Sonntag, 20. August 2017

Schlemmern ohne Reue

Endlich sind sie da: Vegane Kondome!

Darauf hat die Welt gewartet.

Wenn ihr also mal nichts zu essen in Hause habt - kein Problem. Einfach eine Packung Lümmeltüten aufreißen und entspannt genießen. Mmmh - lecker!

Dazu passt: Ein feinherbes Gläschen "Butzwasser".

Demnächst: Leckere Kondomrezepte auf chefkoch.de.

Freitag, 18. August 2017

Die politisch korrekten Sieben

Oh Mann...eigentlich hatte ich mir ja geschworen, keine Filmrezensionen mehr zu schreiben, weil das am Ende ja doch keiner liest, wenn das hier steht - aber ich kann nicht anders.

Ich hab mir gerade die Neuverfilmung der "glorreichen Sieben" angeschaut.
Hat das echt sein müssen? Dieser Klassiker, der selbst auf einem Klassiker beruht und schon durch mehrere Sequels downgegraded wurde, hatte wirklich nicht NOCH EINEN Neuaufguss verdient.
Und schon gar nicht von Antoine Fuqua, der eher auf teils drastische Brutal-Action mit patriotistischem Pathos abonniert ist.

Aber was soll's, die ideenlose Zweitverwertungsmaschinerie Hollywoods hat mal wieder zugeschlagen.
Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Schinken - aber nicht mehr, mit Schauspielern wie Denzel Washington und Chris Pratt, die solide abliefern - aber nicht mehr.
Da, wo im Original mit leichter Hand auch mal Humor durchschimmerte, suppt hier eher Pathos aus den Hutbändern. Wo im Original mit halbwegs glaubwürdigen Protagonisten gearbeitet wurde (arme Bauern in echter mexikanischer Bauernkulisse gegen schurkischen Räuberhauptmann), setzt die Neuverfilmung auf simple Schwarz-Weiß-Malerei: abgrundtief böser Massenmörder-Goldbaron gegen arme Bauern - die in einer typischen Western-Kleinstadt mit Saloon/Puff mitten im Nirgendwo siedeln.

Der Plot, ein weiteres ausgenudeltes Western-Klischee: Der Bösewicht will die Bauern zwingen, ihm ihr Land zum Schnäppchenpreis zu verhökern, um dort nach Gold zu suchen, die Bauern wollen lieber darauf gottesfürchtig herumfarmen.
Frage 1: Warum sollte jemand auf flachem (!) Farmland flächendeckend Gold schürfen wollen?
Frage 2: Wer ist so blöd, lieber tagaus, tagein Bauer zu spielen, wenn er auf einer Goldmine sitzt?
Frage 3: Wenn der Bösewicht in weiteren Verlauf kein Problem damit hat, den gesamten Ort mit Mann und Maus hinzumetzeln, warum dann überhaupt erst die Nummer mit dem Landkauf?

Nebenbei wird es bei aller Knallerei unfreiwillig komisch. Denn aus der kernigen Truppe um Yul Brynner und Steve McQueen hat man eine politisch korrekt zusammengestellte Mischpoke gemacht: Ein Schwarzer, ein  Asiate, ein Mexikaner bzw Latino, ein Indianer und drei Weiße, von denen einer ein religiöser Fanatiker ist und der andere einen französischen Nachnamen hat. Fehlte eigentlich nur noch, dass der dritte Weiße Schlomo Weintraub hieße - was er leider nicht tut. Sogar eine Frau ist mit von der Partie, wenn auch nur als "Sidekick" der glorreichen Sieben.
(Kleines Detail am Rande: Der Indianer wird von einem echten American Native gespielt, der allerdings aus Alaska stammt und tatsächlich "Martin Sensmeier" heißt.)

Der Rest ist Geballer. Ich will zwar nicht rumnostalgieren, aber im Original war die Charakterzeichnung besser und klarer herausgearbeitet, die Motivation der einzelnen Protagonisten eindeutiger und authetischer. Somit fiel die Identifikation mit den Akteuren leichter. Aber wo ich als Junior noch beim Tod von Charles Bronsons "Bernardo" ein Tränchen vergossen habe,  rührt sich heute nix. Denn die Kopie verläßt sich auf Knalleffekte und verzettelt sich dabei ab und an in Ungereimtheiten.
Fraglich ist z.B., warum die Holzkirche, die zu Beginn vom Bösewicht angefackelt wird und schon lichterloh brennt, dann doch noch steht, wenn auch etwas angekokelt.
Fraglich ist auch, warum in dem kleinen Ort im Verlauf der Schlacht jeder Einwohner gefühlt dreimal über den Haufen geschossen wird, am Ende aber doch genug Leute überlebt haben, um zu feiern.
Außerdem werden sämtliche Gebäude in Klump geschossen, in einem bricht gar ein Feuer aus - und am Ende sieht alles doch gar nicht so schlimm aus.

Wer überlebt, sei nicht verraten. Nur soviel: Denzel Washingtons Charakter und der Indianer werden so oder so sterben. Teilen sie sich doch zu Beginn ein Stück rohes Fleisch von einem bereits bocksteifen Hirsch. Vom rituellen Verkosten der rohen Leber eines frisch erlegten Tieres hat man tatsächlich schon gehört und gelesen. Von dem im Film zu sehenden Ritual ist eher anzuraten.

Eigentlich hätte man an der Stelle "Don't do this at home" einblenden müssen, aber da war mit der politischen Korrektheit wohl auch schon wieder Schluss.

Donnerstag, 17. August 2017

Lob des Kapitalismus

Ich hab gerade zwei Werbespots gesehen, die mir auf unterschiedliche Weise Tränen in die Augen treiben.

Der erste war von Focus Online und geht in etwa so: FO sendet eine Panik-Mitteilung an seine Nutzer, dass es eine große "Cyber-Attacke" gibt. Die Nutzer schalten ihre Geräte ab und bekommen kurz darauf eine Meldung von FO, dass der Virus-Angriff "verpufft" sei, weil so viele Nutzer rechtzeitig abgeschaltet hätten, FO sei Dank.

Nun traue ich den Focus-Machern ohnehin keine größeren Geistesleistungen zu, aber dieser Spot ist so bekloppt, dass es weh tut. Ob den Machern klar ist, dass "Angriffe" mit "Viren" nicht ablaufen wie eine Attacke der leichten Kavallerie? Und dass solche "Angriffe", um erfolgreich zu sein, in der Regel eine Mitwirkung der User erfordern, für die "online sein" lediglich eine Grundvoraussetzung ist?
Der Logikfehler, dass man, um die zweite, "erlösende" Mitteilung zu erhalten, wieder online gehen muss, ohne jedoch zu wissen, ob der Angriff dann vorbei ist (um im hanebüchenen Kontext des Spots zu bleiben), ist da schon zweirangig. Ebenso, dass - um im Bild einer "Attacke" zu bleiben - man für das Fabrizieren und Lesen einer solchen Mitteilung länger bräuchte, als ein Virus benötigt, um sich durchs Netz zu bewegen.

Aber wie gesagt: Ein Computervirus ist kein bissiger Jagdhund, der auf der Suche nach Beute durchs Internet rennt und der an einem vorbeirennt, wenn man sich rechtzeitig versteckt. Das aber suggeriert der Spot.
Halten die ihre Leser echt für so dämlich?

Der zweite Spot kam  von "so-möchte-ich-arbeiten.de", einer Initiative des Bayerischer Unternehmensverbands Metall und Elektro e. V..
Dieser Verein ist offenbar ein reines Lobby-Konstrukt der bayrischen Wirtschaft. Da taucht dann bei mir schon die erste Frage auf : Wieso macht ein bayrischer Interessenverband gesamtdeutsche Politik?
Denn in der Initiative geht es um die weitere "Flexibilisierung der Arbeitszeiten", weil wir ja in Deutschland den neusten Entwicklungen völlig hinterherhinken und - wie üblich in den Argumentationsketten - Arbeitsplätze gefährdet sind, wenn wir nicht schnell was gegen die "starren" Regeln machen.

Nochmal zum Mitschreiben: In jahrzehntelangen Arbeitskämpfen erstrittene Errungenschaften, von denen die Mehrheit der deutschen Arbeiterschaft profitiert, sollen weggeputzt werden, weil die geldscheffelnden Unternehmen im scheißreichen, deregulierten Deutschland noch mehr Knete machen wollen, von der aber wie gehabt bei "Arbeitnehmer" nichts ankommen soll? Und das in einer Zeit, in der wir aufgrund der fortschreitenden Automatisierung eigentlich über verringerte Arbeitszeiten reden sollten (bei gleichem Gehalt, natürlich) - zumindest hatte man uns das vor 50, 60 Jahren mal so prophezeit.

Auf deren Webseite werden denn auch unterschiedlichste Berufsgruppen vorgestellt, die allerschwerstens unter den Arbeitszeitregelungen leiden. Unter anderen die darbende Callcenterbranche - und da kann dann ich auch ein Wörtchen mitreden.
Perfiderweise wird hier aus Sicht der Arbeitnehmer argumentiert, die sich angeblich viel mehr Flexibilität wünschen. Man wolle weg von der tageweisen Betrachtung der Arbeitszeit zu einer Wochenbetrachtung (ohne jemals konkret zu sagen, was das konkret bedeuten soll), unter Beibehaltung des Arbeitszeitvolumens.

Dazu kann ich als Dienstplaner mal folgendes sagen: Die gesetzlichen Einschränkungen, denen die "Callcenter-Branche" entsprechen im Grunde den Minimal-Anforderungen des deutschen Arbeitszeitgesetzes: Tägliche Arbeitszeit von maximal 10 Stunden, einer Ruhezeit zwischen zwei Schichten von minimal 11 Stunden und entsprechenden Pausen. Sonntagsarbeit ist verboten, es sei denn, es geht um einen Notdienst.

Was soll daran noch herunterreguliert werden, wovon ein Arbeitnehmer auch noch profitieren soll? In einer Branche, in der ohnehin die Gehälter besch...en sind und die Mitarbeiter ein hohes Stress-Level ertragen müssen?

Ich kann mir nur zwei Gründe vorstellen, aus denen hier geschraubt werden soll.
Erster und vermutlich wichtigster Grund: Man will das Sonntagsarbeitsverbot kippen, ohne für Sonntagsarbeit Zuschläge zahlen zu müssen. (s. dazu auch dieser Artikel vom Tagesspiegel)
Zweiter Grund: Man will Mitarbeiter häppchenweise beschäftigen, also hier mal zwei Stunden, da mal drei, je nachdem, wie die Anrufpeaks aussehen. Das ist allerdings bis zu einem gewissen Grad bereits heute möglich, unter Zustimmung des Arbeitnehmers.

Auf der Webseite der Initiative kommt dann auch der Präsident des Callcenterverbands zu Wort, der es sich nicht nehmen läßt, erstmal davon zu schwärmen, was  das Callcentergewerbe in Deutschland und Bayern nicht für eine große und tolle Branche ist. Was er wohl nicht bedenkt: Damit impliziert er, dass die Branche bereits jetzt schon sehr erfolgreich Geld verdient - wohlgemerkt nicht die in der Branche Beschäftigten.

Was auch unerwähnt bleibt: Viele Unternehmen experimentieren in unterschiedlicher Weise und mit wechselndem Erfolg mit der Verlagerung ihrer Callcenter-Aktivitäten in den ehemaligen Ostblock oder auch gleich nach Indien, je nachdem, welche Sprachkompetenzen gefordert sind. Einziger Grund: Die Arbeit ist dort billiger. Daran würde auch eine Aufweichung des grundgesetzlich geschützten Sonntags hierzulande nichts ändern.

In welcher Weise die "Arbeitnehmer" von der gebetsmühlenartig geforderten "Flexibilität"  konkret profitieren sollen, darüber schweigt man sich bei der Initiative aus.
Zu den Beispielen aus den anderen Branchen kann ich wenig sagen bzw hab sie mir auch nicht angeschaut, vermute aber mal, dass Stoßrichtung und Argumentation sich jeweils ähneln.

In seiner Perfidität ein widerwärtiges Machwerk im Dienste der Profitgier der deutschen Wirtschaft.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Neulich, in München...

Hab heute mittag an Ampel, ein Auto mit polnischem Kennzeichen neben mir.
Die junge Dame am Steuer nutzt die Kurzpause vor der roten Ampel, um sich mit einer Pinzette die Barthaare auszureißen. Der Vehemenz ihrer Gestik nach zu urteilen gleich büschelweise.

Ich glaube, jetzt hab ich echt alles gesehen.

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Ein Satz, der wohl nur in einer bayrischen Wirtschaft nicht mißverständlich kommt: "Den Russen bekommt der junge Mann mit den Ochsenbäckchen."

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Ich bin kürzlich an einer Apotheke vorbeigelaufen, in der für eine "Anti-Aging-Beratung" geworben wurde.

Ich hab mich gefragt, wie so eine Beratung wohl aussehen mag.

Soweit ich das mit dem Raum-Zeit-Kontinuum verstanden haben, stellt Altern einen Prozess dar, den man nicht aufhalten kann. Altern ist unvermeidlich. Die Haare werden weich, die Muskeln fallen aus, und man kann sich nicht mehr auf das konzentrieren, was man schreibt.

Anti-Aging hat sich  nun nicht einfach nur des Aufhaltens des Alterungsprozesses verschrieben, sondern bedeutet im Wortsinn letztlich sogar eine Gegenbewegung. Wenn "Aging" sich naturgemäß entlang der Zeitlinie bewegt, müßte "Anti-Aging" sich also rückwärts in der Zeit abspielen. Also eine Art Benjamin-Button-Effekt. Wikipedia bestreitet das zwar, aber was wissen die schon?

Wie hat man sich dann also eine Anti-Aging-Beratung vorzustellen? Sitzt dann da einfach so ein strubbelbärtiger Physik-Nerd, der einem geradeheraus erklärt, dass Zeitreisen nicht möglich sind, vielen Dank für die Aufmerksamkeit, macht 10 Euro in die Terminator-Kasse?

Vermutlich müßte ich mal hingehen, um es rauszufinden.
Bringt nur nix. Ich flieg doch sofort auf.

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