Sonntag, 30. August 2009

Mehr Schein als Sein

Einen schönen Beweis, daß in Deutschland Inhalt (fast) nichts und Image alles ist, liefert momentan die CDU.

Obwohl die Partei sich im Wahlkampf weitgehend abduckt, kaum Erfolge vorzuweisen hat und wenig bis keine sinnvollen Wahlversprechen verlauten läßt, befindet sie sich in den Umfragen seit Ewigkeiten im Dauerhoch. Nicht, daß die anderen Parteien sich gegenwärtig mit viel Ruhm bekleckern würden, aber da ist (wenigstens im Wahlkampf) so etwas wie Kampfgeist und Interesse am Wähler zu spüren. Die CDU aber lehnt sich zurück, baut auf die Beliebtheit ihres Triumvirats (die ganzen Kauders, Söders und Pofallas sind ja doch nur Besatzungsstatisten, auf der Enterprise hätten die allesamt rote T-Shirts an) und wartet einfach auf den Wahlsieg.

Aber schauen wir uns das Dreigestirn doch mal an.

Da haben wir zunächst eine unfaßbar populäre Kanzlerin, die es sich im Unverbindlichen so richtig gemütlich gemacht hat. Soll heißen, daß sie auf politischem Zick-Zack-Kurs stets so laviert, daß sie mit ihren Äußerungen stets im Zentrum der öffentlichen Meinung bewegt. Ziel sind nicht politische Inhalte, Ideen oder tragfähige Konzepte, sondern maximale Beliebtheit.
Und der Wähler? Der honoriert dieses Verhalten. Es ist offenbar wie mit Urlaubserinnerungen: Nach ein paar Jahren erinnert man sich nur noch an die guten Sachen und hat die Kakerlaken am Buffett beinah komplett vergessen.
Erinnert sich noch jemand an die Fehltritte und gebrochenen Versprechen von Frau Merkel, die die uns einen kurzen Blick auf die Politikerin hinter der Grinsemaske werfen lassen? Nein. Stattdessen registrieren wir lediglich, wie adrett sie mit ihrer neuen Frisur aussieht. Und ausgrechnet wir werfen den Amerikanern Oberflächlichkeit und politische Naivität bei der Wahl ihrer Oberhäuptlinge vor?

Als nächstes der Kronprinz und Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Ein Mann, dessen wirtschaftspolitische Kompetenz eher dürftig ist, der aber durch sein authentisches und dynamisches Auftreten soviele Sympathien gefischt hat, daß man ihm automatisch mehr zutraut, als er tatsächlich kann. Daß er eigentlich dem Auftreten und den politischen Ansichten nach sowohl der FDP als auch den Verursachern der Finanzkrise in den Banketagen recht nahe steht, scheint irgendwie niemandem aufzufallen. Die Rezeption als Shootingstar und Heilsbringer, die von den Medien eine Zeitlang heftig befeuert wurde, ist ungebrochen. Dabei hat der Mann trotz glaubhaft fleißiger Einarbeitung in sein Amt von den Wirkungsweisen einer gigantischen Volkswirtschaft wie der der BRD genauso viel Ahnung wie ich von der Herstellung von Tütensuppe. Würde Maggi mir die Verantwortung für eine Suppenfabrik überantworten? Ich denke nicht.

Als Letzte Frau von der Leyen (eine weitere "von-und-zu", wie mir grad auffällt. Kommt die Monarchie durch die Hintertür zurück?) Wie schon berichtet, habe auch ich die Dame zunächst als positive Gestalt in der CDU-Landschaft wahrgenommen, bis sie angefangen hat, massiv am Ausbau eines Überwachungsstaates à la Stasi mitzuarbeiten. Auch in anderen Bereichen tritt ihre konservative Gesinnung mittlerweile offen zu Tage. Trotzdem hat auch sie die drei magischen Attribute, die noch den unfähigsten Politiker derzeit so beliebt machen wie Currywurst: eloquentes Auftreten, gewinnendes Lächeln und eine dynamische Frisur. Zack, und fertig ist der Wahlgewinner.


















Da wären sie also, die drei Zugpferde der CDU/CSU. Irgendwie erinnern sie mich an den Wizard of Oz: der feige Löwe Merkel, der sich nicht traut, die Deckung zu verlassen, die Scheuch Guttenberg auf der Suche nach (Sach)verstand und Blechfrau Ursula, glänzend, aber ohne Herz, allesamt unterwegs auf der FDP-gelben Ziegelsteinstraße mit dem Ziel, ein Königreich zu gewinnen.*

***Nachklapp: Wie sich am heutigen Sonntag gezeigt hat, kommt der Frisurenwahlkampf doch nicht ganz so gut an, wie die Umfragen glauben machen. Zumindest auf Landesebene, wenn man mal von Sachsen absieht. Aber bei denen ist eh Hopfen und Malz verloren, die haben sogar die NPD wieder in den Landtag gewählt...

*) Ich weiß schon: Der Vergleich hinkt. Aber mir fällt momentan einfach niemand ein, der in der Geschichte die Dorothy verkörpern könnte.

Samstag, 29. August 2009

Schönes Zitat

"Du hast mich mit deiner Performance heute ganz tief berührt." (Detlef Soost zu einer Popstars-Kandidatin)

Den Satz muß ich mir für meinen nächsten Besuch beim Proktologen unbedingt merken.

Mittwoch, 26. August 2009

Werbung für Dummies

Mal wieder sind mir im größten Dorf 3 Plakatkampagnen begegnet, die mir aus verschiedenen Gründen die Augen tränen liessen.

Elite Partner

Um es kurz zu machen: Jegliche Form von Standesdünkel und elitärem Gehabe sind mir ein Gräuel. Nach persönlicher Erfahrung darf ich sagen, daß solches Auftreten á la "ich bin wichtig" bzw. "ich bin wichtiger als andere" nirgendwo so sehr zu Tage tritt wie in Deutschland. Offenbar mögen sich Teile des deutschen Volkes nicht so gern von ihren Herrenmenschen-Phantasien trennen, zumindest unterschwellig, wenn auch die Trennlinien heute subtiler gezogen werden und zwischen anderen Bevölkerungsgruppen verlaufen.
Das nur als Backgroundinfo.

Vor diesem Hintergrund finde ich die Werbung der Partneragentur Elite Partner.de (Slogan: "Akademiker & Singles mit Niveau") zum Würfelhusten. Mir scheint, als würde man hier eine Art Zuchtpool schaffen wollen, um eine versehentliche Vermischung der Schönen & Reichen mit Otto Normalverdiener möglichst zu vermeiden. Eine Art sanfte Eugenik im 21. Jahrhundert. Hier ein Beispiel:


Daher hier mein Gegenentwurf für die deutschlandweit erste (noch fiktive) Partnervermittlung für's Prekariat:

Burger King

Bei der Aktion BKBlack hat Burger King angeblich ahnungslose Passanten in eine komplett abgedunkelte Kalorientankstelle geschleift und sie dort mit Whoppern gefüttert, weil man sich auf den Geschmack konzentrieren solle, hieß es. Soweit ich weiß, hat man wegen ähnlicher Aktionen Guatanamo dicht gemacht, hier geht das ganze als Werbung durch.

Nichtsdestotrotz haben die Versuchskaninchen selbstverständlich den Whopper angeblich am "leckeren Geschmack" erkannt, wobei scheinbar niemand auf naheliegendere Optionen wie "gepreßtes Altöl" und "2 Wochen alter Pizzakarton" gekommen ist. Klar, ist ja schließlich ein Commercial und kein Experiment, wie BK vorgibt.
Einige der Probanden haben angeblich im Dunkeln sogar erkannt, wo sie sich befinden. Nicht weiter schwierig, wenn man genauer drüber nachdenkt. Zum einen hat man ja in Deutschland gerade mal eine 50:50 Rate-Chance, wenn es um groß angelegte Burgerverkostung geht. Zum anderen dürfte der Frittenfettgeruch ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl gewesen sein. Nicht umsonst heißt es, daß sich die anderen Sinne schärfen, wenn man nix mehr sehen kann.

Bleibt nur zu hoffen, daß das Beispiel Schule macht. Denn die optische Diskrepanz zwischen dem, was einem saftig von Plakaten entgegengrinst und dem, was man dann tatsächlich in der Pappschachtel vorfindet, läßt einen häufig wünschen, man wäre blind.

Promi Singles

Danke, Sat1! Kaum ist Spaßbremse Giulia Siegel von den Litfaßsäulen gekratzt, da wird das halbe Dorf mit Plakaten deiner drei angeblich begehrenswerten Partypalmen bepflastert.
Auch wenn bei der Attraktivität ordentlich mit Photoshop nachgeholfen wurde, fällt das für mich unter optische Umweltverschmutzung.
Der zugehörige Slogan "Die nehmen nicht jeden." fordert eine Parodie geradezu heraus. Würde ein "Die nehmen echt jeden." nicht wesentlich mehr Zuschauer anlocken? Geschweige denn ein "Die werden von jedem genommen!", quasi die Ab18-Version der Show? Zumal man damit wohl näher an der Wahrheit wäre, wenn jemand schon bedauernswert genug ist, daß er bzw. sie Sat1 bemühen muß, um mal wieder jemanden zum Bürsten zu finden.
Oder wie wär's zur Abwechslung mal mit Ehrlichkeit, also so etwas wie "Die nimmt doch keiner!" oder das sozialpädagogisch wertvolle und schonungslos offene "Ohne Sat1 kriegen die keinen ab, und auch dann nur Typen, die unbedingt ins Fernsehen wollen."?

Und als würden die Damen als "Drei Engel für Barbie"-Werbeposter nicht schon reichen, gibt's sie auch noch als plakatierte Einzelschicksale. Mir grinste zuletzt eine überdimensionale Frau Nick aus drei Metern Höhe entgegen, unter der versuchsweise wortspielerischen Überschrift "Klappe sucht Herz".
Wäre auch hier nicht "Säge sucht Nerven" treffender gewesen? Oder wenigstens ein "Känguruh sucht Hoden"?

Neue Rubrik: Männer und Frauen 1

...beim Nasebohren:

Hat schon mal jemand eine Frau popeln sehen? Ja? Dann mal Herzlichen Glückwunsch. Sie gehören zu einer exklusiven Minderheit.

Denn ähnlich wie bei Flatulenzen (Frauen halten hartnäckig an dem Gerücht fest, daß ihr Geschlecht keine Darmwinde produziert) tarnen Doppel-X-Chromosomenträger solch profane Tätigkeiten gern und nutzen jeglichen Vorwand zu ihrer Vertuschung.
Aber wenn ihr mal scharf nachdenkt, hat jeder von uns schon mal eine Frau beim Popeln gesehen. Es fällt einem nur nicht ohne weiteres auf. Denn Frauen popeln während des Naseputzens. Und das geht so:

Frau kramt aus den Untiefen ihrer Handtasche ein labelloverklebtes Tempopäckchen hervor, faltet eines der Tücher auseinander und räuchert diskret ihren Naseninhalt in das zarte Vlies. Jetzt aufgepaßt! In Bruchteilen von Sekunden rammt das Weibchen das jeweils erste, zellstoffumwickelte* Glied beider Zeigefinger gleichzeitig in beide Nasenhöhlen. Es rührt einmal kurz und heftig darin herum** und zieht sie blitzschnell wieder heraus. Es folgt ein kurzer, aber scharf prüfender Blick auf das Ergebnis, dann wird das Taschentuch rasch gefaltet, nochmal kurz damit über die Nasenflügelecken gewischt, nochmal gefaltet. Dann verschwindet es wieder in irgendeiner Tasche, als wär nix gewesen.

Männer dagegen stopfen sich - je nach Domestikationsgrad- eigentlich wo sie gehen und stehen irgendeinen Finger in die Nase, wobei nur der Daumen ausgespart wird. Aber nie, niemals würde ein Mann auf die Idee kommen, gleichzeitig in beiden Nasenlöchern zu bohren. Schwer zu glauben, aber unter Männer gilt sowas als Sakrileg. Warum, weiß ich auch nicht. Vermutlich gibt es da wieder irgendeine evolutionsbiologisch-historische Erklärung, wie in etwa: Der Jäger und Sammler brauchte beim Nasenumpflügen noch eine Hand frei, um angreifende Mammuts in Schach zu halten. Vielleicht ist das einhändige Nasebohren auch einfach nur ein Platzproblem. Denn neben dem (bei Männern oft üppig sprießenden) Nasenflokati paßt einfach nicht mehr als ein dicker Männerfinger in die engen Nüstern.

Wahrscheinlicher aber ist, daß hier einmal mehr der primitive Genußmensch im Manne hervortritt, der sich das zweite Nasenloch einfach für später "aufhebt". Hier zeigt sich übrigens derselbe Connaisseur, der auch den kontemplativen Aspekt des Toilettengangs zu würdigen weiß und selbigen bei einem guten Buch so lange ausdehnen kann, bis ihm die Beine einschlafen. Aber das ist ein anderes Thema...

*) Camouflage!
**) wobei die Nasenspitze sich lustig hin und her bewegt, als würde ein tollwütiger Hamster darin Cha-Cha tanzen

Freitag, 21. August 2009

WTF is Michelle Leonard?

Grade dachte ich noch: "Endlich mal Ruhe, endlich wird mal eine Woche lang kein neues One-Hit-Wonder, kein Kopulationsopfer für irgendeine abgetakelte Kakerlakenfresserin und und kein Germanys Next Werbepausengesicht gesucht". Da schreit mir beim Durchzappen der dicke Pro7-Tanzlehrer mit Migrationshintergrund entgegen, daß es jetzt bei Popstars "die kompetenteste und härteste Jury" aller Zeiten bzw. "ever" gäbe.

Ich weiß zwar eigentlich nicht, warum ich mir Popstars jedes Jahr aufs Neue antue, aber ich wollte zumindest wissen, wie "die kompetenteste Jury ever" denn aussieht.

Da wäre zunächst der dicke Tanzlehrer, der leider gar nicht mehr dick ist, sondern beinah ein wenig verhärmt und ungesund aussieht, so sehr hat er abgespeckt.
Den Herrn Ausrufezeichen kennt man bereits in allen Facetten (es existieren ca. zwei: der Drill Instructor mit dem weichen Keks Herz und der Life-Coach mit der schweren Kindheit). Laut Off-Kommentar "lebt er Popstars wie kein Zweiter". Was im Klartext wohl heißen soll, daß die Show ohne ihn bereits wieder in der wohl verdienten Versenkung verschwunden wäre, denn Deutschland ist dank Obelix Soost das gallische Dorf im "Ex und Pop"-Stars-Universum. Eigentlich gehört ihm schon allein dafür die Atemlizenz entzogen. Im Rest der Welt wurde der Käse nach der ersten, spätestens nach der vierten Staffel eingestellt.
Offenbar ist die Leidensfähigkeit des deutschen Publikums grenzenlos.

Ex-Heimkind, Ex-LiveCoach und Ex-Moppelchen Detlef macht in der ersten Folge überraschungsarm dasselbe, was er in allen anderen Staffeln auch schon gemacht hat: Böse kucken, bedeutungsschwanger kucken und erstaunt kucken. Der Mann mit den 1000 Gesichtern halt. Und weil er ein knuddeliger Problembär mit Jim Knopf-Appeal ist, nimmt man dem Ex-Familienvater auch nicht übel, daß er permanent minderjährige Tinni-tussis als "Süße" und "Engelchen" bezeichnet. In welchem Beruf (außer Zuhälter und Dieter Bohlen) darf man das denn heutzutage noch ungestraft?

Zweiter im Bunde ist einer, der schon mal dabei war und eigentlich nie wieder mitmachen wollte. Glaubt man wikipedia.de, hält bzw. hielt Alex Christensen die Kandidaten für Opfer und nicht für "echte Künstler".
Seit 2001 hat der gute Alex seine Meinung wohl geändert, sonst wäre er wohl in diesem Jahr nicht wieder mit von der Partie. Kann auch sein, daß er seine Ideale einfach über Bord (er war ja schließlich auch mal U 96) geschmissen hat. Vielleicht ist er es nach dem Scheitern der Eintagsfliegen BroSis und Alex Sings, Oscar Swings auch mal leid, sein Brot ausschließlich mit nicht gerade Jacob-Grimm-Preis-verdächtigen Songs wie "Du bist so Porno" zu verdienen.

Das dritte und letzte Jurymitglied schreibt laut Pro7 "Songs für die großen Künstler dieser Welt" und ist "eine der erfolgreichsten Songwriterinnen Deutschlands". Trotz mehrfacher Hochjubelei der schieren Großartigkeit besagter Michelle Leonard lies sich während der Sendung niemand dazu herab, mal zu erwähnen, für welche großen Künstler sie welche internationalen Charterfolge geschrieben haben mochte. Nachdem Pro7 sonst mit solchen Infos nicht sonderlich geizig ist, machte mich das mißtrauisch.
Was soll ich sagen: Die Vermutung bestätigte sich, wobei sich meine Überraschung in Grenzen hielt. Die angepriesene Internationalität erschöpfte sich bei Chartplatzierungen in der Schweiz und Österreich, die "großen Künstler dieser Welt" entpuppten sich fast ausschließlich als eine bunte Mischung von weitgehend wieder in der Versenkung verschwundenen Castingpflaumen. Vor diesem Hintergrund konnte man die Ankündigung, daß die Sieger von ihr einen Song geschrieben bekommen, getrost als Drohung auffassen.
Auch sonst tat die Dame alles, um innerhalb kürzester Zeit einen Spitzenplatz auf des Michels persönlicher Liste unerträglicher Nervensägen zu ergattern. Von einem verkrampft jugendlichen, in die wartende Teeniemeute gejauchzten "I likki-likki-like it!", über die penetrant alberne Verteilung von unsichtbarem "Feenstaub" an nervöse Teilnehmer bis hin zur Lady Gaga-Gedächtnislocke - der überkandidelte Schminkkrapfen nervte von der ersten bis zur letzten Minute.

Was gab's sonst noch? Weniger lustige Teilnehmer (die richtig Besemmelten gehen ja doch lieber zu DSDS), weniger talentierte Teilnehmer, ein paar an den Haaren herbei gezogene neue Regeln und "more Drama". Denn wenn die Teilnehmer weniger schrill und die Jury weniger boshaft ist, außerdem der Unterhaltungswert des Teilnehmerfeldes eher im Durchschnittsbereich herumdümpelt, dann muß man sich die wenigen Highlights eben selber basteln. Und das kann nach 7 Staffeln Popstars keiner besser als Lockenköpfchen Soost. Also gibt es statt interessanter Kandidaten noch mehr finstere Blicke, inhaltslose Ansagen und durch sinnlose Zeitlupen und andere Kunstkniffe künstlich aufgeblasene Zwischenspiele.

Die "härteste und kompetenteste Jury ever" hab ich mir jedenfalls ganz anders vorgestellt:



Sofern es da eine Steigerung ins Negative gibt, ist Popstars 2009 noch substanzloser und irrelevanter geworden als die vorangegangenen Staffeln. Ich hoffe, daß diese cash cow nach dieser Staffel endlich mal abgemolken ist und auf einer schönen Sendeformatmüllhalde resp. Alm ihren wohl verdienten Lebensabend fristen darf, ohne daß sie nochmal einer vor die Kamera zerrt. Muß ja auch nicht, denn aus dem, was hinten aus der Kuh fällt, können die Innovatoren der deutschen Fernsehlandschaft garantiert eine neue Castingshow für's Evolutionsnischenpublikum zusammenschustern. Ich z.B. wüßte gerne mal, wie ein Casting für "Britt-Talk um Eins" abläuft. Wird da eine Bierdosenspur von Hamburger Hauptbahnhof bis zum Fernsehstudio gelegt, oder tingeln die Redakteure einfach mit einem mobilen Vaterschaftstest-Labor durchs Brandenburgische?

Fundstück der Woche


Alanis Morissette parodie "My Humps"

Großartig. Ist seinerzeit irgendwie an mir vorbei gegangen.

Gedankensplitter - Short Cuts 3

Letztens fiel mir im Hugendubel irgendein vermeintlich neues, vermeintlich lustiges Buch in die Hände (ich erinnere mich leider weder an Titel noch Autor). Woran ich mich recht gut erinnere waren die auf die Rückseite abgedruckten Leseempfehlungen. Denn die kamen ausgerechnet von Bernd Stelter (der verkrampft lustige Kalauerkönig von "7 Tage-7 Köpfe") und - haltet euch fest: Nina Hagen, bekanntermaßen eine ernst zu nehmende Ikone des deutschen Humors.
Welche Zielgruppe soll denn bitte schön auf diese Weise angesprochen werden? Die der außerirdischen Altherrenwitzerzähler vom Planeten Doofi-Nulldrei oder doch eher Karneval - Hare Krishnas mit Bierplauze?

***
"Rätsel um Mozarts Tod gelöst - er starb wahrscheinlich an einer Halsentzündung"
So oder ähnlich titelten gestern etliche Tageszeitungen über die Entdeckung holländischer Forscher.
Mal ehrlich: Wer wollte das wissen? Ich dachte immer, Forschungsgelder wären knapp, und dann wird offenbar Geld für Projekte rausgeblasen, die keinerlei Mehrwert haben. Außer natürlich als Schulterklopfrechtfertigung für eine Handvoll "Forscher" und als Zeitungsspaltenfüller in der Rubrik "Vermischtes". Oder wird der Fall Mozart demnächst für "CSI Salzburg" aufbereitet?

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Der Sagrotan-Hersteller Reckitt-Benckiser wirbt jetzt auch damit, daß das Mittel auch gegen Schweinegrippeviren wirkt. Nun, auch wenn im Rahmen der Ansteckungsprophylaxe verstärkt Wert auf regelmäßige Desinfektion vor allem der Hände gelegt wird: Hier wird mal wieder mit der Angst Kasse gemacht. Nicht nur, daß so einmal mehr die Hypothesen der ALEX-Studie ignoriert werden, auch der gesunde Menschenverstand wird einem aggressiven Erreger gleich vom Küchentisch geputzt. Nur eine Frage der Zeit, bis der erste cerebral benachteiligte Mitbürger nach täglichem Konsum eines Fläschchens Sagrotans das Zeitliche segnet (und so zugegebenermaßen nachhaltig jeglicher Ansteckungsgefahr ein Schnippchen schlägt).

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Wenn ich im Straßenverkehr Autofahrern begegne, an deren Innenspiegel Rosenkränze, Nazar-Augen, Christophorus-Münzen oder ähnliche mehr oder weniger religiöse Glücksbringer herumbaumeln, gehe ich gern etwas auf Distanz. Es kommt mir dann jedes Mal so vor, als würde der Fahrer seinen eigenen Fahrkünsten nicht trauen und stets auf die wohlwollende Intervention eines höheren Wesens hoffen. Und wenn er (oder sie) schon nicht genug Vertrauen für die eigenen Fähigkeiten aufbringt, wieso sollte ich dann?

***
Schon gewußt? Jubis nennen sich nicht nur die Mitglieder der Jugendorganisation der Partei Bibeltreuer Christen, Jubis sind auch verschrumpelte, ausgetrocknete Trauben aus der Provinz ("Kistenrosinen").
In vino veritas.

Montag, 17. August 2009

Liebe Bauarbeiter!

Ich weiß: Ihr könnt nix dafür, daß das Baureferat München das größte Dorf derzeit in einen riesigen Buddelkasten verwandelt. An beinah 60 Baustellen im Stadtgebiet, viele davon an wichtigen Verkehrsknotenpunkten, wird gebaggert, geteert und gefedert, daß die Schaufel qualmt. Offenbar gibt es mittlerweile auch Abwrackprämien für Planierraupen.

Warum "Straßenarbeiter" auf der Berufe-Beliebtheitsskala trotz Jim Henson nicht gerade unter den TopTen zu finden ist, ist auch nicht schwer zu erraten. Eine weitere prestigefreie Berufsgruppe, so unverzichtbar und ungeliebt wie Pubertätsakne. Eben kein Beruf, mit dem man notwendigerweise auf Klassentreffen oder in Kontaktanzeigen Eindruck schindet.*

Außerdem hätte auch ich keine Lust, bei derzeit 30 Grad im Schatten im Asphalt herumzustochern wie in einem zwei Wochen alten Meeresfrüchtesalat. Klare Sache. Allerdings werde ich auch nicht dafür bezahlt. Ihr schon.

Daher wäre es ganz schön, wenn ihr eure Bierflaschenhalter zur Abwechslung mal um so etwas nützliches wie einen Schaufelstiel legen könntet. Und zwar nicht, um euer stoppeliges Nußknackerkinn darauf abzulegen, sondern um irgendetwas Erdartiges von A nach B zu schippen. Keiner verlangt, daß ihr dabei freundlich lächelt oder auch nur so tut, als würde euch das ganze Spaß machen. Meinetwegen könnt ihr dabei den ganzen Tag armenische Volksweisen rülpsen, Hauptsache, ihr tut etwas, das irgendwie nach Arbeit aussieht.

Was nämlich gar nicht geht: In Dreier- oder Vierer-Grüppchen schlaff um ein Erdloch/einen Lkw/ einen rostigen Nagel herum stehen, wertvollen Sauerstoff wegatmen und ansonsten einem der Euren dabei zuschauen, wie er aus Teer und Schotter eine Miniaturausgabe des Freiburger Münsters bastelt. So ähnlich sah die Szene nämlich aus, an der ich heute staubedingt vorbeigekrochen bin. Genauso wie letzte Woche. Ich wäre sogar bereit zu schwören, daß es dieselben drei Bitumenkellner waren, die versuchten, durch vorgetäuschte Leichenstarre mit ihrer Umgebung zu verschmelzen. Nicht einfach, wenn man in orangefarbenes Gore-Tex mit Leuchtstreifen gekleidet ist, aber die Jungs waren wirklich nahe dran.






*) Das mag ungerecht sein, aber was bedeutet das in diesen Zeiten denn schon? Auch die Umfragewerte von Frau Merkel, das bundesdeutsche Bildungssystem oder eine weitere Staffel DSDS sind nicht gerade ein Beweis für die Existenz einer höheren Gerechtigkeit...
Vielleicht gibt es ja am Rande der Galaxie einen Planeten, wo Bauarbeiter die gesellschaftliche Elite stellen. Aber mal ehrlich: Wir würden Sie so etwas evolutionsbiologisch Ihren Kindern erklären? Darwin könnte einpacken...

Dienstag, 11. August 2009

Blog-Pause

...bis 16. August. Grund: Der Michel braucht Urlaub.

Donnerstag, 6. August 2009

Mauergewinner...

1989-2009

20 Jahre Mauerfall, friedliche Revolution, Prager Botshaft, das Ende eines unwirklichen Landes in dem Leute meines Alters ihre Kindheit und Jugend verbracht haben....pooaah ist das lange her! Da wir momentan mit einer Flut an Dokumentationen, Büchern, Expertenmeinungen zum 20. Jahrestag überschwemmt werden, dachte ich mir Micha`s Blog darf da nicht fehlen und ....

...Material gäbe es ja zur Genüge, aber ich gebe ehrlich zu, ich habe bisher alle Bücher vermieden, die mir erzählen wollten wie es damals so war, wie schlimm oder wie kuschelig, egal. Nach Büchern mit Titeln wie "Die DDR...Fetziger als Taka-Tuka-Land" oder "TodesZONE...so wurde ich mit Goldbroilern im Blauhemd gequält" (doppelt aua) hatte ich irgendwie kein größeres Verlangen.

Aber leider konnte ich mich in den letzten Tagen einer Empfehlung des SPON (Spiegel online) nicht entziehen (vielleicht weil das abgedruckte Kapitel gleich Erinnerungen an die Kleingartensparte meiner Eltern wachrief...) :

"Mauergewinner" von Mark Scheppert, Jahrgang 71, erzählt in 30 kurzweiligen Episoden Begebenheiten aus seiner Kindheit und Jugend, die zufälligerweise im Osten von Bahlin, Hauptstadt der Deudschndemogradischnrebublig stattfanden. Dabei beschreibt er viele Anekdoten, die jedem irgendwie so oder so ähnlich passiert sein könnten. Sei es nun die Jagd nach Altpapier, um bei einem klebrigen Sero-Mitarbeiter ein paar Pfennige abzustauben, die Schikanen im GST Lager, bei denen man nichts von der Vorbereitung auf den "Ehrendienst in der NVA" bemerkt hat oder die Jugendweihe als Aufnahme in die Reihen der "Erwachsenen", die sich bei vielen dadurch definierte, dass man das erste Mal so richtig Torte gemischt mit Nordhäuser Doppelkorn im hohen Bogen auf dem Kinderspielplatz verteilen durfte.

Die Geschichten sind knackig mit viel Witz im Detail beschrieben ohne, dass man das Gefühl hätte der Autor müsste sich die ganze Zeit die Tränen aus den Augen wischen, weil alles so schön ostalgisch war. Manche Geschichten sind herrlich naiv andere wieder erfrischend offen. Gerade die Geschichten über den eigenen Opportunismus gegen das System, empfand ich als überraschend ehrlich. Wer kennt nicht diese Gefühl der Wut über die eigene Ohnmacht...? Schön, dass der Autor da kein Held war. Die großen Helden, die angeblich immer offen gegen alles waren, sind das meist heute auch noch...

Also liebe Freunde deren Geburtsjahr am Beginn der 70iger Jahre liegt und die in der DDR aufgewachsen sind, ihr werdet hier viele bekannte Dinge wiederfinden. Vielleicht erinnert ihr euch auch an ein paar Sachen, die ihr schon vergessen hattet. So ging es mir zumindest...
Aber auch für die Leute, die jenseits des Taka-Tuka-Schutzwalls geboren sind, finden sich interessante Geschichten über ein paar unbedeutende, alltägliche Dinge in dem Land hinter der Mauer...und vielleicht ein paar Erkenntnisse über die heimatlosen Wossis...

Alles in allem ein schönes Buch über die eigenen Erinnerungen von jemandem der nach 20 Jahren endlich angekommen ist...schade, dass ich es selbst nicht geschrieben habe...

"Springinkel"-Ed


PS: Lieber Mark Scheppert (für den Fall, dass du das hier liest) ein schönes Buch hast du geschrieben, aber ein Fehler bei der Fahrt zum Balaton mit eurem Trabi ist mir aufgefallen. Glaub es oder nicht ich hatte 4 Trabis (als Student, lange nach der Wende, sind alle an Altersschwäche gestorben), aber der Trabi hat gar kein Kühlwasser und als Zweitakter auch nur Öl im Getriebe, nix was man prüfen könnte...aber das wüßte ich vermutlich auch nicht, wenn ich mit dem Trabi meines alten Herrn den Zaun meines Gartennachbarn zerschreddert hätte und erst nach der Wende wieder ein Auto hätte besteigen dürfen ;-)

(Sorry hab das zweimal gepostet, bitte das im Juli löschen...)

Dinge, die sich nicht als Geschenk zum Amtsantritt des iranischen Präsidenten eignen

Mittwoch, 5. August 2009

Wichtiger Hinweis

Angst vor Schweinegrippe im Urlaub?

Tipp zur Vorsorge: Ihr Schwein gar nicht erst mit in den Urlaub nehmen!

(Erspart außerdem unschöne Szenen und unnötige Irritationen bei der Einreise in muslimische Länder.)

Filmkritiken (DVD)

96 Hours - Taken ist ein kleiner, kompromißloser Actionreißer, der ziemlich schnell Tempo aufnimmt und die Spannung bis zum Schluß hält. Liam Neeson darin spielt eine Art gealterten Jack Bauer a.D., der auf der Suche nach seiner entführten Tochter im Alleingang die gesamte Pariser Unterwelt aufmischt. Trotz vorheriger Actionrollen hätte ich dem knochigen Oskar Schindler-Darsteller eine so rabiate Rolle nicht zugetraut. Nichtsdestotrotz nimmt man ihm die ganze Zeit über die Rolle des besorgten Vaters ab, der sein beachtliches Maß an Gewalt nie selten zum Selbstzweck entfaltet, sondern einzig und allein mit dem Ziel, vor Ablauf von 96 Stunden seine Tochter wieder zu bekommen. Obwohl Ire mit dem traurigen Gesicht in einer knüppelharten One-Man-Show im Minutentakt in einer beispiellosen Tour der Force Nasen, Knochen und Hälse bricht und auch nicht davor zurückschreckt, mal einen besonders miesen Miesling zu Tode zu foltern, erinnert er zu keinem Zeitpunkt an überzeichnete Rächer-Stereotypen, wie sie z.B. Leute wie Chuck Norris gerne mal verkörpern.
Verdammt spannend - aber nichts für zart Besaitete.

Inside Hollywood. Darf man einen DeNiro-Film eigentlich verreißen? Noch dazu, wo er vor allem von Cineasten gelobt wird, die den Streifen für eine hintergründige Satire auf das kalifornische Filmbusiness halten?
Nun, vielleicht ist er das auch. Vielleicht hätte ich ihn mir auch im Original anschauen sollen. Und ich gebe gern zu, daß ich mich an einigen Stellen recht gut amüsiert habe und daß man den ganzen Stars irgendwie anmerkt, wieviel Spaß sie beim Dreh hatten. Nur hatten die leider wohl mehr Spaß beim Drehen als ich beim Zuschauen, denn ich finde den Film insgesamt recht tempoarm und die Story ziemlich flach. Für eine wirklich gute Satire fehlt dem ganzen der Biss.
Zum x-ten Mal werden Hollywood-Stereotypen hervorgekramt und einfallslos durchgenudelt, ohne jemandem all zu weh zu tun, als da wären:
- der manische Regisseur, der sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, daß die vermeintliche Schlüsselszene seines Filmkunstwerks der Kommerz-Schere geopfert wird und der sich alles durch die Nase zieht, was nicht bei 3 im Arzneischrank ist,
- der Filmstar, der divenhaft seine künstlerische Integrität an einem wuchernden Karl-Marx-Bart festmachen will, am Schluß aber doch einknickt,
- der Produzent mit der kaputten Ehe und dem Magengeschwür, der verzweifelt versucht, Geldgeber, Darsteller und sämtliche anderen Filmfritzen irgendwie bei Laune zu halten.
Schwache Satire mit starken Darstellern.

Kurzer Prozeß - Righteous Kill ist ein klassischer Buddy-Copthriller. Eigentlich hatte ich mich (und viele Filmfans sich mit mir) auf eine neuerliche Zusammenarbeit der charismatischen Charakterköpfe DeNiro und Pacino gefreut. Leider ergibt Plus und Plus hier irgendwie Minus. Die beiden Hauptdarsteller stolpern als Alte-Hasen-Polizeiduo alter Schule durch New York City's Unterwelt und wirken dabei so müde und deplaziert wie zwei dreibeinige Esel beim Pferderennen. Kein Wunder, denn DeNiro ist mittlerweile 66 und wirkt in jedem neuen Film etwas fülliger als im vorherigen. Pacino dagegen faltet sich sogar schon der großen Sieben-Null entgegen und kultiviert schon seit Jahren seine Paraderolle des ironisch stirnrunzelnden Onkel Uhu. (Ihren Vorgesetzten spielt im übrigen der 71jährige Brian Dennehy - werden New Yorker Bullen eigentlich auch mal pensioniert? Wär da nicht noch eine Rolle für Jopie Heesters drin?)
Im Duett kann aber keiner der beiden seinen schauspielerischen Stärken voll entfalten, es scheint fast, als würden sie sich gegenseitig bremsen. Allerdings bietet das Skript auch zu keiner Zeit die Gelegenheit zu einer dieser intensiven und im Gedächtnis haftenden Monologszenen, für welche Pacino & DeNiro zu Recht berühmt sind.
Die Story (die hier nicht verraten wird) an sich ist allenfalls durchschnittlich, und jeder, der nicht zum Haare föhnen in die Badewanne steigt, hat ziemlich schnell durchschaut, wie die Sache endet. Viel verschenktes Potential...
Alte Männer in einem 08/15-Thriller.

Gran Torino ist einfach ein großartiger Film. Clint Eastwood unterhält köstlich (zumindest mich) als knarziger, lungenkranker Kriegsveteran Kowalski, der den Mitgliedern krimineller Jugendgangs gern mal zupackend zeigt, wo der Hammer hängt. Dabei freundet sich der zynische Teilzeit-Rassist zunächst widerwillig mit den vietnamesischen Nachbarn an und mutiert schließlich sogar zu deren Beschützer. Erst später, wenn Kowalski sowohl den Nachbarsjungen als auch den Zuschauer mehr und mehr unter seine rauhe Schale blicken läßt, erfährt man den tiefer liegenden Grund dafür...
Aber wir wollen nicht zu viel verraten. Eastwood zuzuschauen macht einfach Spaß, und obwohl es sich hier um eine Tragödie handelt, wartet die Geschichte mit viel hintergründigem Humor auf. Allein das bärbeißige Knurren, das der Hauptdarsteller von sich gibt, sobald ihm etwas gegen den Strich geht, und das boshafte Augenfunkeln sind es wert, sich den Film anzuschauen.
(Witzigerweise nimmt man dem 79jährigen Eastwood im Gegensatz zum obigen "Kurzer Prozeß" ohne weiteres ab, daß er allein eine Jugendgang aufmischt.)
Klasse Abschiedsvorstellung eines genialen Clint Eastwood.

Sieben Leben ist vor allem eins: wunderbar furchtbar traurig. Aber auch so mitreißend und intensiv gespielt, daß man der dramatischen Geschichte problemlos bis zum (bitteren) Ende folgt. Ist es am Anfang vor allem das rätselhafte Verhalten von Tim Thomas (Will Smith), das den Zuschauer fesselt, ist es nach erfolgtem "Aha!" vor allem Smith' herzzerreißend eindringlichem Spiel zu verdanken, daß die Geschichte nicht ins Schmalzig-Pathetische abgleitet und weiter auf hohem Niveau geschluchzt werden darf. Und Rosario Dawson hat bei mir seit "Sin City" sowieso einen Stein im Brett...
Wer bei großem Gefühlskino mal wieder so richtig abheulen möchte (schamhafte Herren können sich ja mit der DVD irgendwo einschließen), den dürfte dieser Film mehr als zufrieden stellen.
Intelligentes Drama mit Rotz-und-Wasser-Garantie.