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Donnerstag, 25. September 2025

Fragliches

Der Michel hat heute überraschend Briefwahlunterlagen bekommen. Für einen Bürgerentscheid pro oder contra einer Olympiabewerbung Münchens.Schöne graue und pinke Zettel und Umschläge, ein Haufen Papier - soweit nichts Ungewöhnliches.

Nur lag den Unterlagen nicht nur eine Erklärung des Stadtrats bei, warum Olympia für München eine super Sache wäre, sondern auch noch ein buntes Werbeprospekt pro Olympia.

Das ist in etwa so, als würde dem Bundestagswahlzettel Wahlwerbung der CSU beiliegen. Oder in der Wahlkabine ein Porträt vom Söder hängen. Irgendwie scheint sich da ein seltsames Demokratieverständnis abzuzeichnen.

Wobei, je länger ich drüber nachdenke, fällt mir ein, dass Münchner Wahlbüros immer in Schulen sind. Und in bayrischen Klassenzimmern  hängt der Latten-Jupp, um den Kinderlein und vielleicht auch den Wählern vorzuführen, was in Bayern mit Leuten passieren kann, die ihr Kreuz nicht bei der CSU machen.

 

Und wieso sprechen Väter in amerikanischen Serien ihre Söhne immer mit "Kumpel" an? Mag ja sein, dass die im Original immer "buddy" sagen (was auch schon irgendwie seltsam ist), aber wenn dann die Synchro-Autoren das so übernehmen, scheint mir das doch etwas weird. Ich hab noch keinen deutschen Vater erlebt, der seinen Sohn mit "Kumpel" anspricht. Der Ausdruck "Kumpel" ist im Deutschen entweder für Bergleute reserviert oder für DDR-Nostalgiker, die damit ihre Freunde umschreiben. Dann aber vorzugsweise mit einem "G" im Anlaut gesprochen.

***

Der Michel laboriert gerade an einem wehen Fuß herum und hat deswegen bei Liebscher&Bracht nach Abhilfe gesucht. (L&B sind Spezialisten für schmerzende Knochen und verspannte Muskeln, die oft sehr gute Tipps haben, wie man den schleichenden Verfall des eigenen Körpers kurzzeitig zum Stillstand bringt. Fast immer liegt das Geheimnis darin, mit im Nacken verschränkten Füßen 20 Sekunden lang den linken Zeigefinger auf ein Holzklötzchen zu pressen, um eine Blockade am rechten Hoden zu lösen oder etwas ähnliches.)

Und was musste ich da auf deren Webseite zum gesuchten Thema lesen? "Obwohl der Hallux valgus in frühen Lebensabschnitten vorkommen kann, treten oft erst ab 50 Jahren schwere Fehlstellungen im Großzehengrundgelenk auf."

Ich kann ech gar nicht sagen, wie oft ich in den letzten 2,3 Jahren ähnliche Sätze gehört habe. Frei übersetzt bedeuteten alle "ab 50 geht's nur noch bergab". 

Ich glaube so langsam, dass wir mit unserer gestiegenen Lebenserwartung die natürliche Evolution rechts überholt haben. Evolution spielt sich ja in Zeiträumen ab, die keine Apple Watch mehr messen kann. Sowas wie z.B. die Entwicklung vom Ganzkörper-Flokati zu den Schamhaar-Inseln von heute brauchte unter Umständen Millionen von Jahren, um sich in der Breite durchzusetzen (wenn man von einigen Gegenden rund ums Mittelmeer absieht, wo die Entwicklung beim homo schimpansus hängen geblieben zu sein scheint).

Vermutlich war von der Evolution aktuell noch gar nicht vorgesehen, dass wir älter als 50 werden, bzw dass wir nach dem 50. Geburtstag noch irgendwelche Muskelgruppen beanspruchen müssen. Der Plan war (so meine Vermutung), dass diejenigen, die diese magische Schmerzschwelle überschreiten, nur noch wie Majestix durch die Gegend getragen wird. 

 


Aber in einer Welt, in der des mehr Rentner als Heranwachsende gibt und in der Teile der nachwachsenden Generation mal so eben noch ein Handy hochheben können, ohne sich einen Leistenbruch zuzuziehen, mangelt es empfindlich an potentiellen Schildträgen. Die Demografie ist also schuld, dass wir unsere siechen Gebeine auch jenseits der 50 weiter selbst von A nach B schleppen müssen. 

Und da beschweren sich die Leute immer, dass zuviele junge Männer ins Land gelassen werden. Ja wer, verdammt noch eins, soll mich denn sonst zukünftig durch die Gegend tragen? Irgendein Kevin, der von einem Leben als Bockwurst-Influencer träumt und den die Mama wegen Laktoseintoleranz vom Schulsport hat befreien lassen, sicher nicht. 

Das hat die Merkel schon ganz richtig erkannt. Immer hereinspaziert, Habibi. Jeder nur ein Schild.

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Bekloppte in München, Teil 63 1/2

Neulich auf der Food&Life in München:

Stehe an einem Kaffee-Stand, bis zum Abwinken gebrandet mit "Cafe de Colombia". Großes Banner, die Klamotten der Hostessen, Kaffeepäckchen, Kaffeebecher, überall steht fett "Cafe de Colombia".

Blondine hinter mir zu ihrem Freund: "Der Kaffee kommt bestimmt aus Kolumbien."

No shit, Sherlock.

Sonntag, 20. September 2015

Willkommen zur Wiesn!

Es lebe die deutsche Leitkultur!

Dienstag, 25. August 2015

Rätsel des Alltags - Splitter

Bei IKEA auf dem Klo hängen zwei Automaten. Einer für Kondome, der andere für Pfefferminzbonbons.
Wer, zum Kuckuck, kauft sich auf einer (mehr oder weniger) öffentlichen Toilette Lebensmittel - oder meinetwegen Genußmittel? Was ging bei der Auswahl in den Köpfen der IKEA-Menschen vor? Sollen frisch Verliebte nach dem Stelldichein auf dem Schweden-Örtchen als dem Hals nicht so nach Sperma riechen? Gibt es Menschen, die sich durch die Bonbons vom Diebstahl "atemfrischer" blauer Klo-Steine abbringen lassen? Oder ist die Rechnung "Kondom + frischer Atem = Geschlechtsverkehr" die skandinavische Low-Budget-Version einer erfolgreichen Anmache?
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Wahrscheinlich stempelt mich das jetzt zum sexistischen Chauvi, und eigentlich juckt es mich auch nicht weiter, aber: Warum sehen 90% aller Lesben, die einem auf der Straße begegnen und zweifelsfrei als solche zu erkennen sind, aus wie ihr eigenes Klischee? Auch wenn im Fernsehen homosexuelle Frauen oft aussehen wie Anne Will oder fidel sind wie Hella von Sinnen, im "echten Leben" laufen mir fast ausschließlich verbissen dreinschauende Kampf-Lesben in Outdoor-Kluft und mit Drill-Sergeant-Haarschnitt über den Weg.
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Wieso fallen eigentlich alle auf diese plumpe "Oonagh"-PR-Nummer herein? Ein auf Kommerz getrimmtes Ethno-Pop-Surrogat aus der norddeutschen Tiefebene, irgendwo zwischen Enya und Helene Fischer. Akustischer Analog-Käse, so authentisch wie Harald Glööckler.
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Wie können die Österreicher sich eigentlich in einem derartig durchlöchertem Land sicher fühlen?
In Österreich fährt man eingeltich permanent von einem Tunnel in den nächsten. Man kommt sich auf der Autobahn zeitweise vor wie ein Riesen-Regenwurm aus Blech.
Wenn ich da wohnen würde, hätte ich echt Schiss, dass dieser topografische Schweizer Käse irgendwann mal in sich zusammen fällt. Wahrscheinlich bestehen die Hälfte aller Alpengipfel in Wirklichkeit aus Tunnel-Aushub.
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Dem Rest von Deutschland dürfte das Ereignis wohl entgangen sein, aber die CSU hat in München großflächig Plakate mit dem Konterfei von F.J. Strauß aufgehängt, mit der Aufschrift "Franz Josef Strauß am 2. September 2015, 19 Uhr, mit Dr. Peter Gauweiler, Hotel zur Post, Pasing".
Halb München hat daraufhin gerätselt, ob sie den ollen Klotzkopf jetzt aus lauter Verzweiflung vielleicht exhumiert oder doch eher geklont haben. 
Dabei handelte es sich dann aber doch nur um eine Veranstaltung zu Strauß' 100. Geburtstag.
Wobei ich gern mal gesehen hätte, wie FJS den treulosen SPD-Siggi zusammenfaltet oder Mutti Merkel den Marsch bläst.
Strauß hat übrigens nach dem griechischen Militärputsch 1967 die Drachme zur stabilsten Währung der Welt erklärt. Bizarr...
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Die Diakonie München hat auf ihrer Liste bzgl. des Spenden-Bedarfs für Flüchtlinge neuerdings auch

stehen.
Das Traurige dabei ist, dass ich die EU tatsächlich für zynisch genug halte, Flüchtlingen nach erfolgreich absolviertem Kurs ein Seepferdchen in den Pass zu stempeln und sie wieder ins Mittelmeer zu werfen.
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Was macht eigentlich Oliver Pocher?
Antwort: Oliver Pocher tritt am 05.09. in Niederbayern bei der Wiedereröffnung einer Provinz-Disco auf.
Da ist es bis zur Autohaus-Eröffnung in Hoyerswerda oder bis zum Sprung aus dem Klofenster nur noch ein kleiner Schritt.
The higher they climb,...
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Motorrad fahren können Fürstenfeld-Brucker übrigens auch nicht.

Sonntag, 5. Juli 2015

The good, das Bad and the ugly

Der heutige Besuch am Badesee war gleich in mehrfacher Hinsicht erfrischend, nicht nur körperlich, sondern auch geistig.

Der Michel konnte sich mal wieder massig Gedanken über seine Mitmenschen machen, die sich offenbar nur aus dem einen Grund am Seeufer versammelt hatten: mir einen unerschöpflichen Pool an Studienobjekten zu liefern.

Am Ende des Tages hatten sich dann folgende Einsichten herauskristallisiert:

- Das Arsenal an seltsamen, aber auch an häßlichen Tätowierungen ist schier unerschöpflich und nationalitätenübergreifend.

- Man muss als Mann in seiner sexuellen Identität schon sehr gefestigt sein, um sich am Eisstand für ein "Calippo" zu entscheiden.

- Der Erfinder von Wegwerf-Einmal-Grill-Sets hat der Menschheit keinen Gefallen getan und gehört eigentlich - Auge um Auge - über kleiner Flamme geröstet.

- Das Erscheinungsbild und Verhalten mancher Leute schreit so sehr und klischeehaft nach dem Prädikat "Voll-Assi", mit allem Drum und Dran, dass man sich fragen muss, warum sie es sich nicht gleich mit Edding auf die Stirn  schreiben. Nur, um wirklich jeden Irrtum auszuschließen, denn es scheint ihnen ja dran gelegen zu sein, es auch dem Letzten unmißverständlich unter die Nase zu reiben.

- Ich habe einen Trend verschlafen, der irgendwann in den letzten Jahren aufgekommen sein muss und der so geht: Junge Männer ziehen sich irgendwelche Sport-Shorts über ihre vollgelüllten Unterbuxen und gehen so baden. Wenn sie dann aus dem Wasser kommen, verbringen sie Stunden damit, sich die Hosenbeine der Shorts von unten in die Beinausschnitte ihrer Schlüpper zu stopfen, aus denen selbige nach drei Schritten wieder herausrutschen, worauf das Spiel von vorn beginnt.

Auf letztere Feststellung hätte ich im übrigen nur zu gerne verzichtet. Bäh.
Wer in Unterhose baden geht, der kackt auch in den See. Jede Wette.

Samstag, 4. Juli 2015

Heiße Reifen

Auto fahren im größten Dorf macht ohnehin schon keinen Spaß.
Bei dieser Affenhitze aber ist es die Hölle.
Aus dem einfachen Grund, dass die sommerlichen Temperaturen die Dorfbewohner dazu verleiten, Auto zu fahren, als würden sie häufiger mit dem Kopf in der eingeschalteten Mikrowelle schlafen. Oder, wie ein Bekannter von mir zu sagen pflegte, "wie tätowiert und ferngesteuert".

Davon abgesehen: Menschen, die von sich behaupten, sie würden "gern" Auto fahren, weil es ihnen "Spaß" mache, sind mir ohnehin suspekt.

Wenn man einem Außerirdischen  das Autofahren erklären müßte, würde man es wohl wahrheitsgemäß so beschreiben müssen: Man setzt sich in einen fortwährend Geld verschlingenden Käfig aus Blech, der minütlich an Wert verliert, dessen Technik man nicht versteht, dessen Leistungsfähigkeit das menschliche Reaktionsvermögen übersteigt und dessen Betrieb zudem den menschlichen Lebensraum und das menschliche Wohlergehen in vielfacher Weise beeinträchtigt oder gar zerstört, um sich einer Fortbewegungsart zu widmen, die in wesentlichen Teilen aus Stillstand, still sitzen und dem Starren auf rote Ampeln besteht und die den Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer regelmäßig lebensgefährlichen Situationen aussetzt.
Vermutlich muß man nach einer solchen Erklärung darauf  hoffen, dass die Aliens unseren kleinen Planeten nicht umgehend pulverisieren, weil sie mit der Mission unterwegs sind, den Rest des Universums vor unintelligentem Leben zu schützen.

Dabei rede ich noch nicht mal von den armseligen Kreaturen, die ihr Leben der Verehrung einer bestimmten Automobil-Marke verschreiben. Die hunderte Kilometer weit zu "Tuning"-Messen fahren, ihre Wochenenden gern damit verbringen, ihr verchromtes Lebens-Surrogat zu polieren und spontan die Kontrolle über ihren Schließmuskel verlieren, wenn ihnen ein Vögelchen auf die Windschutzscheibe kackt.

Was ich sagen wollte: Auto fahren sucks. Und Leute mit FFB-Kennzeichen können nicht fahren. Hatte ich, glaube ich, schon mal irgendwo erwähnt.

Freitag, 26. Juni 2015

Splitter

Apropos Menschen, die einem Rätsel aufgeben: Gestern lief ein älterer Herr vor mir, aus dessen Gesäßtasche unübersehbar ein Kamm ragte. Gleichzeitig zog der gute Mann eine saftige Schweißfahne hinter sich her.

Mal angesehen davon, dass ich Gesäßtaschenkämme für ein so gut wie ausgestorbenes Relikt aus der Beatnik-Ära hielt: Wieso schleppt jemand, der an anderer Stelle offenbar nicht allzuviel Wert auf Körperpflege legt, ständig griffbereit einen Pudelzähmer mit sich herum?

***

Seit... keine Ahnung, seit wann, seit 2 Jahren vielleicht - ist Alkoholkonsum in der Münchner S-Bahn verboten. Dreimal dürft ihr raten, wer sich daran hält. Richtig: Kein Mensch.
Und es findet sich scheinbar auch niemand, der Lust hat, das Verbot durchzusetzen.
Kann man verstehen.
Muß man nicht.

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Kennt einer TTIP? Oder eins der anderen "Freihandelsabkommen"? Ach, ihr wußtet gar nicht, dass es noch andere gibt? Und TTIP kanntet ihr auch nicht? Und wißt auch nicht, warum sich da irgendwelche Typen aus dem Internet immer drüber aufregen?
Nun, um es kurz zu machen, mit TTIP und Co. geben europäische Staaten weitgehend ihre Souveränität auf, dies ist zumindest einer der Konsequenzen.
Nun kann man viele Teufel an die Wand malen, aber man könnte auch ein konkretes Beispiel nennen, wie solche Abkommen wirken:
"Big Tobacco", in Form von Philip Morris, bedroht und verklagt derzeit souveräne Staaten wie Australien und Uruguay, die zum Schutz der Gesundheit ihrer Bürger neue Vorschriften zur Gestaltung von Zigarettenschachteln erlassen haben. Und zwar aufgrund von Handelsabkommen wie TTIP. Deutlicher: Großkonzerne zerren souveräne Staaten vor nichtstaatliche "Gerichte", weil ihnen deren Gesetzgebung zum Verbraucherschutz beim Profitmachen im Weg ist.
UND GENAU DIESELBE SCHEISSE BLÜHT UNS AUCH, wenn die EU unter Führung der deutschen Regierung diese Abkommen unterschreibt.

***

Hey, Daniel Wirtz. Einerseits hast du es echt verdient, endlich mehr Öffentlichkeit zu bekommen.
Andererseits bereitet es mir schon fast körperliche Schmerzen, dich bei "Sing meinen Song" zwischen dem krampfhaft auf "cool" gebürsteten Schwurbel-Poeten Naidoo, den in Ehren abgewirtschafteten "Prinzen" und all den anderen Schmalz-Nasen hocken zu sehen.
Als dir dann Pur-Pfeifchen Engler auch noch väterlich-gönnerhaft prophezeite, aus dir würde nochmal "was Großes", da tatest du mir dann endgültig ehrlich leid. Oder die kaum zu überbietende Biederkeit, mit der Madame Catterfeld meinte, "solche Worte" (gemeint waren "L.M.A.A", "abgefuckt" usw.) würde sie ja sonst nicht in den Mund nehmen, das erinnerte schon an die swear word-Piepserei amerikanischer Fernsehsender. Hoffentlich ereilt dich, Wirtz, mit deiner Teilnahme an der Sendung nicht der Major-Label-Effekt: Was deiner Popularität nützt, schadet deiner Credibility.

Noch ein Wort zur Sendung: Die Dramaturgie will es, dass noch zur vergurktesten Coverversion alle Protagonisten enthusiastisch aufspringen und mitwippen und sich anschließend gegenseitig sagen, wie toll sie das jetzt wieder fanden. In dem Punkt krankt die nunmehr zweite Staffel wohl an dem Anspruch, unbedingt mindestens genau so erfolgreich sein zu wollen wie die preisgekrönte erste Staffel.
Den Reiz des Formats macht die Chance aus, bekannte Songs in neuem Gewand zu hören. Wobei Cover-Versionen ja nun nix Neues sind. Leider führen die Teilnehmer-Auswahl und die Federführung Naidoos dazu, dass in der Hauptsache radiotauglicher Alltags-Pop mit einer Prise bleichgesichtigen Souls und viel Zuckerguß bei den Covers herauskommen. Ecken, Kanten und Originalität sucht man weitgehend vergeblich. Schade eigentlich, da auch einige ernst zu nehmende Künstler dabei sind und waren, von denen man vielleicht mehr hätte erwarten können. Nur geht es natürlich nicht um die Darstellung musikalischer Vielfalt, sondern um die Vermarktungstauglichkeit des Endergebnisses.

***
Aus Spiegel Online:
Hab ich heute das erste Mal gelesen, den Ausdruck.

"Frigida"? Echt jetzt? Ihr Knalltüten nennt euch echt "Frigida"? Wie blöd muß man eigentlich sein?

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Irgendwann, wenn ich mal ganz viel Zeit habe, erfinde ich einen Nass-Rasierer, aus dem man nicht ewig die Haare rausklopfen muss. Oder Handy-Akkus, die länger halten als 24 Stunden. Oder Plastik-Verpackungen mit verschweißtem Rand, die man auch ohne Flex und Kettensäge aufbekommt. Oder Honig-Gläser, die nicht früher oder später klebrige Abdrücke hinterlassen. Oder Demokratie.

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Dienstag, 9. Juni 2015

Hey, Deutsche Bahn!

Eins sei mal vorausgeschickt: Der ÖPNV des größten Dorfes hat eines der dichtesten und vermutlich besten Netze in Deutschland.

Aber euer Krisen-Management ist SCHEISSE!

Am Sonntag hatte irgendein Blitz, vielleicht auch zwei oder drei, die Frechheit, in irgendein Stellwerk einzuschlagen. So weit, so banal. Aufgrund dessen kam es zu irgendwelchen Unregelmäßigkeiten und Ausfällen bei diversen S-Bahnen, u.a. der S2.

Erfährt man darüber als Fahrgast irgendwas? Nein. Lautsprecher-Durchsagen, Hinweis auf Bahnsteig-Displays, Hinweise auf eurer Webseite, hilfreiche Bahn-Mitarbeiter, die für bange Fragen Rede und Antwort stehen - komplette Fehlanzeige. Ohne einen Vater, der seinem Dreikäsehoch in der Bahn von dem Blitzschlag berichtete, hätte ich gar nicht mitbekommen, dass es irgendein Problem gibt.

Meine Fahrt, ca. einen halben Tag nach dem Blitz-Schaden, endete einfach unangekündigt und überraschend am Ostbahnhof, von euch gab es keine Erklärung dafür, keine Entschuldigung - nix. Auf sämtlichen Displays stand die Bahn noch mit der korrekten Endhaltestelle - genau wie bei allen nachfolgenden Zügen, die aber trotzdem alle am Ostbahnhof endeten. Die totale Verarsche!!!

Als Opfer der Deutschen Bahn (zu letzterer gehört die Münchner S-Bahn nämlich) muss man annehmen, dass zumindest die Mitarbeiter der Fahrgast-Info Bescheid wissen müßten. Also auf zum Schalter.
Dort erwarteten den frustrierten Fahrgast (mich) zwei Überraschungen. Die erste: Die Mitarbeiter dort hatten exakt NULL Info, dass es auf der Strecke überhaupt eine Störung gibt.
Die zweite: Wen würde man wohl als Allerletzten an einem Info-Schalter vermuten, an dem es darum geht, Kunden per verbaler Auskunft schnell, unkompliziert und streßresistent zu helfen? Sicher doch niemanden mit einer leichten Behinderung, die sich in heftigem Stottern, intensivem Zwinkern und verlangsamten Reaktionen äußert, oder? ODER??? Gab's da bei euch wirklich keinen geeigneteren Arbeitsplatz?

Hey, Deutsche Bahn oder MVG, wer auch immer sich angesprochen fühlt: Ich bin wegen euch schon etliche Male zu spät gekommen. Streik war  kein einziges Mal der Grund dafür. Immer ging es darum, dass am Horizont überraschend eine Schneeflocke entdeckt wurde, um stundenlange "Notarzt-Einsätze" oder "Stellwerksstörungen", wegen derer ihr eure Fahrgäste unaufgeklärt und mit dem "wie komme ich jetzt nach Punkt X"-Problem allein im Regen stehen laßt. Da kann ich als deutsch sprechender Einheimischer mir noch irgendwelche Ausweichmöglichkeiten zurechtbasteln. Als Nicht-Münchner ist man aufgeschmissen. Die gern auch mal widersprüchlichen, launig dialektgefärbten Lautsprecherdurchsagen vergrößern die Verwirrungen dann häufig noch.

P.S.: Ach ja, Deutsche Bahn, zu der Anzeige hier:

hätte ich dann noch eine Frage: Man kann bei euch Lokführer werden, wenn man quer in eine S-Bahn einsteigt? Macht ihr euch die Personal-Suche da nicht doch ein bißchen einfach?

Kann die GDL immer besser verstehen:


Samstag, 9. Mai 2015

Wut-Splitter

Spitzen-Timing, Münchner Baureferat!
Genau in der Woche, in der wegen des Bahn-Streiks sogar Leute mit dem Auto unterwegs sind, die gar keins besitzen, zwei der wichtigsten Straßentunnel zu putzen!
Gibt ja auch nichts Geileres, als wenn man sich nachts um elf von der Arbeit ins Bett schrauben möchte und dann erstmal 30 Minuten im Stau steht. NACHTS UM ELF!!! Ihr Penner!

Ach, und so nebenbei: Hatte ich erwähnt, dass Leute mit FFB-Kennzeichen nicht Auto fahren können? Ja? Gut. Kann man gar nicht oft genug sagen, das.

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Wenn ich mir die heutige Jugend anschaue, könnt' ich im Quadrat kotzen. Was für angepasste, spießige kleine Arschlöcher! Wo ist denn bei denen, verdammt noch mal, der rebellische Geist der Jugend abgeblieben? Sogar ich als fourtysomething bin gegen einen 68er mit freier Liebe, Pershing-Demo und LSD-Trips nur ein müder Nachbrenner (auch wenn aus denen dann die opportunistischen Konzernlenker von heute geworden sind).
Aber die Teens und Twens von heute? Mäandern mit Anfang 20 schon irgendwo zwischen Eigenheim und Rentenversicherung herum, wenn sie sich nicht gerade im Schweinsgalopp einem 08/15- Bachelor-Abschluss hinterherhecheln. Einziger Moment der Auflehnung ist für die doch, wenn sie mit 18 für drei Tage zum Koma-Saufen zum "Spring Break" fahren, die Prolls an den Balaton, die Geldigen nach Cancun. Die eine nervöse Gänsehautentzündung bekommen, weil ihnen auf WhatsApp drei Stunden keiner geantwortet hat. Generation Shitstorm
Lasst euch einsargen, echt jetzt.
Luschen.
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Überhaupt, Menschheit! Wenn ich mir die tägliche Asozialen-Parade in den Medien und draußen auf der Straße so anschaue, frage ich mich wirklich, mit welchem Recht wir uns selbst als "Krone der Schöpfung" bezeichnen. Wenn ich die dumpf-dämlichen Hass-Tiraden der abendländischen Vollidioten  höre, wenn ich reißerische Hetz-Artikel gegen den GDL-Chef sehe, die kriegslüsterne Staatspropaganda lese, dann kann ich nicht anders, als jedem Pantoffeltierchen ein besseres Sozialverhalten zu attestieren als der Spezies Mensch.
Wenn ich dann täglich (!) im Straßenverkehr erlebe, wie Leute über tiefrote Ampeln fahren, rasen, drängeln, zwei Parkplätze auf einmal belegen und sich einfach benehmen, als wären sie allein auf der Straße, gehen mir die Erklärungen aus. Ist es "nur" Dummheit oder schon Rücksichtlosigkeit?

Ich bin tagtäglich aufs Neue grausig überrascht über den Mangel an Respekt, Empathie und Solidarität, den zur Schau zu stellen wir auch noch bereit sind. Sei es als Individuum, als Gruppe oder als Nation.

Was für ein Armutszeugnis, diese in Fetzen hängende, hauchdünne "Decke der Zivilisation". Vielleicht sollte die Evolution den "Reset"-Knopf drücken und mit dem Pantoffeltierchen nochmal neu anfangen.


Sonntag, 15. März 2015

BeklopptInnen in München, Teil 1

Hurra, die Gender-Nazis sind jetzt auch an unserer Dorf-Schule angekommen.

Die Deutsch-Lehrerin der süßesten Tochter hat im Unterricht die Kinder aufgefordert, aus einem Übungstext das Wort "Götter" zu streichen und durch "Gottheiten" zu ersetzen. Und bitte auch verbal auf das diskriminierende "Götter" zu verzichten, da dieses Wort schließlich weibliche Gottheiten ausgrenze.

Da werden sich die nicht existenten, mythologischen Konstrukte namens Hera, Athene und Co. aber  freuen, dass sie jetzt am bayrischen Gymnasium  nicht länger diskriminiert werden. (Um die ging es nämlich in dem erwähnten Text.)

Nur müßte man jetzt konsequenterweise auch den Latten-Jupp in den Klassenzimmern abhängen. Denn dessen Vorhandensein diskriminiert und negiert nicht nur sämtliche GöttInnen, sondern alle anderen metaphysischen Entitäten gleich mit.

Hallo, Deutschlehrerin! Schon mal nachgelesen, was Wikipedia zur Begrifflichkeit des Wortes "Gott" zu sagen hat: "Die germanische Bezeichnung *guda- „Gott“ war ursprünglich geschlechtlich neutral, ebenso wie andere germanische Bezeichnungen für Götter."

Ebenfalls, so ganz nebenbei: Hera war die Schutzgöttin der Ehe, der Archetyp der schmollenden, zänkischen Ehefrau, die es sich gefallen ließ, von ihrem Ehemann (der auch ihr Bruder war) permanent mit jüngeren Frauen beschissen zu werden. Mehr anti-feministisch geht kaum.
Athene wiederum war eine clevere Kriegerjungfrau, die ihren Vater Zeus bezwang und den Menschen Wissen einhauchte. Also nicht unbedingt der Typ, der im Klassenkampf auf Unterstützung durch untervögelte unterforderte Deutschlehrerinnen angewiesen wäre.

Montag, 15. Dezember 2014

Freundlichen Gruß nach Frankfurt a.M.

An den VW-Fahrer mit dem Kennzeichen F-AV ...(Nummer weiss ich nicht mehr), der am 13.12. auf der A92 unterwegs war: Kannst du rücksichtloses Arschloch bitte demnächst deine Idiotenschleuder um den nächsten Baum wickeln?

Nein, ich wünsche dir nicht das baldige Ableben. Das wäre bäh-bäh, politisch to-tal unkorrekt. Außerdem ist nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Lerneffekt bei Verstorbenen gleich Null. Wobei der Fahrstil ja schon an einen Hirntoten erinnerte...

Nö. Hauptsache, die Karre ist im Eimer, der Lappen ist weg, und die hohle Birne ist eingedellt. Eigentlich reicht auch schon Lappen weg, das dann aber auf Lebenszeit. Rücksichtsloser Assi, der du bist.

Wer so fährt wie du Vollidiot und bei ca. 160 km/h mit nur 5 Meter Stoßstangen-Abstand andere Autofahrer vor sich her jagt, der nimmt Schaden an Leib und Leben anderer billigend in Kauf und kann keinerlei Mitleid erwarten. Zumindest nicht von mir.

Oder, wie der Bayer sagen würde: Der g'herad doch ausgschdign un gfotzt.

Mittwoch, 17. September 2014

Bekloppte in München, Teil 236

Kommt ein Mann in ein Kosmetikgeschäft und sagt zur Verkäuferin: "Ich würde gern Ferrero Rocher kaufen."
Verkäuferin, leicht irritiert: "Wie bitte?"
Kunde, mit mehr Nachdruck: "Ich hätte gern Ferrero Rocher."
Sagt die Verkäuferin lächelnd: "Ich auch."
Kunde schaut irritiert, fragt: "Hier kann man doch Ferrero Rocher kaufen?"
Verkäuferin, freundlich, aber bestimmt: "Leider nein." Sie deutet in die Runde. "Wir sind ein Kosmetikgeschäft."
Kunde schaut sich um. Ihm scheint zu dämmern, dass sie irgendwie Recht hat. Sichtlich konsterniert fragt er: "Und wo bekomme ich jetzt Ferrero Rocher?"
Verkäuferin: "Bei uns leider nicht. Wir verkaufen Kosmetikprodukte."
Er verläßt verstört das Geschäft und sagt draußen zu seiner Frau: "Die haben das hier gar nicht."

Nur mäßig witzig? Vielleicht hätte ich dazu sagen sollen, dass es sich bei dem Kosmetikgeschäft um "Yves Rocher" gehandelt hat...

(live erlebt von der schönsten Münchnerin)

Dienstag, 29. April 2014

Bekloppte in München Spezial

Ich möchte jetzt, dass ihr die Augen schließt, und euch die Kneipenszene auf Tattooine vorstellt. Ja genau: Die, wo in jeder Ecke irgendwelche schrägen Aliens herumlungern, einer seltsamer als der andere. (Ich hätte an der Stelle gern einen Screeenshot gezeigt, aber vermutlich verklagt mich George Lucas dann bis auf die Unterhose.)

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere auch noch an die Szenen aus "Total Recall" von 1990, wo Schwarzenegger durch das Vergnügungsviertel auf dem Mars trampelt, wo es vor Mutanten und anderen zwielichtigen Gestalten nur so wimmelt.

Habt ihr's? Dann könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie es am Münchner Ostbahnhof zugeht.

Bahnhöfe scheinen ja aus verschiedenen Gründen wie Magneten auf sämtliche Randgruppen der menschlichen Gesellschaft auszuwirken. Besonders auf solche, die sich bereits jenseits dieses Randes befinden. Nirgendwo sonst kann man so viele (im besten Sinne) Bekloppte antreffen wie auf Bahnhöfen. Eine Menagerie, aus der jeder durchschnittlich begabte Schriftsteller Stoff für mehrere Romane extrahieren könnte, hielte er sich nur ein paar Stunden dort auf.

Unter den Bahnhöfen dieser Welt nimmt der Münchner Ostbahnhof eine Sonderstellung ein.
Wann immer ich diesem einen Besuch abstattete, immer war dort gerade jemand dabei, vor den Augen aller auf den Boden zu pinkeln, sich wild mit den Augen rollend Wort-Gefechte in diversen Stammesdialekten zu liefern oder war in eine tiefschürfende Diskussion mit einer Mülltonne vertieft. Verrückte Trinker, betrunkene Fixer, fixende Nutten, nuttige Transen, transige Bettler und bettelnde Verrückte - hier gibt es nichts und niemanden, den es nicht gibt. Und das alles in allen Altersgruppen, Geschlechtern und Nationalitäten. Zumindest am hellichten Tag. Nachts wird das Ganze noch schlimmer.

Auch bei meinem heutigen, kurzen Besuch hatte kurz vorher offenbar wieder jemand irgendwo die Kellertür offen gelassen. Ich passierte nicht weniger als zwei (äußerst unattraktiv aufgetakelten) Transen, drei Menschen, die sehr laut und aggressiv mit sich selbst diskutierten, mehreren leicht verwirrten Rentnern und einer Gruppe plärrender Teens mit Migrationsvordergrund, die mit Vornamen offenbar alle entweder "Hurensohn" oder "Arsch" hiessen. Andere Länder, andere Sitten.

Mein Highlight war allerdings ein Wesen, von dem ich im Vorbeigehen weder Geschlecht noch Gattung feststellen konnte. Es trug ein grün schimmerndes Glitzer-Minikleid, einen kupferroten Mopp als Frisur. Der Rest war wallendes, weißes Fleisch, eine riesige Nase und leicht verlaufenes Make-Up. Das Wesen wirkte wie ein rasierter Außerirdischer vom Planeten Melmac, den man es am Morgen nach der letzten Karnevals-Sitzung in einem Besenschrank gefunden hatte. Sein einziges Bestreben schien darin zu liegen, sich einen riesigen Hotdog in die unter dem Monster-Zinken eher unpraktisch angebrachte Futter-Luke zu schieben.
Ich konnte nur für den Bruchteil einer Sekunde einen Blick auf die Kreatur werfen, dieser genügte aber, um den Anblick unauslöschbar in meine Netzhaut zu brennen. Nur eine Sekunde länger, und mein visueller Cortex wäre unwiderruflich geschädigt worden.

Damit ihr euch in etwa ein Bild machen könnt, das Tierchen sah in etwa so aus:

















Etwas vielleicht noch viel Bemerkenswerteres, weil Einmaliges, passierte mir auf einem Nebenschauplatz. Genauer gesagt, dem Burger King am Ostbahnhof.
Dort habe ich heute tatsächlich einen Burger bekommen, der Original so aussah wie auf dem Werbedisplay: ein Big Cheese. Ungelogen.
Lag vielleicht daran, dass der so derartig neu im (kurzzeitigen) Angebot war, dass das Personal mit meiner Bestellung erstmal gar nichts anzufangen wußte. Ich hab also vermutlich den Prototypen verspeist.
War lecker. Für BK-Verhältnisse.

PS: Lese gerade, dass olle Günni Wallraff sich soeben erst süddeutsche BK-Filialen vorgeknöpft hat. Die am Ostbahnhof ist nicht dabei. Vielleicht ist das noch eher der Grund für meine Bilderbuch-Bulette.

Donnerstag, 13. März 2014

Bekloppte in München, heute: Autofahrer

Wenn man meinen Blog so überfliegt, könnte man meinen, ich rege mich den ganzen Tag nur über Wahlplakate, Backwaren und die Post auf.

Stimmt natürlich nicht. Manchmal regt sich der Michel auch über Autofahrer auf.

Nehmen wir z.B. SUV-Fahrer. Die haben sich meine Verachtung ja schon alleine deswegen verdient, weil sie mit ihren spritsaufenden Yuppie-Panzern weder Dschungelpfade noch Wüstenpisten unsicher machen, sondern lediglich die Innenstadt des größten Dorfs verstopfen.

Kaum ein Fahrzeugtyp schreit so sehr "Statussymbol" wie ein SUV. Denn kein Schwein braucht auf Münchens verstopften, zugeparkten Strassen einen überdimensionalen Haufen Blech mit Allradantrieb.
Was sollen die Dinger also? Ein motorisiertes Schwanzwedeln in die Jahre gekommener Buchhalter und Gynäkologen etwa? Eher nicht, die bevorzugen schon eher winzige italienische Sportwagen.
Zudem stellt sich der durchschnittliche SUV-Fahrer bei näherer Betrachtung als weibliches Wesen Ende 40 heraus und sieht so aus, wie man sich im allgemeinen eine "Zahnarztfrau" vorstellt, nur ohne weißen Kittel. Und die nutzen ihre Vehikel nur dazu, in ihrem Mikrokosmos aus Pilates, Halbtagsjob und Biomarkt von A nach B zu gurken und zwischendurch ihre Last-Minute-Blagen zur Chinesisch-Nachhilfe zu kutschieren.
Das ginge zwar auch mit einem Fiat Uno. Nur stellt man eben mit einem Kleinwagen nicht die Finanzkraft des Familienernährers zu Schau. Und ein Fiat Uno schreit auch nicht gerade "Die Strasse gehört mir!".

Ihr Fahrstil zeichnet sich daher durch eine gewisse Hektik aus, man sollte also als Nebendran- oder Hinterher-Fahrer auf überraschende Lenk-, Brems- und Wendemanöver gefasst sein. Die ausufernden Dimensionen eines "Sports Utility Vehicle" scheinen für den Piloten zugleich Segen und Fluch zu sein. Segen, weil er sich der Illusion hingeben kann, unerreichbar über dem Rest der unter ihm dahinkriechenden Verkehrsteilnehmer zu schweben. Fluch, weil er gern mal die wahren Maße aus dem Auge verliert und daher sicherheitshalber vorzugsweise die Straßenmitte befährt. Zauberhaft.

Andere liebgewonnene Verkehrsteilnehmer sind die Landeier mit EBE oder FFB Kennzeichen. Diese leiden offenbar unter einem Minderwertigkeitskomplex bzw. unter dem Zwang, den Großstädtern auf deren eigenem Terrain unter Beweis stellen zu müssen, dass sie, die Aussätzigen Auswärtigen, auch cool sind. Das wiederum meinen sie dadurch erreichen zu können, indem sie Auto fahren wie die Vollidioten: zu schnell, gern bei Rot und ohne blinken.
Kann aber auch sein, dass es draußen im Outback nur halbblinde Fahrlehrer gibt, die ihre Fahrerlaubnis noch auf dem Tiger VI erworben haben.
Besonders auffällig finde ich, dass vor allem nachts mindestens genauso viele Fürstenfeld-Brucker wie Münchner auf Münchens Straßen unterwegs sind. Vielleicht gibt es da eine geheime Qote, nach der sich immer eine bestimmter Prozentsatz FFB-ler außerhalb ihres Reservats aufhalten müssen. Damit das Nest kein Übergewicht bekommt und vollends über den Rand der Erdscheibe kippt.

Freitag, 28. Februar 2014

An der Phrase des Mannes...

Eigentlich denkt man ja immer, München sei das rote gallische Dorf im sonst tiefschwarzen Bavaria.
Um so erstaunlicher ist es dann, wenn man erfährt, dass sich CSU und SPD derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters liefern.
Wenn man sich dann mal die Wahlplakate anschaut, versteht man langsam, warum.

Nehmen wir zuerst mal die SPD.
Deren Spitzenkandidat wirbt mit Sprüchen wie "Ja zu öffentlichem Nahverkehr" und "Ja zu bezahlbarem Wohnen", alles unter dem Motto "Damit München München bleibt".
Zunächst mal: Mir war nicht bewußt, dass München nicht mehr München ist, nur weil man etwas anderes wählt als SPD. Ich wußte auch nicht, dass andere Parteien offenbar den öffentlichen Nahverkehr verneinen. Muss ja so sein, ansonsten würde es kaum Sinn machen zu betonen, dass man selbst "ja" dazu sagt. 
Entweder das, oder die SPD setzt auf inhaltsleere Phrasen ohne jegliches Alleinstellungsmerkmal.
Nein! Doch! Oh!
Lediglich formelhaft "Ja" zu irgendetwas zu sagen ist wirklich eine GANZ billige Nummer und sagt wirklich NULL darüber aus, was die SPD und ihr Dieter Reiter tatsächlich konkret vorhaben.
Wie wär's an der Stelle noch mit "Ja zu sauberer Unterwäsche", "Ja zur Erdanziehung" oder "Ja zur Morgenlatte"?

Das letzte bißchen Luft aus den Sprechblasen entweicht spätestens dann, wenn man mal nachfragt, welche Partei denn die letzten Jahre beispielsweise für bezahlbares Wohnen zuständig war (und dabei gnadenlos versagt hat).

Cleverer hat es da der CSU-Herausforderer Schmid angestellt. Der scheint sich ein paar gute Berater genommen zu haben, denn er wird auf seinen Plakaten um einiges deutlicher. Zumindest solange man nicht weiter drüber nachdenkt. Man könnte beinah auf den Gedanken kommen, er würde heiße Eisen anpacken. Da steht dann unter anderen zu lesen: "SOZIAL ist, wenn Wohnungsnot nicht bedauert, sondern bekämpft wird".
Vordergründig wird er damit konkreter als die SPD mit ihrem "Ja zu bezahlbarem Wohnen", wildert in der "Sozial"-Domäne der Sozen und wirft ihnen gleichzeitig auch noch indirekt Versagen vor.
Aber sagt er denn eigentlich damit auch irgendwas zu SEINER Position aus? Teilt er uns mit, was er und die CSU nach der Wahl so vor haben in Sachen bezahlbarer Wohnraum?

NÖ. Nicht die Spur, nicht das kleinste bißchen. Eigentlich sogar noch weniger als die Sozen, die bekennen sich mit ihrem "Ja" wenigstens zu irgendwas, wenn auch auf die schwammigst mögliche Art und Weise. Schmid gibt hier lediglich den Besserwisser und wedelt den anderen mit dem erhobenen Zeigefinger vor der Nase herum, gibt aber über seine Absichten NICHTS preis.
Genauso sieht es mit den anderen Slogans aus. "Grün ist..." dies, "Modern ist..." jenes. Blabla. Was im ersten Moment so wirkt, als hätte einer verstanden, was die Menschen bewegt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als genau so inhaltsleer wie das, was die SPD so losläßt.

Mit einem der Wahlsprüche hat Schmid allerdings dann doch ins Klo gegriffen. Unter dem Motto "Kein Filz mehr" heißt es: "Neu ist, wenn in der Klinikleitung Kompetenz zählt, nicht das Parteibuch." Was für eine gequirlte Scheisse. Wenn die CSU überhaupt für irgendwas steht oder je gestanden hat, dann ist es wohl Filz, Filz und nochmal Filz. Das ist in etwa so glaubwürdig wie ein Pornokino bei den Taliban.

Was ich in einer CSU-Wahlbroschüre außerdem noch gefunden habe: Dort waren alle Kandidaten mit ihrer jeweiligen Konfession aufgeführt, alle brav ev. oder röm.-kath..
Alle - außer der Vorsitzende der JU Allach-Untermenzing. Der gute Mann ist nämlich Moslem, was man aus der Bröschüre allerdings nicht erfährt. Für die Info muss man schon fleissig googeln. Wieso man ausgerechnet bei seinem Steckbrief die Konfession weggelassen hat, darüber darf ruhig ein bißchen spekuliert werden...

Samstag, 25. Januar 2014

Nicht schon wieder!

Im größten Dorf hängen schon wieder irgendwelche Parteienplakate. Da dachte sich der Michel: Schaun wir mal nach, warum das so ist.
Nun, viel Detektivarbeit hat es nicht erfordert. Tatsächlich sind im März Stadtratswahlen.

Was soll ich sagen: Ich hab gerade mal zwei Plakate gesehen, auf jedem nur den ersten Satz gelesen, und hab schon den Kanal voll.
Auf beiden Plakaten drehte es sich thematisch um eines der heißesten kommunalen Themen Münchens: die hiesige Wohnungsnot. 

Plakat Numero Uno war von der SPD oder, wie Felix von Leitner sie gerne nennt, der "Verräterpartei".
Da stand dann so sinngemäß sowas drauf wie "Die Wohnungsnot darf einem nicht nur auffallen. Man muss auch was dagegen tun." Jedenfalls so ähnlich. Dreimal dürft ihr raten, wer schon seit gefühlten hundert Jahren die bayrische Landeshauptstadt regiert, und damit an der Wohnsituation mit-, wenn nicht sogar hauptschuldig ist.
Ja, genau. Die Sozen.

Das zweite Plakat war von der FDP. Ja, der FDP. Da stand dann sowas wie ein Aktionsprogramm drauf, mit x Punkten. Ich hab nur den ersten Punkt gelesen, der da lautete "Neubau von 10.000 Wohnungen durch sensible Verdichtung". Oder so ähnlich.
"Sensible Verdichtung"? A la Legebatterie, oder was? Die AZ meldet im Oktober 2013, dass der Quadratmeter Wohnraum in Müchen mittlerweile 5212 Euronen kostet. Die Leute verdichten sich schon von alleine, weil sich das kaum noch einer leisten kann. Und dann kommt die Lobby-Partei der Immobilienmakler und Investmentfonds mit so einer Kack-Parole um die Ecke. Ihr wollt echt nicht wieder in den Bundestag, oder? Versucht erstmal, die grauen Zellen eurer restlichen Mitglieder zu einem funktionierenden Resthirn zu verdichten.
Aber bitte sensibel, versteht sich.

Donnerstag, 9. Januar 2014

(P)ostalgie

Immer, wenn ich Sehnsucht nach der alten DDR habe (also der vor '89), dann begebe ich mich an einen Ort, an dem ich Zustände vorfinde "wie früher".

Die Rede ist von meiner (neuen) Post-Filiale. (Die alte war auch schon supi, aber die neue kann ihr locker das Wasser reichen.)

Wann immer ich dort vorstellig werde bzw. werden muß, weil der Paketbote mal wieder zu bequem oder zu unterbezahlt war, um Treppen zu steigen, kann ich dort mal wieder so richtig Schlange stehen. Und zwar bis raus auf die Strasse. Und auch garantiert JEDES MAL, egal zu welcher Uhrzeit man kommt. Ich muss dann nur noch die Augen schließen und mir vorstellen, es wäre 1980, ich stünde vorm Konsum und es wäre gerade eine Lieferung grasgrüne, furztrockene Cuba-Orangen eingetroffen.
Mal ehrlich: Wo kriegt man das denn heute noch geboten? Mal so richtig lange Schlange stehen? Wie so eine schockgefrostete Polonaise?

Überall sonst eilen aus irgendwelchen Katakomben übereifrige Servicekräfte herbei, sobald auch nur mehr als vier Kunden hintereinander stehen. Und falls das doch mal nicht sofort passiert, muss nur irgendein Rentner "Dritte Kasse!" krächzen, und schwupp! - materialisiert sich irgendein dienstbarer Geist vor den Augen der Wartenden. Ich hatte schon beinah den Glauben an die "Servicewüste Deutschland" verloren, bevor ich sie bei der Post wiederentdeckte, wo man sie nährt und hegt wie ein verlassenes Seehundbaby.

Es hat auch immer wieder etwas Kontemplatives, wenn man den Postbediensteten dabei zuschaut, wie sie sich durch keine noch so lange Schlange und keinen aufgebrachten Kunden aus der Ruhe bringen lassen. Zum Beispiel heute, als auch ich mir wieder einmal eine Dosis Entschleunigung abholen durfte. Wenn man dann beobachten darf, wie eine der Mitarbeiterinnen in aller Seelenruhe auf Puschen durch die Abteilung schlurft, während Dutzende schwitzender, übel gelaunter Wartender sie mit Argusaugen beobachten und sichtlich in Gedanken verschiedene Lynch-Szenarien durchgehen: Das hat schon was von Todesverachtung. Und Chuzpe.
Ob die das irgendwie trainieren?

Interessant fand ich auch, wie eine andere Mitarbeiterin einem zugegebenermaßen etwas bräsigen Kunden erklärte, dass sie ja gar nicht bei der Post angestellt sei, sondern bei der Postbank, und daher für sein Problem mit der Packstation gar nicht zuständig wäre. Auch mit DHL und so hätte sie eigentlich gar nichts zu tun. Und das, obwohl direkt über ihrem Kopf die Logos von Postbank, Post und DHL in trauter Dreifaltigkeit nebeneinander prangten. Bei dieser Aussage blieb sie dann auch eisern. Nichts hätte sie dazu bewegen können, auch nur einen Schritt auf ihr Opfer zuzugehen. Herrlich, wie Figuren aus einem Karl-Valentin-Sketch.

Und auch die Kniffe, mit denen man einen angesäuerten Kunden nochmal einen Meter weiter die Palme rauftreibt, beherrschte die Dame gekonnt. Was sie unter Beweis stellte, in dem sie sich mit dem nächsten Kunden über die heraustrabende Wanninger-Dublette lustig machte.

Beinah wäre auch ich in den Genuß königlich-bayrischer Beamtenlogik gekommen. Als ich endlich an der Reihe war, erklärte mir der mir zugewiesene Postoberamtssekretär mit skeptisch gefurchter Stirn, dass auf meinem Paketabholschein zwar "Abholbar ab nächsten Werktag, 14:00 Uhr" stünde. Tatsächlich bedeute dies aber, dass das Paket erfahrungsgemäß erst nach 17:00 einträfe. Er glaube ja nicht, dass das Paket da sei.
War es dann aber doch. Hat dem Mann vielleicht einen Besuch beim Zahnarzt erspart.

Jetzt mal ohne Flachs: Mann, ej! Post! Oder Postbank, oder wie auch immer euer Haufen sich nun schimpft! Die Post war mal eine deutsche Institution, mit stolzen Mitarbeitern, für die es sogar ein eigenes Ministerium gab, jeweils in Ost und West. "Schnell wie die Post" war mal ein Synonym für Effizienz.
Und jetzt? Was für ein trauriger Haufen!

Wenn eure unterbezahlten Paketzusteller schon nicht mehr das machen, wofür man eigentlich Porto zahlt, nämlich Pakete zustellen, dann stockt wenigstens euer Personal auf. Oder baut mehr Packstationen. Die allermeisten Münchner sind berufstätig, was glaubt ihr eigentlich, wer Zeit hat, sich tagsüber stundenlang die Beine in den Bauch zu stehen, um seine Post abzuholen? Damit einem dann am Ende noch so eine arrogante Trantüte erzählt, man müsse morgen nochmal wiederkommen? Oder soll man sich zukünftig drei Tage Urlaub nehmen, nur weil man auf ein Paket wartet und den DHL-Menschen nicht verpassen will?

Wenn ich mir dann noch vorstelle, ich wär ein gehbehinderter Rentner, der sich stundenlang anstellen muss, um dann den schweren neuen Staubsauger, der eigentlich hätte geliefert werden sollen, irgendwie nach Hause in den dritten Stock karren zu müssen... dann könnte man dann schon Gewaltfantasien entwickeln.

Dienstag, 7. Januar 2014

Bekloppte in München reloaded

Lange herrschte Ruhe in dieser Rubrik. Grund: Eine unerklärliche Beklopptenflaute im größten Dorf. Und das, obwohl nach dem Wahlsieg noch mehr christsoziale Einzeller in der Landeshauptstadt herumamöben.

Heute allerdings darf ich diese schöne Sparte reanimieren, nachdem ich der Bedienung in einem Münchner Cafe beim Scheitern zusehen durfte, und das gleich auf mehreren Ebenen.

Ort: Das gut besuchte Cafe "Limulus" im Museum Mensch und Natur. Hauptdarsteller: der Michel, die schönste Münchnerin, die bezauberndste Tochter und eine junge Dame, die mit der despektierlichen Bezeichnung "Teller-Taxi" noch wohlwollend umschrieben wäre.

Das einzige, was die junge Frau im Folgenden auf die Reihe bekommen sollte, war die Aufnahme unserer Bestellung: ein Milchkaffee, ein Cappuccino, eine Cola, einmal Rosinenstollen, einmal Mohnstollen und ein Cookie. Offenbar haftete dieser Kombination etwas Fatales an, zumindest hatten wir damit wohl den Zentralrechner der Tablett-Else überlastet.

Das erste, was aufgetischt wurde, war die Cola der Tochter. Danach trudelten zwei Stück Mohnstollen ein, von denen wir nur eines bestellt hatten (Reklamation Nr. 1). Danach kamen, ebenfalls mit einigem Zeitabstand, die beiden Kaffees. Was gar nicht kam, bzw. erst nach einer Erinnerung, war der Cookie (Reklamation Nr. 2). Auch auf die vom vorherigen Gast auf dem Tisch hinterlassene und eigentlich gut sichtbare Wasserpfütze wurde sie erst nach erneuter Intervention aumerksam.
Zwischenzeugnis: Unprofessionell und konfus, aber (noch) nicht tragisch.

So richtig interessant wurde es dann, als wir um die Rechnung baten. Auf der Rechnung, die uns das Serviergenie daraufhin anschleppte, standen zwei Cappuccino und ein Kakao. Offenbar nicht unsere (Reklamation Nr.3). Die junge Frau eilte wieder in Richtung Kasse davon. Nur fünf Minuten später kehrte sie an den Tisch zurück, um zu fragen, wie viele Cappuccino wir denn nun gehabt hätten. Wir wiederholten unsere Bestellung, die junge Frau eilte erneut davon, mit der Ansage, nun würde sie die Bestellung sicher im Computer finden.
Zehn Minuten verstrichen, zehn Minuten, in denen wir zuschauen durften, wie die Torfnase in aller Ruhe Nebentische abkassierte. Unsere Sonntagslaune begann zu kippen. Wieder bei uns angelangt, stellte sie eine heiße Schokolade vor uns ab und fragte ernsthaft, ob wir die bestellt hätten. Und reagierte tatsächlich hilflos-überrascht, als wir verneinten. Das war dann der Moment, wo ich anfing, nach versteckten Kameras Ausschau zu halten. Leider waren da keine.

Unsere Rechnung dagegen hatte sie wieder nicht dabei, versprach aber, jetzt dann gleich damit vorbei zu kommen. Weitere fünf Minuten gingen ins Land, bevor sie ein viertes Mal vor uns stand, leider wieder mit leeren Händen (ich hatte zumindest damit gerechnet, dass sie mir ein nicht bestelltes Schnitzel mitbringt), um uns noch einmal mitzuteilen, dass sie die Rechnung, den Bon oder was auch immer nicht finden konnte.

Der schönsten Münchnerin rissen daraufhin ein bis vier Geduldsfäden, was sich darin äußerte, dass sie der Servier-Dilletteuse freundlich anbot, sie per Tritt ins Zentralmassiv in eine erdnahe Umlaufbahn zu verfrachten. Naja, nicht wirklich. Klingt aber gut. Es reichte dann doch nur für eine unmißverständliche Aufforderung, ihre Sonderschulkenntnisse zusammenzukratzen und den Zahlbetrag von Hand zusammenzuprokeln, und zwar yallah-yallah. Das schaffte sie dann bei ihrem fünften (!) Besuch an unseren Tisch erstaunlicherweise sogar, ohne Schuhe und Socken auszuziehen. Was mich wiederum davon abhielt, ihr den "Forrest Gump"-Ehren-Oscar zu verleihen, den ich inzwischen aus den Überresten des Cookies geknabbert hatte.

Montag, 30. September 2013

Münchner Allerlei

Asia-Bringdienste! (schon wieder!)

Muß man neuerdings bei der Bestellung extra dazu sagen, dass die Krabbenchips frisch sein sollen?
Schon klar, dass man nicht permanent einen Mitarbeiter abstellen kann, der den ganzen Tag ausschließlich säckeweise Krupuk frittiert, und daher etwas "auf Halde" produziert. Oder produzieren läßt.

Nur verschiebt sich der Verwendungszweck von Krupuk bereits einen Tag nach der Zubereitung  von "Nahrungsmittel" weg in Richtung "Verpackungsmaterial". Die Dinger sehen dann nicht mehr nur aus wie Styropor, sie schmecken auch so.
Also nochmal zum Mitschreiben: Wenn ich Krupuk bestelle, will ich die frischen, knusprigen. Nicht die pappigen, mürben, geschmacklosen, drei Tage alten.



Sodexho!

Ein hübsches Steuersparmodell habt ihr euch da ausgedacht mit euren Restaurantschecks.
Das geht so: Arbeitgeber nutzen die staatliche Förderung von Mitarbeiterverpflegung aus und zahlen quasi Gehälter anteilig in Sodexho-Restaurantschecks aus. Jeder Scheck wird teils vom Arbeitgeber bezuschußt, teils über das Gehalt finanziert, welches sich dadurch natürlich verringert. Der Arbeitgeber und Sodexho gewinnen dabei. Die Scheck-Empfänger gucken in die Röhre, weil die die Dinger ja irgendwie loswerden müssen. Und das gestaltet sich gar nicht so einfach.

Generell werden die Schecks nur von einigen Supermarkt-Ketten, Restaurants und Bringdiensten angenommen.
Problem Nr.1: Discounter wie Aldi akzeptieren die Dinger gar nicht.
Problem Nr. 2: Rewe akzeptiert nur einen Scheck pro Tag, weil dies von Sodexho so vorgegeben wird. Schließlich soll jeweils nur eine Mahlzeit pro Tag und pro Person gefördert werden. Das macht aber nur Sinn, wenn ich wirklich jeden Tag zu Rewe gehe, um mir dort jeweils eine einzelne Mahlzeit zu kaufen. Das ist kaum realistisch. Zumal es ja durchaus auch sein könnte, dass man z.B. für vier andere Scheckinhaber mit einkauft. Rewe interessiert das alles aber nicht.
Bleibt für mich persönlich nur Tengelmann (andere Akzeptanzstellen gibt es nicht in der näheren Umgebung). Die sind aber a) nicht ganz billig und b) geben auf Schecks kein Wechselgeld heraus. Problem Nr. 3 dieses Scheck-Systems.
Bleibt das Einlösen gegen warme Mahlzeiten. Kulinarisch grenzwertig, denn man ist gezwungen, sich entweder McDonalds und anderen Fastfood-Tempeln zuzuwenden, oder bei Lieferdiensten zu bestellen. Nur fangen letztere mittlerweile auch an herumzuzicken, und berufen sich auf die Ein-Scheck-Regel, auch wenn man gerade 3 Familienpizzen bestellt hat. Rückgeld gibt es natürlich auch hier wieder nicht.
Als Grund führen die Bringdienste an, dass die Gebühren, die sie abdrücken müssen, wenn sie die Schecks einlösen, ihre schmalen Gewinnmargen auffressen. Kann man auch wieder verstehen, löst aber nicht das Problem der Scheckbesitzer.
Es läuft also alles darauf hinaus, dass ich die Schecks in einen Supermarkt tragen muss, in dem ich für den Einkauf das Doppelte von dem zahle, was es beim Discounter gekostet hätte. Tolle Wurst.
Man kann sich das System nicht mal schön saufen, weil man mit den Schecks keinen Alkohol kaufen kann.
Danke, Sodexho!

Bäckerei Bachmeier!

Es ist nicht so, dass ich nach dem Ende von Müller-Brot (die haben mittlerweile nach einer Runderneuerung einen Neustart gewagt) ein neues Feindbild bräuchte.
Aber die Bachmeier-Produktpalette, soweit ich sie bisher verkostet habe, läßt sich in genau zwei Kategorien einordnen: "furztrocken" (Brot und Semmeln) oder "pappsüß" (Kuchen und Teilchen).
Ehrlich. Zumindest für die erste Kategorie hat mir eine Verkäuferin eine Erklärung geliefert: Bachmeier läßt u.a. in Österreich produzieren, was den Weg vom Backofen zum Bäckereiregal noch einmal entscheidend verlängert. Nicht das einzige Manko: Die Baguettesemmeln weisen am Boden dasselbe Pünktchenmuster auf wie Aufback-Semmeln aus dem Supermarkt (s.Bild).


Wenn ich aber schon zum Bäcker gehe, wo Semmeln das Drei- bis Vierfache kosten, möchte ich dafür auch frische, knusprige, mit Liebe geknetete Brötchen haben und keine DIN-genormte Fabrikware.

Schlimmer sind fast noch die Süßwaren. Auch diese sind weitgehend geschmacklos, trocken und viel zu süß. Ob ich ein Plunderteilchen von Bachmeier esse oder ein Stück Würfelzucker lutsche - der geschmackliche Unterschied ist marginal.
Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass der Bäcker in den letzten Wochen Boden gut gemacht hat. Denn Bachmeier hat als einer der wenigen Bäcker Münchens mit Pflaumenmus gefüllte Krapfen im Angebot. Und die sind gar nicht mal sooo schlecht...
Ausruhen würde ich mich allerdings darauf nicht, wenn ich Bachmeier wäre. Ein vernünftiger Artikel, noch dazu Saison-Artikel, aus einem ganzen Sortiment ist echt ein Armutszeugnis. Und meine Ansprüche sind sooo hoch nicht. Wenn Gebäck einfach nur frisch ist, ist das schon die halbe Miete.

Freitag, 9. August 2013

Nochmal zu den Wahlplakaten…

 …da stechen zwei besonders hervor.

 Das erste ist von der FDP. Es zeigt einen gesetzten Herren, einen der austauschbaren 08/15-Schlipsträger, welche die FDP scheinbar in geheimen Laboratorien fließbandmäßig zusammenklonen läßt.
Der Mann schaut so vertrauenheischend und bedeutungsschwanger aus seinem Plakat heraus wie Claus Kleber, wenn er grade den neuesten Bodycount aus Syrien vorliest. Neben seinem Konterfei prangt der schöne Slogan „Zutiefst liberal“.

Ich frage mich, was jemand uns damit sagen will, wenn er von sich behauptet, nicht einfach nur liberal, sondern zutiefst liberal zu sein. Heißt das dann, dass man dem im Restaurant auch den Fisch bringen kann, obwohl er Steak bestellt hat? Und er trotzdem damit glücklich ist? Bzw. sogar zutiefst glücklich?
Heißt das, dass er auch mal ohne Hose aus dem Haus geht, die Unterwäsche außen trägt oder gern mal mit wehender Banane über Wahlkampfbühnen tobt?
Oder heißt das, dass er dafür einsteht, dass man tun und lassen darf, was man will? Dass man mit 14 wählen darf, Auto fahren mit 12, Rauchen ab 8? Dass man in der U-Bahn dem Sitznachbarn mit der rechten Hand in der Nase bohren kann, während die linke den glimmenden Joint balanciert?

Vermutlich nicht. Schade eigentlich.

Was sich auf der Webseite des Abgeordneten stattdessen an Kern-Themen findet, überrascht dann doch: flächendeckender Ausbau von Kinderbetreuung, bessere Asylpolitik, Gleichstellung von Homosexuellen und Transgendern, Förderung von Multi-Kulti, eigenverantwortliche Schulen usw. Offenbar bedeutet „zutiefst liberal“ im Klartext „Wischi-waschi-grün mit Sozi-Einschlag“.

Das andere Plakat haben die Republikaner aufgehängt. Die haben wohl auch bemerkt, dass sie plakatmäßig bisher eher unterrepräsentiert waren, und haben über Nacht den gesamten Innenstadt-Ring mit Plakaten tapeziert. Alle mit nur einem einzigen Motiv: Zu sehen sind angemalte, nackte Hinterteile in rot, gelb, grün und schwarz. Bildunterschrift: „Welchen… wählen Sie?“, oder so ähnlich.

Dazu fällt mir ja so einiges ein.

  • Dass sich eine Partei, die bisher eher weniger durch verbale Zurückhaltung aufgefallen ist, nicht traut, das schöne alte deutsche Wort „Arsch“ auf die Plakate zu drucken, sagt eine Menge über deren Chuzpe… pardon, Courage…ähm, irgendwie sind mir gerade die deutschen Synonyme ausgegangen… 
  • Ist dieser billige Schenkelklopfer für Grenzdebile und der gleichzeitige völlige Verzicht auf Inhalte ein (zum Scheitern verurteilter) Versuch, sich als die neue Spaßpartei* zu etablieren? 
  • Ist der Einsatz von Arschbildern als einzigem Werbemittel nun ein Anzeichen für die anale Fixierung dieser Partei oder für deren latente Homosexualität? 
  • Schlußendlich: Wenn ich wählen müßte, würde ich einen roten, schwarzen, gelben und sogar grünen Arsch einem braunen vorziehen. Wenn Sie wissen, was ich meine.
PS: Den Spaßwahlkampf hat in diesem Jahr schon die SPD für sich abonniert. Erst Uhde mit seinen (Achtung: Wortwitz) "Wort-Spielen", und nun Florian Post, der mit "Post für Sie" für sich wirbt. Da wundert es einen, dass er überhaupt Plakate hat kleben lassen, und nicht einfach nur - Achtung, Schenkelklopfer!- Post-Its.
Was der wohl einst auf seinen Grabstein schreiben läßt? "Post mortem"? 

PPS: Den ökologischsten Wahlkampf macht im Moment definitiv die Bayernpartei - da können sich die Grünen eine Scheibe abschneiden. Die recyceln nämlich ihre alten Wahlplakate und werben seit gefühlt 10 Jahren mit ein und denselben zwei Motiven, einem Bayern-Wappen und einem Bayern-Goldesel, der für Europa und Rest-Deutschland zahlen muß.