Sonntag, 26. April 2009

Blogpause

...der Michel macht eine Woche Urlaub im Thüringer Wald.




Ohne Internet...

Freitag, 24. April 2009

Autschn!, die 3.

Nachdem sich ja immer noch täglich neugierige Menschen auf diesen Blog verirren, weil sie bei Google "Autschen" eingegeben haben und dadurch auf einem Mini-Beitrag meinerseits landen, möchte ich hier endlich die versprochene kurze Rezension der DVD liefern. Kurz deswegen, weil Herr Marik auf seiner Webseite www.renemarik.de bereits eine erschöpfende Selbst-Rezension bzw. eine recht ausführliche Inhaltsangabe hinterlassen hat.

Mittlerweile ist mir auch klar geworden, warum seine Webseite bei google.de unter "Autschen" nicht auftaucht (da hat sich das Abi endlich mal bezahlt gemacht...): Das Programm heißt "Autschn!", also ohne "e". Trotzdem, versteh einer die Suchmaschinen...

Also: Wer bei der DVD einen reinen Auftritts-Mitschnitt à la Mario Barth & Co. erwartet, liegt schonmal falsch. Der Film beginnt mit schräger Musik, einem klapprigen DDR-Bus und einer Plattenbau-Idylle. Die Szenerie, die Kameraeinstellungen und die Schnitte erinnern am ehesten an einen Spaghetti-Western. Ein schmieriger Busfahrer, gespielt von Marik, holt den Kermit-Verschnitt Falkenhorst aus seinem Plattenbau ab, um ihn und die anderen "Darsteller" zu ihrem Auftritt zu kutschieren. Erst danach beginnt (tatsächlich) der Mitschnitt des Auftritts, der aber immer wieder von Roadmovie-haften Szenen aus dem Bus unterbrochen wird.

Rene Marik ist witzig, wie man anhand der Filmchen auf youtube recht gut erahnen kann. Aber sein Humor ist keine Schenkelklopfer-Comedy, sondern leise dadaistisch und auf komische Weise absurd. Er kultiviert in seiner Vorstellung einen besonderen Minimalismus, seine Puppen, Requisiten und Kulissen wirken wie gerade aus dem Müll gefischt bzw sind grob aus Pappstücken ausgeschnitten. Das verleiht der Darbietung einen improvisierten Charakter, trotzdem sitzt jeder Handgriff und jede Pointe.

Das Programm besteht allerdings nicht nur aus Puppenspiel. Zwischen den einzelnen Puppen-Sketchen tritt Marik immer mal selbst ins Rampenlicht und trägt zur Gitarre Lieder vor, verspottet schmalzige Lyrik oder schlüpft in die Rolle des Arbeitslosen Kalle, der uns, verschanzt hinter einer Aldi-Tüte, seinen Kampf mit den Tücken des Sozialamts schildert. In solchen Momenten erinnert er tatsächlich ein bißchen an Rainald Grebe. Wie man auf der Webseite nachlesen kann, kommt dies nicht von Ungefähr, denn beide sind tatsächlich eng befreundet.

Aber kaum jemand in dem Saal, in dem Aufzeichnung stattfand, dürfte sich eine Eintrittskarte gekauft haben, um Rene Mariks Sangeskünsten zu lauschen (wobei jene überraschenderweise sooo schlecht gar nicht sind). Die meisten sind wohl hauptsächlich gekommen, um IHN zu sehen, den Verursacher des Autschn-Hypes: den Maulwurf, Alptraum jedes Logopäden. Der Kleine kann einem aber auch wirklich ans Herz wachsen. Blind und aufgrund seines Sprachfehlers von der Welt unverstanden, scheitert er ein ums andere Mal an den Tücken des Lebens im allgemeinen und bei seiner Suche nach der großen Liebe im besonderen.

Aber auch die anderen Puppen machen Spaß. Je vertrauter man mit ihnen wird, um so mehr hat man das Gefühl, daß die verschiedenen Charaktere allesamt nur verschiedene Aspekte der Persönlichkeit ihres Puppenspielers sind. Mit Ausnahme der gerupften Barbie-Puppe. An der dürfte Alice Schwarzer sowieso ihre reine Freude haben: Die Puppe verkörpert sämtliche Frauenrollen des Abends, gibt aber außer affektierten Kiekslauten kein Wort von sich und zieht am Ende mit einer grunzenden Ken-Puppe ab. Was den unglücklich verliebten Maulwurf umgehend in den Selbstmord treibt. In der abschließenden Tourbus-Szene versichert er uns aber, daß dies ja alles nur gespielt war und ihm "de Barbe" in Wirklichkeit viel zu oberflächlich ist.

Fazit: Feiner, etwas schräger Humor für Leute, die mal was Komisches abseits des Comedy-Mainstreams suchen. Ideal für Fans von Rainald Grebe.

Stasi 2.0+, Nachschlag

Nachdem das BKA ja bald zur allmächtigen geheimen Überwachungsbehörde ausgebaut werden soll (das ist leider keine Verschwörungsparanoia, sondern bittere Realität), sei es mir vergönnt, schnell noch zwei Artikel zu verlinken, die sich mit der neuesten Entwicklung zum Thema "gesperrte Internetseiten" auseinander setzen:

"Lügen und Kinderpornographie", von heise.de Telepolis, und
"Keine Allmacht für das BKA" auf zeit.de.

Um es kurz zusammen zu fassen: Es ist bzw. wird alles noch schlimmer als vermutet. Zumindest so lange sich im Bundesrat keine Politiker finden, für die Demokratie nicht nur eine hohle Phrase und unser Grundgesetz nicht nur bedrucktes Papier ist und die sich demzufolge weigern, dem Gesetzentwurf zuzustimmen.

Sollten sie ebendies aber tun, wäre das Ergebnis wie folgt (hier möchte ich B. Winsemann von Telepolis zitieren, denn besser kann ich es auch nicht zusammenfassen): "Das BKA erhält durch dieses Gesetz, sollte es in der Form in Kraft treten, eine Allmachtsfunktion. Es erstellt die Listen, es ordnet durch Übersendung der Listen die Sperrung an, es gibt ggf. bei "berechtigtem Interesse" Auskunft darüber, ob und in welchem Zeitraum ein Angebot in der Sperrliste enthalten war, es verwaltet, ändert und korrigiert die Sperrlisten. Jegliche Kommunikation diesbezüglich findet also, fernab von richterlicher Kontrolle und der Möglichkeit für den Nutzer, sich vor einer Sperrung der eigenen Webseite (welche einhergeht mit der Mitteilung, dass hier kinderpornographische Inhalte zu finden sind, wäre nicht das Stoppschild davorgeschaltet) auf dem Rechtsweg oder im Sinne einer Anhörung zu wehren. Das BKA wird somit, wie die Zeit in ihrem Artikel "Keine Allmacht dem BKA" treffend bemerkt, Ankläger, Richter und Vollstrecker in einer Person."

Und das nicht mehr nur im Bereich der Kinderpornographie, sondern auch in weiteren, strafrechtlich relevanten Bereichen. Der normale Internetnutzer macht sich dann schon dann verdächtig, wenn er aus welchem Gründen auch immer eine gesperrte Seite ansurft.
Beispiel: Nehmen wir an, SpiegelOnline verweist in einem Artikel über Internet-Tauschbörsen auf eine gesperrte Tauschbörsen-Webseite. Bei konsequenter Anwendung des Gesetzes hätte es einer aus einer Handvoll BKA-Mitarbeiter in der Hand, SpiegelOnline ebenfalls auf die Sperrliste zu setzen. Jeder User, der nach aktivierter Sperre absichtlich oder unabsichtlich die Seiten von SpOn anpeilt, macht sich nach der perversen Logik des angehenden Gesetzes verdächtig, an illegalen Tauschaktivitäten beteiligt oder zumindest interessiert zu sein.

Mit anderen Worten: Generalverdacht für alle.

Andererseits: Demokratischer als so geht's fast gar nicht mehr.

Und, nur für's Protokoll: Dieser sowie der vorangegangene Beitrag sind ausdrücklich nicht lustig.

Samstag, 18. April 2009

Stasi 2.0+

Was hat man sich doch in der "alten" Bundesrepublik erregt und aufgeplustert über die Art und Weise, wie in der DDR normale Bürger durch die Staatsmacht überwacht und gegängelt wurden.

Daß das neue Deutschland im Jahr 2009 da mal locker die DDR überholt hat, zeigt u.a. dieser, leider nicht mehr ganz taufrische Beitrag aus der "Zeit". Das hat nicht nur damit zu tun, daß die Überwachungstechnik in den letzten 20 Jahren einen großen Satz nach vorne gemacht hat, es scheinen sich auch vermehrt Politiker zu finden, die - aus was für Gründen auch immer - meinen, daß erst ein gläserner Bürger ein guter Bürger ist. Von der groß angelegten, nicht-staatlichen Überwachung und Bespitzelung von Angestellten, Kunden und anderen unverschuldet in Mißkredit geratenen Zeitgenossen durch Telekom, Deutsche Bahn, Lidl und wie sie noch alle heißen will ich da gar nicht erst anfangen.

Ich denke, wenn man all das zusammen nehmen würde, was man allein mit den Befugnissen von Finanzamt über GEZ bis zur gesetzlichen Krankenkasse an Informationen über jemanden zusammen tragen könnte, macht die meisten Polizeibehörden überflüssig. Wenn man dann noch die Informationen aus der Vorratsdatenspeicherung und die biometrischen Daten des neuen ePasses hinzuzieht, dann weiß die Staatsmacht erstmal so ziemlich alles über diese Person, was es zu wissen gibt.

Macht mir das eine Gänsehaut? Definitiv.

Muß ich dabei zwangsläufig an "1984", "Minority Report", "Brazil" oder "Staatsfeind Nr. 1" denken? Aber hallo...

Ganz besonders hat es unsern Polit-Koryphäen das Internet angetan. Offenbar trauen die freiheits-skeptischen Damen und Herren Politiker dieser vermeintlich gesetzlosen Entität zwar alles Böse, aber wenig Gutes zu. Ein solch scheinbar anarchisches Netzwerk scheint ihnen Unbehagen zu bereiten. Zu groß scheinen die Verführungen des "Netzes" zu sein, als daß man den mündigen Bürger damit allein lassen darf.

Vertrauen der Legislative in das (Un)rechtsbewußtsein der Bürger, in deren Umgang mit den von der Verfassung garantierten Rechten, in das Funktionieren des Rechtsstaats? Offenbar Fehlanzeige. Dem Bürger ist nicht zu trauen, die Freiheit, die ihm zuteil wurde, muß dem unbedarften Tropf schier über den leeren Kopf wachsen. Da braucht er gütige Hirten, die alle technisch machbaren Präventivmaßnahmen treffen, auf daß der treudoofe Otto Normalverbraucher nicht von rechten Weg abkomme. Aber da es ja doch ein paar Schäfchen gibt, die sich kopfschüttelnd fragen, was der ganze Schwachsinn überhaupt soll, klauben Menschen wie Herr Schäuble kurzerhand die Terror-, Kriminalitäts- oder sonstige greifbaren Keulen aus dem Schrank und braten den vorwitzigen Blökern eins über. Denn gegen die Bekämpfung des Terrors und sonstiger Übel kann ja kein anständiger Mensch irgendetwas haben, stimmt's? Und falls doch jemand was dagegen hat, dann ist der sicher nicht anständig...

Beispiel: Wenn ich einen Behördenvertreter (GEZ o.ä.), der ohne triftigen Grund meine Wohnung zu besichtigen wünscht, nicht über die Schwelle lasse, setze ich mich in den Augen dieses Menschen mit ziemlicher Sicherheit dem Generalverdacht aus, daß ich etwas zu verbergen hätte. In Wirklichkeit habe ich lediglich mein verfassungsmäßig garantiertes Grundrecht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung ausgeübt. Das klingt jetzt zwar wie eine Zeile aus einem Grisham-Roman, aber es ist die simple Wahrheit.

Mit den plakativ vorgetragenen und allzeit griffbereiten Argumenten "Innere Sicherheit" und "Verbrechensbekämpfung" lassen sich prima zwei wichtige Nebensächlichkeiten unter den Teppich kehren: 1.) Taugen die eingeführten Maßnahmen überhaupt, um die angestrebten Ziele zu erreichen, auch unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit?* 2.) Was passiert, wenn mit den gewonnenen Daten Schindluder getrieben wird?

Neuestes Beispiel dieser Entwicklung wurde von Frau von der Leyen ins Leben gerufen. Deren gutes Bild bei mir hatte erst kürzlich einige Risse bekommen, als sie (sinngemäß) in irgendeiner Reportage über die Besteuerung von Tagesmüttern (ich glaube, es war "Markt" im NDR) stolz verkündete, daß sie den Kommunen erst kürzlich 3 Milliarden Euro für die Kosten der Kinderbetreuung rübergeschoben habe. Soweit ist die Aussage nicht zu beanstanden, aber wenn man bedenkt, daß die Bundesregierung zeitgleich mal eben 5 Milliarden (plus Zinsen) für eine Abwrackprämie mit zweifelhaftem Nutzen locker gemacht hatte, relativiert sich das Ganze rapide und mit enttäuschendem Ergebnis.

Neuester Streich der mir bisher recht CDU-untypisch sympathischen Familienministerin ist also der Sperrlisten-Vertrag des BKA mit den Internetprovidern zur Bekämpfung von Kinderpornographie. Darüber ist in den letzten Tagen viel geschrieben worden, einen der besten und wohl eindringlichsten Artikel darüber findet man hier.

Wer zu faul ist zum Lesen, hier die Kurzfassung: Der Vertrag ist Augenwischerei und zur (unbedingt notwendigen) Bekämpfung der Kinderpornographie weitgehend ungeeignet, die Gründe:

- die installierten Sperren gehen ins Leere, da es die kinderpornographischen Inhalte, die damit gesperrt werden sollen, in der Form gar nicht gibt,

- die installierten Sperren lassen sich kinderleicht umgehen,

- die Sperren können leicht auch Webseiten erfassen, die mit Kinderpornographie nichts zu tun haben,

- es gibt keine juristischen Kontrollmechanismen, die regelmäßig die Sperrlisten oder gesperrte Inhalte prüfen.

Darüber hinaus stellt der Artikel fest, daß das BKA, wenn es Webseiten sperren möchte, erstmal wissen muß, wo diese gehostet sind. Wenn letzteres aber erst einmal festgestellt ist, wäre es besser und weit effektiver, die entsprechenden Server oder Inhalt ganz aus dem Internet zu nehmen als diese einfach nur zu sperren. Mit der Seitensperrung wird das Problem nur weggeblendet, aber nicht bekämpft.

Für die mangelnde Effektivität solcher Sperren gibt es handfeste Indizien in Form von Beispielen aus anderen Ländern. Daher stellt sich die Frage, warum das Ministerium trotz aller berechtigten Einwände so begeistert an dem neuen Vertrag festhält. Eine Erklärung ist, daß der Vertrag ein nicht zu unterschätzendes Instrument zur Internetzensur darstellt, ein erster Schritt in Richtung einer umfassenden Kontrolle und Zensur von unliebsamen Internetinhalten. Dieses Instrument läßt sich nach dem Willen der jeweils Regierenden beliebig ausbauen und auch mißbrauchen, denn eine Kontrolle der Kontrolleure sieht der Vertrag bislang nicht vor.

Nun könnte ja Otto Normalsurfer daherkommen und - ähnlich wie bei den "Anti-Terror-Maßnahmen" sagen: Ist doch eine gute Sache, und mich betrifft es ja nicht. Dazu ein kleines, fiktives Fallbeispiel:

Herr N. hat eine Domain angemeldet, unter der er sowohl eine Familienwebseite als auch als Gewerbetreibender seinen Internet-Spezialversandhandel für Blumenzwiebeln betreibt.

Herr N. fährt nun mit seiner Familie in den Strandurlaub nach Mallorca. Für die daheimgebliebenen Großeltern stellt er regelmäßig Urlaubsfotos auf die Familienseite, auf denen auch einige Male die Kinder der N.s zu sehen sind, wie sie nackt am Strand Kleckerburgen bauen und baden, außerdem ein oben-ohne-Foto von Frau N. beim Sonnenbaden.

Ein übereifriger BKA-Fahnder wird auf die Webseiten der N.s aufmerksam und setzt diese auf die Sperrliste. Damit wird nicht nur die Familienwebseite gesperrt, sondern auch der Internetversandhandel von Herrn N. . Kunden von Herrn N., die versuchen, seine Webseite zu erreichen, treffen stattdessen auf einen Warnhinweis des BKA, der die Besucher der Webseite vor dem Besuch selbiger warnt und Herrn N. mit Kinderpornographie in Verbindung bringt. Daß diese Kunden nie wieder seine Webseite aufsuchen werden, versteht sich von selbst.

Die Großeltern, die ebenfalls erschrocken auf den Warnhinweis gestoßen sind, haben inzwischen Herrn N. telefonisch informiert. Dieser versucht panisch, die Angelegenheit mit dem BKA zu klären, erfährt aber, daß er, wenn er die Sperre rückgängig machen will, dagegen klagen muß.

Der übereifrige BKA-Beamte hat sich unterdessen ein wenig über Herrn N. schlau gemacht, und ihm ist aufgefallen, daß Herr N. überraschend häufig in die Niederlande fährt. Tatsächlich kauft Herr N. dort häufig seine Blumenzwiebeln ein. Herrn N. weiß nicht, daß Holland auch ein Umschlagplatz für Kinderpornographie ist. Der BKA-Beamte schon, und veranlaßt eine Durchsuchung der Geschäftsräume von Herrn N. Die polizeiliche Durchsuchung ist schon bald Stadtgespräch in der Kleinstadt, in der die N's leben. Ein Blick auf die Webdomain der Familie N., und schon bald wissen alle Bekannten, Nachbarn und Kollegen, daß Herr N. im Verdacht steht, mit Kinderpornos zu handeln.

Ich glaube, ich kann das Beispiel an dieser Stelle abbrechen, weiter folgen kann sich jeder beliebig ausmalen. Ich hoffe, es ist klar geworden, was gemeint ist. Man muß sich nicht mal besonders anstrengen, um einen solchen Fall zu konstruieren, in dem ein unbescholtener Mensch in die Mühlen eines entfesselten Überwachungsapparates gerät.
Und um es nochmal ganz deutlich zu sagen: Es geht nicht um die Nicht-Bekämpfung von Kinderpornographie. Aber wenn, dann bitte auch konsequent und mit Mitteln, die auch dazu taugen und nicht vordergründig auf die Beschneidung von Bürgerrechten und auf Zensur von freien Medien ausgerichtet sind.


Vorratsdatenspeicherung, Bundestrojaner, Internetzensur - ich les solche Sachen und frage mich, wieso eigentlich - von den üblichen paar friedensbewegten Altkadern, attac-Aktivisten und Intellektuellen mal abgesehen - niemand gegen die Beschneidung unserer Grund- und Bürgerrechte auf die Straße geht. Verlassen wir uns alle einfach darauf, daß "die da oben" schon alles richtig machen werden, daß alle Gesetzeshüter aufrechte Helden vom Schlage einer Mischung aus Superman und Mahatma Gandhi sind und daß, wenn alle Stricke reißen, die allwissenden Verfassungsrichter in Karlsruhe schon wieder alles gerade biegen werden? Haben wir so wenig aus der Geschichte gelernt, oder sind wir einfach nur so derartig bequem, daß es die Sau graust, wenn man nur mal drüber nachdenkt?

Für all jene nochmal Artikel 5, Absatz 1 unseres Grundgesetzes:

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

*) Sonst könnte man ja jedem Erstkläßler bei der Einschulung prophylaktischdie Fingerabdrücke sowie Speichel- und Blutproben abnehmen, alles im Dienste der Verbrechensbekämpfung.

Bekloppte in München, Teil 3

Wenn mir eins so richtig auf den Keks geht, dann, wenn sich jemand in der U-Bahn ohne zwingende Notwendigkeit so nah zu mir setzt, daß wir von Außenstehenden für ein Paar siamesischer Zwillinge gehalten werden.*

Noch unangenehmer wird es, wenn derjenige stinkt, schwitzt, popelt, röchelt, rotzt, sich mit einer rostigen Gartenschere nässende Exzeme aus den Achselhöhlen schabt oder lautstark und mit wirrem Blick Koransuren rezitiert**.

So richtig pissed werde ich aber, wenn so ein widerlicher Klops mich dann alle paar Sekunden scheel und scheinbar entrüstet von der Seite mustert, so als wäre ich derjenige, der ungefragt in seinen oder ihren persönlichen Nahbereich eingedrungen ist.

So!!

*) Schön auch, wenn der illegale Einwanderer in meinen Dunstkreis aussteigen muß und sich sein Körper mit dem Öffnen-Geräusch eines Klettverschlusses von meiner Körperseite löst. Besonders an heißen Sommertagen. Uuuäh!!!
**) Hat's alles schon gegeben. München ist einfach eine großartige Stadt!

Dienstag, 14. April 2009

Essen wie bei O(ba)ma

Ich habe mal wieder jegliche Gesundheitsrisiken beiseite gewischt und mich einem weiteren Nahrungsmitteltest unterzogen, diesmal Made in USA. Hier die Ergebnisse.

Pringles "Texas Barbecue Sauce"

Was Kartoffelchips angeht, ist Deutschland eindeutig Sahelzone. Soll heißen: Über Jahre hinweg waren Kartoffelchipsproduzenten hierzulande die wohl unkreativste Bande, die man sich vorstellen kann. Und das, obwohl die Deutschen sonst an die tausend Wege kennen, rohe Kartoffeln in irgendetwas Essbares zu verwandeln.
Seit einigen Jahren nun hat man auch bei uns entdeckt, daß Chips nach mehr schmecken können als nur nach Paprika bzw. "ungarisch". Und während man in den USA, dem Heimatland aller Nahrungsmittel mit (zu Recht) schlechtem Image, bereits an Kartoffelchips mit Kartoffelgeschmack bastelte, wurden die Deutschen zaghaft an neue Sorten herangeführt.

So fiel mir kürzlich auch die oben erwähnte Pringles-Sorte in die Hände. Nachdem ich mich für BBQ-Aromen schon sehr erwärmen kann, hatten die Knusperdinger bei mir schonmal einen kleinen Vertrauensvorsprung.
Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Dinger sind lecker. Leicht rauchig, die richtige Balance aus scharf mit einem Hauch Süße... einfach nur lecker. Und daß die anmutig geschwungenen Scheibchen exakt die richtige Größe haben, um es sich auf meiner Zunge gemütlich zu machen, ohne mich komplett vollzukrümeln, schmälert das Vergnügen auch nicht gerade.

Ich hoffe, daß das Beispiel endlich mal Schule macht. Es gibt weltweit allein ca 140 verschiedene Sorten Pringles, bei uns sind gerade mal 11 davon erhältlich, und in 95% aller Läden gibt es davon maximal immer die gleichen drei Sorten zu kaufen.

Dr Pepper

Yes, I can handle the taste.

Diese Cola, die wissenschaftlich betrachtet gar keine ist, führt in Deutschland zu Unrecht ein Schattendasein. Hätte sich Forest Gump nicht beim Präsidentenempfang damit regelrecht zugeschüttet, ich hätte vermutlich bis heute nichts von dem Teufelszeug gehört. Gottseidank führt die Tankstelle meines Vertrauens allerlei Exotisches, u.a. auch diese Ami-Brause.

Dr Pepper zeichnet sich gegenüber den herkömmlichen Colas durch einen leicht an Mandeln oder Marzipan erinnernden Geschmack aus. Klingt zwar erstmal einigermaßen widerlich, ist es aber nicht. In Wirklichkeit besitzt das Zuckerwasser (immerhin 12 Teelöffel Zucker auf einen halben Liter)* einen hohen Suchtfaktor, vorausgesetzt, man kann mit dem speziellen Geschmack etwas anfangen. Die Jungs&Mädels von cola-welt.de konnten sich jedenfalls nicht damit anfreunden. Ich schon.

Das letzte Produkt der heutigen Ausgabe von "Ich weiß nicht, was drin ist, und das ist vielleicht ganz gut so" sind

Kellogg's Pop-Tarts,

was sowohl "Knall-Törtchen" als auch "Schlager-Flittchen" bedeuten kann.

Die Dinger bestehen hauptsächlich aus Mehl, Zucker und Chemie. Daß Kellogg's tatsächlich "Good source of 7 vitamins and minerals" auf die Packung druckt (zumindest bei der von mir verkosteten Geschmacksrichtung "S'mores"), ist eine glatte Unverschämtheit.

Dem vermuteten gesundheitlichen Risiko beim Verzehr dieses Teufelskekses steht ein relativ überschaubarer Augen- und Gaumenschmaus gegenüber. Die Dinger sehen nicht nur fad aus, sie schmecken auch so. Der Konsument ist zwar angehalten, sie zur Entfaltung des wahren Genusses wahlweise in einen Toaster oder in eine Mikrowelle zu stopfen, aber ich habe bei beiden Zubereitungsmethoden so meine Zweifel.

Variante Toast: Laut Anweisung soll man ein Pop Tart auf niedrigster Stufe (die aufgeklebte deutsche Übersetzung empfiehlt fälschlich "mittlere Hitze"!) toasten, bis es rausploppt. Da die Pellets aber auf einer Seite einen Schokoladenüberzug haben, unter dem sich eine Marshmallowfüllung versteckt, vermute ich, daß dabei höchstens eine Riesen-Sauerei herauskommt, aber keine kulinarische Offenbarung. Ich habe es daher meinem Toaster zu Liebe auch gar nicht erst ausprobiert.

Variante Mikrowelle: Man möge das Tart für 3 Sekunden auf höchster Stufe erhitzen**.
Nun weiß ich ja nicht, ob US-Mikrowellen vielleicht mit Uranbrennstäben betrieben werden, aber nach 3 Sekunden in meiner heimischen MW passiert schlichtweg gar nix, auch nicht auf höchster Stufe. Die Frage ist also, was das bringen soll. Ich hab den Zeitraum dann mal ganz verwegen auf schockierende 10 Sekunden ausgedehnt. Ergebnis: Die Teigfliesen werden an den Ecken so ein klitzekleines bißchen warm, schmecken aber immer noch wie eingeschlafene Füße.

Fazit des heutigen Tests: Es wird einem nicht von ist nicht alles schlecht, was aus den USA zu uns herüberschwappt.

*) Als Entschuldigung: Mein örtlicher Dr Pepper-Dealer führt die Light-Variante des Gesöffs leider nicht.
**) Gibt es eigentlich ein Verb (für unsere Waldorfschüler: ein "Tu-Wort") für die Zubereitung in der Mikrowelle? "Waven" vielleicht?

Alte Beiträge - Reviewed

zu Bayern wählt: Da nach der Wahl ja bekanntlich immer auch vor der Wahl ist und unsere dundesbeutschen Politik-Asse jahraus-jahrein wenig mehr machen als Wahlkampf, hat die liebe Bayernpartei diesmal als primus inter regio angefangen, das größte Dorf mit ihren Papp-Aufstellern zu dekorieren. Wunderhübsch.
Der Einfachheit halber haben sie diesmal auf Pro-Lungenkrebs-Parolen und knuddelige Wortspielchen verzichtet und schlicht ihren Wappenlöwen großformatig ans städtische Straßengeleucht gepflastert. Man mag es halt eher schlicht, bei der Bayernpartei.

zu Akte X - file closed: Bisher habe ich in den letzten Wochen 3 posthume Titelseiten zum verblichenen Herrn Beck gezählt. Umso erstaunlicher, daß es trotz des ganzen prä- und posthumen Boheis noch keiner geschafft hat, den Mann mal bei wikipedia zu verewigen. Denn da findet man schließlich sogar Maren Gilzer, Andreas Elsholz und HAL 9000.

zu Dringende Nicht-Kaufempfehlung: Ich hab heute an eben jener Tankstelle einen HotDog probiert. Warnung: Macht das bloß nicht nach!
Neee, im Ernst: Er war nicht ganz so geschmacklos wie die wabbelige Fleischgurke vom letzten Mal. Das war aber nur der fingerdick aufgetragenen Chilisoße und den Röstzwiebeln zu verdanken.
An dieser Tankstelle etwas Warmes zu essen zu bestellen hat wahrlich einen Hauch von "Jackass"...

Donnerstag, 9. April 2009

Und noch was...

...meinen Glückwunsch, Pro7!

Über die Osterfeiertage "Stirb langsam" 1 & 2 zu zeigen - das nenn' ich Understatement! Und das, wo sogar "Schwestersender" Sat1 morgen auf den "Fun-Freitag" verzichtet! Großartig! Da arbeiten ja wahre Teufelskerle in eurer Spielfilmredaktion!

Mal eine Frage: "Hängt ihn höher" und "Man lebt nur zweimal" waren wohl nicht zu haben?

Für den Ostermontag hätte ich allerdings "Dead Man Walking" vorgezogen...

Blogpause

...bis nach Ostern.

Fröhliches Eierverstecken allerseits!

Eilmeldung: Wiener Opernball 2009 fällt aus...



















...alles nur wegen der Abfrackprämie.

Mittwoch, 8. April 2009

Bye bye, 007

Der Film-Bond hat nun schon einige Metamorphosen durchgemacht. Und trotz dem nach Sean Connery mittlerweile 5 weitere Darsteller sich in der Rolle versuchen durften, bleibt ersterer als Ur-Bond wohl der einzig echte Bond. Vermutlich, weil er für uns, die wir mit „Goldfinger“ und Co. aufgewachsen sind, am perfektesten die Groschenroman-Agentenromatik verkörpert, der die Bond-Filme ihren Kultstatus verdanken. Bösewichte verprügeln, ohne das Martiniglas abzustellen, an exotischen Stränden an Horden aufregender Frauen herumbasteln oder sich im mit Gimmicks vollgestopften Sportwagen wilde Verfolgungsjagden liefern, ohne daß auch nur einmal die Frisur verrutscht – zeigt mir den Halbwüchsigen, der sich nicht gewünscht hätte, auch mal ein Doppel-0-Agent zu werden. Und Connery war in dieser Rolle einer der ersten Actionhelden, die auch in brenzligen Situationen mit einem coolen Spruch aufwarten konnten und sich selbst nie zu ernst nahmen. Und das, lange bevor Bruce Willis in „Last Boy Scout” sagen durfte: „This is the nineties. You don't just go around punching people. You have to say something cool first.”

Darstellermäßig ging es nach Connery eigentlich stetig abwärts. Roger Moore war anfangs auch noch okay, wurde dann aber immer klamaukiger und für die zur Schau gestellte Action einfach sichtlich zu alt. George „Wer?“ Lazenby war zu steif, Timothy Dalton zu humorlos. Erst Pierce Brosnan gelang es, den Charme des Ur-Bonds wieder aufzugreifen und ins neue Jahrtausend herüberzuretten. Aber da hatte die Serie bereits 2 andere Probleme.
Nr 1: Unserem Lieblingsagenten gingen nach dem Ende des Kalten Krieges langsam die Feindbilder aus.
Nr 2: Der technische Fortschritt hatte die berühmten Bond-Gadgets überholt, es wurde immer schwerer, die Zuschauer angemessen zu beeindrucken. Wie auch, Mini-Harpunen und Knopflochkameras findet man heute in jedem Yps-Heftchen.
Außerdem – nicht notwendigerweise ein Problem, aber ein Strukturwandel – traten die Bond-Girls immer mehr als ebenbürtige Mitstreiterinnen in Erscheinung und waren nicht mehr nur Augenfutter.

Was macht man also, wenn man ein Konzept oder eine Figur soweit ausgereizt hat, daß hinsichtlich einer sinnvollen Weiterentwicklung nach oben kaum noch Spielraum ist (vgl. Star Trek Syndrom)?

Man geht auf die Suche back to the roots und versucht, das Objekt der Begierde wieder auf eine Art Basisversion zurecht zu stutzen. Bei Star Trek Enterprise/ENT ging das in die Hose, bei Batman Begins hat es funktioniert. Und bei James Bond?

Ich muß zugeben, dass ich am Anfang etwas skeptisch war. Der unterkühlt-schmallippige Daniel Craig mit seinen eisblauen Augen gefiel mir irgendwie so gar nicht. Als dann „Casino Royale“ herauskam, war ich von seiner Leistung und von dem neuen, kompromisslosen Bond, den er uns präsentierte, dann doch recht beeindruckt.

Genau so rasant, actionreich und brutal wie der Einstiegsfilm präsentiert sich auch die Fortsetzung „Quantum of Solace“, die ich mir gestern mal zu Gemüte geführt habe. (Eine Inhaltsangabe spar ich mir an dieser Stelle. Das hier ist schließlich nicht michipedia.de.) Und obwohl dieser schnörkellose Bond nie langweilig ist, hat die Figur jedoch die Leichtigkeit verloren, die Sean Connery ihr einst eingehaucht hatte. Bei letzterem war Geheimagent noch ein Traumberuf, bei Daniel Craig ist es ein schmutziges, blutiges Geschäft. Connerys Bond war ein Playboy mit tödlichen Talenten, Craigs Interpretation ist ein verbissener Killer, der sich vor lauter Pflichterfüllung kaum mal ein Vergnügen gönnt. Da bleibt der Spaß am Job zwangsläufig auf der Strecke.

Auf Aufsehen erregende Gadgets wurde zudem in „Quantum...“ völlig verzichtet. Dafür jagt Bond mit vollen Körpereinsatz von einer Szenerie zur nächsten und macht uns über 100 Minuten lang den „harten Hund“. Das ist zwar immer noch recht unterhaltsam, aber die Romantik und der weltmännische Charme des Ur-Bonds sind unwiderruflich futsch.


Außerdem krankt die Story um die Anfänge der Bond-Figur an einem wesentlichen Logik-Loch: Obwohl die Handlung eigentlich als Prequel vor den Geschehnissen aller bisherigen Filme spielt, wurde sie doch in die heutige Gegenwart verlagert. Nun lassen sich zwar die alten Bond-Streifen auch nur recht vage geschichtlich einordnen, und man sollte bei solchen Betrachtungen vielleicht auch Logik Logik sein lassen. Sonst müsste man sich am Ende noch fragen, wieso Bond eigentlich seit Jahrzehnten im Dienste Ihrer Majestät ist, ohne zu altern.

Aber ein Prequel ist ein Prequel, da beißt die Maus keinen Faden ab. Allerdings befinden sich die Bond-Produzenten mit diesem Problem in guter Gesellschaft. Auch George Lucas hat bei seinen Star Wars-Prequels den Spagat nicht hinbekommen, die Ausstattung der Episoden 1-3 verglichen mit den "Original"filmen angemessen "alt" aussehen zu lassen.

Fazit: Der Bond des 21. Jahrhunderts ist ein Actionheld wie jeder andere, ähnlich einem Jason Bourne oder einem John McClane. Der Film hinterließ einen geschüttelten, aber nicht gerührten Michel.

Dienstag, 7. April 2009

"Potzenpillen"

Ich wüßte wirklich zu gerne, was für Deppen tatsächlich einem Link folgen, der sich hinter einer Betreffzeile namens "Potzenpillen - kein Zoll" verbirgt.

Manchmal ist es beinah schade, daß der Spam-Filter meines Mailproviders diese und andere abenteuerlich betitelten und formulierten Mails heraussiebt. Manchmal finden sich dort wahre Kleinodien der deutschen Rechtschreibung, bei denen man sich wirklich fragt, wer darauf tatsächlich hereinfallen soll.

Man könnte beinah Mitleid mit den Hinterhofspammern haben, die in irgendeinem Drittweltland in einem Internet-Sweatshop herumhocken und hoffnungsvoll vorgefertigte Mails durch die Welt jagen, deren Inhalt nur das Ergebnis einer Mixtur aus Legasthenie, Übersetzungssoftware und LSD-Trip sein kann. Der Versender ahnt ja vermutlich meist gar nicht, wie fadenscheinig sein Erzeugnis ist. Zu glauben, daß auf das grob zusammengezimmerte Gestammel tatsächlich jemand antwortet, ist wirklich rührend naiv. Wenn, ja wenn es eben nicht auch a) kriminell und b) für den häufigen Empfänger solcher Emails unglaublich nervtötend wäre.

Bei "Potzenpillen" zum Beispiel weiß ich nicht genau, ob hier der Versender unabsichtlich orthografisch daneben gehauen hat oder doch nur den Spamfilter austricksen wollte. Ein Blick in den Mailtext läßt eher ersteres vermuten. Allerdings befindet sich der Spammer in guter Gesellschaft, denn die "Potzenpillen" haben es sogar geschafft, sich in diesen SpiegelOnline-Beitrag einzuschmuggeln.

Wo wir gerade bei netten Schreibfehlern sind: Bei diesem ebay-Händler kann man ein Produkt erwerben, auf das Deutschland schon lange gewartet hat.

Sonntag, 5. April 2009

Neue deutsche Alltagslogik

BILD titelte gestern: "Obama küßt Deutschland".
"Deutschland" war in diesem Fall Angela Merkel.
Dieselbe Frau Merkel hat als eine von vielen Prominenten aber auch schon behauptet "Du bist Deutschland".

Daraus folgt: "Du bist Angela Merkel".

Ist das nicht gruselig?

Freitag, 3. April 2009

Deutsches Lied gut

Wieso singt eigentlich bei gegebenem Anlaß jeder spontan "Happy birthday to you", sogar 80jährige Omis (wie gerade bei TV total bei Pro7), auch wenn sie a) gar kein Englisch sprechen und b) stattdessen sicher bisher stets "Zum Geburtstag viel Glück" geträllert haben?

Klingt "häbbi börsdee du juh" wirklich so viel besser als die zu Unrecht angestaubt wirkende deutsche Variante?

Mittwoch, 1. April 2009

Totally weijrd

Werbung hat ja - je nach Sichtweise - die (un)angenehme Eigenschaft, keinen Sinn machen zu müssen. Primär geht es erstmal darum, Aufsehen zu erregen und Interesse zu wecken. Wenn dann beim Konsumenten auch noch hängen bleibt, welches Objekt da beworben wird, ist das schon die halbe Miete.

Bei Wilkinson kann man sich derzeit anschauen, wie sowas geht. Der neue TV-Spot ist schlicht, aber genial.

Wie es nicht geht, zeigt z.B die neue Plakatcampagne von Tally Weijl. Unten stehendes Motiv prangte mir in einem Buswartehäuschen entgegen. Ich war perplex, aus verschiedenen Gründen.

1: Die Klamotte.
Auch wenn es bei Mode immer heißt "das kommt wieder": Das stimmt nicht. Wenn bestimmte Stile wieder aus der Versenkung gekramt werden, dann werden sie normalerweise für das Revival gründlich überarbeitet und dem Zeitgeist angepaßt. Bei der Neuauflage läßt sich in der Regel genau der Unterschied zwischen Original-Entwurf und Remodeling erkennen.

Nicht so in diesem Fall. Ich habe lange gesucht, leider nichts gefunden, aber ich könnte schwören, daß ich als Teenager ein Bravo-Poster an der Wand hängen hatte, auf dem Samantha Fox genau denselben Stonewash-Stretch-Fetzen trägt.

Diesen Fummel hätte ich daher eher auf dem Ein-Euro-Grabbeltisch bei kik erwartet, aber nicht von einem Schweizer Designerlabel.

2: Das Motiv
Was wollte uns der Künstler damit sagen? Ein aufgebrezeltes Model mit 80er Jahre Sex-Appeal, in der rechten Hand ein Megaphon, in der linken ein rosa Karnickel in einem Strohhut, im Hintergrund kaum wahrnehmbar die Fototapete mit Strandmotiv. Ein Bild, ebenso nichts sagend wie sinnentleert.

3: Der Slogan
"Ich kämpfe gegen das Aussterben des Six-Packs."
Was für ein nobles Ziel. Der Spritti, der sich im Wartehäuschen, direkt vor dem Plakat, gerade sechs Karlskrone in den Hals gekippt hatte, wollte uns mit seiner Geste sicher dasselbe sagen.

Das ist natürlich völliger Blödsinn. Selbstverständlich sind hier keine Bierdosen, sondern Waschbrettbäuche gemeint. Oder etwa nicht?
Man fragt sich aber, wie die Dame das anstellen will, und warum. Wie eine militante Verfechterin des Body Buildings sieht sie jedenfalls nicht aus. Der Slogan an sich paßt sowieso besser für eine Fitnessstudiokette wie McFit, wohingegen sich "I battle against the extinction of lipstick" der abgebildeten Blondine viel besser in den Mund legen läßt.

Dieses Plakat macht hinten und vorne keinen Sinn. Denn man darf ja vor lauter hintergründiger Baywatch-Romantik nicht vergessen: Hier wird die neue Kollektion eines Modelabels beworben.

Aber was weiß ich schon. Sicher gibt es eine total einleuchtende Erklärung für diese schwachsinnige Plakat-Komposition.
Bis jemand die aber herausgefunden hat, überlegen wir uns eine formschöne Zweitverwertung für das Hochglanz-Altpapier, z.B. so: