Dienstag, 27. August 2013

Bon Voyage

...keine Ahnung, wann ich das erste Mal ein Buch von ihm in der Hand gehalten habe. Ich nehme an, meine Frau hatte es auf der Spiegel Bestseller Liste gesehen und gekauft. Es war "Tschick", ein Roman über zwei Außenseiter und den Sommer ihres Lebens. Vielleicht hab ich es so geliebt, weil doch das eine oder andere aus meinen jugendlichen Sommern abgeschrieben worden sein könnte. Seitdem haben mich diese Bücher und die Lebensgesschichte des Autors nicht mehr losgelassen.

Heute nun ist Wolfgang Herrndorf gestorben und so wie ich seinen Blog verstanden habe, dürfte er erlöst sein. Ich nehme nicht an, dass er auf einer Wolke sitzt und die Harfe schwingt, denn daran  glaubte er nicht. Aber ich hoffe, dass er eine neue Reise angefangen hat und ich hoffe einfach, dass er uns noch "Isa" hinterlassen hat...

Daher ohne viel Pathos...Mach`s gut und Danke für den Fisch!

Ed

Freitag, 9. August 2013

Nochmal zu den Wahlplakaten…

 …da stechen zwei besonders hervor.

 Das erste ist von der FDP. Es zeigt einen gesetzten Herren, einen der austauschbaren 08/15-Schlipsträger, welche die FDP scheinbar in geheimen Laboratorien fließbandmäßig zusammenklonen läßt.
Der Mann schaut so vertrauenheischend und bedeutungsschwanger aus seinem Plakat heraus wie Claus Kleber, wenn er grade den neuesten Bodycount aus Syrien vorliest. Neben seinem Konterfei prangt der schöne Slogan „Zutiefst liberal“.

Ich frage mich, was jemand uns damit sagen will, wenn er von sich behauptet, nicht einfach nur liberal, sondern zutiefst liberal zu sein. Heißt das dann, dass man dem im Restaurant auch den Fisch bringen kann, obwohl er Steak bestellt hat? Und er trotzdem damit glücklich ist? Bzw. sogar zutiefst glücklich?
Heißt das, dass er auch mal ohne Hose aus dem Haus geht, die Unterwäsche außen trägt oder gern mal mit wehender Banane über Wahlkampfbühnen tobt?
Oder heißt das, dass er dafür einsteht, dass man tun und lassen darf, was man will? Dass man mit 14 wählen darf, Auto fahren mit 12, Rauchen ab 8? Dass man in der U-Bahn dem Sitznachbarn mit der rechten Hand in der Nase bohren kann, während die linke den glimmenden Joint balanciert?

Vermutlich nicht. Schade eigentlich.

Was sich auf der Webseite des Abgeordneten stattdessen an Kern-Themen findet, überrascht dann doch: flächendeckender Ausbau von Kinderbetreuung, bessere Asylpolitik, Gleichstellung von Homosexuellen und Transgendern, Förderung von Multi-Kulti, eigenverantwortliche Schulen usw. Offenbar bedeutet „zutiefst liberal“ im Klartext „Wischi-waschi-grün mit Sozi-Einschlag“.

Das andere Plakat haben die Republikaner aufgehängt. Die haben wohl auch bemerkt, dass sie plakatmäßig bisher eher unterrepräsentiert waren, und haben über Nacht den gesamten Innenstadt-Ring mit Plakaten tapeziert. Alle mit nur einem einzigen Motiv: Zu sehen sind angemalte, nackte Hinterteile in rot, gelb, grün und schwarz. Bildunterschrift: „Welchen… wählen Sie?“, oder so ähnlich.

Dazu fällt mir ja so einiges ein.

  • Dass sich eine Partei, die bisher eher weniger durch verbale Zurückhaltung aufgefallen ist, nicht traut, das schöne alte deutsche Wort „Arsch“ auf die Plakate zu drucken, sagt eine Menge über deren Chuzpe… pardon, Courage…ähm, irgendwie sind mir gerade die deutschen Synonyme ausgegangen… 
  • Ist dieser billige Schenkelklopfer für Grenzdebile und der gleichzeitige völlige Verzicht auf Inhalte ein (zum Scheitern verurteilter) Versuch, sich als die neue Spaßpartei* zu etablieren? 
  • Ist der Einsatz von Arschbildern als einzigem Werbemittel nun ein Anzeichen für die anale Fixierung dieser Partei oder für deren latente Homosexualität? 
  • Schlußendlich: Wenn ich wählen müßte, würde ich einen roten, schwarzen, gelben und sogar grünen Arsch einem braunen vorziehen. Wenn Sie wissen, was ich meine.
PS: Den Spaßwahlkampf hat in diesem Jahr schon die SPD für sich abonniert. Erst Uhde mit seinen (Achtung: Wortwitz) "Wort-Spielen", und nun Florian Post, der mit "Post für Sie" für sich wirbt. Da wundert es einen, dass er überhaupt Plakate hat kleben lassen, und nicht einfach nur - Achtung, Schenkelklopfer!- Post-Its.
Was der wohl einst auf seinen Grabstein schreiben läßt? "Post mortem"? 

PPS: Den ökologischsten Wahlkampf macht im Moment definitiv die Bayernpartei - da können sich die Grünen eine Scheibe abschneiden. Die recyceln nämlich ihre alten Wahlplakate und werben seit gefühlt 10 Jahren mit ein und denselben zwei Motiven, einem Bayern-Wappen und einem Bayern-Goldesel, der für Europa und Rest-Deutschland zahlen muß.

Sonntag, 4. August 2013

Splitter

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, wo ein Betriebssystem auf ein paar Disketten gepaßt hat? Windows 3.1 benötigte damals ungefähr 10 MB. Windows 8 braucht 16 GB.
Mann, mein erster PC hatte eine 80 MB-Festplatte. Ich hab ihn dann mit einer 30 MB-Festplatte "aufgerüstet". Aus heutiger Sicht ein absurder Gedanke.
Das muß etwa zu der Zeit gewesen sein, als man sich noch Urlaubskarten geschrieben hat. Als MTV noch Musikvideos gezeigt hat. Als es noch Videotheken gab, in denen echte Menschen arbeiteten, wo auf  winzigen Billig-Fernsehern den ganzen Tag drittklassige Action-Schinken liefen, ohne Ton?

Wer hat da gerade "Was ist denn eine Diskette?" gesagt?

Ich glaube, wenn bei "Wer wird Millionär" irgendwann mal die 1 Mio-Euro-Frage lautet "Was bezeichnet man als Bandsalat?", wird es für mich Zeit, mich vom Zivi an die Klippe rollen zu lassen...
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Endlich hängen wieder Wahlplakate in München. Und brechen wieder Rekorde der Einfallslosigkeit.
Die FDP hat die Stadt mit einem Aufgebot neokonservativer Schmierlappen verkleistert, die durch die Bank alle aussehen wie Anlageberater.
Die Piraten haben erstaunlicherweise lauter Frauen auf ihren Plakaten, die entweder lustig kucken oder aussehen, als habe man ihnen gerade den letzten Grünkernbratling vor der Nase weggeschnappt. Nachdem die Piraten in den letzten Jahren aber keine einzige der Steilvorlagen genutzt haben, mit Netz-Themen zu punkten (was ja mal deren Kernkompetenz war), werden putzige Grimassen allein nicht reichen, damit genügend Leute ihr Kreuzchen bei denen machen..
Die SPD setzt alles auf eine Karte (Uhde) und macht mit ihren Wortspielen einen auf originell. Aber auch das geht nach hinten los. Wer will schon einen Politiker, der nur symbolisch "Wort hält" bzw. mit dem Worthalten fade Scherze treibt? (Für Nicht-Münchner: Uhde hält auf dem Plakat das Wort "Wort" in den Händen.)
Die CSU hält sich bisher angenehm zurück, wenn man mal von einem spirituell angehauchten Plakat absieht, dass unter dem Titel "Berührungspunkte" einen Kreis von Händen vor einem blau-weißen Himmel zeigt.
Die Grünen treten ebenso dezent in Erscheinung: ein Foto eines Bartträgers, daneben irgendein Schlagwort geklatscht (irgendwas mit "Umwelt") - fertig.
Von der Linken und dem Rest ist gar nichts zu sehen.
Alles in allem: Null Kreativität, null Inhalt, nicht ein Fitzelchen Selbstironie. Echt armselig.

Update: Hab heute doch noch ein Linken-Plakat entdeckt. Motiv: Gysi. Was 'ne Überraschung. Wie sieht's bei denen eigentlich mal mit Nachwuchs aus?
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Wieso macht Steven Seagal  eigentlich noch Filme? Das einzige, was ihn als Action-Darsteller attraktiv gemacht hat, waren seine Martial-Arts-Einlagen. Das ist nun aber auch schon flockige 20 Jahre her. Nachdem er aber, alt und fett, wie er ist, nicht mehr kickt, sondern nur noch ballert, nervt seine Holzschnittvisage eigentlich nur noch.

Was wäre wohl so ziemlich der schlechteste Film, den man sich ausdenken kann? Bei mir ist die Grenze in etwa hier: Ein schwules Ex-Geheimagenten-Pärchen, gespielt von Steven Seagal und Adam Sandler, muß in einem fiktiven Wüsten-Staat ein Pumpernickel-Wett-Essen organisieren. Sämtliche Dialoge der Hauptdarsteller bestehen aus von Sandler gefurzten Operetten-Melodien, welche Seagal jeweils mit einem kalten Starren beantwortet, während er mit einem riesigen Samurai-Schwert das Schwarzbrot kleinschneidet. Am Ende des 5-stündigen Film-Epos sind alle tot (Cameo-Auftritt Nicholas Cage als manisch-depressiver Bestattungsunternehmer). Regie: David Hasselhoff. Produzent: William Shatner.
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Preisfrage: Wenn man, so wie bei uns kürzlich geschehen, der Wasserwacht ein paar Rettungssurfbretter klaut, während diese bei einem Notfalleinsatz ein Menschenleben retten, ist man dann
a) hohl wie Schnittlauch,
b) dumm wie Dackelscheiße oder
c) einfach nur ein ungebildetes, ignorantes, skrupelloses Quadratarschloch?
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Was ist denn mit unseren Bauern los? Ich  kann mich an kein Jahr erinnern, in dem deutsche Landwirte sich nicht über das Wetter beklagt und fürchterliche Mißernten prophezeit hätten (um dann doch jedes Jahr Rekordernten einzufahren). Zu warm, zu kalt, zu trocken, zu naß, zu viel Regen, zu wenig Regen, zu früher Sommer, zu später Sommer, zu langer Sommer, zu kurzer Sommer. Whatever.
Und was muß ich jetzt in der Zeitung lesen? "Landwirte erwarten eine normale Ernte, Klagen seien nicht angebracht". Ist die Cannabis-Ernte auch gut ausgefallen, oder wo sonst kommt diese neue Gelassenheit her? Oder dünstet der Monsanto-Mais auf den Feldern neuerdings auch Glückshormone aus?
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"Der BND geht davon aus, dass sich hinter dem BND-Standort Bad Aibling diejenige Stelle verbirgt, von der aus massenhaft Daten an US-Geheimdienste weitergegeben wurden." Die sind offenbar so geheim, die wissen also nicht mal, was in den eigenen vier Wänden passiert?
"Die Bundesstaatsanwaltschaft prüft, ob sie überhaupt zuständig ist." Ja, wer denn sonst, verdammte Axt? Die Komparsen-Truppe von "Barbara Salesch" etwa?
Wozu füttert Deutschland eigentlich seine fünf (!) Geheimdienste durch? Bisher haben sie doch nur dadurch geglänzt, sich im Zweifel an nichts zu erinnern, nichts von Relevanz aufzuklären und auf Recht und Gesetz zu scheißen. Nennenswerte Erfolge: Annähernd Null. Parlamentarische Kontrolle: Ebenfalls annähernd Null.

Hat es in der Geschichte der Geheimdienste schon jemals einen gegeben, von dessen Existenz die Menschheit profitiert hätte? Gestapo? Stasi? KGB, CIA? Kaum einer, der sich nicht über kurz oder lang ist etwas verwandelt hätte, das er ursprünglich hätte bekämpfen sollen.
James-Bond-Romantik - my ass. Da rührt sich nix, da schüttelt es einen nur.

Es kann nicht gesund sein, eine Gruppe von Menschen mit einer Macht auszustatten, die im Zweifel das Brechen von Gesetzen und das Töten von Menschen mit einschließt, ohne dass diese dafür vor irgendjemandem Rechenschaft ablegen müssen. Wer käme angesichts solcher Narrenfreiheit nicht auf den Geschmack, diese Allmacht früher oder später zu mißbrauchen? Einfach, weil sie es können. Und alles zu tun, diese Macht nie wieder hergeben zu müssen? Das Ausmaß an moralischer Integrität, dieser Versuchung dauerhaft zu widerstehen, besitzen nur wenige.

Mittwoch, 31. Juli 2013

Quo vadis, fidibus?

Dem Michel ist heute ein Buch in die Hände gefallen, das den schönen Titel "Mit Holz heizen" trägt.

Das erste, was mir dabei durch den Kopf ging, war: "Kann es wirklich sein, dass wir dafür mittlerweile schon ein Nachschlagewerk brauchen? Für etwas derartig Banales wie "Feuer machen"?"

Die zum Klischee verkümmerte Kernkompetenz des männlichen Geschlechts, ein Feuer zu entfachen, müssen wir uns wirklich erklären lassen? Noch dazu von einer Frau? Um zu erfahren, dass trockenes Holz besser brennt als feuchtes? Um nachzulesen, wie man Bäume fällt und Holz spaltet - zwei weitere klischeebewehrte "Männer-Jobs"? Was kommt als nächstes? "Abenteuer Atmen"? "Praxisbuch Urinieren - Techniken für Anfänger und Fortgeschrittene"?

Mag sein, dass wir uns irgendwann mal zu Tode "gendern" und bald Bäuminnen fällen, um sie in Öfinnen zu verbrennen.
Mag sein, die Reise der Menschheit in Richtung "wir überlassen Computern das Denken und Robotern das Handeln" geht.
Aber an dem Tag, an dem wir es nicht mehr hinbekommen, Holz aufzuschichten und anzuzünden, ohne vorher zu googeln, sollten Bonobos und Delphine die Weltherrschaft übernehmen. Oder wenigstens Drachen. Die brauchen wenigstens zum Feuer machen keinen Hochschulabschluss.

Ich für meinen Teil mach jetzt den Grill an. Und ich weiß schon, wo ich das Papier zum Anzünden herbekomme...