Montag, 9. Juli 2018

Star war's

(Achtung, Spoiler!)

Ich hab vor einigen Tagen Episode VIII angeschaut.

Ich glaube, ich werde für Star Wars zu alt.

Noch bis vor ein paar Jahren schien es mir nichts auszumachen, wenn im Star Wars Universum die Gesetze der Physik auf den Kopf gestellt wurden. Beim Anschauen des letzten Teils nun begannen mich die schon häufiger kritisierten, lautstarken Detonationen im Weltraum endgültig zu nerven. Ganz schlimm wurde es dann aber bei den "Bomber"-Raumschiffen der Rebellen.

Nicht nur, dass man sich bei Star Wars immer aufrecht stehend, Aug in Aug begegnet, unten in jedem Raumschiff unten und oben oben ist, wenn ihr wißt, was ich meine. Nun haben sich die Macher auch noch Bomber ausgedacht, bei denen sich wie im Flugzeug Bombenschächte öffnen und die Böller dann tatsächlich nach "unten" Richtung "darunter" befindlichem Raumschiff abrauschen. Macht in der Schwerelosigkeit null Sinn. Genausowenig, wie wenn getroffene Raumschiffe nach "unten" aus dem Blickfeld driften.

Dass Leia nicht nur die Explosion ihres Schiffs, sondern auch ihren schutzlosen Aufenthalt im Vakuum überlebt, ist ebenso fantastisch wie die Tatsache, dass Yodas "Geist" oder wie immer man seine, an übermenschlichen Fähigkeiten nicht arme Rest-Existenz bezeichnen mag, noch immer durch die Galaxis spukt.

Was mich auch immer verwundert: Wieso verstehen die ganzen Außerirdischen sich alle untereinander, obwohl sie andere Sprachen sprechen? Haben die einen Babelfisch im Ohr? Und was machen dann die, die keine Ohren haben? Oder ist das so das Lassie-Syndrom, wenn der Wookie einmal "Öhhh-ähhh-öhhhh!" stöhnt, dass Han Solo dann weiß, dass der kleine Luke auf der Nordweide in einen alten Brunnenschacht gefallen ist?

Nach insgesamt 9 Kino-Filmen (wenn man Rogue One mit einbezieht) fängt ein weiteres Narrativ an, mich zu nerven: In nahezu jedem Film stehen die Rebellen kurz vor der Auslöschung. Alle Schlupfwinkel und Basen sind aufgedeckt und/oder zerstört, alle Raumschiffe außer dem Millennium Falken sind hinüber, fast alle Kampfpiloten sind tot, immer sind nur eine Handvoll Widerständler übrig, wenn überhaupt. Meist ganz allein, ohne Hilfe, Nachschub oder Hoffnung.

Trotzdem sind einen Film später alle Vorräte an Material und intergalaktischem Kanonenfutter wieder aufgefüllt, um aufs Neue ins Nirvana geblasen zu werden. Praktisch nie wird die Frage beantwortet, wer denen eigentlich ihre ganzen Raumschiffe und Raumbasen baut, vor allem in verhältnismäßig kurzer Zeit. Und wer finanziert das Ganze? Wer bildet die Piloten aus? Und wer glaubt noch daran, dass die kümmerlichen Häuflein mit ihrer Handvoll schrottreifer Raumschiffe ernsthaft gegen immer neue, unerschöpflich scheinende Armadas von Klonkriegern, Kampfmaschinen und Raumschiffen irgendeinen Blumentopf gewinnen könnten, Jedi hin, Jedi her.

Was soll es schon bringen, wenn in jedem neuen Film die gesamten Kampftruppen der Rebellen aufgerieben werden, um mit letzter Kraft bei irgendeiner spektakulären Aktion irgendein wichtiges Puzzleteilchen in des Oberbösewicht's Masterplan kaputt zu machen? Das Imperium macht dabei nie den Eindruck, als wollte man sich von solchen Nadelstichen aufhalten lassen.
Gleiches gilt im übrigen für die "bösen" Sith, die den "guten" Jedi im Kampf zahlen- und kräftemäßig fast immer überlegen sind.

Ich finde auch die Wandlung der Saga gewöhnungsbedürftig. Waren die ersten drei Filme mit knuffigen Droiden, Ewoks und trottligen Klonkriegern noch verhältnismäßig familien-kino-tauglich, ist man spätestens bei Rogue One am düstersten Ende angekommen: Am Ende sind alle tot, vor allem die Guten. Es gilt zwar nach wie vor das Prinzip, dass, egal wie viele von den Guten in einer Art Volkssturm-Mentalität ins Feuer rennen, es nicht umsonst war, solange man irgendwie den Glauben an die Hoffnung nicht verliert. Für wen die Hoffnung aber sein soll, wenn alle, die es interessiert, den Märtyrertod gestorben sind, erfährt man nie so genau. Mutmaßlich nur, um in der nächsten Generation von Kamikaze-Piloten die Opferbereitschaft anzustacheln. Morituri te salutant.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Kurze Zwischenfrage

Wann strengen die christlichen Kirchen in Deutschland eigentlich endlich eine Musterfeststellungsklage gegen die CSU an?

Als Hüter bzw Inhaber der Marke "Christlich" sollte ihnen doch daran gelegen sein, dass das Attribut nicht mißbräuchlich verwendet wird.

Ich kenne keine der 7 Todsünden, derer sich prominente Führungspersönlichkeiten dieser Partei nicht schuldig gemacht hätten und aktuell weiter machen.

Guckst du auch:

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Voice over IQ

Geht es euch eigentlich auch manchmal so, dass ihr euch bei Stimmen im Radio oder am Telefon vorstellt, wie die Person wohl aussieht?

Mir jedenfalls geht es so.Und ich bin dann jedes Mal platt, wenn ich die Leute zu Gesicht bekomme.

Meine erste Begegnung in dieser Beziehung hatte ich mit Otto. Als ich so ein Dreikäsehoch war, lief  Otto hauptsächlich im Radio, auf NDR2. Gesehen hatte ich Otto damals nie, und so stellte ich mir den kleinen Ostfriesen - warum auch immer - als großen Typen mit rabenschwarzem Haar vor. Weiß der Kuckuck, warum.
Als ich Otto dann irgendwann im Fernsehen sah, konnte ich den blonden Typen mit meiner Vorstellung von ihm überhaupt nicht in Einklang bringen. Für mein halbwüchsiges Selbst war dieser "reality check" ein regelrechter Schock.
Noch heute, wenn ich mir nur Ottos Stimme vorstelle, sehe ich vor meinem geistigen Auge eine  dunkelhaarige Bohnenstange über die Bühne huschen.

So ähnlich ging es mir einige Jahre später mit Thomas Koschwitz, meinem absoluten hr3-Lieblingsmoderator. Ich weiß zwar nicht mehr, wie ich ihn mir damals vorgestellt habe, aber jedenfalls nicht als den kleinen Glatzkopf, als der er dann Anfang der 90er Jahre im TV auftauchte.

Aktuell ist mir beim Radiohören aufgefallen, dass weibliche Moderatoren meistens unbestimmt jung klingende, aber tieftönende Stimmen haben. Oft mit so einem leichten Schnurren oder Raunen in der Stimme, das immer ein wenig rattig klingt. Da schwingt dann immer so eine latente Paarungsbereitschaft mit. Wohl um die Fantasien männlicher Hörer anzuheizen. Ob die wohl danach gecastet werden?
Moderatoren des andern Geschlechts klingen dafür entweder bärig (meist im Nachtprogramm) oder irgendwie knarzig-nasal, mit einem hörbaren Dauergrinsen. Das sind dann meist die penetranten Spaßvögel mit einer gewissen Coolness.

Wenn man die dann in natura sieht, wundert man sich jedes Mal, was das in echt für Schießbudenfiguren sind. Und man versteht, warum die es trotz souveräner Moderationsleistung nie ins Fernsehen schaffen werden.


Möchte mal wissen, woher das kommt, dass man  schöne Stimmen und sympathische Sprecher immer auch irgendwie mit gutem Aussehen assoziiert. Spätestens mit der Kommerzialisierung des Pop und dem Sprung der Musik vom Radio ins Fernsehen werden häßliche Sänger weitestgehend versenkt oder verschleiert nach dem Milli Vanilli-Prinzip.
Einzig Rocksänger dürfen ab und an auch mal häßlich sein. Freddie Mercury war charismatisch, aber hatte Zähne wie ein Haflinger. James Hetfield sah als junger Mann aus wie ein Bund Wurzeln mit Augen. Und Lemmy? Eine einzige, in Whisky eingelegte, riesige Rosine mit Haaren. Gut so, sag ich da nur. Denn am Ende kommt es ja doch auf die Stimme an, Vermarktbarkeit hin, Grinsefresse her.

Irgendwie fällt mir bei dem Thema auch ABBA ein. Als Dreikäsehoch war ich unsterblich in Agneta verliebt. Und ich war aus irgendeinem Grund davon überzeugt, dass zu Anfang statt Frida noch eine andere Sängerin in der Band gewesen war (die von dem anderen "A" - ich wußte damals nicht, dass Frida eigentlich Anni-Frid hieß), welche aber von der immer etwas ernster und weniger engelsgleich dreinschauenden Frida aus der Band geekelt worden war. Fragt mich nicht, warum, vermutlich war die Verwechslung Anni-Frids wechselnden Looks und Haarfarben geschuldet. Auf jeden Fall hasste ich Anni-Frid mit kindlicher Inbrunst, weil ich glaubte, sie würde auch die liebliche Agneta aus der Band ekeln wollen. Was man sich halt so ausmalt als Kind. Und natürlich legte auch Anni-Frids Mezzosopran neben der glockenhellen Stimme Agnetas Zeugnis ihrer dunklen Absichten ab.