Freitag, 29. Januar 2010

In eigener Sache

Ich weiß gar nicht genau, wie ich anfangen soll.

Ich glaube, ich habe etwas verloren. Zwei Menschen haben mich darauf gebracht.

Der erste ist die schöne Münchnerin, der ich mein Leben, meinen Nachwuchs und gelegentlich meine Kreditkarte anvertraue und die meine härteste Kritikerin ist. Dieses wunderbare Wesen hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß sie meinen Blog in letzter Zeit nicht mehr so gerne liest wie zu Beginn. Mein Stil habe sich verändert, sagt sie. Nicht unbedingt zum Schlechteren, aber anders. Weniger authentisch, weniger witzig.

Sie hat Recht.

Die zweite Person ist mein bester Freund Ede, der sich mit Kritik immer sehr zurückhält, vermutlich, um mich nicht zu verletzten. Ede ist selbst ein begnadeter Schreiberling, auch wenn er dies nur ungern zugibt und bedingt durch Arbeit und Familie selten pflegt. Sein Schreibstil ist spontan, frisch und unverfälscht witzig. Das zeigen mir seine Kommentare und Beiträge, über die ich mich sehr gefreut habe, immer wieder. Und sie zeigen mir noch etwas: Daß ich ihn darum beneide.

Denn mein Stil hat sich verändert. Ich schreibe nun seit beinahe 2 Jahren an diesem Blog. 245 Beiträge sind dabei insgesamt zusammen gekommen, im Schnitt 2-3 Beiträge pro Woche. Mir ist offenbar in dieser Zeit das Witzig-Spontane, das Persönlich-Authentische abhanden gekommen. Zumindest in solchem Maße, daß es zum Schluß sogar mir selbst aufgefallen ist. Man wird da schnell "betriebsblind", wenn man so in Eigenregie vor sich hinwerkelt. Aus der journalistischen, satirischen "Fingerübung" ist eine Verpflichtung geworden, die in letzter Zeit auch mal ansatzweise anstrengend wurde. Plötzlich waren Leser da (nicht falsch verstehen: Ich freue mich über jeden einzelnen, der regelmäßig oder zufällig diesen Blog besucht und sich tatsächlich durchliest, was ich hier so verzapfe). Aber das Wissen darum, daß es Menschen gibt, die jeden oder jeden zweiten Tag diese Seiten besuchen, auf der Suche nach neuem Lesestoff oder witzigen Netzfundstücken, setzt einen in einen gewissen Zugzwang. Schließlich möchte man dem Besucher auch etwas Neues bieten, wenn er sich schon die Mühe macht, regelmäßig wiederzukehren. (Wobei, wie mir gerade klar wird, ein Mausklick keine große Mühe ist und ich selbst ja auch nicht in Tränen ausbreche, wenn sich bei einem meiner Lieblings-Blogs mal ein paar Tage nichts tut. Wie gesagt: Man wird betriebsblind.)

Ich denke, das böse Wort heißt "Routine". Die schönste Müchnerin hat das mit "TV total" oder einem Liebespaar verglichen. Am Anfang war Raab rotzfrech, innovativ, witzig und spontan. Da hatte er seine besten Momente, man mochte, man durfte keine Sendung verpassen. Heute folgt "TV total" einer festen Routine, ohne große Highlights, ohne Ukulele. Wenn man heute eine Sendung verpaßt, ist das alles andere als tragisch. Geht mir übrigens mit Harald Schmidt ähnlich.
Und das Liebespaar? Am Anfang ist die Liebe noch frisch, man lernt sich kennen, hat Schmetterlinge im Bauch (eine grauenhaft kitschige Metapher, aber sie bringt's auf den Punkt). Alles ist neu, man saugt den Partner in sich auf, hängt an seinen Lippen und anderen, intimeren Körperteilen. Über die Jahre rubbelt sich der Lack ab. Der Mensch darunter ist zwar immer noch derselbe, hat aber den ein oder anderen Rostfleck. Dann beginnt die Zeit, in der man an seiner Liebe arbeiten muß, sie fällt einem nicht mehr spontan in den Schoß. Das muß nicht heißen, daß die Partnerschaft dann nicht mehr schön ist, aber sie ist anders. Man muß sich ein bißchen mehr anstrengen, die Rostflecken lieben lernen.

So ist das. Frage ist nun: Was tue ich dagegen?

Ich denke, ich brauche eine kreative Pause. Zeit, wieder auf spontane Eingebungen für neue Beiträge zu warten, statt sie mir zu erarbeiten, immer den leisen Druck einer Verpflichtung im Nacken. Was bedeutet, daß ich seltener schreiben werde. Gut möglich, daß sich hier eine längere Zeit gar nichts tun wird. Vielleicht nie wieder, auch wenn ich das eigentlich nicht möchte. Aber auch die Tür muß ich mir offen halten, wenn ich "back to the roots" will.

Wie der Terminator sagen würde: "I'll be back." Wie, wann und womit, weiß ich noch nicht. Sicher ist nur: Es wird ein Sequel geben. Ob es eher in Richtung Woody Allen, Robert Emmerich oder Peter Jackson geht, muß man sehen. Hauptsache, kein Uwe Boll.

Bis dahin,

Euer

Mittwoch, 27. Januar 2010

Danke, Schweinegrippe!

Man kann von dieser schönen Krankheit ja halten, was man will. Aber wir haben ihr in meinen Augen mehr zu verdanken, als wir im ersten Moment wahr haben wollen.

Einerseits hat sie uns eine Menge Geld in Form riesiger Berge von Impfmaterial gekostet, die wahrscheinlich kein Mensch braucht und die einfach weggeschmissen oder an die dritte Welt verschenkt werden, sobald ihr Verfallsdatum überschritten ist. Andererseits wurde dem Pharmakonzern GlaxoSmithKline dadurch einen Geldsegen beschert, der sich auch positiv auf dessen deutsche Niederlassungen auswirken dürfte.

In jedem Fall hat sie uns eine schöne Generalprobe für einen ernsteren "Outbreak" geliefert. Wir wissen nun, daß - wie harmlos die Wasauchimmer-demie auch ausfallen mag, die BILD-Zeitung so tun wird, als würden Scharen von Dustin Hoffmans in Schutzanzügen kleine Äffchen oder meinetwegen auch Schweine durch Deutschlands Straßen jagen. Wir haben nun schwarz auf weiß den lange von der Politik bestrittenen Beweis, daß es in Deutschland eine 2-Klassen-Medizin gibt. Und es wurde besorgniserregend deutlich, daß die meisten Deutschen das bereits wissen, und daher den Meinungen der Politiker und Journalisten in all ihrer Fülle und Widersprüchlichkeit kaum noch Glauben schenken.

Für all diese Erkenntnisse darf man dankbar sein. Aber wohl die bahnbrechendste und angenehmste Neuerung, die wir der Schweinegrippe zu verdanken haben, ist: Die Deutschen rotzen jetzt in die Armbeuge. Jetzt laufen zwar alle Leute mit Schnodder am Ellbogen herum, aber wenigstens geht die Nasensülze nicht mehr von Hand zu Hand.

Montag, 25. Januar 2010

Er hat es getan ...

Moin miteinander,

also ich fass es jetzt ja wirklich nicht, Mark Scheppert hat es wirklich getan. Er hat so viele Bücher vom "Mauergewinner" verkauft, dass es eine zweite Auflage gibt. Mehr als Tic Tac Toe von ihrem letzten Album sagen können.. ;-).
Hätte ich jemals gewusst, dass endlose Wochenenden unter meinem Trabbi eines Tages dazu führen würden, dass der Michel und ich in einem Buch enden, hätte ich doch glatt am Wochenende mehr Filme mit Scarlett Johansson geschaut und die Daumen gedrückt....
Aber um ehrlich zu, "Mauergewinner" ist wirklich das erste Buch, das ich für 14,90 € also 29,80 DM (Rundungsfehler sind geschenkt) und damit 298 DDR-Mark und das gleich zweimal also für 596 DDR Mark gekauft habe. Das wären früher fast 130 Steak au four oder 240 Würzfleisch in der Perle gewesen oder knapp 1000 Mosaikhefte oder fast 3000 Fahrkarten zu meiner Oma. Also das hier bitte als mögliche Investition in einen jungen aufstrebenden Autor verstehen.
Dein Buch ist immer noch Spitze, das mit deinem Vater ist natürlich furchtbar...da kann man nichts zu schreiben. Der Titel ist geschenkt, dachte mir schon dass jemand einen etwas marktschreierischen Titel verlangt hat. Sei froh, dass man nicht "Mark Scheppert...missbraucht im FDJler Hemd am antifaschistischen Schutzwall" draus gemacht hat. Hab mich riesig gefreut, dass der Ede und Michel, Iffy gerettet haben und dass das auch im Buch erwähnt wurde. Weiß noch gar nicht was ich mir von meinen 10 Mark kaufe ;-)))
Als Hinweis für die dritte Auflage der Trabi hatte nur 3 Leuchten..Aufblendlicht, Blinker und Zündung. Die einzige, die angeht, wenn man nicht abbiegt oder jemanden blenden möchte, ist die Zündung (rot). Und das bedeutete immer Ärger. Entweder Lichtmaschine oder Keilriemen im Eimer, beides Mist. Da wurden auch diese wunderbaren Geschichten geboren "da sind wir midder Muddi hinter Bautzen jefaahn und da fliecht mir doch der Geilriemen um die Ohren und da nehmmich die Nylonstrümpe vonne Muddi und faah noch bis Balatonfüred"...aus eigener Erfahrung kann ich sagen, außer die Muddi hatte Esda Stützstrümpfe an, das hat nie funktioniert.
Schön, dass du immer noch beim Michel mitliest, hätte ich nicht gedacht...
Wegen einer möglichen Lesung, schau ich mal (klar ist Leipzig völlig überschätzt ;-))....vielleicht sieht man sich ja mal...

Ich melde mich
Ed

Donnerstag, 21. Januar 2010

Wir feiern die zweite Auflage von "Mauergewinner"!

...obwohl der neue Titelzusatz "... oder ein Wessi des Ostens" irgendwie ziemlich sinnfrei klingt. Zumal der Autor ja gar kein Wessi ist, wie hier impliziert wird. Und auch das "30 vergnügliche Geschichten..." ist gewöhnungsbedürftig, klingt doch die Vokabel "vergnüglich" ziemlich angestaubt nach 50er Jahre - Unterhaltung. "Vergnüglich" waren in Willi Schwabes Rumpelkammer in der Regel Filme mit Theo Lingen, Hans Moser und Heinz Rühmann... aber was weiß ich alter Meckerbeutel schon...


Montag, 18. Januar 2010

Soko "Leberkäs"

München ist bekanntlich eine der sichersten Städte in Deutschland.
Trotzdem kann es passieren, daß mal was passiert, auch wenn sonst nie was passiert. Und manchmal passiert das, was passiert, direkt vor unseren Augen. So wie am Samstag, als der Fall des vermißten Münchner Managers quasi direkt vor unserer Haustür aufgeklärt wurde.

Wer "CSI" und Co. Aufmerksam verfolgt, der weiß, wie moderne Ermittlungsarbeit funktioniert: Eine Hundertschaft martialisch gerüsteter Cops sperrt den Tatort ab, während smarte Ermittler mit Sonnenbrillen nur kurz die Nase in den Wind heben und sofort auf die Minute genau wissen, wie lange der Tote schon so da liegt, wie er da liegt. Dann steckt David Caruso dem Toten mit latexbehandschuhter Hand einen Polizeikugelschreiber in die Nase und schließt nach einem kurzem Blick in die solcherart geweiteten Nüstern auf die osteuropäische Herkunft des Opfers. Denn das Hirn eines amerikanischen Ermittlers bevorratet enzyklopädisches Wissen aller Themenbereiche. Und so weiß er, daß diese besondere Art der Nasenscheidewandverkrümmung , die der Ermordete aufweist, nur in einigen abgelegenen Bergdörfern der westlichen Karpaten vorkommt. Minuten später klicken Handschellen, der Täter ist überführt, und der Zuschauer staunt Bauklötze und Werbepausen.

Derart televisionär vorbelastet, gestaltete sich die tatsächliche Arbeit der bayrischen Kripo, der ich als Zaungast am Wohnzimmerfenster beiwohnen durfte, in etwa so spannend wie ein Bingo-Abend im Leichenschauhaus. Ganz anders als im Fernsehen besteht Ermittlungsarbeit offenbar aus zwei wesentlichen Komponenten: Abwartend herumstehen und Kette rauchen. Gern auch beides gleichzeitig. Ca. vier Stunden lang passierte rein gar nichts. Zwei Streifenwagen sperrten die Straße an beiden Enden, und einige gelangweilte Kontaktbeamte fingen jeden ab, der, aus was für Gründen auch immer, die Sperrzone betreten wollte.
Auch das verlief völlig unspektakulär. Es wurden keine Rechte verlesen, es wurde niemand ins Kreuzverhör genommen, kein widerspenstiger Passant mußte überwältigt und mit dem Gesicht in eine mit Hundehinterlassenschaften gespickte Schneewehe gedrückt werden. Als schließlich unser vollbärtiger, sichtbar arabisch stämmiger Nachbar auf der Szenerie auftauchte, war ich mir sicher, gleich Zeuge einer ausgeklügelten „God Cop /Bad Cop“ – Nummer zu werden. Aber Pustekuchen. Sogar er durfte nach Rücksprache mit dem nicht einmal ansatzweise mißtrauischen Beamten sein Auto aus der Sperrzone entfernen. „Amateure“, dachte ich, und ließ die Kamera, die ich schon zur vorsorglichen Dokumentation eventueller Polizeibrutalitäten bereit gelegt hatte, ungenutzt wieder sinken.

Indes trampelten die in schluffige Anoraks gewandeten Voralpen-Columbos um den fraglichen Lieferwagen herum und kontaminierten den Tatort mit ihren Zigarettenstummeln. Mehr aus Langeweile denn aus tatsächlich vorhandenen spektakulären Motiven machte ich dann doch ein Foto von dem Stilleben.

Ich sage euch: Es ist ein mulmiges Gefühl, wenn fünf stechende Ermittleraugenpaare wie auf Kommando in deine Richtung schauen. Vielleicht hätte ich den Blitz vorher ausschalten sollen. Merke: Am Fundort einer Leiche aus dem Hinterhalt ein Teleobjektiv auf einen Polizisten zu richten ist keine gute Idee. Und während ich schon fest damit rechnete, daß das SEK gleich unsere Wohnungstür und meinen Unterkiefer eintreten würde, widmeten sich die Kriminalbeamten wieder ihrer Nikotinsucht, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen. Offenbar waren sie Publikum gewohnt.

Nun, irgendwann später wurden noch ein paar Scheinwerfer aufgestellt, um die aufkommende Dunkelheit zu vertreiben, ohne daß erkennbar gewesen wäre, daß irgendjemand das gleißende Licht für irgendeine Art von Beweissicherung verwendet hätte. Es tat sich einfach - gar nichts, zumindest nichts, was ein mit umfassendem TV-Wissen ausgestatteter Beobachter wie ich mit spannender, high-tech-gestützter Verbrechensaufklärung assoziiert hätte. Irgendwann wurde der Lieferwagen abtransportiert, aber das bekamen wir schon gar nicht mehr mit, da wir uns interessanteren Verrichtungen zugewandt hatten.

Daß tatsächlich eine Leiche gefunden wurde, erfuhren wir erst am Sonntag. Und auch dann nicht, weil Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec an unsere Tür geklopft hätten, um uns nach „sachdienlichen Hinweisen zur Ergreifung“ auszuquetschen, sondern schnöde aus den Untiefen des Internets.

Wie soll sich ein anständiger Mensch denn bei solch dilettantischen Ermittlungsmethoden je die (vielleicht) ausgesetzte Belohnung verdienen? Nicht, daß wir irgendetwas zur Aufklärung hätten beitragen können, von ein paar hilfreichen Hinweisen hinsichtlich der korrekten Absperrung eines Tatorts mal abgesehen, für die mir die Beamten sicher sehr dankbar gewesen wären.

Freitag, 15. Januar 2010

Fundstück der Woche





















Also, ich find's lustig...

Donnerstag, 14. Januar 2010

Die Suche nach Gollum

"The hunt for Gollum" ist ein recht beeindruckendes Fan-Projekt, von dem bei uns leider noch nicht allzu viele Notiz genommen haben.

Es handelt sich dabei um eine Episode aus dem "Herrn der Ringe", die in Peter Jacksons Filmen keine Berücksichtigung fand und auch im Buch nur kurz Erwähnung findet: Gandalf schickt Aragorn los, um Gollum zu fangen, da dieser der einzige neben den zukünftigen Gefährten ist, der weiß, wo sich der Ring befindet. Die Handlung spielt also in der Zeit bevor Aragorn den Hobbits in Bree begegnet.

Bemerkenswert ist, daß man es hier nicht mit einem der üblichen Fan-Movies zu tun hat, in dem pickelige Teenager in Opas angegrautem Bademantel mit Plastik-Lichtschwertern von Toys 'r' us imaginäre Stormtrooper-Horden niedersäbeln. Oder Amateur-Splatter gelangweilter E-Technik-Studenten, bei dem man dem verzweifelten Zuschauer weis zu machen versucht, die zermatschte Wassermelone mit dem aufgemalten Gesicht sei tatsächlich der Kopf eines Zombies.

Nein, bei der "Jagd auf Gollum" stimmt - mit kleinen Abstrichen - so ziemlich alles, Atmosphäre, Optik, Effekte, obwohl letztere natürlich nur spärlich vorhanden sind und viel "getrickst" wurde. Man bewegt sich sehr stark am Vorbild Peter Jacksons, von dem man sich wohl auch ein paar kleinere Szenen "geborgt" hat. Zumindest schien es mir so.

Zwar streift Aragorn für meinen Geschmack etwas zu lange durch einsame Wälder, vermutlich wäre hier weniger mehr gewesen. Denn für den Film ist eine bemerkenswerte, satte halbe Stunde zusammen gekommen. Aber dafür, daß sämtliche Darsteller unbezahlte Amateure sind, machen sie ihre Sache erstaunlich gut und agieren genau so glaubwürdig wie die "Originale". Nur die etwas mopsbackige Elfe, die hier die Arwen spielt, kann Liv Tyler nicht das Wasser reichen. Aber das ist Geschmackssache.

Hier nun der Link direkt zur HD-Version, man sollte sich den Film aus Qualitätsgründen schon dort anschauen, nicht auf youtube.