich, meine Tochter oder irgendjemand, den ich kenne, von der Meldebehörde zu irgendeinem Zeitpunkt über ein solches Einspruchsrecht informiert worden wäre.

In einer Zeit, in der es wie kaum zuvor zu Tage tritt, welche Berufsgruppen für Wohl und Wehe der Bevölkerung relevant und wichtig sind und welche nicht, flattert nicht etwa Werbung für eine Karriere in einem Pflegeberuf oder in der Wissenschaft in Haus, sondern von der fucking Bundeswehr.
Vor nicht allzu langer Zeit fragte jemand im Fernsehen, warum es angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege nicht auch mal Plakatkampagnen vom Gesundheitsministerium diesbzgl. gäbe. Dem kann ich mich nur anschließen.
Stattdessen werden immer weiter endlos Steuergelder für die Bauernfängerei der Bundeswehr rausgeblasen, um mit ihrem Blendwerk Kinder für den "Dienst an der Waffe" zu gewinnen.

Herzlichen Dank, kein Interesse. Oder, um es mit Reinhard Mey zu sagen: " Nein, meine Tochter geb' ich nicht!"